Häufige Fehler im Sprint Backlog – Eine saubere Sprint-Planung steht und fällt mit einem gut gepflegten Sprint Backlog. In der Praxis ist genau dieses Artefakt jedoch häufig eine Schwachstelle: zu voll, zu vage, zu starr – mit direkten Auswirkungen auf Termine, Qualität und Motivation im Team. In diesem Artikel erfahren Sie, welche häufigen Fehler im Sprint Backlog in agilen Teams auftreten, woran Sie sie erkennen und wie Sie diese systematisch vermeiden. So wird das Sprint Backlog vom Verwaltungsdokument zum wirklichen Steuerungsinstrument für den Sprint.

Grundlagen: Was ist ein Sprint Backlog?
Kurzdefinition
Das Sprint Backlog ist die verbindliche, vom Entwicklungsteam gepflegte Liste aller Arbeiten, die in einem Sprint erledigt werden sollen. Es besteht aus ausgewählten Product-Backlog-Einträgen (z. B. User Stories) und deren Umsetzungsaufgaben (Tasks) und bildet den aktuellen Plan des Teams, um das Sprintziel zu erreichen.
Rolle im Scrum-Prozess
- Übersetzung des Sprintziels in konkrete Arbeitspakete
- Transparenz darüber, wer woran arbeitet und wie weit der Fortschritt ist
- Grundlage für das Daily Scrum (Was haben wir geschafft, was blockiert, was ist als Nächstes dran?)
- Frühwarnsystem, wenn der Sprint zu scheitern droht
Wenn das Sprint Backlog unscharf, überladen oder veraltet ist, verliert das Team die Orientierung. Genau hier entstehen die typischen Fehler, die sich später als „unerklärliche“ Verzögerungen oder Qualitätsprobleme zeigen.
Häufige Fehler im Sprint Backlog – ein Überblick
Typische Fehler im Sprint Backlog sind unter anderem:
- Unklare oder zu grobe Einträge
- Kein oder ein schwaches Sprintziel
- Überladenes Sprint Backlog (Überplanung)
- Starres Sprint Backlog ohne Anpassung
- Keine Zerlegung in umsetzbare Tasks
- Fehlende Priorisierung innerhalb des Sprints
- Versteckte Arbeit außerhalb des Backlogs („Hidden Work“)
- Kein Bezug zur Definition of Done
- Falsche oder fehlende Schätzungen
- Nur Tool-Fokus statt inhaltlicher Klarheit
Im Folgenden gehen wir diese und weitere Punkte im Detail durch – mit praxisnahen Hinweisen für Projektmanager, Product Owner und Führungskräfte.
Fehler 1: Unklare oder zu grobe Einträge
Viele Sprint Backlogs bestehen aus Formulierungen wie „Login verbessern“, „Bericht optimieren“ oder „API anpassen“. Solche Einträge sind zu unscharf.
Typische Symptome
- Im Daily Scrum sind lange Erklärungen nötig, um zu verstehen, worum es geht.
- Unterschiedliche Personen im Team verstehen denselben Eintrag unterschiedlich.
- Gegen Ende des Sprints wird gestritten, ob ein Eintrag „wirklich fertig“ ist.
Warum ist das problematisch?
Unklare Einträge verhindern verlässliche Planung. Das Team kann nicht sinnvoll schätzen, Stakeholder wissen nicht, was sie erwarten dürfen, und das Risiko für Missverständnisse steigt massiv.
Empfehlungen aus der Praxis
- User Stories klar formulieren (z. B. mit „Als … möchte ich … damit …“).
- Abnahmekriterien („Akzeptanzkriterien“) pro Story definieren.
- Vor Aufnahme in das Sprint Backlog prüfen:
- Ist der Nutzen klar?
- Wissen wir, was „fertig“ bedeutet?
- Reicht das Verständnis, um Arbeitspakete (Tasks) abzuleiten?
Fehler 2: Sprint Backlog ohne klares Sprintziel
Ein Sprint Backlog ohne klares Sprintziel ist nur eine Liste von Aufgaben. Dem Team fehlt die gemeinsame Ausrichtung.
