Sprint Backlog im Sprint Planning erstellen – Ein gutes Sprint Planning entscheidet darüber, ob ein Team in den kommenden zwei bis vier Wochen wirklich wirksam liefern kann – oder ob es von Anfang an hinterherläuft. Im Zentrum steht dabei das Sprint Backlog: die konkrete, realistische und verständliche Arbeitsgrundlage für den Sprint. Viele Teams arbeiten jedoch mit unscharfen User Stories, überladenen Backlogs oder reinem „Wunschdenken“. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie ein Sprint Backlog im Sprint Planning so erstellen, dass es planbar, transparent und umsetzbar wird – auch für komplexe IT- und Transformationsprojekte.

Was ist ein Sprint Backlog?
Ein Sprint Backlog ist die vom Scrum Team ausgewählte Menge an Arbeit für einen Sprint, inklusive der dazugehörigen Aufgaben, um ein definiertes Sprint-Ziel zu erreichen.
Kurz gefasst:
- Es ist die konkrete Arbeitsliste für den nächsten Sprint
- Es besteht aus ausgewählten Product-Backlog-Einträgen (z. B. User Stories)
- Es enthält Tasks/Aufgaben, die zur Umsetzung dieser Einträge nötig sind
- Es ist im Besitz des Teams und wird während des Sprints bei Bedarf weiter verfeinert
Wichtig: Das Product Backlog beschreibt was langfristig gebaut werden soll, das Sprint Backlog beschreibt was genau in den nächsten Tagen umgesetzt wird und wie das Team vorgehen möchte.
Rolle des Sprint Backlogs im Scrum-Prozess
Um das Sprint Backlog richtig zu nutzen, hilft der Blick auf seinen Platz im Gesamtprozess:
- Verbindung zwischen Vision und Umsetzung
Vom Product Goal über das Product Backlog wird im Sprint Backlog konkret, welche Schritte das Team im nächsten Sprint unternimmt. - Transparenz für alle Beteiligten
Stakeholder sehen: Welche Features werden wahrscheinlich am Ende des Sprints verfügbar sein? Das Team sieht: Welche Tasks stehen an, wer arbeitet woran? - Grundlage für tägliche Steuerung (Daily Scrum)
Das Daily Scrum dreht sich faktisch um das Sprint Backlog: Was ist erledigt, was blockiert, was wird als Nächstes angegangen? - Messbarkeit von Fortschritt
Burn-down-/Burn-up-Charts, Flow-Metriken und einfache Task-Boards basieren auf den Einträgen im Sprint Backlog.
Kurz: Ein präzise erstelltes Sprint Backlog ist das zentrale Steuerungsinstrument für einen Sprint – fachlich wie organisatorisch.
Voraussetzungen für ein wirksames Sprint Planning
Damit das Sprint Backlog im Sprint Planning überhaupt sauber erstellt werden kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:
1. Geordnetes und priorisiertes Product Backlog
Der Product Owner sorgt dafür, dass:
- die wichtigsten Product-Backlog-Einträge oben stehen
- die Einträge ausreichend beschrieben und verstanden sind
- geschäftlicher Nutzen und Abhängigkeiten klar sind
Ohne priorisierte Grundlage wird das Sprint Planning schnell zur Diskussion ohne Ergebnis.
2. Klare Ziele und Rahmenbedingungen
Vor dem Planning sollten klar sein:
- Product Goal: Was ist das übergeordnete Ziel der kommenden Sprints?
- Definition of Done: Wann gilt ein Eintrag als „fertig“?
- Kapazität des Teams: Wer ist im Sprint verfügbar (Urlaub, Schulungen, andere Verpflichtungen)?
Nur wenn diese Rahmenbedingungen transparent sind, lässt sich ein realistisches Sprint Backlog erstellen.
3. Gemeinsames Verständnis im Scrum Team
Entscheidend ist, dass:
- alle Teammitglieder die priorisierten Backlog-Einträge grob kennen
- Domain- und Technikfragen im Vorfeld zumindest adressiert wurden (Refinement)
- das Team befähigt ist, Aufwand zu schätzen und Arbeit zu zerlegen
Je besser das Vorbereitungsniveau, desto effizienter und qualitativ hochwertiger wird das Sprint Planning.
Schritt-für-Schritt: Sprint Backlog im Sprint Planning erstellen
Im Folgenden ein praxiserprobter Ablauf, wie ein Scrum Team im Sprint Planning das Sprint Backlog systematisch erstellt.
1. Sprint-Ziel (Sprint Goal) definieren
Der erste Schritt: Ein klares, gemeinsames Sprint-Ziel vereinbaren.
