Das Daily läuft. Das Sprint Planning findet statt. Jira ist gepflegt. Trotzdem werden Sprint-Ziele verfehlt, Aufgaben wandern von Sprint zu Sprint und Stakeholder verlieren Vertrauen. Wenn dein Scrum Team nicht performt, liegt die Ursache selten an einem einzelnen Teammitglied. Häufig bremsen fehlender Fokus, zu viele Abhängigkeiten, schwaches Product Ownership oder falsche Kennzahlen das gesamte System. Genau deshalb bringt es wenig, einfach „schneller“ arbeiten zu wollen. Wer die Leistung eines Scrum Teams verbessern will, muss zuerst verstehen, wo Wertfluss, Zusammenarbeit und Entscheidungsfähigkeit tatsächlich blockiert werden.
Was bedeutet Performance bei einem Scrum Team überhaupt?
Ein leistungsfähiges Scrum Team erledigt nicht einfach möglichst viele Tickets.
Es erzeugt regelmäßig nutzbare Ergebnisse mit relevantem Wert und kann sich anhand neuer Erkenntnisse schnell anpassen.
Der Scrum Guide beschreibt ein Scrum Team als kleine, cross-funktionale und selbstmanagende Einheit, die auf ein gemeinsames Product Goal fokussiert ist. Das Team trägt gemeinsam Verantwortung dafür, in jedem Sprint ein wertvolles und nutzbares Increment zu erzeugen.
Teamperformance sollte deshalb mindestens vier Dimensionen umfassen:
- Wert: Erzeugt die Arbeit einen messbaren Nutzen?
- Flow: Wie schnell fließt Arbeit von der Idee zum nutzbaren Ergebnis?
- Qualität: Wie stabil und nachhaltig ist das Ergebnis?
- Lernfähigkeit: Wie schnell erkennt und korrigiert das Team Fehlannahmen?
Eine hohe Velocity allein beantwortet keine dieser Fragen vollständig.
Scrum.org weist ausdrücklich darauf hin, dass Velocity weder Geschwindigkeit noch Produktivität oder Business Value zuverlässig misst. Sie kann bei manchen Teams zur Prognose helfen, eignet sich aber nicht als allgemeiner Performance-Indikator.
Woran erkennt man ein Scrum Team, das nicht performt?
Typische Symptome sind:
- Sprint-Ziele werden regelmäßig verfehlt.
- Viele Backlog Items wandern in den nächsten Sprint.
- Das Team arbeitet an zahlreichen Themen gleichzeitig.
- Stakeholder überraschen das Team während des Sprints mit neuen Prioritäten.
- Das Daily besteht aus Statusmeldungen.
- Das Sprint Review ist eine Präsentation statt eines Arbeitsmeetings.
- Retrospektiven erzeugen immer wieder dieselben Maßnahmen.
- Fehler und technische Schulden nehmen zu.
- Teammitglieder arbeiten parallel für mehrere Projekte.
- Die Velocity schwankt stark oder wird künstlich optimiert.
- Entscheidungen dauern länger als die eigentliche Umsetzung.
- Der Product Owner verwaltet Anforderungen statt Prioritäten.
Diese Symptome sind wichtig.
Sie sind aber noch keine Diagnose.
Ursache 1: Das Team arbeitet an Aufgaben, nicht an einem gemeinsamen Ziel
Einer der größten Performance-Killer ist fehlender Fokus.
Ein Sprint enthält dann beispielsweise:
- drei technische Verbesserungen,
- fünf Stakeholder-Anforderungen,
- zwei Fehlerkorrekturen,
- ein Reporting-Thema,
- mehrere kleinere Features.
Jeder ist beschäftigt.
Aber das Team arbeitet nicht wirklich gemeinsam.
Der Sprint Goal soll genau dieses Problem verhindern. Laut Scrum Guide schafft er Kohärenz und Fokus und soll das Team dazu bringen, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten statt auf voneinander getrennte Initiativen.
Schlechter Sprint Goal
„Ticket 123, 126, 129 und 140 abschließen.“
Das ist eine Aufgabenliste.
Besser
„Bestandskunden können ihre Lieferadresse selbstständig ändern, ohne den Support kontaktieren zu müssen.“
Damit versteht das Team:
- warum der Sprint wichtig ist,
- welchen Nutzerzustand es verbessern will,
- welche Arbeit wirklich zum Ziel beiträgt.
