Nutzen des Burndown Charts im Projektmanagement – Ein Projekt läuft offiziell „nach Plan“, trotzdem ahnt jeder im Team, dass es eng wird – eine klassische Situation im Projektmanagement. Burndown Charts schaffen hier Klarheit: Sie zeigen auf einen Blick, ob Sie mit Ihrem Team auf Kurs sind oder ob sich ein Verzug aufbaut. In diesem Artikel erfahren Sie, was ein Burndown Chart ist, wie es funktioniert, welche konkreten Vorteile es bietet und wie Sie es in agilen wie klassischen Projekten sinnvoll einsetzen. Praxisnahe Beispiele, typische Fehler und Best Practices helfen Ihnen, das volle Potenzial dieses einfachen, aber sehr wirkungsvollen Steuerungsinstruments zu nutzen.

Was ist ein Burndown Chart?
Ein Burndown Chart ist ein Diagramm, das visualisiert, wie viel Arbeit in einem Projekt oder Sprint noch verbleibt und wie schnell diese Arbeit im Zeitverlauf „abgebaut“ wird.
Typische Merkmale eines Burndown-Diagramms:
- X-Achse: Zeit (z. B. Tage eines Sprints oder Projektwochen)
- Y-Achse: Menge der noch offenen Arbeit (z. B. Story Points, Personentage, Tasks)
- Ideallinie: theoretischer, gleichmäßiger Abbau der Arbeit
- Ist-Linie: tatsächlicher Fortschritt des Teams
So sehen Sie in Sekunden, ob Sie voraus, im Plan oder hinterher sind.
Warum ist ein Burndown Chart im Projektmanagement so nützlich?
Der zentrale Nutzen des Burndown Charts im Projektmanagement liegt darin, dass es komplexe Projektverläufe auf eine einfache Visualisierung reduziert. Daraus ergeben sich mehrere Vorteile:
1. Transparenz für alle Beteiligten
- Projektstatus wird für Management, Team und Stakeholder sofort verständlich
- Fortschritt ist zahlen- und datenbasiert, nicht nur gefühlt
- Diskussionen über „gefühlt 80 % fertig“ entfallen – das Diagramm zeigt den tatsächlichen Stand
2. Früherkennung von Risiken
- Abweichungen von der Ideallinie machen Trends sichtbar, nicht nur Momentaufnahmen
- Eine flache oder ansteigende Linie weist früh auf Überlastung, Blockaden oder Scope Creep hin
- Gegenmaßnahmen (Priorisierung, Ressourcenzuteilung, Scope-Anpassung) können rechtzeitig eingeleitet werden
3. Bessere Steuerung von Aufwand und Umfang
- Burndown Charts helfen, Kapazitäten und Scope realistisch abzugleichen
- Entscheidungen wie „Was können wir streichen/verschieben, um das Ziel zu halten?“ werden faktenbasiert
- Besonders im agilen Projektmanagement ist das Diagramm ein zentrales Steuerungsinstrument für Sprints
4. Fokussierung und Motivation des Teams
- Der sichtbare Fortschritt wirkt motivierend („Wir kommen voran“)
- Engpässe werden sichtbar und können im Team gemeinsam gelöst werden
- Das Team lernt aus Mustern: „In den ersten Tagen schätzen wir uns oft zu optimistisch – wie können wir das verbessern?“
5. Effiziente Kommunikation mit Führungskräften und Kunden
- Ein einziges Bild ersetzt lange Statusberichte
- Führungskräfte erhalten kompakte, objektive Informationen
- Kunden sehen, was realistisch lieferbar ist – das reduziert Missverständnisse und Erwartungslücken
Welche Arten von Burndown Charts gibt es?
Im Projektmanagement haben sich mehrere Typen von Burndown Charts etabliert, je nach Betrachtungsebene:
1. Sprint Burndown Chart
- Betrachtungszeitraum: ein einzelner Sprint (z. B. 2 Wochen)
- Zeigt: Abbau der Arbeit innerhalb des Sprints
- Typischer Einsatz: Scrum-Teams, um die tägliche Entwicklung im Sprint zu verfolgen
2. Release Burndown Chart
- Betrachtungszeitraum: mehrere Sprints bzw. eine ganze Release-Phase
- Zeigt: Fortschritt hin zu einem Release-Ziel (z. B. Go-live)
- Geeignet für: Produktverantwortliche, Projektleiter und Management, die das große Ganze im Blick behalten wollen
3. Projekt-Burndown-Chart
- Betrachtungszeitraum: gesamtes Projekt
- Zeigt: verbleibenden Gesamtaufwand vs. Projektlaufzeit
- Sinnvoll in: größeren Vorhaben, bei denen ein einfacher Trend wichtiger ist als perfektes Detailniveau
4. Varianten im Kanban- oder Flow-Kontext
Auch in Kanban-Umgebungen oder hybriden Ansätzen wird das Burndown Chart eingesetzt – oft in Kombination mit Cumulative Flow Diagrams. Hier steht weniger ein Sprint, sondern der kontinuierliche Abbau von Work-in-Progress im Fokus.
