Projektarten & Projektphasen im Überblick – Projekte gehören heute in fast jedem Unternehmen zum Alltag. Gleichzeitig scheitern viele Vorhaben daran, dass die Beteiligten zwar engagiert arbeiten, aber Ziele, Vorgehen und Rollen nicht klar genug geregelt sind. Wenn Sie Projektarten und Projektphasen verstehen, planen Sie Vorhaben realistischer, steuern sie souveräner und erhöhen ganz nebenbei die Zufriedenheit im Team.
In diesem Artikel erhalten Sie einen strukturierten Überblick darüber,
- welche Projektarten es in der Praxis gibt,
- wie sich Projekte sinnvoll einteilen lassen und
- welche typischen Phasen jedes Projekt – ob klassisch oder agil – durchläuft.

1. Was ist überhaupt ein Projekt?
Bevor Sie Projektarten und -phasen unterscheiden, lohnt sich ein klarer Projektbegriff. In vielen Organisationen verschwimmen nämlich die Grenzen zwischen „Projekt“ und „Linienaufgabe“.
Typische Merkmale eines Projekts sind:
- Einmaligkeit: Das Vorhaben ist zeitlich begrenzt und nicht Teil eines routinemäßigen Prozesses.
- Klares Ziel: Es gibt ein definiertes Ergebnis, das Sie am Ende bewerten können.
- Begrenzte Ressourcen: Budget, Zeit und Personal sind limitiert.
- Interdisziplinarität: Mehrere Fachbereiche wirken zusammen, sodass Abstimmung notwendig ist.
- Unsicherheit und Risiko: Der Weg zum Ziel steht zu Beginn nicht in allen Details fest.
Sobald eine Aufgabe diese Merkmale vereint, lohnt sich ein bewusstes Projektmanagement. Dann helfen Ihnen klare Projektarten und Phasen, Struktur in die Komplexität zu bringen.
2. Projektarten im Überblick
Projekte lassen sich nach unterschiedlichen Kriterien einteilen. Diese Einteilung ist nicht nur akademisch, sondern beeinflusst direkt, wie Sie ein Projekt aufsetzen, steuern und kommunizieren.
2.1 Projektarten nach Inhalt
Eine der gebräuchlichsten Unterscheidungen orientiert sich am inhaltlichen Schwerpunkt des Vorhabens.
Typische inhaltliche Projektarten sind:
- Investitionsprojekte
Hier schaffen Sie etwas Physisches oder bauen es um.
Beispiele:- Bau einer neuen Produktionshalle
- Anschaffung einer Maschinenlinie
- Modernisierung der IT-Infrastruktur
- Forschungs- und Entwicklungsprojekte (F&E)
Der Fokus liegt auf Innovation und Wissenserweiterung. Die Ergebnisse sind oft unsicherer, dafür aber strategisch wichtig.
Beispiele:- Entwicklung eines neuen Produkts
- Erprobung neuer Werkstoffe
- Pilotversuche mit neuen Technologien
- Organisationsprojekte
Sie verändern Strukturen, Prozesse oder Rollen in der Organisation. Deshalb betreffen sie viele Menschen und erfordern besonders gute Kommunikation.
Beispiele:- Einführung eines neuen Organigramms
- Reorganisation von Abteilungen
- Einführung eines Prozessmanagement-Systems
- IT- und Digitalisierungsprojekte
IT-Projekte berühren mittlerweile fast alle Unternehmensbereiche, weil sie Prozesse automatisieren und Daten nutzbar machen.
Beispiele:- Einführung eines ERP-Systems
- Migration von On-Premise in die Cloud
- Aufbau eines Data-Warehouse oder BI-Systems
- Marketing- und Kommunikationsprojekte
Diese Projekte zielen darauf ab, Marktauftritt, Markenwahrnehmung oder Vertrieb zu stärken.
Beispiele:- Entwicklung einer neuen Markenstrategie
- Planung einer Produktlaunch-Kampagne
- Relaunch der Website
Schon an diesen Kategorien erkennen Sie, wie stark sich Ziele, Stakeholder und Risiken unterscheiden. Genau deshalb wählen erfahrene Projektleiter je nach Projektart unterschiedliche Methoden, Werkzeuge und Kommunikationsformen.