Erste Maßnahme: Prüfe die letzten fünf Sprint-Ziele.
Kann jemand außerhalb des Teams verstehen, welchen Nutzen sie erzeugen sollten?
Wenn nicht, beginnt die Performance-Verbesserung genau dort.
Ursache 2: Zu viel Arbeit läuft gleichzeitig
Viele Scrum Teams haben kein Geschwindigkeitsproblem.
Sie haben ein Work-in-Progress-Problem.
Fünf Entwickler starten fünf Backlog Items.
Danach entstehen Rückfragen.
Ein Test fehlt.
Ein Kollege wartet auf eine Schnittstelle.
Also beginnt er schon das nächste Thema.
Am Ende des Sprints sind zwölf Items begonnen und vier wirklich fertig.
Das erzeugt Aktivität.
Aber wenig Flow.
Scrum.org weist beim Thema Fokus ausdrücklich darauf hin, dass Personen, die gleichzeitig mehreren Teams oder Projekten zugeordnet werden, weniger effektiv arbeiten. Auch zusätzliche Meetings und Unterbrechungen reduzieren den Fokus auf das Sprint Goal.
Was hilft?
- weniger Arbeit gleichzeitig beginnen,
- gemeinsam begonnene Items fertigstellen,
- Blocker sofort sichtbar machen,
- kleinere Backlog Items schneiden,
- Spezialisten nicht mit immer neuen Aufgaben auslasten.
Die entscheidende Frage im Daily lautet dann nicht:
„Was habe ich gestern gemacht?“
Sondern:
„Was verhindert gerade, dass wir unser Sprint-Ziel erreichen?“
Ursache 3: Der Product Owner ist nur Backlog-Verwalter
Ein Team kann technisch hervorragend arbeiten und trotzdem wenig Wert erzeugen.
Das passiert, wenn der Product Owner nicht priorisiert.
Dann sieht das Product Backlog aus wie ein Sammelbecken:
- Wunsch der Geschäftsführung,
- Wunsch von Vertrieb,
- Wunsch von Marketing,
- Wunsch eines Großkunden,
- technische Anforderungen,
- Altlasten.
Alles wichtig.
Alles dringend.
Der Scrum Guide ist eindeutig: Der Product Owner verantwortet die Maximierung des Produktwerts und die Reihenfolge des Product Backlogs. Die Organisation muss seine Entscheidungen respektieren.
Fehlt dieses Mandat, kann das Team nicht wirklich performen.
Es optimiert lediglich die Abarbeitung fremder Wünsche.
Drei Fragen an den Product Owner
- Was ist aktuell das Product Goal?
- Welche drei Backlog Items würden wir streichen, wenn unsere Kapazität morgen um 30 Prozent sinkt?
- Welcher messbare Nutzer- oder Geschäftsnutzen soll durch die nächsten Sprints entstehen?
Kann der Product Owner diese Fragen nicht beantworten, liegt das Performance-Problem wahrscheinlich nicht im Development Team.
Ursache 4: Das Scrum Team ist nicht wirklich cross-funktional
Auf dem Organigramm existiert ein Scrum Team.
In der Realität benötigt es für fast jeden Schritt jemand anderen.
Zum Beispiel:
- Architekturteam,
- Security,
- Testteam,
- Datenbankteam,
- UX,
- Betrieb,
- Einkauf.
Jede Abhängigkeit erzeugt Wartezeit.
Der Scrum Guide verlangt deshalb bewusst Cross-Funktionalität. Die Teammitglieder sollen gemeinsam über die Fähigkeiten verfügen, die sie benötigen, um innerhalb eines Sprints Wert zu erzeugen.
Natürlich kann nicht jedes Spezialwissen dauerhaft in jedem Team vorhanden sein.
Aber wiederkehrende Abhängigkeiten müssen sichtbar werden.
Erstelle eine Dependency Map
Notiere für die vergangenen drei Sprints:
- Worauf hat das Team gewartet?
- Wie lange?
- Auf wen?
- Wie häufig trat dieselbe Abhängigkeit auf?
Eine Abhängigkeit, die jeden Sprint entsteht, ist kein Ausnahmeproblem mehr.