Woran Sie diesen Fehler erkennen
- Auf die Frage „Was ist der Fokus dieses Sprints?“ gibt es im Team mehrere, unterschiedliche Antworten.
- Im Verlauf des Sprints verschiebt sich die Aufmerksamkeit dauernd auf neue Themen.
- Am Sprintende ist unklar, welchen messbaren Fortschritt man erzielt hat.
Folgen
- Zerstreute Arbeit, häufige Kontextwechsel
- Schwierige Priorisierungen innerhalb des Sprints
- Höheres Risiko, dass kritische Themen liegenbleiben
So vermeiden Sie den Fehler
- Vor dem Commitment des Sprint Backlogs ein prägnantes Sprintziel formulieren (1–2 Sätze).
- Nur Arbeiten ins Sprint Backlog aufnehmen, die direkt auf dieses Sprintziel einzahlen.
- Im Daily Scrum regelmäßig auf das Sprintziel Bezug nehmen: „Bringt uns diese Aufgabe näher ans Ziel?“
Fehler 3: Überladenes Sprint Backlog (zu viel Arbeit eingeplant)
Ein sehr häufiger Fehler im Sprint Backlog: Das Team plant mehr ein, als seine reale Kapazität hergibt – oft aus Optimismus oder unter Managementdruck.
Typische Anzeichen
- Am Ende vieler Sprints bleiben zahlreiche Einträge „in Arbeit“ oder „fast fertig“.
- Die Velocity schwankt stark von Sprint zu Sprint.
- Das Team spürt konstanten Zeitdruck und arbeitet regelmäßig Überstunden.
Ursachen
- Fehlende oder ignorierte Kapazitätsplanung (Urlaub, Meetings, Support etc.)
- Wunschdenken („Das schaffen wir schon irgendwie“)
- Managementerwartungen, die kaum verhandelbar erscheinen
Empfehlungen
- Historische Velocity nutzen: Wie viel Story Points hat das Team in den letzten 3–5 Sprints durchschnittlich geschafft?
- Kapazität realistisch berechnen (verfügbare Teamstunden pro Sprint).
- Safety-Puffer einplanen (z. B. 10–20 % Kapazität) für Unvorhergesehenes.
- Klare Entscheidungskriterien: Was wird gestrichen, wenn der Umfang zu groß ist?
Fehler 4: Starres Sprint Backlog – keine Anpassungen während des Sprints
Scrum sieht vor, dass das Sprint Backlog während des Sprints angepasst werden darf, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben – ohne das Sprintziel zu gefährden.
Fehlerbild
- Nach dem Sprint Planning gilt das Backlog als „in Stein gemeißelt“.
- Neue Erkenntnisse aus Tests, Kundenfeedback oder technischen Abhängigkeiten werden ignoriert.
- Das Team arbeitet mechanisch den ursprünglichen Plan ab, obwohl sich Prioritäten geändert haben.
Risiken
- Geringere Wertschöpfung: Das Team liefert am Ende nicht das, was jetzt am wichtigsten wäre.
- Frustration im Team, wenn offensichtliche Anpassungsbedarfe „offiziell“ nicht erlaubt sind.
Best Practices
- Das Sprintziel als Referenzpunkt nutzen: Anpassungen sind erlaubt, solange das Ziel erreichbar bleibt.
- Im Daily Scrum bewusst fragen: „Müssen wir unser Sprint Backlog heute anpassen?“
- Kleinere Nachsteuerungen gemeinsam im Team entscheiden, nicht allein durch eine Person.
Fehler 5: Keine Zerlegung in umsetzbare Tasks
Ein häufiger praktischer Fehler im Sprint Backlog: Die Einträge bleiben auf Story- oder Feature-Ebene und werden nicht in konkrete Aufgaben heruntergebrochen.
Woran Sie das erkennen
- Jede Story hat nur einen Task („Story umsetzen“).
- Im Daily Scrum ist kaum ersichtlich, wie der Fortschritt innerhalb einer Story ist.