2.2 Projektarten nach strategischer Bedeutung
Nicht jedes Projekt ist gleich wichtig. Deshalb unterteilen viele Unternehmen ihre Vorhaben zusätzlich nach strategischer Relevanz. Dadurch richten sie Ressourcen gezielter aus.
Typische Klassen sind:
- Strategische Schlüsselprojekte
- hoher Einfluss auf die Unternehmenszukunft
- starke Einbindung der Geschäftsführung
- z. B. Eintritt in einen neuen Markt, Entwicklung einer Produktplattform
- Taktische Projekte
- mittelfristige Ausrichtung, häufig in einem Geschäftsbereich verankert
- z. B. Optimierung einer Produktionslinie, Ausbau eines Vertriebskanals
- Operative Projekte
- eher begrenzter Umfang, kurzfristiger Nutzen
- z. B. Umzug eines Teams, Einführung eines kleineren Tools
Diese Einteilung beeinflusst, wie eng die Unternehmensleitung steuert, wie umfassend Sie berichten und welches Eskalationsregime sinnvoll ist.
2.3 Projektarten nach Vorgehensmodell
Neben Inhalt und Bedeutung spielt das Vorgehensmodell eine entscheidende Rolle. Es beschreibt, wie stark Sie Planung, Steuerung und Anpassung strukturieren.
Typische Modelle und entsprechende Projektarten:
- Klassische (Wasserfall-)Projekte
- Eignen sich für Vorhaben mit relativ stabilen Anforderungen.
- Sie planen die Phasen weitgehend im Voraus und arbeiten sie nacheinander ab.
- Typische Einsatzbereiche: Bauprojekte, Infrastruktur, viele Investitionsprojekte.
- Agile Projekte
- Passen besonders gut, wenn sich Anforderungen laufend ändern oder zu Beginn noch unklar sind.
- Sie arbeiten in kurzen Iterationen, holen regelmäßig Feedback ein und passen das Backlog an.
- Typische Einsatzbereiche: Softwareentwicklung, digitale Produkte, Innovationsprojekte.
- Hybride Projekte
- Kombinieren Elemente aus klassischer und agiler Welt.
- Beispiel: strategischer Rahmen und Meilensteine klassisch, Umsetzung einzelner Arbeitspakete agil.
- Eignen sich, wenn Teile stabil, andere Teile jedoch dynamisch sind.
Weil die Projektart das passende Vorgehensmodell stark beeinflusst, sollten Sie diese Entscheidung bewusst treffen und nicht allein aus Gewohnheit handeln.
3. Die typischen Projektphasen
Unabhängig von der Projektart durchlaufen fast alle Vorhaben bestimmte Kernphasen. Die Benennungen variieren je nach Lehrbuch oder Unternehmen, allerdings bleibt die Logik ähnlich:
- Initiierung
- Definition und Planung
- Umsetzung und Steuerung
- Abschluss und Übergabe
(5. Optional: Nachprojektphase / Nutzencontrolling)
Im Folgenden schauen wir uns diese Phasen genauer an.
3.1 Phase 1: Projektinitiierung
In der Initiierungsphase entscheiden Sie, ob aus einer Idee tatsächlich ein Projekt entsteht. Viele Unternehmen unterschätzen diese Phase, obwohl sie hier die Weichen für Erfolg oder Misserfolg stellen.
Ziele der Initiierung:
- Bedarf klären: Warum brauchen wir dieses Projekt überhaupt?
- Grobe Zielrichtung festlegen: Was soll am Ende anders sein als heute?
- Nutzen einschätzen: Welchen Mehrwert erzeugt das Vorhaben?
- Machbarkeit prüfen: Passt das Projekt zu Strategie, Ressourcen und Kompetenzen?
Typische Aktivitäten in der Initiierung:
- Problem- oder Chancenanalyse
- Erarbeitung einer groben Lösungsskizze
- Erstellung eines Business Case (Kosten–Nutzen-Abschätzung)
- Stakeholder-Analyse auf hohem Niveau
- Vorschlag für Projektleiter und Kernteam
Ergebnis der Phase ist oft ein Projektantrag oder ein Projektsteckbrief, den ein Entscheidungsgremium prüft. Erst wenn dieses Gremium zustimmt, existiert das Projekt offiziell.
