Inputs & Outputs des Sprint Plannings – Viele Teams führen Sprint Plannings durch, ohne wirklich klar zu haben, welche Informationen sie benötigen – und welche Ergebnisse am Ende vorliegen müssen. Die Folge: zähe Meetings, unrealistische Pläne, Frust im Team und enttäuschte Stakeholder. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Inputs & Outputs des Sprint Plannings wirklich entscheidend sind, wie Sie Ihr Meeting daran ausrichten und wie Sie typische Stolperfallen vermeiden. Mit praxisnahen Beispielen, Checklisten und konkreten Formulierungshilfen können Sie Ihre nächsten Sprints deutlich zielgerichteter, planbarer und transparenter gestalten.

Warum klare Inputs und Outputs im Sprint Planning entscheidend sind
Sprint Planning ist das zentrale Planungsereignis in Scrum: Hier entscheidet das Entwicklungsteam gemeinsam mit Product Owner und ggf. relevanten Stakeholdern, was im nächsten Sprint erreicht werden soll und wie es umgesetzt wird.
Ohne klare Voraussetzungen und eindeutige Ergebnisse passiert typischerweise:
- Diskussionen drehen sich im Kreis
- Das Team übernimmt zu viel oder das Falsche
- Abhängigkeiten werden zu spät erkannt
- Stakeholder verstehen nicht, was sie am Sprintende erwarten dürfen
Klare Inputs und Outputs des Sprint Plannings schaffen dagegen:
- eine realistische Prognose für den Sprint
- Transparenz über Ziele, Umfang und Risiken
- ein gemeinsames Verständnis im gesamten Team
- eine belastbare Grundlage für Steuerung und Reporting
Was sind Inputs und Outputs im Sprint Planning?
Inputs des Sprint Plannings sind alle Informationen und Rahmenbedingungen, die das Team benötigt, um einen realistischen Sprintplan zu erstellen. Dazu gehören u. a. Produktziele, priorisierte Anforderungen, Kapazität, Qualitätserwartungen und Erkenntnisse aus vorherigen Sprints.
Outputs des Sprint Plannings sind die konkreten Ergebnisse des Meetings: typischerweise ein klares Sprintziel, ein abgestimmter Umfang (Sprint Backlog), ein grober Umsetzungsplan sowie ein gemeinsames Verständnis über Risiken, Annahmen und Prioritäten.
Überblick: Wichtige Inputs des Sprint Plannings
Die wichtigsten Inputs auf einen Blick:
- Produktkontext und Product Goal
- Priorisiertes Product Backlog
- Geklärte Anforderungen (inkl. Akzeptanzkriterien)
- Kapazität und Verfügbarkeit des Teams
- Definition of Done (DoD) und Qualitätsrahmen
- Erkenntnisse aus Review und Retrospektive
- Technische und organisatorische Randbedingungen
Im Folgenden gehen wir diese Input-Gruppen strukturiert durch.
Produkt- und Kontext-Inputs
Product Vision, Product Goal und Roadmap
Das Team muss verstehen, wohin die Produktentwicklung langfristig steuert:
- Produktvision: Welches Problem löst das Produkt, für wen, mit welchem Nutzen?
- Product Goal: Übergeordnetes Ziel, auf das mehrere Sprints einzahlen
- Roadmap / Meilensteine: Gröbere Planung kommender Releases oder Initiativen
Ohne diesen Kontext besteht die Gefahr, dass im Sprint Planning zwar „volle Auslastung“, aber wenig Wertbeitrag für das Produkt entsteht.
Business-Prioritäten und Stakeholder-Erwartungen
Vor dem Sprint Planning sollte klar sein:
- Welche Geschäftsprioritäten gerade im Fokus stehen
- Welche Stakeholder besondere Anforderungen oder Deadlines haben
- Ob regulatorische oder vertragliche Verpflichtungen existieren
Diese Informationen helfen dem Product Owner, das Product Backlog sinnvoll für das Sprint Planning vorzubereiten.
Anforderungen und Inhalte als Input
Priorisiertes Product Backlog
Ein zentrales Input-Artefakt ist ein geordnetes, priorisiertes Product Backlog, z. B. mit:
- User Stories, Features, Bugs, Spikes
- Klarer Reihenfolge nach Geschäftswert, Risiko und Abhängigkeiten
- Ersten groben Einschätzungen (Story Points, T-Shirt-Sizes etc.)
