Warum Lessons Learned oft scheitern: Typische Fehler

Warum Lessons Learned oft scheitern: Typische Fehler – Lessons Learned gelten in vielen Unternehmen als Königsweg, wenn Projekte besser laufen sollen und Fehler sich nicht wiederholen dürfen. Trotzdem erlebt fast jede:r Praktiker:in, dass die gleichen Probleme immer wieder auftauchen, obwohl man sie „doch schon mal besprochen hat“.

In diesem Artikel lesen Sie, warum Lessons Learned so häufig scheitern, welche typischen Fehler dahinterstecken und wie Sie den Prozess so gestalten, dass Ihre Organisation tatsächlich lernt – statt nur Protokolle zu produzieren.

Warum Lessons Learned oft scheitern: Typische Fehler
Warum Lessons Learned oft scheitern: Typische Fehler

Was Lessons Learned eigentlich leisten sollen

Bevor wir über Fehler sprechen, lohnt sich ein kurzer Blick auf den eigentlichen Zweck von Lessons Learned. Wenn Sie es richtig machen, dann helfen Lessons Learned Ihrem Unternehmen dabei:

In der Theorie klingt das überzeugend, doch in der Praxis stolpern viele Organisationen immer wieder über ähnliche Hürden.


Typische Gründe, warum Lessons Learned scheitern

1. Lessons Learned als müde Pflichtübung am Projektende

Viele Teams behandeln Lessons Learned wie einen formalen Haken auf der Checkliste. Am Ende des Projekts sitzt man noch einmal zusammen, weil es „im Prozess so vorgesehen ist“, und dann geht es vor allem darum, die Sitzung möglichst schnell hinter sich zu bringen.

Typische Anzeichen:

Was Sie stattdessen tun sollten:


2. Fehlende psychologische Sicherheit: Niemand spricht offen

Selbst der beste Prozess bringt wenig, wenn Menschen zwar im Raum sitzen, aber nicht aussprechen, was wirklich schieflief. Viele Mitarbeiter:innen halten sich zurück, weil sie Nachteile befürchten oder weil sie schon erlebt haben, dass Ehrlichkeit sanktioniert wird.

Typische Muster:

Wie Sie Offenheit fördern:

Wenn Menschen spüren, dass Offenheit nicht bestraft wird, dann teilen sie Erfahrungen deutlich bereitwilliger und ehrlicher.


3. Fokus auf Schuld statt auf Lernen

In manchen Organisationen dienen Lessons Learned vor allem dazu, Verantwortliche zu finden, wenn etwas schiefgelaufen ist. Dadurch verwandelt sich ein Lernformat in eine Suchbewegung nach „Schuldigen“, und genau dieser Mechanismus zerstört jede Lernbereitschaft.

Typische Effekte:

Besser: vom Schuld- zum Lernmodus wechseln

Stellen Sie immer wieder Fragen, die auf Ursachen, Strukturen und Muster zielen, zum Beispiel:

Sobald die Gruppe erkennt, dass es nicht um persönliche Verfehlungen, sondern um verbesserbare Systeme geht, entsteht ein ganz anderer Dialog.


4. Vage Erkenntnisse, keine umsetzbaren Maßnahmen

Viele Protokolle aus Lessons Learned klingen plausibel, doch sie bleiben auf einer abstrakten Ebene. Sätze wie „Kommunikation verbessern“ oder „Stakeholder früher einbinden“ tauchen immer wieder auf, allerdings sagen sie wenig darüber, was konkret anders laufen soll.

Typische Probleme:

So übersetzen Sie Erkenntnisse in konkrete Aktionen:

Nutzen Sie einfache Leitfragen, um jede Erkenntnis zu schärfen:

  1. Worum geht es genau?
    • Statt: „Kommunikation verbessern“
    • Besser: „Weekly-Status-Call mit allen Kern-Stakeholdern einführen“
  2. Wer macht was bis wann?
    • Verantwortliche Person festlegen
    • Konkretes Datum oder Zeitraum definieren
  3. Woran erkennen wir, dass es besser läuft?
    • Zum Beispiel: „Weniger Überraschungen kurz vor dem Go-live“, messbar über Change Requests oder Eskalationen

Ohne diese Konkretisierung bleibt selbst die tiefste Analyse wirkungslos.


5. Keine klare Verantwortung und Nachverfolgung

Selbst gute Maßnahmen versanden, wenn niemand sie verfolgt. In vielen Organisationen endet der Prozess mit dem Protokoll, und damit verschwindet der Inhalt in einem Ordner oder in einem Wiki, das später kaum jemand wieder öffnet.

Häufige Muster:

So verankern Sie Verantwortung:

Wenn Umsetzung und Nachverfolgung sichtbar bleiben, steigt auch die Motivation, sich im nächsten Lessons-Learned-Workshop aktiv einzubringen.


