Selbstorganisation im Entwicklungsteam

Selbstorganisation im Entwicklungsteam – Ein Entwicklungsteam, das im Alltag ständig auf Entscheidungen von außen wartet, kann Scrum nur begrenzt ausschöpfen. Gerade in komplexen IT- und Digitalprojekten entscheidet die Selbstorganisation im Entwicklungsteam in Scrum darüber, wie schnell, fokussiert und qualitativ hochwertig geliefert wird. In diesem Beitrag erfahren Sie, was Selbstorganisation im Scrum-Kontext wirklich bedeutet, welche Rahmenbedingungen dafür nötig sind, wie Führung dabei unterstützt – und wie Sie Schritt für Schritt von einem „Task-zuweisenden“ zu einem wirklich selbstorganisierten Scrum-Team kommen.

Selbstorganisation im Entwicklungsteam
Selbstorganisation im Entwicklungsteam

Was bedeutet Selbstorganisation im Entwicklungsteam in Scrum?

Selbstorganisation im Entwicklungsteam in Scrum bedeutet, dass das Team eigenverantwortlich entscheidet, wie es das gemeinsam vereinbarte Sprint-Ziel erreicht.

Konkret heißt das:

Der Rahmen dafür ist durch Scrum klar vorgegeben: Produktvision, Product Backlog, Sprint-Ziel, Rollen und Artefakte. Innerhalb dieses Rahmens hat das Team maximale Gestaltungsfreiheit – und trägt auch die Verantwortung für das Ergebnis.


Warum Selbstorganisation im Scrum-Team entscheidend ist

Ein Entwicklungsteam kann formal nach Scrum arbeiten, ohne wirklich selbstorganisiert zu sein – etwa wenn ein Projektleiter weiterhin Aufgaben zuteilt oder technische Entscheidungen trifft. Dann bleiben viele Potenziale ungenutzt.

Die wichtigsten Vorteile eines selbstorganisierten Scrum-Teams:


Selbstorganisation ist nicht Anarchie: Klare Abgrenzung

Ein verbreitetes Missverständnis: Selbstorganisation im Entwicklungsteam in Scrum bedeutet „jede:r macht, was er oder sie will“. Das Gegenteil ist der Fall.

Selbstorganisation ist:

Selbstorganisation ist nicht:

Ein gutes Scrum-Setup trennt sauber zwischen:


Voraussetzungen für Selbstorganisation im Entwicklungsteam

Ohne passende Rahmenbedingungen scheitert Selbstorganisation fast zwangsläufig. Die wichtigsten Voraussetzungen im Überblick:

1. Klare Ziele und Prioritäten

2. Eindeutige Grenzen und Entscheidungsräume

3. Kompetentes, cross-funktionales Team

4. Psychologische Sicherheit

5. Transparenz über Arbeit und Ergebnisse

Erst wenn diese Basis stimmt, kann Selbstorganisation im Scrum-Entwicklungsteam ihre volle Wirkung entfalten.


Rollen in Scrum und ihre Wirkung auf Selbstorganisation

Entwicklungsteam: Verantwortung für das „Wie“

Das Entwicklungsteam ist das Zentrum der Selbstorganisation. Es übernimmt:

Wichtige Prinzipien:

Product Owner: Klarheit beim „Was“ und „Warum“

Der Product Owner schafft die inhaltlichen Voraussetzungen für Selbstorganisation:

Was der Product Owner nicht tun sollte:

Scrum Master: Ermöglicher und Coach

Der Scrum Master ist der wichtigste Hebel, um Selbstorganisation wachsen zu lassen:

Typische Interventionen:


Praktische Hebel für Selbstorganisation im Scrum-Entwicklungsteam

Strukturen und Artefakte gezielt nutzen

1. Klar definierte Definition of Done (DoD)

2. Working Agreements

3. Transparente Backlogs und Boards

Scrum-Events als Treiber der Selbstorganisation

Sprint Planning

Daily Scrum

Sprint Review

Sprint Retrospektive

Entscheidungsmechanismen im Team

Damit Selbstorganisation nicht in endlosen Diskussionen endet, braucht es explizite Entscheidungsregeln:


Typische Stolpersteine – und wie man sie vermeidet

  1. Verdecktes Mikromanagement
    Führungskräfte „nur mal kurz“ im Daily, detaillierte Nachfragen, versteckte Kontrolle von Jira-Boards.
    → Gegenmaßnahme: Klare Rollenschärfung, Scrum Master als Schutzschild, Fokus von Führung auf Ziele statt Tasks.
  2. Unklare Ziele und wechselnde Prioritäten
    Häufige Umplanungen, unklarer Scope – Selbstorganisation wird unmöglich.
    → Gegenmaßnahme: Starker Product Owner, stabile Sprint-Ziele, klare „No“-Kultur bei Ad-hoc-Wünschen.
  3. Zu wenig Kompetenz im Team
    Teams sind abhängig von einzelnen Experten außerhalb.
    → Gegenmaßnahme: Cross-Training, Pair Programming, schrittweise Kompetenzaufbau im Team.
  4. Fehlende Fehlerkultur
    Fehler werden sanktioniert, Schuldige gesucht.
    → Gegenmaßnahme: Retros als sicherer Rahmen, Fokus auf Lernchancen, Management als Vorbild.
  5. Überfrachtete Prozesse und Tools
    Zu viele Regeln, Checklisten, Tools – Selbstorganisation wird erstickt.
    → Gegenmaßnahme: „So wenig Prozess wie möglich, so viel wie nötig“, gemeinsam im Team vereinbart.