Wichtig: Das Sprint Planning ist kein Refinement-Ersatz. Je schlechter das Backlog vorbereitet ist, desto ineffizienter wird das Planning.
Definition of Ready und Klarheit der Items
Für Items, die in den Sprint gezogen werden sollen, sollten mindestens vorliegen:
- Verständliche Beschreibung („Wer? Was? Warum?“)
- Akzeptanzkriterien in prüfbarer Form
- Geklärte fachliche Fragen (so weit möglich)
- Bekannte Abhängigkeiten, Schnittstellen und Annahmen
Viele Teams nutzen eine Definition of Ready (DoR) als gemeinsame Vereinbarung, wann ein Backlog Item „planungsreif“ ist. Eine DoR könnte z. B. Punkte enthalten wie:
- Fachlicher Nutzen beschrieben
- Akzeptanzkriterien vorhanden
- Notwendige Mock-ups / Spezifikationen verfügbar
- Grobe Schätzung vorhanden
Kapazitäts- und Team-Inputs
Verfügbarkeit und Kapazität des Teams
Ohne realistische Kapazität ist jeder Sprintplan Makulatur. Wichtige Inputs:
- Kalender mit Urlauben, Feiertagen und Abwesenheiten
- Verpflichtungen außerhalb des Scrum-Teams (z. B. Linienaufgaben, Meetings)
- Geplante Schulungen oder Sonderaufgaben
Daraus ergibt sich eine effektive Kapazität pro Rolle bzw. Skillset, die im Sprint Planning berücksichtigt werden muss.
Historische Velocity und Erfahrungswerte
Wenn das Team bereits mehrere Sprints gemeinsam gearbeitet hat, sollten folgende Informationen einfließen:
- Durchschnittliche Velocity (z. B. in Story Points) vergangener Sprints
- Muster bei Über- oder Unterplanung
- Typische „unsichtbare“ Aufwände (Betrieb, Support, Abstimmungen)
Diese Daten helfen, eine realistische Prognose für den kommenden Sprint zu treffen.
Technische und organisatorische Rahmenbedingungen
Zu den Inputs gehören auch Rahmenbedingungen, die selten im Backlog stehen, aber den Sprint stark beeinflussen:
- Architekturentscheidungen, technische Leitplanken
- Sicherheits-, Performance- oder Compliance-Anforderungen
- Vorhandene technische Schulden, die berücksichtigt werden müssen
- Unternehmensrichtlinien, Governance-Vorgaben, Gremien
Wer diese Randbedingungen im Sprint Planning ignoriert, riskiert Verzögerungen, Nacharbeit und Qualitätsprobleme.
Definition of Done (DoD) und Qualitätsstandards
Die Definition of Done ist ein zentraler Input und später auch ein Maßstab für die Outputs:
- Welche Tests sind Pflicht?
- Welche Dokumentation ist notwendig?
- Welche Reviews und Freigaben müssen erfolgt sein?
- Welche nicht-funktionalen Anforderungen (z. B. Performance) müssen erfüllt sein?
Nur wenn Team und Product Owner die DoD im Sprint Planning präsent haben, ist die Prognose über den Lieferumfang glaubwürdig.
Erkenntnisse aus vorherigen Sprints
Sprint Planning sollte nie isoliert betrachtet werden. Zu den wichtigsten Inputs gehören:
- Feedback aus dem letzten Sprint Review (z. B. neue Anforderungen, Prioritätsänderungen)
- Maßnahmen aus der Retrospektive (z. B. „mehr Pair Programming“, „frühere Abstimmung mit Fachbereich“)
- Erkenntnisse aus Produktionsbetrieb und Support (z. B. Fehlerquellen, Stabilität, Nutzerverhalten)
Diese Informationen sorgen dafür, dass das Team nicht nur „arbeitet wie immer“, sondern sich Sprint für Sprint verbessert.
Zentrale Outputs des Sprint Plannings
Nach dem Sprint Planning sollten mehrere Ergebnisse klar und für alle transparent sein.