Ein Sprint-Ziel ist eine kurze Aussage, die beantwortet:
- Welchen geschäftlichen oder fachlichen Nutzen wollen wir im Sprint realisieren?
- Woran erkennen wir am Ende des Sprints, ob wir erfolgreich waren?
Beispiele:
- „Kunden können ihre Rechnungen im Self-Service-Portal herunterladen.“
- „Wechsel von bisheriger Authentifizierung auf Single Sign-on für interne Nutzer.“
Das Sprint-Ziel ist der inhaltliche Filter: Nur Arbeit, die sinnvoll auf dieses Ziel einzahlt, gehört ins Sprint Backlog.
2. Geeignete Product-Backlog-Einträge auswählen
Im zweiten Schritt wählt das Team aus dem Product Backlog diejenigen Einträge aus, die zum Sprint-Ziel passen und in der verfügbaren Kapazität realistisch umsetzbar sind.
Vorgehen:
- Candidate-Liste bilden:
Der Product Owner schlägt priorisierte Einträge (z. B. User Stories) vor, die das Sprint-Ziel unterstützen. - Kurzcheck je Eintrag:
- Ist der geschäftliche Nutzen klar?
- Verstehen alle grob, was gemeint ist?
- Sind Abhängigkeiten bekannt?
- Realistische Menge festlegen:
Basierend auf:- Erfahrung / Velocity aus vergangenen Sprints
- geplanter Kapazität (Personentage, FTEs)
- Komplexität und Risiko
Wichtig: Das Team entscheidet letztlich, wie viel es in den Sprint nimmt – nicht der Product Owner oder das Management.
3. User Stories verfeinern und Akzeptanzkriterien klären
Bevor Einträge ins Sprint Backlog übernommen werden, sollten sie soweit geklärt sein, dass das Team sie eigenständig umsetzen kann.
Dazu gehören:
- Konsistente User-Story-Struktur, z. B.:
„Als [Rolle] möchte ich [Funktion], um [Nutzen].“ - Klare Akzeptanzkriterien, z. B.:
- Nutzer kann maximal 10 Rechnungen gleichzeitig herunterladen
- Nur Rechnungen der letzten 24 Monate sind sichtbar
- Fehlermeldungen werden protokolliert
- Relevante fachliche und technische Randbedingungen, z. B.:
Sicherheitsanforderungen, Performance, Integrationen, regulatorische Vorgaben
Ziel: Das Team soll am Ende des Sprint Plannings keine Grundsatzfragen mehr haben, was zu liefern ist, sondern nur noch wie.
4. Aufgaben (Tasks) zerlegen
Nun werden die ausgewählten Product-Backlog-Einträge in konkrete Aufgaben zerlegt. Dieser Schritt unterscheidet ein grobes „Sprint Commitment“ von einem tatsächlich nutzbaren Sprint Backlog.
Typische Task-Kategorien:
- Fachliche Analyse / Detailklärung
- UI/UX-Design
- Implementierung (Frontend, Backend, Schnittstellen)
- Test (Unit-Tests, Integrationstests, fachliche Tests)
- Dokumentation, Übergabe, Schulung
- Technische Infrastruktur-/Konfigurationsaufgaben
Leitfragen zur Zerlegung:
- Mit welchen Schritten kommen wir von der aktuellen Situation zum „Done“-Zustand?
- Welche Tasks können sinnvoll von einer Person in 0,5–1,5 Tagen umgesetzt werden?
- Welche Abhängigkeiten gibt es zwischen Tasks?
Gute Praxis: Tasks möglichst klein schneiden, aber nicht künstlich fragmentieren. Ziel ist Transparenz im Daily und ein flüssiger Flow, keine Mikromanagement-Liste.
5. Aufwand schätzen und Kapazität abgleichen
Um ein Sprint Backlog zu erstellen, das tatsächlich umsetzbar ist, braucht es einen Abgleich zwischen:
- geschätztem Aufwand (Story Points, Personen-Tage, Ideal Hours, o. Ä.)
- tatsächlicher Kapazität des Teams im Sprint
Praktische Vorgehensweise:
- Auf Story-Ebene:
- Aufwandsschätzung (meist in Story Points) liegt idealerweise bereits aus dem Refinement vor.
- Gibt es neue Erkenntnisse, kann im Planning nachgeschätzt werden.