- Es kommt am Ende des Sprints zu großen, unvollständigen „Brocken“.
Warum das problematisch ist
- Schlechte Planbarkeit auf Tagesebene
- Erhöhtes Risiko, dass kritische Teilaufgaben vergessen werden
- Kaum Transparenz für Stakeholder und Management
Empfehlungen für gute Task-Zerlegung
- Tasks so schneiden, dass sie in 0,5–1,5 Personentagen abgeschlossen werden können.
- Fachliche, technische, Test- und Dokumentationsaufgaben sichtbar machen.
- Tasks mit klaren Ergebnissen formulieren („Validierungslogik für X implementiert“, nicht „an Logik arbeiten“).
Fehler 6: Fehlende Priorisierung innerhalb des Sprint Backlogs
Viele Teams sagen: „Alles im Sprint ist wichtig“ – und verzichten damit auf eine sinnvolle Priorisierung.
Typische Effekte
- Am Sprintende sind mehrere wichtige Stories nur zu 80 % fertig.
- Kleinteilige, angenehme Aufgaben werden bevorzugt vor kritischen, komplexeren Themen.
- Stakeholder verstehen nicht, warum genau das Wichtigste wieder nicht fertig wurde.
Wie Sie priorisieren können
- Innerhalb des Sprint Backlogs eine klare Reihenfolge festlegen (z. B. „Must“, „Should“, „Could“).
- Kritische Pfade identifizieren: Welche Einträge sind Voraussetzung für andere?
- Vereinbarung im Team: Zuerst werden die wichtigsten Einträge fertiggestellt, erst dann Nebenthemen.
Fehler 7: „Hidden Work“ – Arbeit außerhalb des Sprint Backlogs
Ein besonders gefährlicher Fehler im Sprint Backlog ist unsichtbare Arbeit: Support-Tickets, Ad-hoc-Analysen, Meetings oder „Gefälligkeiten“, die nicht im Backlog auftauchen.
Symptome
- Das Team wirkt dauerhaft beschäftigt, aber das Sprint Backlog kommt kaum voran.
- In Retrospektiven ist unklar, wo die Zeit „geblieben ist“.
- Es gibt immer wieder „Sonderwünsche“, die spontan erledigt werden.
Folgen
- Planung wird systematisch unterlaufen.
- Velocity und Kapazitätsplanung werden unzuverlässig.
- Vertrauen von Stakeholdern in Scrum sinkt.
Lösungsansätze
- Klare Regel: Jede Arbeit, die mehr als X Minuten (z. B. 30–60) dauert, wird als Eintrag im Sprint Backlog erfasst.
- Standardprozesse für eingehende Ad-hoc-Anfragen (z. B. Triaging und Entscheidung: jetzt vs. nächster Sprint).
- Transparente Diskussion im PO-Team und Management über echte Support-Kapazität.
Fehler 8: Kein Bezug zur Definition of Done
Einträge im Sprint Backlog sind nur dann wirklich „fertig“, wenn sie die Definition of Done erfüllen. Fehlt dieser Bezug, entstehen regelmäßig Missverständnisse.
Fehlerbild
- Unterschiedliche Interpretationen von „fertig“ zwischen Team, Product Owner und Stakeholdern.
- Nach dem Sprint müssen noch „Kleinigkeiten“ wie Tests, Doku oder Refactoring nachgeholt werden.
- Qualität variabel von Sprint zu Sprint.
Praxisempfehlungen
- Definition of Done für das Team eindeutig formulieren und sichtbar halten.
- Bei der Task-Erstellung explizit prüfen: Welche Tasks brauchen wir, um die Definition of Done zu erfüllen?
- Im Daily Scrum und beim Review auf diese Kriterien Bezug nehmen.
Fehler 9: Falsche oder fehlende Schätzungen
Ohne nachvollziehbare Schätzungen (z. B. in Story Points oder idealen Tagen) ist ein Sprint Backlog kaum belastbar.
Typische Probleme
- Das Team schätzt gar nicht oder nur sehr grob.
- Schätzungen werden als „Versprechen“ statt als Prognose interpretiert.