3.2 Phase 2: Projektdefinition und -planung
In dieser Phase geben Sie dem Projekt ein klares Gesicht. Sie legen fest, was genau erreicht werden soll, wie Sie vorgehen und wer welche Rolle übernimmt. Dadurch schaffen Sie Orientierung und vermeiden spätere Missverständnisse.
Wichtige Bausteine der Projektdefinition:
- Zielsystem
- Definition von Haupt- und Unterzielen
- Abgrenzung: Was gehört bewusst nicht ins Projekt?
- Definition von Erfolgs- und Akzeptanzkriterien
- Scope und Anforderungen
- Sammeln, Priorisieren und Dokumentieren von Anforderungen
- Klärung der Muss-, Soll- und Kann-Anforderungen
- Rollen und Organisation
- Festlegung des Projektleiters
- Zusammensetzung des Projektteams
- Einrichtung von Lenkungsausschuss oder Steuerkreis
- Definition von Entscheidungswegen und Eskalationen
Kernaufgaben der Projektplanung:
- Strukturierung der Arbeit (z. B. mit Work Breakdown Structure / PSP)
- Terminplanung (Meilensteine, Arbeitspakete, Abhängigkeiten)
- Ressourcen- und Kapazitätsplanung
- Kosten- und Budgetplanung
- Risikomanagement (Identifikation, Bewertung, Maßnahmen)
- Kommunikations- und Stakeholderplanung
- Qualitätssicherung (Standards, Reviews, Abnahmekriterien)
Je nach Projektart und -größe planen Sie sehr detailliert oder bewusst grob. In agilen Projekten definieren Sie beispielsweise eher ein Product Backlog und eine grobe Roadmap, während klassische Bauprojekte oft einen sehr detaillierten Terminplan erfordern.
3.3 Phase 3: Umsetzung und Steuerung
Jetzt fließt die meiste operative Arbeit. Sie setzen die geplanten Maßnahmen um, überwachen den Fortschritt und reagieren auf Abweichungen. Entscheidend ist, dass Sie den Überblick behalten und gleichzeitig genügend Flexibilität zulassen.
Typische Schwerpunkte in der Umsetzungsphase:
- Operative Arbeit
- Bearbeitung der Arbeitspakete
- Koordination zwischen Fachbereichen
- Sicherstellung der Qualität in jedem Schritt
- Projektcontrolling
- Fortschrittsmessung (z. B. Soll–Ist-Vergleiche)
- Termin- und Kostenkontrolle
- Überwachung kritischer Pfade und Kapazitätsengpässe
- Risikomanagement
- Beobachtung identifizierter Risiken
- Ableitung und Umsetzung von Gegenmaßnahmen
- Umgang mit neuen Risiken, die im Verlauf auftauchen
- Kommunikation und Stakeholder-Management
- Regelmäßige Statusberichte an Auftraggeber und Gremien
- Abstimmung mit betroffenen Bereichen
- Aktives Erwartungsmanagement, insbesondere bei Änderungen
In agilen Projekten konkretisieren Sie diese Phase durch Sprints, Daily Stand-ups, Sprint Reviews und Retrospektiven. In klassischen Projekten arbeiten Sie dagegen verstärkt mit Statusmeetings, Meilensteintrendanalyse und Phasen-Reviews.
Wesentlich ist, dass Sie nicht nur „abarbeiten“, sondern das Projekt aktiv steuern, regelmäßig reflektieren und bewusst entscheiden, wo Anpassungen nötig sind.
3.4 Phase 4: Projektabschluss und Übergabe
Viele Teams verlieren zum Ende eines Projekts die Energie, weil das nächste Vorhaben bereits wartet. Dennoch lohnt es sich, den Abschluss strukturiert zu gestalten, da Sie dadurch Erfahrungen sichern und Akzeptanz stärken.
Ziele der Abschlussphase:
- Formale Abnahme des Projektergebnisses durch den Auftraggeber
- Geordnete Übergabe an Linie, Betrieb oder Markt
- Bewertung von Zielerreichung, Aufwand und Nutzen
- Sicherung von Lessons Learned für zukünftige Projekte
Typische Aktivitäten:
- Abnahme-Workshops oder -Protokolle
- Abschlussbericht mit Kennzahlen und Bewertung
- Abschlusspräsentation für Management und wichtige Stakeholder
- Administrative Aufräumarbeiten (Budget schließen, Verträge beenden, Dokumentation archivieren)
- Lessons-Learned-Workshop mit dem Projektteam
Gerade die systematische Reflexion zahlt sich aus, weil Sie wiederkehrende Fehler reduzieren und bewährte Praktiken in der Organisation verankern.
