Entwicklungsteam: Aufgaben & Verantwortlichkeiten – Ein funktionierendes Scrum-Setup entscheidet oft darüber, ob ein Projekt planbar, transparent und erfolgreich läuft – oder in endlosen Abstimmungsrunden steckenbleibt. Besonders häufig bleibt dabei unklar, was genau das Entwicklungsteam in Scrum leistet und wofür es tatsächlich verantwortlich ist. Dieser Artikel zeigt strukturiert und praxisnah, welche Aufgaben das Entwicklungsteam übernimmt, wie sich seine Verantwortung von Product Owner und Scrum Master abgrenzt und was Führungskräfte tun können, um starke Entwicklungsteams aufzubauen – ohne Mikromanagement, aber mit klaren Spielregeln.

Was ist das Entwicklungsteam in Scrum?
In Scrum ist das Entwicklungsteam (heute im Scrum Guide als „Developer“ bezeichnet) die Gruppe von Fachleuten, die aus dem Product Backlog im Rahmen eines Sprints ein fertiges, nutzbares Inkrement erstellt.
Kurzdefinition:
Das Entwicklungsteam in Scrum ist ein interdisziplinäres, selbstorganisiertes Team, das gemeinsam für die Lieferung eines qualitativ hochwertigen Produktinkrements am Ende jedes Sprints verantwortlich ist.
Typische Merkmale eines Entwicklungsteams:
- 3–9 Personen (empfohlene Teamgröße)
- Interdisziplinär (Entwicklung, Test, UX, Architektur, ggf. DevOps etc.)
- Selbstorganisiert (entscheidet eigenständig, wie Arbeit erledigt wird)
- Verantwortlich für Qualität und technische Umsetzung
- Liefert regelmäßig nutzbare Inkremente
Abgrenzung: Entwicklungsteam, Scrum Team, Product Owner, Scrum Master
Viele Organisationen scheitern daran, dass Rollen in Scrum verwischt werden. Daher ist eine klare Abgrenzung zentral.
Scrum Team
- Umfasst Product Owner, Scrum Master und Entwicklungsteam (Developer)
- Trägt gemeinsam Verantwortung für den Produkterfolg
Product Owner
- Verantwortlich für Produktvision, Wertmaximierung und Priorisierung im Product Backlog
- Entscheidet was umgesetzt wird und in welcher Reihenfolge
Scrum Master
- Verantwortlich dafür, dass Scrum verstanden und angewendet wird
- Entfernt Hindernisse, coacht Team und Organisation
- Hat keine Linienvorgesetztenrolle gegenüber dem Entwicklungsteam
Entwicklungsteam (Developer)
- Verantwortlich für die Umsetzung: Sie entscheiden wie Anforderungen realisiert werden
- Schätzen Aufwände, planen den Sprint und liefern das Inkrement
- Tragen die Verantwortung für technische Qualität und Einhaltung der Definition of Done
Zentrale Aufgaben des Entwicklungsteams in Scrum
1. Planung und Commitments im Sprint Planning
Im Sprint Planning konkretisiert das Entwicklungsteam gemeinsam mit dem Product Owner das Sprint-Ziel und entscheidet, welche Backlog-Einträge realistisch bearbeitet werden können.
Kernaufgaben:
- Verstehen der Anforderungen (z. B. durch Nachfragen, Beispiele, Akzeptanzkriterien)
- Abschätzen von Aufwand und Komplexität (z. B. Story Points, T-Shirt Sizes)
- Planung, wie die ausgewählten Product-Backlog-Einträge umgesetzt werden
- Formulierung eines realistischen Sprint-Backlogs
Wichtig:
Das Entwicklungsteam commitet sich auf ein Sprint-Ziel, nicht auf eine starre Liste einzelner Tasks. Es trägt Verantwortung, alles daran zu setzen, dieses Ziel zu erreichen.
2. Umsetzung und Qualitätssicherung im Sprint
Während des Sprints liegt der Fokus des Entwicklungsteams auf der Umsetzung der geplanten Arbeit:
- Design und Implementierung von Features
- Schreiben automatisierter Tests (Unit-, Integrations-, Systemtests)
- Durchführung manueller Tests, Exploratory Testing
- Code-Reviews, Pair/Mob Programming
- Integration der Änderungen (Continuous Integration, ggf. Continuous Delivery)
- Fehleranalyse und Behebung von Bugs
Das Entwicklungsteam ist verantwortlich dafür, dass jede umgesetzte User Story den vereinbarten Qualitätskriterien entspricht.