1. Ein präzises Sprintziel (Sprint Goal)
Das Sprintziel beschreibt knapp, welchen Wert der Sprint liefern soll. Es:
- Fokussiert das Team auf ein gemeinsames Ergebnis
- Bietet Orientierung bei Zielkonflikten und ungeplanten Themen
- Ermöglicht eine aussagekräftige Bewertung am Sprintende
Beispiele für klare Sprintziele:
- „Kunden können ihre Rechnungen im Self-Service-Portal einsehen und als PDF herunterladen.“
- „Die Ladezeit der Startseite wird unter 2 Sekunden für 95 % der Nutzer reduziert.“
- „Grundlegende Reporting-Funktion für Vertriebskennzahlen ist verfügbar.“
2. Ausgewählte Backlog Items als Sprintumfang
Zweiter wesentlicher Output ist die Auswahl konkreter Product Backlog Items, die dem Sprintziel dienen. Wichtig ist:
- Die Items sind mit dem Sprintziel logisch verknüpft
- Der Umfang passt zur verfügbaren Kapazität
- Risiken und Abhängigkeiten sind sichtbar
Typisch werden diese Items im Sprint Backlog dokumentiert, oft inklusive Reihenfolge oder Priorisierung im Sprint.
Sprint Backlog als detaillierter Output
3. Konkretisierte Tasks und Umsetzungsplan
Viele Teams zerlegen die ausgewählten Items im Sprint Planning oder kurz danach in konkrete Tasks, z. B.:
- Design, Implementierung, Test, Dokumentation
- Abstimmungstermine mit Fachbereichen
- Technische Vorarbeiten (z. B. Datenbankmigrationen)
Wichtige Merkmale eines guten Umsetzungsplans als Output:
- Sichtbare Aufgaben mit geschätztem Aufwand
- Klarheit darüber, wer an welchen Themen arbeitet (zumindest zu Beginn)
- Berücksichtigung von Abhängigkeiten und technischen Risiken
4. Gemeinsames Verständnis und Commitment
Ein oft unterschätzter Output: das gemeinsame Verständnis im Team darüber,
- was erledigt werden soll (Inhalt, Scope)
- auf welche Weise gearbeitet wird (Architektur- und Lösungsansätze)
- welche Risiken und Annahmen es gibt
Dieses Verständnis äußert sich in einem tragfähigen Commitment des Teams: nicht im Sinne eines starren Versprechens, sondern als ernsthafte Prognose, zu der alle stehen.
5. Transparente Risiken, Annahmen und offene Punkte
Gute Sprint Plannings enden nicht mit einer scheinbar perfekten Wunschliste, sondern mit dokumentierten Unsicherheiten:
- Bekannte Risiken (z. B. Abhängigkeit von externen Teams)
- Wichtige Annahmen (z. B. „API ist bis Woche 2 verfügbar“)
- Geplante Maßnahmen bei Eintritt von Risiken
Diese Transparenz ist ein wichtiger Output – insbesondere für Stakeholder und Management.
Schritt-für-Schritt: Sprint Planning entlang von Inputs und Outputs gestalten
Ein bewährtes Vorgehen gliedert das Sprint Planning in zwei Phasen: „Was“ und „Wie“.
Phase 0: Vorbereitung (vor dem Meeting)
Wesentliche Vorarbeit, damit die Inputs stimmen:
- Product Owner aktualisiert und priorisiert das Product Backlog
- Offene fachliche Fragen zu Top-Items werden geklärt oder sichtbar markiert
- Teamkapazität wird erhoben (Urlaub, Abwesenheiten, Sonderaufgaben)
- Relevante Erkenntnisse aus Review und Retrospektive werden kompakt aufbereitet
Phase 1: „Was“ – Ziel und Umfang definieren
Im eigentlichen Sprint Planning:
- Product Goal und Kontext kurz in Erinnerung rufen
- Relevante Top-Items aus dem Product Backlog gemeinsam durchgehen
- Möglichkeiten kombinieren, um ein sinnvolles Sprintziel zu formulieren
- Prüfen, ob Kapazität und Risiko zu Ziel und Umfang passen
- Entscheiden, welche Items verbindlich in den Sprint aufgenommen werden
Output dieser Phase:
- Formuliertes Sprintziel
- Liste der ausgewählten Product Backlog Items
Phase 2: „Wie“ – Umsetzung grob planen
Im zweiten Schritt geht es um die Umsetzungsdetails:
- Ausgewählte Items in konkrete Tasks zerlegen (so weit sinnvoll)
- Abhängigkeiten und technische Entscheidungen besprechen
- Aufwand und Reihenfolge grob planen
- Risiken, Annahmen und technische Fragen dokumentieren
- Gemeinsame Plausibilitätsprüfung: „Ist das mit unserer Kapazität realistisch?“