So lesen Sie ein Burndown Chart richtig
Damit Sie den Nutzen des Burndown Charts im Projektmanagement maximal ausschöpfen, ist die Interpretation entscheidend.
Achsen und Linien verstehen
- X-Achse (Zeit): Tage oder Wochen, je nach Betrachtung (Sprint/Projekt)
- Y-Achse (Restaufwand): z. B. Story Points, Stunden, Personentage oder Anzahl offener Tickets
- Ideallinie: linearer Abbau von Startwert (z. B. 100 Story Points) bis 0 am Ende
- Ist-Linie: tatsächlicher Restaufwand pro Tag/Woche
Typische Muster im Verlauf
- Ist-Linie liegt nahe an der Ideallinie
→ Projekt oder Sprint läuft stabil nach Plan. - Ist-Linie verläuft deutlich über der Ideallinie
→ Sie sind im Verzug, Ursachen können sein:- Unterschätzter Aufwand
- Blockierte Aufgaben
- Zusätzliche Anforderungen (Scope Creep)
- Fehlende Ressourcen
- Ist-Linie fällt anfangs kaum, später stark
→ Das Team arbeitet eher „am Ende alles fertig“-orientiert, Risiken werden spät sichtbar.
→ Handlungsbedarf: kleinere Arbeitspakete, frühere Integration und Feedback. - Ist-Linie steigt zwischenzeitlich an
→ Neue Arbeit wurde hinzugefügt (z. B. neue Anforderungen, Change Requests).
→ Wichtig: Scope-Änderungen dokumentieren und transparent machen.
Wesentlich ist, die Ist-Linie nicht nur als „Bericht“, sondern als Startpunkt für Ursachenanalyse und Entscheidungen zu nutzen.
Burndown Chart erstellen – Schritt für Schritt
Wie geht man praktisch vor, wenn man ein Burndown Chart im Projektmanagement etablieren möchte?
1. Arbeitspakete und Scope definieren
- Klarer Scope (z. B. Sprint Backlog, Projektphase, Release)
- Aufteilung in überschaubare Arbeitspakete oder User Stories
- Sicherstellen, dass die Definition von „fertig“ (Definition of Done) klar ist
2. Aufwand schätzen
- Aufwand je Arbeitspaket in einer konsistenten Einheit:
- Story Points (agil)
- Stunden/Personentage (klassisch)
- Anzahl Aufgaben (für grobe Betrachtung)
- Gemeinsam im Team schätzen, um Akzeptanz und Realismus zu erhöhen
3. Gesamtaufwand und Zeitachse festlegen
- Summe des initialen Aufwands bildet den Startwert auf der Y-Achse
- Zeitrahmen (z. B. 10 Arbeitstage Sprint, 12 Projektwochen) bildet die X-Achse
- Ideallinie vom Startwert bis 0 am Ende der Zeitachse einzeichnen
4. Tägliche oder wöchentliche Aktualisierung
- Am Ende jedes Tages (Sprint) oder jeder Woche (Projekt) wird der Restaufwand neu berechnet
- Ist-Werte im Diagramm eintragen, Linie verbinden
- Idealerweise automatisiert in Tools wie Jira, Azure DevOps, Trello (mit Erweiterungen) oder speziellen PM-Systemen
5. Regelmäßige Besprechung im Team
- Im Daily Stand-up (agil) oder im regelmäßigen Statusmeeting (klassisch) kurz auf das Burndown Chart schauen
- Fragen stellen wie:
- „Warum weicht die Ist-Linie ab?“
- „Gibt es Blocker?“
- „Müssen wir umpriorisieren?“
Das Chart ist kein Kontrollinstrument gegen das Team, sondern ein gemeinsames Navigationsinstrument.
Einsatz im agilen Projektmanagement (Scrum & Co.)
Im agilen Projektmanagement gehört das Burndown Chart zu den Standard-Werkzeugen, insbesondere in Scrum-Teams.
Sprint Planning
- Basierend auf Velocity (durchschnittliche erledigte Story Points pro Sprint) und geschätztem Aufwand wird entschieden, wie viel Arbeit der Sprint realistischerweise aufnehmen kann.