3. Zusammenarbeit mit Product Owner und Stakeholdern
Auch wenn das Entwicklungsteam die technische Umsetzung verantwortet, ist es nicht „im Keller eingeschlossen“:
- Enge Abstimmung mit dem Product Owner zu Anforderungen, Akzeptanzkriterien und Prioritäten
- Gemeinsame Verfeinerung (Backlog Refinement, Grooming)
- Transparente Kommunikation zu technischen Risiken, Abhängigkeiten und Machbarkeit
- Teilnahme am Sprint Review und Dialog mit Stakeholdern
Je früher das Entwicklungsteam Rückmeldungen erhält, desto geringer das Risiko teurer Fehlentwicklungen.
4. Kontinuierliche Verbesserung und Lernen
Im Rahmen der Sprint Retrospektive reflektiert das Entwicklungsteam:
- Was hat im Sprint gut funktioniert?
- Wo gab es Engpässe, Wartezeiten, Reibungsverluste?
- Welche Prozess-, Tool- oder Team-Anpassungen machen Sinn?
Das Team setzt sich konkrete Verbesserungsmaßnahmen für den nächsten Sprint. Kontinuierliche Verbesserung ist keine „Zusatzaufgabe“, sondern Teil des Kernauftrags.
5. Dokumentation und technische Exzellenz
Auch wenn Scrum zur schlanken Dokumentation ermutigt, gehört Folgendes zu den Aufgaben des Entwicklungsteams:
- Pflege technischer Dokumentation, soweit sie Wert stiftet (z. B. Architekturübersichten, Schnittstellenbeschreibungen)
- Lesbarer, wartbarer Code („Dokumentation im Code“)
- Klare Testfälle und Testdokumentation, wo nötig (z. B. regulierte Branchen)
- Einhaltung von Architekturvorgaben und Coding-Guidelines
Verantwortlichkeiten des Entwicklungsteams im Detail
Kurz zusammengefasst:
Das Entwicklungsteam trägt die Verantwortung für Umsetzung, Qualität und Lieferfähigkeit im Rahmen eines Sprints.
Im Detail umfasst dies:
Verantwortung für das Sprint-Ziel
- Das Team verpflichtet sich, alles zu tun, um das Sprint-Ziel zu erreichen
- Es passt bei Bedarf den Plan an, um das Ziel trotz unvorhergesehener Probleme zu schaffen
- Es kommuniziert frühzeitig, wenn das Ziel in Gefahr ist
Verantwortung für die Definition of Done (DoD)
- Mitgestaltung und kontinuierliche Schärfung der Definition of Done
- Sicherstellen, dass Arbeit nur dann als „fertig“ gilt, wenn die DoD erfüllt ist
- Verhindern, dass „halbe Sachen“ als fertig deklariert werden
Typische Inhalte einer Definition of Done:
- Code entwickelt, reviewt und integriert
- Tests (automatisiert/manuell) erfolgreich durchgeführt
- Dokumentation aktualisiert, falls nötig
- Akzeptanzkriterien erfüllt
- Keine bekannten kritischen Bugs offen
Aufwandsschätzung und Kapazitätsplanung
- Das Entwicklungsteam schätzt selbst den Aufwand der Backlog-Einträge
- Es plant basierend auf der tatsächlich verfügbaren Kapazität im Sprint (Urlaub, Meetings etc.)
- Niemand außerhalb des Teams „diktiert“ Schätzungen oder Zusagen
Dadurch erhält das Team die notwendige Verantwortung und Autonomie, wirklich realistische Zusagen zu machen.
Technische Entscheidungen und Architektur
- Treffen von Architekturentscheidungen im Rahmen der definierten Leitplanken
- Auswahl von Technologien, Patterns und Lösungsansätzen
- Balance zwischen kurzfristiger Umsetzung und langfristiger Wartbarkeit
- Einbringen technischer Schulden und Refactoring-Bedarfe ins Backlog
Verantwortung für Qualität, Sicherheit und Betrieb
Je nach Organisation umfasst dies oft auch:
- Performance-, Load- und Sicherheitstests
- Monitoring, Logging, Alarmierung
- Unterstützung beim Betrieb (DevOps-Ansatz, „You build it, you run it“)
- Analyse und Behebung von Produktionsproblemen
Typische Rollen im Entwicklungsteam
Auch wenn Scrum alle als „Developer“ bezeichnet, ist ein Entwicklungsteam meist aus mehreren Spezialisierungen zusammengesetzt:
- Softwareentwickler:innen (Backend, Frontend, Full-Stack)
- Tester:innen / QA-Engineers
- UX-/UI-Designer:innen
- Business-Analyst:innen
- DevOps-Engineers / Site Reliability Engineers
- Architekt:innen
- ggf. Data Engineers / Data Scientists
Wichtig:
Scrum unterscheidet diese Rollen nicht formal – das Team trägt gemeinsam Verantwortung. Spezialisierungen sind hilfreich, aber Silos sind es nicht.