Sie gehört organisatorisch gelöst.
Ursache 5: Die Definition of Done ist zu schwach
Ein Team meldet acht Stories als fertig.
Danach folgen:
- Integrationstest,
- Security-Prüfung,
- Fehlerbehebung,
- Deployment,
- Dokumentation.
Dann waren die acht Stories nicht wirklich fertig.
Der Scrum Guide definiert die Definition of Done als formale Beschreibung des Zustands, den ein Increment erreichen muss, um die erforderlichen Qualitätsmaßnahmen zu erfüllen. Arbeit, die diesen Zustand nicht erreicht, gehört nicht zum Increment.
Eine schwache Definition of Done erzeugt Scheingeschwindigkeit.
Heute wird schnell geliefert.
Morgen kommt die Nacharbeit.
Gute Prüffragen
Enthält eure Definition of Done beispielsweise:
- notwendige Tests,
- Integration,
- Sicherheitsanforderungen,
- Dokumentation,
- technische Qualitätsstandards,
- Betriebsfähigkeit?
Je mehr Arbeit regelmäßig nach „Done“ folgt, desto weniger aussagekräftig ist eure tatsächliche Lieferperformance.
Ursache 6: Dem Team fehlt psychologische Sicherheit
Scrum braucht Transparenz.
Transparenz braucht Offenheit.
Und Offenheit funktioniert schlecht, wenn Menschen Nachteile befürchten.
Ein Entwickler erkennt einen Architekturfehler.
Sagt aber nichts.
Ein Teammitglied hält das Sprint Goal für unrealistisch.
Schweigt.
Eine Annahme des Product Owners ist vermutlich falsch.
Niemand widerspricht.
Die Ampel bleibt grün.
Bis das Problem nicht mehr verborgen werden kann.
Forschung von Google zu Teamwirksamkeit identifizierte psychologische Sicherheit als besonders wichtigen Faktor für leistungsfähige Teams. DORA-Forschung verbindet eine entsprechende Kultur zudem mit besserer Software-Delivery-Performance und organisationaler Leistung.
Scrum.org hebt psychologische Sicherheit ebenfalls als wichtige Grundlage wirksamer Scrum Teams hervor.
Warnsignale
- Im Planning widerspricht niemand.
- Retrospektiven bleiben oberflächlich.
- Fehler werden einzelnen Personen zugeordnet.
- Führungskräfte reagieren defensiv auf schlechte Nachrichten.
- Probleme werden erst sehr spät eskaliert.
Ein Team kann unter solchen Bedingungen Prozesse einhalten.
Empirie funktioniert trotzdem kaum.
Ursache 7: Prioritäten ändern sich ständig
Montag beginnt der Sprint.
Mittwoch kommt eine „dringende“ Managementanforderung.
Donnerstag benötigt ein anderer Bereich Unterstützung.
In der folgenden Woche folgt ein Produktionsproblem.
Formal arbeitet das Team weiterhin in Sprints.
Praktisch besitzt es keinen stabilen Fokus.
Die DORA-Forschung von 2024 zeigt, dass instabile Prioritäten selbst in ansonsten gut geführten Entwicklungsumgebungen die Leistung beeinträchtigen können. Eine stabile, unterstützende Umgebung ist dagegen ein wichtiger Faktor für gute Ergebnisse.
Der Scrum Guide schützt deshalb das Sprint Goal: Während des Sprints dürfen keine Änderungen vorgenommen werden, die dieses Ziel gefährden. Scope darf angepasst werden, wenn neue Erkenntnisse entstehen. Das Ziel selbst gibt jedoch Orientierung.
Praktische Konsequenz
Nicht jede dringende Anfrage darf direkt ins Team.
Definiere einen klaren Umgang mit:
- Produktionsstörungen,
- gesetzlichen Anforderungen,
- echten Notfällen,
- normalen neuen Stakeholderwünschen.
„Der Vorstand möchte das schnell“ ist noch kein Prozess.
Ursache 8: Die Retrospektive verändert nichts
Viele Teams führen gute Retrospektiven durch.
Das Board ist voller Erkenntnisse.
Drei Wochen später besteht dasselbe Problem weiterhin.
Dann sinkt die Beteiligung.
