Inhalte eines Sprint Backlogs

Inhalte eines Sprint Backlogs – Ein gut gefülltes Sprint Backlog entscheidet oft darüber, ob ein Sprint stabil, transparent und lieferfähig ist – oder ob Teams im Chaos landen. Dennoch bleibt in vielen Unternehmen unklar, was genau in ein Sprint Backlog hineingehört, wie detailliert es sein sollte und wer wofür verantwortlich ist. Dieser Artikel zeigt praxisnah, welche Inhalte ein professionelles Sprint Backlog umfasst, wie Sie es sauber aufbauen und welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten. So schaffen Sie die Grundlage für planbare Sprints, verlässliche Zusagen gegenüber Stakeholdern und nachhaltige Verbesserung im agilen Arbeiten.

Inhalte eines Sprint Backlogs
Inhalte eines Sprint Backlogs

Was ist ein Sprint Backlog?

Das Sprint Backlog ist die verbindliche Arbeitsgrundlage eines Scrum-Teams für einen konkreten Sprint. Es enthält:

Kurz: Das Sprint Backlog beantwortet die Fragen „Was liefern wir in diesem Sprint?“ und „Wie setzen wir das um?“.

Wichtig: Das Sprint Backlog gehört ausschließlich dem Scrum-Team (insbesondere dem Entwicklungsteam). Es ist kein starres Dokument, sondern wird im Sprint laufend aktualisiert und präzisiert.


Ziele und Nutzen eines klar definierten Sprint Backlogs

Ein sauber aufgesetztes Sprint Backlog liefert mehrere Vorteile:

Damit dieser Nutzen entsteht, kommt es entscheidend auf die richtigen Inhalte des Sprint Backlogs an.


Zentrale Inhalte eines Sprint Backlogs im Überblick

Was gehört in ein Sprint Backlog? Typische Inhalte sind:

  1. Sprint-Ziel (Sprint Goal)
  2. Ausgewählte Product Backlog Items (z. B. User Stories, Bugs, Spikes)
  3. Aufgaben (Tasks) pro Item
  4. Akzeptanzkriterien und Definition of Done-Bezug
  5. Schätzungen (z. B. in Stunden oder Task-Punkten)
  6. Kapazität und Verfügbarkeiten im Team
  7. Abhängigkeiten und Risiken im Sprint
  8. Fortschrittsinformationen (Status, Burndown, Board-Spalten)

Im Detail:

1. Das Sprint-Ziel

Das Sprint-Ziel beschreibt in ein bis zwei Sätzen, welchen übergeordneten Nutzen der Sprint liefern soll. Es ist kein Feature-Katalog, sondern eine wirkungsorientierte Aussage, z. B.:

„Kunden können ihre Rechnungen selbstständig im Portal herunterladen.“

Gute Inhalte eines Sprint Backlogs verknüpfen jedes Item erkennbar mit dem Sprint-Ziel. Alles, was nicht dazu beiträgt, hat im Sprint Backlog nichts verloren.

2. Ausgewählte Product Backlog Items

Aus dem Product Backlog wählt das Scrum-Team im Sprint Planning jene Einträge aus, die es im kommenden Sprint liefern will. Typische Formen:

Jedes ausgewählte Item sollte im Sprint Backlog mindestens enthalten:

Damit ist klar, was geliefert werden soll – unabhängig davon, wie genau das Team die Umsetzung plant.

3. Aufgaben (Tasks) pro Item

Für die tägliche Arbeit werden die Product Backlog Items in kleinere, handhabbare Aufgaben heruntergebrochen, zum Beispiel:

Gute Praxis:

4. Akzeptanzkriterien und Definition of Done

Ein Sprint Backlog ohne klare Qualitätskriterien führt schnell zu Missverständnissen. Daher gehören mindestens zwei Ebenen in die Inhalte:

  1. Akzeptanzkriterien je Item
    • Konkrete Bedingungen, wann das Item als erfüllt gilt („wenn … dann …“).
    • Beispiel: „Rechnung kann als PDF heruntergeladen werden“, „Download ist auf mobilen Endgeräten möglich“.
  2. Definition of Done (DoD)
    • Teamweit gültige Checkliste, welche Qualitätsanforderungen jedes „Fertig“ erfüllen muss (z. B. Tests grün, Code Review, Dokumentation aktualisiert).