Beteiligung des Entwicklungsteams an Scrum-Events
Sprint Planning – „Was“ und „Wie“ klären
Aufgaben des Entwicklungsteams:
- Anforderungen verstehen (z. B. durch Beispiele, User Journeys)
- Technische Risiken und Abhängigkeiten identifizieren
- Aufwand und Kapazität abgleichen
- Sprint-Ziel mitformulieren
- Arbeitspakete im Sprint-Backlog strukturieren
Daily Scrum – Arbeit koordinieren
Im Daily Scrum (max. 15 Minuten) synchronisiert das Entwicklungsteam seine Arbeit:
- Was haben wir seit dem letzten Daily erreicht?
- Was planen wir bis zum nächsten Daily?
- Was hindert uns an der Erreichung des Sprint-Ziels?
Das Daily ist kein Status-Meeting für Führungskräfte, sondern ein Arbeitsmeeting des Teams zur Selbstorganisation.
Sprint Review – Ergebnis zeigen und Feedback holen
Aufgaben des Entwicklungsteams:
- Präsentation des fertigen Inkrements
- Erläuterung, was umgesetzt wurde und was nicht
- Technische Fragen von Stakeholdern beantworten
- Offen und transparent mit Problemen umgehen
Ziel: Echtes Feedback erhalten, das unmittelbar in die weitere Planung einfließt.
Sprint Retrospektive – Zusammenarbeit verbessern
Aufgaben des Entwicklungsteams:
- Eigene Arbeitsweise kritisch hinterfragen
- Offene Kommunikation über Spannungen und Probleme
- Konkrete Maßnahmen zur Verbesserung beschließen (z. B. Prozessanpassungen, Tool-Optimierung, Definition-of-Done-Schärfung)
Häufige Missverständnisse und Anti-Pattern rund um das Entwicklungsteam
Damit ein Entwicklungsteam seine Aufgaben in Scrum wirklich wahrnehmen kann, sollten folgende Muster vermieden werden:
- Das Team als reine „Umsetzer“
Entscheidungen werden zentral getroffen, das Team „programmiert nur“. Folge: geringe Identifikation, schwache Verantwortung. - Extern vorgegebene Commitments
Management oder Vertrieb versprechen Liefertermine, ohne das Team einzubeziehen. Ergebnis: Überlastung, technische Schulden, Demotivation. - Überdimensionierte oder zu kleine Teams
Zu große Teams verlieren an Fokus und Koordination, zu kleine Teams sind oft nicht ausreichend cross-funktional. - Teilzeit- und Projekt-Hopping
Mitglieder sind in mehreren Projekten gleichzeitig, was Fokus und Planbarkeit massiv reduziert. - Kein Einfluss auf Definition of Done
Qualitätskriterien werden von außen diktiert, passen aber nicht zur Realität des Teams. - Scrum Master als „Teamleiter“
Wenn der Scrum Master Weisungen gibt oder Mitarbeitergespräche führt, leidet die Selbstorganisation des Teams.
Best Practices für leistungsfähige Entwicklungsteams in Scrum
1. Teamzuschnitt und Größe bewusst wählen
- 3–9 Personen, idealerweise stabil über mehrere Sprints
- Möglichst alle benötigten Kompetenzen im Team bündeln
- Temporäre Experten nur für Spezialthemen hinzuziehen
2. Cross-Funktionalität fördern
- Überschneidende Skills aufbauen (z. B. Entwickler mit Test-Know-how)
- Wissensinseln abbauen (Pair Programming, gemeinsames Arbeiten an Stories)
- Rotation bei Technologien und Modulen, um Abhängigkeiten von Einzelpersonen zu reduzieren
3. Klare Definition of Ready und Definition of Done
- Definition of Ready: Wann ist ein Backlog-Eintrag bereit für das Sprint Planning? (z. B. Business-Ziel klar, Akzeptanzkriterien vorhanden)
- Definition of Done: Wann gilt eine Story als fertig? (z. B. getestet, dokumentiert, deployed)
Beide Definitionen sollten gemeinsam von Product Owner und Entwicklungsteam erarbeitet werden.