Warum sollte jemand offen über Probleme sprechen, wenn sich ohnehin nichts verändert?
Der Scrum Guide beschreibt den Zweck der Retrospektive klar: Das Team soll konkrete Möglichkeiten identifizieren, Qualität und Effektivität zu erhöhen. Besonders wirksame Verbesserungen sollen schnell angegangen werden.
Eine einfache Regel
Nimm nicht zehn Maßnahmen mit.
Nimm eine.
Aber setze sie wirklich um.
Beispiel:
Problem: Stories werden regelmäßig zu groß geplant.
Maßnahme:
In den kommenden drei Sprints darf kein Backlog Item ins Planning, das voraussichtlich mehr als drei Arbeitstage benötigt, ohne vorher gemeinsam geschnitten zu werden.
Danach messen.
Hat sich der Spillover reduziert?
Dann war die Retrospektive ein Verbesserungsinstrument.
Ursache 9: Velocity wird zur Zielgröße
Ein Managementziel wie:
„Velocity um 20 Prozent erhöhen“
klingt datengetrieben.
Es ist meistens das Gegenteil.
Wenn eine Kennzahl zum Ziel wird, verändert sich das Verhalten.
Teams können:
- Story Points höher schätzen,
- Arbeit anders schneiden,
- Qualitätsanforderungen reduzieren.
Die Kennzahl steigt.
Der Produktwert möglicherweise nicht.
Scrum.org beschreibt Velocity deshalb als Ergebnis beziehungsweise mögliches Prognoseinstrument, nicht als Produktivitätsziel. Teams mit höherer Velocity sind nicht automatisch leistungsfähiger als Teams mit niedrigerer Velocity.
Welche Kennzahlen zeigen echte Scrum-Team-Performance?
Es gibt keine einzelne perfekte Kennzahl.
Kombiniere mehrere Perspektiven.
Wert
- Nutzung neuer Funktionen,
- Conversion,
- Kundenzufriedenheit,
- reduzierte Bearbeitungszeit,
- vermiedene Kosten.
Flow
- Cycle Time,
- Throughput,
- Work Item Age,
- Anzahl gleichzeitig bearbeiteter Items.
Qualität
- Fehlerquote,
- Produktionsstörungen,
- Rework,
- technische Schulden.
Zielerreichung
- Erreichen des Sprint Goals,
- Fortschritt zum Product Goal.
Lernfähigkeit
- Zeit von Hypothese bis Kundenfeedback,
- umgesetzte Verbesserungsmaßnahmen.
Das Evidence-Based Management Framework von Scrum.org unterscheidet bewusst zwischen Inputs, Aktivitäten, Outputs, Outcomes und Impacts. Mehr Stunden oder mehr Features bedeuten demnach nicht automatisch bessere Kundenergebnisse.
Praxisbeispiel: 70 Prozent Spillover trotz Scrum
Ein dokumentiertes Beispiel aus einem internationalen Handelsunternehmen zeigt das Problem gut.
Mehr als 40 Teams arbeiteten in einer großen IT-Transformation.
Trotzdem war die Delivery schwer vorhersehbar. Bei einem Teil der Organisation wurden rund 70 Prozent der begonnenen Arbeiten in nachfolgende Zeiträume übertragen.
Statt einfach mehr Druck auf die Velocity auszuüben, setzte die Organisation stärker auf Flow Metrics.
Im Mittelpunkt standen unter anderem:
- Work in Progress,
- Throughput,
- Cycle Time,
- Work Item Age.
Dadurch konnten Teams Blockaden und Überlastung wesentlich konkreter diskutieren. Die Organisation berichtet, dass Lieferfähigkeit und Vertrauen in die Prognosen innerhalb weniger Monate deutlich verbessert wurden.
Die wichtige Erkenntnis:
Das Team musste nicht lernen, härter zu arbeiten. Es musste lernen, seinen Arbeitsfluss besser zu verstehen.
Praxisbeispiel: Erst die Organisation ändern, dann das Team
Ein weiteres dokumentiertes Beispiel zeigt, warum Teamperformance nicht isoliert betrachtet werden darf.
Ein Unternehmen wollte ein neues Produkt entwickeln.