- Auf Task-Ebene:
- Grobe Zeitabschätzung je Task (z. B. „0,5 Tag“, „1 Tag“)
- Vergleich mit der Verfügbarkeit je Teammitglied
- Kapazitätscheck:
- Summe der geschätzten Aufwände vs. verfügbare Personentage
- Puffer einkalkulieren für Unvorhergesehenes und Querschnittsaufgaben
Wenn klar ist, dass der Umfang zu groß ist, sollte das Team:
- Einträge reduzieren oder
- Backlog-Einträge weiter schneiden (z. B. über MVP-Anschnitt)
Lieber ein kleineres Sprint Backlog verlässlich liefern als ein überladenes mit vielen „fast fertigen“ Aufgaben.
6. Sprint Backlog visualisieren und finalisieren
Im letzten Schritt wird das Sprint Backlog so dokumentiert, dass es für alle Beteiligten verständlich und im Arbeitsalltag nutzbar ist.
Typische Visualisierungen:
- Kanban-Board / Task-Board mit Spalten wie:
- To Do
- In Progress
- Review / Test
- Done
- Digitale Tools wie:
- Jira, Azure DevOps, Trello, YouTrack, etc.
- Klar verlinkte Tasks unter den jeweiligen User Stories
Checkliste zur Finalisierung:
- Ist für jede Story klar, welche Tasks notwendig sind?
- Sind Verantwortlichkeiten grob verteilt (Pull-Prinzip statt starre Zuweisung)?
- Ist das Sprint-Ziel durch die ausgewählten Einträge tatsächlich erreichbar?
- Sind technische Schulden und nicht-funktionale Requirements sichtbar berücksichtigt?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, ist das Sprint Backlog im Sprint Planning wirklich fertiggestellt.
Best Practices für ein wirksames Sprint Backlog
Um die Qualität dauerhaft hochzuhalten, haben sich folgende Grundsätze bewährt:
- Sprint-Ziel zuerst, Umfang danach
Nicht eine fixe Menge an Arbeit „vollkriegen“, sondern gezielt Nutzen liefern. - Keine halbfertigen Einträge planen
Wiederkehrendes Scheitern an übergroßen Stories ist ein Warnsignal. Besser kleinere, klar umrissene Einheiten. - Transparenz vor Perfektion
Lieber sichtbare, grob geschätzte Tasks als vermeintlich „perfekte“ Arbeitspakete, die niemand versteht. - Technische Aufgaben bewusst einplanen
Refactoring, Wartung und Infrastruktur sind legitime Teile des Sprint Backlogs – solange sie begründet sind. - Sprint Backlog während des Sprints lebendig halten
Neue Erkenntnisse, Splits von Tasks oder Anpassungen des Weges sind erlaubt – das Ziel bleibt stabil, der Weg darf justiert werden.
Häufige Fehler beim Erstellen des Sprint Backlogs
Viele Scrum Teams kämpfen mit denselben Mustern. Typische Fehler und wie man sie vermeidet:
- Sprint Backlog als „Wunschliste des Managements“
- Problem: Umfang wird von außen diktiert, Team ist überlastet, Qualität leidet.
- Lösung: Team entscheidet über die Menge. Stakeholder werden in der Priorisierung eingebunden, nicht in der Auslastungsplanung.
- Unscharfe Stories ohne klare Akzeptanzkriterien
- Problem: Diskussionen im Sprint, Nachbesserungen, unklare „Done“-Definition.
- Lösung: Vor dem Planning verfeinern, im Planning offene Punkte konkret klären.
- Keine Zerlegung in Tasks
- Problem: Daily Scrums werden abstrakt („Ich arbeite an Story X“), Blockaden werden spät sichtbar.
- Lösung: Aufgaben so schneiden, dass täglich realer Fortschritt sichtbar wird.
- Sprint Backlog wird nach dem Planning nicht gepflegt
- Problem: Planungsartefakt vs. Realität klaffen auseinander, Vertrauen in das Artefakt sinkt.
- Lösung: Sprint Backlog als aktives Arbeitsinstrument behandeln und im Daily Scrum konsequent aktualisieren.
- Zu hohe Auslastung, kein Puffer
- Problem: Jede Störung bringt den Plan zum Einsturz. Team wirkt „unzuverlässig“.
- Lösung: Realistische Load (z. B. 70–80 % der rechnerischen Kapazität), bewusster Umgang mit ungeplanten Aufgaben.
Beispiel: Sprint Backlog für ein IT-Projekt
Ein vereinfachtes Beispiel für einen zweiwöchigen Sprint in einem Entwicklungsteam (5 Personen):
Sprint-Ziel:
„Kunden können ihre Rechnungen im Self-Service-Portal sicher anzeigen und als PDF herunterladen.“
Ausgewählte Product-Backlog-Einträge:
- Story 1: „Rechnungsübersicht anzeigen“
- Als angemeldeter Kunde möchte ich eine Liste meiner Rechnungen sehen, um offene Forderungen zu prüfen.