- Story Points werden als Zeitangaben missverstanden.
Auswirkungen
- Über- oder Unterplanung der Sprints
- Frustration, wenn Schätzungen „verfehlt“ werden
- Kaum Lernkurve aus vergangenen Sprints
Empfehlungen
- Konsistentes Schätzverfahren wählen (Planning Poker, Fibonacci-Skala etc.).
- Schätzung als gemeinsames Verständnis-Check nutzen: Hohe Abweichung zwischen Teammitgliedern ist ein Warnsignal.
- Nach einigen Sprints regelmäßig überprüfen: Passen unsere Schätzungen zu unserer tatsächlichen Velocity?
Fehler 10: Tool-Zentrierung statt Klarheit im Inhalt
Viele Organisationen verwechseln ein sauberes Sprint Backlog mit „alles korrekt in Jira / Azure DevOps / Tool XY eingetragen“.
Fehlerbild
- Fokus auf Felder, Status und Workflows, nicht auf Verständlichkeit der Inhalte.
- Langer Aufwandsfokus beim Pflegen des Tools, ohne Mehrwert.
- Diskussionen drehen sich um Statusbegriffe statt um Business Value.
Konsequenzauswirkungen
- Das Tool wird Selbstzweck.
- Wichtige konzeptionelle Klärungen („Was wollen wir wirklich erreichen?“) bleiben aus.
Bessere Vorgehensweise
- Erst Inhalte, dann Tool: Klarheit über Ziel, Story und Akzeptanzkriterien vor dem Erfassen im System.
- Tool nur als Hilfsmittel für Transparenz und Nachvollziehbarkeit nutzen.
- Regelmäßig prüfen: Verstehen Stakeholder allein über das Tool, was wir tun?
Fehler 11: Sprint Backlog ohne echte Teamverantwortung
In einigen Organisationen wird das Sprint Backlog de facto von einer einzelnen Person bestimmt – etwa vom Projektleiter oder Product Owner – und das Team „arbeitet ab“.
Anzeichen
- Sprint Planning ist eine Einweg-Kommunikation („Hier ist euer Plan“).
- Kaum Diskussion im Team zu Machbarkeit, Risiken und Alternativen.
- Geringes Engagement und wenig Eigeninitiative im Sprint.
Risiken
- Fehlende Ownership im Team
- Unrealistische Pläne, da das Wissen der Umsetzer nicht früh genug einfließt
- Geringe Identifikation mit Zielen und Ergebnissen
Empfehlungen
- Klare Erwartung
- Sprint Backlog wird vom Entwicklungsteam erstellt, der Product Owner liefert Kontext und Prioritäten.
- Im Planning aktiv die Perspektiven verschiedener Disziplinen einholen (Dev, Test, UX, Operations).
Fazit Häufige Fehler im Sprint Backlog
Ein wirksames Sprint Backlog ist weit mehr als eine Aufgabenliste – es ist das zentrale Steuerungsinstrument für Fokus, Transparenz und Verlässlichkeit im Sprint. Die häufigsten Fehler im Sprint Backlog entstehen nicht durch das Tool, sondern durch fehlende Klarheit: unpräzise Einträge, überladene Sprints, versteckte Arbeit, mangelnde Priorisierung und ein zu schwacher Bezug zu Sprintziel und Definition of Done.
Wer diese Fehler systematisch adressiert, erzielt spürbare Effekte: besser planbare Sprints, höhere Lieferzuverlässigkeit, weniger Eskalationen mit Stakeholdern und ein motiviertes Team, das seine Erfolge klar sehen kann. Der Weg dorthin führt über bewusst gestaltete Backlog-Einträge, realistische Kapazitätsplanung, transparente Priorisierung und eine Kultur, in der das Team Verantwortung für das eigene Sprint Backlog übernimmt.
Wenn Sie Ihre Sprint-Planung professionalisieren, typische Stolpersteine vermeiden und Ihre agilen Teams gezielt stärken möchten, begleiten wir Sie bei PURE Consultant gerne mit Analyse, Training und praxisnaher Einführung passender Arbeitsweisen.