Vor dem eigentlichen Scrum-Start veränderte es bewusst seine Struktur:
- funktionale Silos wurden reduziert,
- stabile produktorientierte Teams gebildet,
- Product Ownership näher an das Produkt gebracht,
- unnötige Koordinationsrollen entfernt,
- Führung unterstützte die organisatorischen Veränderungen.
Nach drei Monaten zeigte das neue Team nach Angaben des dokumentierten Erfahrungsberichts eine deutlich bessere Leistungsfähigkeit. Nach sechs Monaten brachte das Unternehmen das Produkt in einen stark umkämpften asiatischen Markt.
Der entscheidende Punkt:
Man versuchte nicht, ein schlecht geschnittenes Organisationsmodell mit Scrum-Events zu reparieren.
Man änderte die Rahmenbedingungen.
Ein 30-Tage-Performance-Check für Scrum Teams
Wenn dein Team aktuell nicht performt, solltest du nicht zehn Veränderungen gleichzeitig starten.
Gehe systematisch vor.
Woche 1: Diagnose
Analysiere die letzten fünf Sprints.
Erfasse:
- Sprint Goal erreicht?
- Spillover?
- Cycle Time?
- Blocker?
- externe Abhängigkeiten?
- Produktionsfehler?
- ungeplante Arbeit?
Noch keine Lösungen.
Erst verstehen.
Woche 2: größten Engpass auswählen
Nicht jedes Problem gleichzeitig angehen.
Frage:
Was begrenzt aktuell am stärksten unsere Fähigkeit, Wert zu liefern?
Beispielsweise:
- unklare Prioritäten,
- zu große Backlog Items,
- externe Abhängigkeit,
- fehlende Testautomatisierung.
Woche 3: Experiment starten
Beispiel:
Problem: zu viel parallele Arbeit.
Experiment:
Maximal drei Backlog Items gleichzeitig in Bearbeitung.
Messgröße:
- Cycle Time,
- Spillover,
- Sprint-Goal-Erreichung.
Woche 4: Wirkung prüfen
Hat sich die Situation verbessert?
Dann beibehalten oder weiterentwickeln.
Keine Wirkung?
Hypothese anpassen.
So funktioniert empirische Verbesserung.
Typische Fehler bei der Performance-Verbesserung
Mehr Druck erzeugen
Ein ausgelastetes Team wird durch höhere Zielvorgaben selten leistungsfähiger.
Eine Person verantwortlich machen
Teamperformance entsteht im System.
Nicht allein beim Scrum Master oder bei einzelnen Entwicklern.
Velocity erhöhen wollen
Eine Kennzahl ist keine Verbesserung.
Mehr Backlog Items in den Sprint nehmen
Damit steigt oft nur die Menge unfertiger Arbeit.
Teammitglieder zwischen Projekten teilen
Auslastung steigt.
Fokus sinkt.
Jede Retrospektive mit vielen Maßnahmen beenden
Wenige konsequent umgesetzte Veränderungen wirken stärker.
Neue Tools einführen
Jira, Azure DevOps oder andere Werkzeuge lösen keine organisatorischen Probleme.
Wann funktioniert Scrum nicht?
Nicht jedes Performance-Problem sollte durch „besseres Scrum“ gelöst werden.
Scrum passt schlecht, wenn beispielsweise:
- kein sinnvolles gemeinsames Produktziel existiert,
- Arbeit ausschließlich ungeplant eintrifft,
- kein nutzbares Increment innerhalb überschaubarer Zeit entstehen kann,
- Teams keinerlei Einfluss auf ihre Arbeit besitzen,
- Product Ownership organisatorisch nicht möglich ist,
- die Arbeit überwiegend aus standardisierten Servicevorgängen besteht.
Dann kann etwa ein Flow-basierter Ansatz mit Kanban geeigneter sein.
Auch die aktuelle agile Praxis bewegt sich stärker in Richtung kontextabhängiger Arbeitsmodelle. Der 18. State of Agile Report von 2025 zeigt eine deutliche Nutzung hybrider und individuell angepasster Delivery-Modelle. Gleichzeitig nennen Organisationen stärkere Outcome-Orientierung und bessere Leadership-Ausrichtung als wichtige Entwicklungsfelder.
Das Ziel ist nicht Scrum.
Das Ziel ist eine Arbeitsweise, mit der die Organisation verlässlich Wert erzeugt und lernen kann.