- Das Sprint Burndown Chart startet mit der Summe der im Sprint Backlog committeden Stories.
Daily Scrum
- Tägliche Aktualisierung des Sprint Burndown Charts
- Kurzer Abgleich:
- „Sind wir auf Kurs, unsere Sprint-Ziele zu erreichen?“
- „Welche Aufgaben blockieren uns?“
- Entscheidungen werden faktenbasiert getroffen, nicht nach Bauchgefühl.
Sprint Review und in der Retrospektive
- Analyse des Burndown-Verlaufs:
- Wie stabil waren unsere Schätzungen?
- An welchen Tagen stockt der Fortschritt regelmäßig?
- Erkenntnisse fließen in Verbesserungen für zukünftige Sprints ein.
Burndown Charts im klassischen Projektmanagement nutzen
Auch in klassischen oder hybriden Projektumgebungen bietet der Nutzen des Burndown Charts im Projektmanagement deutliche Vorteile – gerade, wenn bisher vor allem Gantt-Diagramme und Meilensteinpläne verwendet werden.
Ergänzung zu Gantt und Meilensteinen
- Gantt-Diagramme zeigen Planung und Abhängigkeiten, aber oft nur begrenzt den realen Fortschritt.
- Burndown Charts ergänzen dies um einen klaren Trend der Restarbeit.
- Meilenstein-Trendanalysen lassen sich mit Burndown-Informationen anreichern, um fundiertere Prognosen zu treffen.
Typische Einsatzszenarien
- Projektphasen, in denen viel konzeptionelle oder Entwicklungsarbeit anfällt
- Programme mit mehreren Teilprojekten, die gemeinsam ein Zieldatum erreichen müssen
- Organisationen, die schrittweise von klassischem zu agilem Delivery-Modell wechseln (hybrides Projektmanagement)
Praktische Umsetzung
- Arbeitspakete aus dem Projektstrukturplan (PSP) werden mit Aufwand versehen
- Regelmäßige (z. B. wöchentliche) Fortschrittsmeldung der Teams
- Burndown Chart wird als zusätzliche Management-Kennzahl in Statusreports integriert
Grenzen und typische Fehler beim Einsatz von Burndown Charts
So hilfreich das Instrument ist: Ein Burndown Chart ist kein Allheilmittel. Wer die Grenzen kennt, kann es wesentlich zielgerichteter einsetzen.
1. Fokus auf Aufwand, nicht auf Wert
- Das Diagramm zeigt abgebaute Arbeit, nicht unbedingt gelieferten Geschäftswert.
- Lösung: Ergänzung durch Value-Orientierung, z. B. Priorisierung nach Business Value oder Einsatz von Burn-up-Charts.
2. Unsaubere oder inkonsistente Schätzungen
- Zu optimistische oder stark schwankende Schätzungen verzerren den Verlauf.
- Lösung: Schätzpraxis verbessern (Planning Poker, historische Vergleichswerte), zu große Pakete aufteilen.
3. Scope-Änderungen nicht sichtbar gemacht
- Wenn neue Anforderungen hinzukommen, ohne sie transparent im Chart zu berücksichtigen, wirken Teams „unproduktiv“.
- Lösung: Neue Arbeit offen addieren (Linie steigt an), Scope-Entscheidungen dokumentieren und kommunizieren.
4. Mikromanagement durch das Management
- Wenn Vorgesetzte das Burndown Chart nutzen, um tägliche Leistung einzelner Personen zu kontrollieren, leidet Vertrauen und Motivation.
- Lösung: Fokus auf Teamleistung, nicht Individual-Controlling. Das Chart dient der gemeinsamen Steuerung.
5. Überinterpretation einzelner Tage
- Ein „schlechter Tag“ ist noch kein Projektproblem; entscheidend ist der Trend über mehrere Tage.
- Lösung: Muster und Linienverläufe über den gesamten Zeitraum betrachten, nicht nur kurzfristige Ausschläge.
Best Practices für Entscheider und Projektmanager
Wie setzen Sie Burndown Charts so ein, dass sie echten Mehrwert liefern – und nicht nur ein weiteres Reporting-Artefakt werden?
1. Klarer Zweck und gemeinsames Verständnis
- Kommunizieren Sie, wofür das Burndown Chart genutzt wird:
- Früherkennung, Priorisierung, gemeinsame Steuerung.
- Stellen Sie sicher, dass alle Beteiligten die Achsen und Linien verstehen.