3.5 (Optionale) Phase 5: Nachprojektphase und Nutzencontrolling
In vielen Fällen entsteht der eigentliche Nutzen eines Projekts erst nach der Übergabe, wenn Anwender das Ergebnis im Alltag einsetzen. Deshalb richten einige Unternehmen bewusst eine Nachprojektphase ein.
Typische Inhalte dieser Phase sind:
- Überprüfung, ob die geplanten Nutzeneffekte wirklich eintreten
- Nachjustierung von Prozessen, Schulungen oder Systemen
- Messung von Kennzahlen (z. B. Durchlaufzeiten, Fehlerraten, Kundenzufriedenheit)
- Bewertung der Nachhaltigkeit der Veränderungen
Diese Phase eignet sich besonders gut für Organisations- und IT-Projekte, weil hier das Nutzerverhalten und die Akzeptanz eine zentrale Rolle spielen.
4. Zusammenspiel von Projektarten und Projektphasen
Projektarten und -phasen sind keine getrennten Welten, sondern greifen ineinander. Verschiedene Projektarten setzen zwar unterschiedliche Schwerpunkte, gleichzeitig durchlaufen sie im Kern dennoch ähnliche Phasen.
Einige Beispiele:
- Bau- oder Investitionsprojekte
- Sehr starke Betonung von Planung und formaler Freigabe
- Hoher Detaillierungsgrad in Termin- und Ressourcenplanung
- Strenge Qualitäts- und Abnahmeprozesse im Abschluss
- IT- und Digitalisierungsprojekte
- Häufig hybride Ansätze: strategische Planung klassisch, Umsetzung agil
- Intensives Stakeholder-Management über alle Phasen hinweg
- Ausgeprägte Nachprojektphase, um Akzeptanz und Nutzen zu sichern
- Change- und Organisationsprojekte
- Starke Fokussierung auf Kommunikation und Beteiligung
- Initiierung und Definition dauern oft länger, da viele Interessen zu berücksichtigen sind
- Nachprojektphase besonders wichtig, weil Verhaltensänderungen Zeit brauchen
Wenn Sie Projektart und Phasen bewusst kombinieren, entwickeln Sie ein Vorgehen, das zu Ihren Rahmenbedingungen passt, statt sich starr an ein Lehrbuchschema zu klammern.
5. Projektarten & Projektphasen im Überblick – Praktische Tipps für den Umgang mit Projektarten und -phasen
Zum Abschluss einige praxisnahe Empfehlungen, die Sie in nahezu jedem Kontext nutzen können:
- Projektarten klar definieren
Legen Sie im Unternehmen fest, welche Projektkategorien Sie unterscheiden und welche Konsequenzen sich daraus für Budget, Reporting und Governance ergeben. - Leitfäden pro Projektart erstellen
Für wiederkehrende Projektarten (z. B. IT-Einführungen) lohnt sich ein schlanker Standardleitfaden mit typischen Phasen, Checklisten und Vorlagen. - Phasen bewusst anpassen statt pauschal übernehmen
Nutzen Sie die klassischen Phasen als Rahmen, passen Sie sie jedoch an Größe, Risiko und Dynamik des Projekts an. - Übergänge zwischen den Phasen klar markieren
Arbeiten Sie mit Meilensteinen und Gate-Entscheidungen, damit alle wissen, wann eine Phase wirklich abgeschlossen ist und welche Kriterien dafür gelten. - Lernen institutionalisieren
Führen Sie für wichtige Projekte konsequent Lessons-Learned-Workshops durch und speichern Sie die Ergebnisse an einem Ort, den zukünftige Projektteams leicht finden.
Wer Projektarten und Projektphasen versteht und konsequent anwendet, schafft mehr Transparenz, reduziert Reibungsverluste und stärkt das Vertrauen in die eigene Projektorganisation. Gleichzeitig erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Projekte nicht nur „fertig“, sondern wirklich erfolgreich werden.