- Story 2: „Rechnung als PDF herunterladen“
- Als Kunde möchte ich eine Rechnung als PDF herunterladen, um sie lokal zu speichern oder zu drucken.
- Story 3: „Zugriffsschutz für Rechnungen“
- Als System möchte ich sicherstellen, dass nur berechtigte Nutzer auf Rechnungen zugreifen können.
Beispielhafte Tasks zu Story 2:
- API-Endpunkt zum Abrufen einer Rechnung erweitern
- PDF-Rendering-Service konfigurieren
- Frontend-Button „Als PDF herunterladen“ implementieren
- Logging und Monitoring für Download-Fehler einrichten
- Unit-Tests für Download-Logik schreiben
- Fachliche Tests mit Beispielrechnungen durchführen
- Kurze Anwenderdokumentation im Help Center aktualisieren
Diese Liste wird im Tool des Teams (z. B. Jira-Board) visualisiert und bildet das konkrete Sprint Backlog.
Tools und Templates für das Sprint Backlog
Die Qualität des Sprint Backlogs hängt nicht primär vom Tool, sondern vom Vorgehen ab. Gute Werkzeuge unterstützen jedoch Transparenz und Zusammenarbeit.
Bewährte Optionen:
- Issue-Tracker und Boards
- Jira, Azure DevOps, GitLab, GitHub Issues, YouTrack
- Vorteile: Verknüpfung mit Code, Tests, CI/CD-Pipelines
- Kollaborations-Boards
- Trello, Miro, Mural, Planner
- Vorteile: Visuelle Einfachheit, ideal zum Einstieg oder für Business-Teams
- Einfaches Tabellenschema (z. B. Excel, Google Sheets)
Spalten wie:- ID / Referenz
- Story / Backlog-Eintrag
- Task-Beschreibung
- Verantwortlicher (optional)
- Status
- Schätzung
Unabhängig vom Tool sollten die folgenden Informationen leicht erkennbar sein:
- Was gehört zum Sprint Backlog (Scope)?
- Wie ist der Status der einzelnen Tasks?
- Wie weit ist das Team insgesamt beim Erreichen des Sprint-Ziels?
Wie Führungskräfte den Umgang mit dem Sprint Backlog verbessern können
Gerade für Entscheider, Projektmanager und Führungskräfte ist es wichtig, den richtigen Umgang mit dem Sprint Backlog zu finden:
1. Fokus auf Ergebnisse, nicht auf Auslastung
- Fragen Sie: „Unterstützt dieses Sprint-Ziel unsere strategischen Ziele?“
- Vermeiden Sie: „Können wir nicht noch zwei Stories mehr reinnehmen?“
2. Das Sprint Backlog als Informationsquelle nutzen
Sinnvolle Management-Fragen im Review oder in regelmäßigen Abstimmungen:
- Welche Erfahrungswerte haben wir aus den letzten Sprints (Plan vs. Ist)?
- Wo sehen wir wiederkehrende Blockaden (Abhängigkeiten, Freigaben, externe Schnittstellen)?
- Wie wirkt sich Kontextwechsel oder Parallelprojektarbeit auf die Lieferfähigkeit aus?
3. Rahmenbedingungen verbessern statt „managen“
Führung kann viel beitragen, indem sie:
- Entscheidungswege verkürzt
- Fachliche Ansprechpartner verfügbar macht
- Teams vor unkoordinierten Ad-hoc-Anforderungen schützt
- Investitionen in technische Exzellenz (Refactoring, Automatisierung, Tests) unterstützt
Ein Sprint Backlog ist kein Reporting-Instrument gegen das Team, sondern ein Werkzeug für das Team. Wenn Führungskräfte es so behandeln, steigt die Wirksamkeit deutlich.
Fazit Sprint Backlog im Sprint Planning erstellen und nächster Schritt
Ein gutes Sprint Backlog entsteht nicht zufällig, sondern durch einen klar strukturierten Prozess im Sprint Planning:
- Ein präzises Sprint-Ziel definiert den Nutzen und Fokus.
- Ausgewählte, gut verstandene Product-Backlog-Einträge bilden den fachlichen Rahmen.
- Sinnvolle Zerlegung in Tasks, realistische Aufwände und ein Kapazitätsabgleich machen den Plan umsetzbar.
- Transparente Visualisierung und konsequente Pflege im Daily Scrum halten das Sprint Backlog lebendig.
So wird das Sprint Backlog vom bloßen Artefakt zu einem wirksamen Steuerungsinstrument für Ihr Team – und damit zu einem Hebel für verlässliche, qualitativ hochwertige Lieferung.
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