Sieben Hebel für ein leistungsfähiges Scrum Team
Wenn du die wichtigsten Punkte auf eine Checkliste reduzieren willst, beginne hier:
- Ein klares Product Goal schaffen.
- Jeden Sprint auf ein verständliches Sprint Goal ausrichten.
- Work in Progress und Unterbrechungen reduzieren.
- Product Owner mit echten Entscheidungsrechten ausstatten.
- Wiederkehrende externe Abhängigkeiten abbauen.
- Qualität über eine belastbare Definition of Done absichern.
- Performance über Wert, Flow, Qualität und Lernen messen.
Erst danach lohnt sich die Diskussion über Feinheiten der Scrum-Mechanik.
Häufige Fragen zur Performance von Scrum Teams
Warum ist mein Scrum Team langsam?
Häufig liegt es nicht an mangelndem Einsatz. Ursachen können zu viel parallele Arbeit, externe Abhängigkeiten, große Backlog Items, häufige Unterbrechungen oder lange Entscheidungswege sein.
Wie kann man die Leistung eines Scrum Teams messen?
Nicht mit einer einzelnen Kennzahl. Sinnvoll ist eine Kombination aus Business Outcomes, Flow-Kennzahlen, Qualität, Sprint-Goal-Erreichung und Time-to-Market.
Ist Velocity ein guter KPI für Scrum Teams?
Nein, nicht als allgemeiner Performance-KPI. Velocity kann teamintern für Prognosen nützlich sein, sollte aber nicht als Produktivitätsziel oder zum Vergleich verschiedener Teams verwendet werden.
Wie verbessert man die Sprint-Performance?
Zuerst sollte der größte Engpass ermittelt werden. Häufig helfen kleinere Backlog Items, ein klares Sprint Goal, weniger parallele Arbeit und konsequentes Entfernen von Blockaden.
Was macht ein High-Performance-Scrum-Team aus?
Ein leistungsfähiges Team besitzt ein gemeinsames Ziel, ausreichende Entscheidungsfreiheit, die notwendigen Fähigkeiten, psychologische Sicherheit und einen stabilen Arbeitsfluss. Es liefert nicht nur viel Output, sondern regelmäßig relevante Ergebnisse.
Welche Rolle spielt der Scrum Master bei schlechter Performance?
Der Scrum Master ist laut Scrum Guide für die Effektivität des Scrum Teams mitverantwortlich. Er unterstützt Selbstmanagement, Cross-Funktionalität, Fokus und die Beseitigung von Hindernissen. Seine Aufgabe geht damit deutlich über die Moderation der Scrum Events hinaus.
Fazit
Wenn ein Scrum Team nicht performt, lautet die falsche erste Frage:
„Wie bekommen wir mehr Arbeit aus dem Team?“
Die bessere Frage lautet:
„Was verhindert aktuell, dass dieses Team regelmäßig Wert erzeugen kann?“
Vielleicht fehlt Fokus.
Vielleicht beginnt das Team zu viel gleichzeitig.
Vielleicht hat der Product Owner keine echten Entscheidungsrechte.
Vielleicht wird Qualität erst nach dem Sprint hergestellt.
Vielleicht sind externe Abhängigkeiten so groß, dass das Team kaum selbst etwas fertigstellen kann.
Oder die Organisation verändert Prioritäten schneller, als das Team liefern kann.
Dann löst zusätzlicher Leistungsdruck das Problem nicht.
Er verschärft es.
Ein leistungsfähiges Scrum Team entsteht dort, wo klare Ziele, Fokus, Qualität, Entscheidungsfreiheit und kontinuierliches Lernen zusammenkommen.
Performance bedeutet deshalb nicht:
mehr Story Points.
Performance bedeutet:
häufiger relevante Ergebnisse erzeugen, schneller aus echten Daten lernen und Hindernisse systematisch aus dem Arbeitsfluss entfernen.
PURE Consultant unterstützt Unternehmen dabei, Scrum Teams, Product Ownership und agile Strukturen gezielt zu analysieren und weiterzuentwickeln. Der Fokus liegt dabei nicht auf zusätzlichen Ritualen, sondern auf den organisatorischen Bedingungen, die Teams benötigen, um nachhaltig Wert zu liefern.