Output dieser Phase:
- Sprint Backlog mit Tasks
- abgestimmter Umsetzungsplan
- dokumentierte Risiken und Annahmen
Praxisbeispiele: Gute vs. schwache Inputs & Outputs
Beispiel für schwache Inputs
- Product Backlog unsortiert, viele alte Items
- Stories ohne klare Akzeptanzkriterien
- Kapazität nicht geprüft, Urlaube werden im Meeting „nebenbei“ entdeckt
- Keine Klarheit über Definition of Done
Typische Folgen:
- Lange Diskussionen, häufige Richtungswechsel
- Unrealistischer Umfang
- Am Sprintende Überraschungen („Das gehört doch zur Story dazu!“)
Beispiel für starke Inputs
- Klar priorisiertes Backlog mit gepflegten Top-Items
- DoR vereinbart und konsequent angewendet
- Kapazität und Velocity liegen in aufbereiteter Form vor
- DoD ist allen präsent, Qualitätsanforderungen sind bekannt
Typische Folgen:
- Fokussiertes, zügiges Sprint Planning
- Realistisches Commitment
- Klarer Zusammenhang zwischen Sprintziel und ausgewählten Items
Häufige Fehler im Sprint Planning – und wie klare Inputs & Outputs helfen
Typische Fehler:
- Zu viele unklare Items: Backlog nicht vorbereitet, Stories ohne Akzeptanzkriterien
→ Lösung: Verbindliche Refinement-Sessions und Definition of Ready. - Fokus auf Auslastung statt Wert: es wird „gefüllt“, bis alle Stunden belegt sind
→ Lösung: Sprintziel als Leitstern und Wertbeitrag ins Zentrum stellen. - Keine Berücksichtigung der Kapazität: Vergangenheitswerte und Abwesenheiten ignoriert
→ Lösung: Kapazität und Velocity konsequent als Input nutzen. - Outputs bleiben im Tool „versteckt“: Sprintziel und Plan werden nicht kommuniziert
→ Lösung: Sprintziel und wichtige Annahmen sichtbar dokumentieren (Board, Confluence, Intranet). - Management erwartet starre Lieferung: Commitment wird als „harte Zusage“ missverstanden
→ Lösung: Klarstellen, dass Prognose ≠ Garantie ist, und Transparenz über Risiken schaffen.
Wenn Sie Ihre Inputs & Outputs des Sprint Plannings konsequent schärfen, reduzieren Sie diese Probleme nachhaltig.
Checkliste: Inputs & Outputs für Ihr nächstes Sprint Planning
Vor dem Sprint Planning – Inputs prüfen
- Produktvision und Product Goal sind klar und präsent
- Product Backlog ist priorisiert, Top-Items sind verfeinert
- Relevante Akzeptanzkriterien liegen vor
- Definition of Ready ist bekannt und angewendet
- Teamkapazität (Abwesenheiten, Sonderaufgaben) ist erhoben
- Historische Velocity ist verfügbar
- Definition of Done und Qualitätsanforderungen sind bekannt
- Erkenntnisse aus Review & Retrospektive sind berücksichtigt
Nach dem Sprint Planning – Outputs sichern
- Sprintziel ist kurz, verständlich und für alle sichtbar dokumentiert
- Ausgewählte Product Backlog Items sind eindeutig benannt
- Aufgaben (Tasks) sind soweit sinnvoll identifiziert
- Risiken, Annahmen und Abhängigkeiten sind festgehalten
- Zusammenhang zwischen Sprintziel und Items ist erkennbar
- Team steht geschlossen hinter der Prognose für den Sprint
Fazit Inputs & Outputs des Sprint Plannings
Wer Sprint Planning als reines Termin- und Task-Meeting versteht, verschenkt enormes Potenzial. Der entscheidende Hebel liegt in klaren Inputs & Outputs des Sprint Plannings: gut vorbereitete Anforderungen, realistische Kapazität, transparente Qualitätsstandards und lernende Auswertung der vergangenen Sprints auf der einen Seite – sowie ein scharf formuliertes Sprintziel, ein fokussierter Umfang und ein gemeinsamer Umsetzungsplan auf der anderen.
Wenn Sie diese Elemente konsequent etablieren, werden Ihre Plannings kürzer, Ihre Sprints verlässlicher und Ihre Stakeholder zufriedener. Und wenn Sie Ihre agilen Planungs- und Steuerungsprozesse strukturiert weiterentwickeln möchten, kann eine externe Begleitung – etwa durch erfahrene Berater wie PURE Consultant – helfen, diese Verbesserungen nachhaltig im gesamten Unternehmen zu verankern.