4. Transparenz und sinnvolle Metriken
- Nutzung von Burndown-Charts, Cumulative-Flow-Diagrammen oder Lead-/Cycle-Time
- Fokus auf Verbesserung, nicht auf Kontrolle einzelner Personen
- Kein Vergleich von Velocity zwischen Teams als „Leistungskennzahl“
5. Arbeitsumgebung für Fokusarbeit schaffen
- Möglichst wenig kontextfremde Meetings
- Klare Fokuszeiten ohne Störungen
- Technische Infrastruktur, die Continuous Integration & Delivery unterstützt
6. Remote- und Hybrid-Teams bewusst führen
- Klare Kommunikationsregeln (Kamera an/aus, Kanäle, Erreichbarkeit)
- Digitale Whiteboards und Kollaborations-Tools nutzen
- Wichtige Entscheidungen und Erkenntnisse schriftlich festhalten
Was Führungskräfte und Projektmanager beachten sollten
Scrum funktioniert nur, wenn das Entwicklungsteam seine Verantwortung auch wahrnehmen darf. Dafür braucht es von Management- und Projektseite:
- Vertrauen statt Mikromanagement
Keine detaillierte Aufgabenverteilung von außen, sondern klare Ziele und Rahmenbedingungen. - Einbindung in Zusagen nach außen
Liefertermine und Umfang nur gemeinsam mit dem Entwicklungsteam zusagen. - Klare Priorisierung durch den Product Owner
Keine parallelen „Sonderaufträge“ am Product Owner vorbei. - Stabilität der Teams
Keine ständige Umverteilung von Personen auf neue Projekte. - Unterstützung bei Hindernissen
Wenn Blockaden außerhalb des Einflussbereichs des Teams liegen (z. B. Abhängigkeiten zu Fachbereichen, Infrastruktur, Beschaffungen), braucht es aktive Unterstützung von Führungskräften.
Wer diese Punkte ernst nimmt, schafft eine Umgebung, in der Entwicklungsteams ihre Aufgaben in Scrum nicht nur formal, sondern tatsächlich wirkungsvoll erfüllen können.
Checkliste: Entwicklungsteam in Scrum richtig aufstellen
Die folgende Liste bietet eine kompakte Orientierung, ob Ihr Entwicklungsteam seine Rolle in Scrum gut wahrnehmen kann:
- Teamgröße 3–9 Personen, weitgehend stabil
- Alle wesentlichen Kompetenzen (Dev, Test, UX, ggf. Ops) im Team vorhanden
- Entwicklungsteam schätzt Aufwände selbst
- Sprint-Ziele werden gemeinsam mit dem Team festgelegt
- Klar definierte und gelebte Definition of Done
- Product Owner ist erreichbar und arbeitet eng mit dem Team zusammen
- Scrum Master unterstützt Selbstorganisation, ist kein disziplinarischer Vorgesetzter
- Regelmäßige Retrospektiven mit umgesetzten Verbesserungsmaßnahmen
- Keine dauerhafte Mehrfach-Projektbelastung der Teammitglieder
- Management respektiert die Verantwortung des Teams und macht keine Commitments über dessen Kopf hinweg
Je mehr Häkchen Sie setzen können, desto eher ist Ihr Entwicklungsteam in der Lage, die volle Wirkung von Scrum zu entfalten.
Fazit Entwicklungsteam: Aufgaben & Verantwortlichkeiten: Entwicklungsteam als Erfolgsfaktor in Scrum
Ein Entwicklungsteam in Scrum ist weit mehr als eine Gruppe von Programmierern. Es ist das Herzstück der Wertschöpfung: interdisziplinär, selbstorganisiert und direkt verantwortlich für die Lieferung nutzbarer Produktinkremente.
Wer die Aufgaben und Verantwortlichkeiten des Entwicklungsteams klar definiert, konsequent lebt und von Management-Seite unterstützt, reduziert Reibungsverluste, erhöht die Vorhersagbarkeit und verbessert die Produktqualität spürbar.
Wenn Sie Ihr Entwicklungsteam neu aufbauen, auf Scrum umstellen oder bestehende Strukturen professionalisieren möchten, lohnt sich ein externer Blick. Erfahrene Berater wie die Expert:innen der PURE Consultant unterstützen dabei, Rollen zu klären, Teams wirksam aufzustellen und Scrum praxisnah in Ihre Organisation zu integrieren – ohne dogmatischen Overhead, aber mit klarem Fokus auf Ergebnis und Zusammenarbeit.