2. Konsistente Einheiten und stabile Datengrundlage
- Eine klare, durchgängige Einheit (z. B. Story Points oder Personentage) pro Diagramm verwenden
- Daten möglichst automatisiert aus dem Task- oder Ticketsystem ziehen, um Fehler zu vermeiden
3. Kombination mit weiteren Kennzahlen
Burndown Charts wirken am besten im Verbund mit anderen Indikatoren:
- Burn-up-Charts (zeigen zusätzlich den Umfang der erledigten Arbeit und Scope-Änderungen)
- Cumulative Flow Diagrams (zeigen Engpässe im Prozess)
- Durchlaufzeiten und WIP-Limits in Kanban-Umgebungen
So entsteht ein ausgewogenes Bild aus Fortschritt, Wert und Stabilität.
4. Richtiger Detaillierungsgrad für das Management
- Für Top-Management genügen oft hochaggregierte Projekt- oder Release-Burndowns
- Für operative Steuerung in Teams sind Sprint-Burndowns sinnvoll
- Vermeiden Sie eine „Chart-Flut“ – bewusst auswählen, welche Burndowns wirklich benötigt werden
5. Regelmäßige Reflexion und Lernen
- Verlauf von Burndown Charts in Retrospektiven oder Lessons-Learned-Workshops analysieren
- Fragen:
- „Welche Muster sehen wir über mehrere Sprints oder Phasen?“
- „Welche Maßnahmen haben zu besseren Verläufen geführt?“
- Das macht Burndown Charts zu einem Instrument der kontinuierlichen Verbesserung, nicht nur der Beobachtung.
Praxisbeispiel: Burndown Chart in einem IT-Projekt
Stellen Sie sich ein Software-Projekt vor, das in drei Monaten ein neues Kundenportal live bringen soll. Das Projektteam arbeitet in zweiwöchigen Sprints, das Management erwartet regelmäßige Statusupdates.
Ausgangssituation
- Gesamtumfang initial: 240 Story Points, verteilt auf mehrere Epics
- Geplante Dauer: 6 Sprints
- Durchschnittliche Velocity aus früheren Projekten: ca. 40 Story Points pro Sprint
Umsetzung mit Release- und Sprint-Burndown
- Release Burndown Chart:
- Startwert: 240 Story Points
- X-Achse: 6 Sprints
- Nach jedem Sprint wird der Restaufwand aktualisiert.
- Sprint Burndown Charts:
- Pro Sprint: Startwert ca. 40 Story Points (abhängig von Priorisierung und Kapazität)
- Tägliche Aktualisierung im Team.
Beobachtungen und Entscheidungen
- Sprint 2: Ist-Linie liegt deutlich über der Ideallinie; zwei Stories hängen wegen einer externen Schnittstelle.
→ Entscheidung: Priorisierung anderer Stories, frühe Eskalation an den Schnittstellenpartner. - Sprint 3: Scope-Erweiterung durch neue regulatorische Anforderungen. Der Release-Burndown zeigt eine kurzfristig steigende Linie.
→ Entscheidung: einzelne Komfortfunktionen ins Folge-Release verschieben, um Go-live-Termin zu halten. - Sprint 5: Deutlich steilere Abwärtsbewegung, da viele Abhängigkeiten geklärt sind und kleinere Stories abgearbeitet werden.
→ Erkenntnis: Komplexe Vorarbeiten lieber früher im Projekt angehen.
Am Ende hilft die Kombination aus Sprint- und Release-Burndown, Termin und Budget einzuhalten, ohne blinden Aktionismus – weil Trends früh erkannt und adressiert wurden.
Fazit Nutzen des Burndown Charts im Projektmanagement: Wann sich der Einsatz von Burndown Charts besonders lohnt
Der Nutzen des Burndown Charts im Projektmanagement ist besonders hoch, wenn Sie:
- komplexe Vorhaben mit vielen parallelen Aufgaben steuern
- Projekte in inkrementellen Sprints oder Phasen organisieren
- eine klare, visuelle Darstellung für Management und Kunden brauchen
- Risiken frühzeitig erkennen und adressieren wollen
- Teams zu mehr Transparenz, Eigenverantwortung und Fokussierung befähigen möchten
Burndown Charts sind einfach einzuführen, schnell verstanden und bieten in kurzer Zeit einen hohen Mehrwert – vorausgesetzt, sie werden konsequent gepflegt und richtig interpretiert.
Wenn Sie Burndown Charts in Ihrer Organisation einführen oder bestehende Projektsteuerung gezielt verbessern möchten, lohnt sich ein externer Blick. Erfahrene Berater wie die Expertinnen und Experten der PURE Consultant unterstützen Sie dabei, passende Metriken, sinnvolle Visualisierungen und praxistaugliche Routinen zu etablieren, damit Ihre Projekte nicht nur planen, sondern tatsächlich zuverlässig liefern.