Im Sprint Backlog sollte erkennbar sein:

5. Schätzungen

Damit das Team eine realistische Zusage für den Sprint machen kann, braucht es Schätzungen:

Ziel ist nicht mathematische Exaktheit, sondern:

6. Kapazität und Verfügbarkeiten

Zur professionellen Sprintplanung gehören:

Diese Informationen müssen nicht alle im Tool sichtbar sein, aber ein Kapazitätsüberblick gehört zur Vorbereitung des Sprint Backlogs. Viele Teams halten dafür im Planning fest:

7. Abhängigkeiten und Risiken

In komplexen Umgebungen sind Abhängigkeiten unvermeidbar, z. B.:

Inhalte eines Sprint Backlogs sollten diese Abhängigkeiten mindestens markieren, etwa:

So behalten Projektmanager und Führungskräfte im Blick, wo es potenzielle Blocker gibt.

8. Fortschrittsinformationen

Damit das Sprint Backlog im Daily Scrum sinnvoll genutzt werden kann, braucht es klare Statusinformationen, z. B.:

Wichtig ist, dass:


Wie entsteht das Sprint Backlog? Schritt-für-Schritt-Ablauf

Der typische Weg zum Sprint Backlog im Scrum-Kontext:

  1. Sprint-Ziel definieren
    • Product Owner und Team formulieren gemeinsam ein klares, machbares Ziel.
  2. Product Backlog Items auswählen
    • Das Team wählt so viele Einträge, wie es im Sprint voraussichtlich schafft.
    • Grundlage sind Priorität, Schätzung und Kapazität.
  3. Items in Tasks herunterbrechen
    • Für jedes Item überlegt das Team, welche Arbeitsschritte notwendig sind.
    • Tasks werden geschätzt und sichtbar angelegt.
  4. Kapazität mit Summe der Tasks abgleichen
    • Passen Umfang und verfügbare Kapazität zusammen?
    • Falls nicht: Items wieder aus dem Sprint Backlog entfernen oder weiter aufteilen.
  5. Abhängigkeiten und Risiken markieren
    • Frühzeitig kennzeichnen, was andere Teams, Systeme oder Entscheidungen erfordert.
  6. Startzustand für den Sprint festhalten
    • Sprint beginnen, Daily Scrum nutzen, um das Sprint Backlog aktuell zu halten.

Wie detailliert müssen die Inhalte eines Sprint Backlogs sein?

Die zentrale Frage vieler Teams: „Wie fein müssen wir planen?“ Einige Leitlinien:

Merksatz:
So detailliert wie nötig, so grob wie möglich.

Für Entscheider und Projektmanager bedeutet das: Ein Sprint Backlog sollte klar erkennen lassen, was im Sprint getan wird – ohne in Mikromanagement zu verfallen.


Konkretes Beispiel: Inhalte eines Sprint Backlogs

Zur Veranschaulichung ein vereinfachtes Beispiel für einen zweiwöchigen Sprint:

Sprint-Ziel:
„Kunden können Rechnungen selbstständig im Kundenportal herunterladen.“

Ausgewählte Product Backlog Items (Auszug):

  1. PB-101 – Rechnungsübersicht im Portal anzeigen
    • Akzeptanzkriterien:
      • Kunden sehen eine Liste ihrer letzten 12 Rechnungen.
      • Filter nach Zeitraum ist möglich.
  2. PB-102 – Rechnung als PDF herunterladen
    • Akzeptanzkriterien:
      • Download-Button pro Rechnung vorhanden.
      • Datei öffnet sich im Standard-PDF-Viewer.
      • Download funktioniert auf Desktop und Mobile.
  3. PB-103 – Logging und Monitoring ergänzen
    • Akzeptanzkriterien:
      • Jeder Download wird mit User-ID und Timestamp geloggt.
      • Fehler im Download-Prozess werden im Monitoring angezeigt.

Typische Tasks zu PB-102 (Auszug):

Dieses Beispiel zeigt:


Typische Fehler beim Befüllen des Sprint Backlogs

Viele Probleme in Sprints lassen sich auf schwache Inhalte des Sprint Backlogs zurückführen. Häufige Fehler:

  1. Kein oder schwammiges Sprint-Ziel
    • Folge: Das Team arbeitet an „vielen Dingen ein bisschen“, liefert aber keinen spürbaren Nutzen.
  2. Zu viele ungeplante Aufgaben
    • „Wir fangen einfach an und sehen dann weiter“ führt zu Überlastung und ständigen Umplanungen.
  3. Items ohne klare Akzeptanzkriterien
    • Unterschiedliche Erwartungen zwischen Product Owner, Team und Stakeholdern; Diskussionen im Review vorprogrammiert.
  4. Task-Ebene wird komplett übersprungen
    • Das Team arbeitet nur mit User Stories, ohne sie in Arbeitsschritte herunterzubrechen.
    • Folge: Schlechte Transparenz im Daily, Fortschritt nur schwer messbar.
  5. Verwechslung von Product Backlog und Sprint Backlog
    • Im Sprint Backlog tauchen plötzlich neue Anforderungen auf, die nicht mit dem Product Backlog abgestimmt sind.
  6. Mikromanagement im Detail
    • Aufgaben werden so kleinteilig, dass das Team kaum noch Entscheidungsspielraum hat.
    • Demotivation und bürokratischer Overhead sind die Folge.
  7. Sprint Backlog wird im Sprint nicht gepflegt
    • Tasks bleiben „halbfertig“, Status wird nicht aktualisiert.
    • Daily Scrum verkommt zur reinen Statusrunde, statt gemeinsam den Plan zu justieren.

Best Practices für starke Inhalte im Sprint Backlog

Damit Ihr Sprint Backlog seinen Zweck optimal erfüllt, helfen folgende Empfehlungen:

Struktur & Klarheit

Qualität & Definition of Done

Transparenz & Zusammenarbeit

Lernorientierung


Verbindung zu Product Backlog und Increment

Zur Einordnung:

Die Inhalte eines Sprint Backlogs schlagen somit die Brücke:


Worauf Entscheider und Führungskräfte achten sollten

Auch wenn das Sprint Backlog dem Team gehört, haben Führungskräfte und Projektverantwortliche ein legitimes Interesse an Transparenz und Steuerungsfähigkeit. Hilfreiche Leitfragen:

Wenn Sie diese Punkte regelmäßig mit dem Product Owner und dem Scrum Master spiegeln, verbessern sich die Inhalte des Sprint Backlogs oft schon nach wenigen Iterationen deutlich.


Häufige Fragen zu den Inhalten eines Sprint Backlogs

Wer ist für das Sprint Backlog verantwortlich?
Das Sprint Backlog gehört dem gesamten Scrum-Team. Der Product Owner steuert die inhaltliche Richtung, das Entwicklungsteam entscheidet, wie viel Arbeit es im Sprint übernehmen kann und wie die Umsetzung aussieht.

Darf sich das Sprint Backlog im Sprint ändern?
Ja. Tasks können hinzugefügt, angepasst oder entfernt werden, solange das Sprint-Ziel stabil bleibt. Neue Anforderungen sollten in der Regel erst in einem späteren Sprint berücksichtigt werden.

Müssen alle Aufgaben zu Sprintbeginn definiert sein?
Nein, aber die wichtigsten Arbeitsschritte sollten erkennbar sein. Detaillierung kann im Sprint zunehmen, wenn neue Erkenntnisse entstehen.

Wie viele Items sollten im Sprint Backlog stehen?
So viele, wie das Team mit hoher Wahrscheinlichkeit schaffen kann. Maßgeblich sind historische Velocity, aktuelle Kapazität und Komplexität der Items – nicht Wunschdenken.

Braucht jedes Sprint Backlog unbedingt eine Task-Ebene?
In den meisten Teams ja. Ohne Aufgabenebene wird Fortschritt schwer nachvollziehbar und das Daily Scrum verliert an Wert. Reine Story-Ebene ist nur in sehr kleinen, eingespielten Teams manchmal praktikabel.


Fazit Inhalte eines Sprint Backlogs: Inhalte eines Sprint Backlogs professionell gestalten

Ein professionell geführtes Sprint Backlog ist mehr als eine Aufgabenliste: Es ist der operative Vertrag des Teams mit sich selbst und mit seinen Stakeholdern. Entscheidend sind:

Wenn Sie diese Elemente bewusst gestalten, erhöhen Sie die Vorhersagbarkeit Ihrer Sprints, stärken die Eigenverantwortung des Teams und schaffen Vertrauen bei Stakeholdern und Management.

Wenn Sie Ihre bestehenden Backlogs, Prozesse und Rollen kritisch überprüfen und auf ein professionelles Niveau heben möchten, kann eine externe, neutrale Sicht sehr hilfreich sein. Die Experten von PURE Consultant unterstützen Sie dabei, Ihre agilen Strukturen zu schärfen, Sprint Backlogs praxistauglich zu gestalten und so die Grundlage für nachhaltig erfolgreiche Sprints zu legen.

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