6. Lernen ohne System: Erkenntnisse versanden im Silo

Ein weiteres typisches Problem besteht darin, dass jede Projektgruppe ihre eigenen Erkenntnisse sammelt, jedoch kaum jemand systematisch prüft, was sich über mehrere Projekte hinweg wiederholt. Dadurch verpassen Unternehmen wertvolle Chancen, strukturelle Muster zu erkennen.

Das führt oft dazu, dass:

Was Sie brauchen: ein übergreifendes Lernsystem

So verwandeln Sie einzelne Workshops in organisationale Lernschleifen.


7. Werkzeuge im Fokus, nicht die Haltung

Viele Unternehmen investieren zuerst in Tools, Templates und Datenbanken, weil sie hoffen, dass ein neues System die Probleme löst. Allerdings bleibt der Effekt gering, wenn Haltung, Kultur und Führungsverhalten sich nicht mitverändern.

Typische Fallen:

Werkzeuge unterstützen – sie ersetzen Kultur nicht

Wenn Haltung und Verhalten stimmen, tragen Tools deutlich besser.


8. Zu spät, zu selten und zu weit weg vom Alltag

Viele Teams reflektieren ihre Projekte nur am Ende, obwohl gerade unterwegs viele wertvolle Hinweise auftauchen. Außerdem finden manche Workshops in großer Distanz zum Tagesgeschäft statt, sodass wichtige Details schon vergessen sind.

Konsequenzen:

So holen Sie Lernen in den Alltag:

Je näher Reflexion und Entscheidung aneinanderliegen, desto stärker prägen sich neue Muster ein.


So etablieren Sie funktionierende Lessons Learned

Nachdem wir die typischen Fehler betrachtet haben, stellt sich die Frage, wie ein tragfähiges Setup aussehen kann, das wirklich Wirkung entfaltet.

Bausteine eines wirksamen Lessons-Learned-Ansatzes

1. Klarer Zweck und gemeinsames Verständnis

Definieren Sie zunächst, wofür Sie Lessons Learned nutzen wollen, und kommunizieren Sie dieses Ziel immer wieder:

Je klarer der Zweck, desto leichter erkennen Beteiligte, warum sich der Aufwand lohnt.

2. Klare Rollen und ein schlanker Prozess

Ein einfacher, aber verbindlicher Prozess hilft, dass Lessons Learned nicht im Aktionismus versinken:

Halten Sie den Prozess bewusst schlank, damit Teams ihn nicht als zusätzliche Last erleben, sondern als sinnvolles Werkzeug.

3. Geeignete Methoden statt Frontaldiskussion

Statt eine offene Runde mit der Frage „Was lief gut, was lief schlecht?“ zu starten, lohnt sich der Einsatz einfacher Methoden, die Perspektiven systematischer sammeln:

Zum Beispiel:

Solche Methoden strukturieren den Austausch und erhöhen die Chance, dass Sie konkrete, belastbare Erkenntnisse gewinnen.

4. Vom Protokoll zur Umsetzung – der entscheidende Schritt

Damit aus Erkenntnissen echte Veränderungen entstehen, brauchen Sie einen bewussten Übergang:

  1. Clustern und priorisieren:
    • Was sind die 3–5 wichtigsten Erkenntnisse, die wirklich einen Unterschied machen?
  2. Maßnahmen definieren:
    • Wie genau sieht die Veränderung aus?
    • Wer übernimmt die Verantwortung?
    • Bis wann soll etwas passieren?
  3. Integration in bestehende Steuerung:
    • Welche Gremien, Routinen oder Prozesse greifen die Maßnahmen auf?
  4. Rückblick planen:
    • Wann prüfen wir, ob die Maßnahmen Wirkung zeigen?

Dieser Schritt entscheidet darüber, ob Lessons Learned Teil des Managementzyklus werden oder nur ein Dokument im Archiv bleiben.

5. Wirkung messen und sichtbar machen

Wenn Sie Lernprozesse sichtbar machen, steigt sowohl das Vertrauen als auch die Bereitschaft, sich zu beteiligen. Sie können beispielsweise:

So entsteht ein positives Feedback: Menschen sehen, dass sich ihre Offenheit auszahlt, und sie bringen sich beim nächsten Mal engagierter ein.


Fazit Warum Lessons Learned oft scheitern: Typische Fehler: Lernen braucht mehr als ein Meeting

Lessons Learned scheitern selten an der Idee, denn die überzeugt fast alle. Sie scheitern viel häufiger an Kultur, Klarheit und Konsequenz.

Wenn Sie…

…dann erhöhen Sie die Chance deutlich, dass Ihr Unternehmen tatsächlich lernt – von Projekt zu Projekt und über Bereichsgrenzen hinweg.

So entsteht Schritt für Schritt eine Organisation, die nicht nur Fehler wiederholt dokumentiert, sondern sie nachhaltig reduziert und gleichzeitig ihren Erfolg systematisch ausbaut.

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