In 7 Schritten zu mehr Selbstorganisation im Scrum-Entwicklungsteam

Ein möglicher Fahrplan für Organisationen, die Selbstorganisation im Entwicklungsteam in Scrum gezielt aufbauen wollen:

  1. Ist-Analyse durchführen
    • Wie werden heute Entscheidungen getroffen?
    • Wer verteilt Arbeit?
    • Wo stockt es regelmäßig?
  2. Entscheidungsräume klären
    • Gemeinsam mit Führungskräften und Product Owner definieren, welche Entscheidungen ins Team gehören.
    • Ergebnisse sichtbar machen (z. B. Delegation Matrix).
  3. Scrum-Rollen schärfen
    • Training und Coaching für Product Owner und Scrum Master.
    • Klare Erwartungshaltung der Führung: „Teams entscheiden das Wie.“
  4. Working Agreements etablieren
    • Im Team erarbeiten: Wie arbeiten wir zusammen? Was erwarten wir voneinander?
    • Diese Vereinbarungen im Büro oder im digitalen Workspace sichtbar machen.
  5. Transparenz und Metriken schaffen
    • Boards aufsetzen oder vereinfachen.
    • 2–3 Kennzahlen auswählen, die dem Team helfen (nicht dem Reporting): z. B. Durchlaufzeit, Defect-Rate, WIP.
  6. Retrospektiven konsequent nutzen
    • Mindestens jede zwei bis vier Wochen.
    • Jedes Mal 1–2 konkrete Experimente für den nächsten Sprint definieren.
    • Nachhalten: Was hat sich verbessert?
  7. Führung aktiv einbeziehen
    • Management-Coaching zu agiler Führung.
    • Gemeinsame Reviews, in denen Teams selbst präsentieren.
    • Führung konzentriert sich auf Strategie, Rahmenbedingungen und Beseitigung von Hürden.

Messbare Indikatoren für gelingende Selbstorganisation

Wie erkennen Sie, ob Selbstorganisation im Scrum-Entwicklungsteam tatsächlich funktioniert?

Mögliche Indikatoren:

Wichtig: Diese Kennzahlen sind Hilfsmittel, keine Zielvorgaben zur Kontrolle. Werden sie als Druckmittel genutzt, schaden sie der Selbstorganisation eher.


Praxisbeispiel: Vom Task-Zuteiler zum selbstorganisierten Team

Ein typisches Ausgangsbild in vielen Organisationen:

In einem konkreten Transformationsprojekt wurde dieser Zustand in ca. 9–12 Monaten schrittweise verändert:

  1. Zunächst wurden Scrum-Rollen sauber eingeführt, der Projektleiter wechselte in eine Product-Owner- oder Stakeholder-Rolle, ein erfahrener Scrum Master übernahm die Prozessverantwortung.
  2. Gemeinsam wurde eine Entscheidungsmatrix erstellt: Welche Entscheidungen trifft künftig das Team, welche bleiben bei der Führung?
  3. Das Team erhielt den Auftrag, Sprint-Ziele selbst zu definieren – aus dem priorisierten Backlog abgeleitet.
  4. In Retrospektiven reflektierte das Team regelmäßig:
    • Wo haben wir noch auf Anweisungen gewartet?
    • Wo hätten wir selbst entscheiden können?
  5. Führungskräfte hielten sich bewusst aus Dailys heraus und wechselten auf Review-Teilnahme und bilaterale Austausche zur Zielklärung.

Ergebnis nach einigen Monaten:


Was Führung und Organisation beitragen müssen

Selbstorganisation im Entwicklungsteam in Scrum ist kein „Teamthema“, das sich isoliert lösen lässt. Ohne passende Führungs- und Organisationskultur bleibt es Flickwerk.

Wichtige Beiträge von Management und Organisation:


Fazit: Selbstorganisation im Entwicklungsteam in Scrum als strategischer Hebel

Selbstorganisation im Entwicklungsteam in Scrum ist kein „Nice-to-have“, sondern ein zentraler Hebel für Geschwindigkeit, Qualität und Anpassungsfähigkeit moderner Organisationen. Sie entsteht nicht durch das bloße Einführen von Scrum, sondern durch ein bewusst gestaltetes Zusammenspiel von:

Wenn Sie erkennen, dass Ihre Scrum-Teams formal agil arbeiten, aber immer noch stark von externer Steuerung, Freigaben und Mikromanagement abhängig sind, lohnt sich ein strukturiertes Vorgehen.

Gerade beim Zuschnitt von Teams, dem Klären von Entscheidungsräumen und dem Coaching von Product Ownern und Führungskräften zahlt sich externe, praxiserfahrene Unterstützung aus. Ein erfahrener Partner wie die PURE Consultant kann Sie dabei begleiten, Selbstorganisation nicht nur auf Folien zu definieren, sondern im Alltag Ihrer Entwicklungsteams nachhaltig zu verankern.

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