Ablauf & Phasen der Sprint Retrospektive

Ablauf & Phasen der Sprint Retrospektive – Eine Sprint Retrospektive gehört zu den wirkungsvollsten, aber auch am häufigsten unterschätzten Scrum-Events. Gerade unter Zeitdruck wird sie schnell verkürzt oder gestrichen – mit direkten Folgen für Qualität, Zusammenarbeit und Geschwindigkeit. In diesem Leitfaden erfahren Sie, wie der Ablauf und die Phasen der Sprint Retrospektive konkret aussehen, welche Ziele jede Phase verfolgt und wie Sie das Meeting so gestalten, dass wirklich umsetzbare Verbesserungen entstehen. Praxisnahe Beispiele, Agenda-Vorschläge und typische Stolperfallen helfen Ihnen, Retrospektiven in Ihrem Team strukturiert, effizient und mit klaren Ergebnissen durchzuführen.

Ablauf & Phasen der Sprint Retrospektive
Ablauf & Phasen der Sprint Retrospektive

Was ist eine Sprint Retrospektive?

Eine Sprint Retrospektive ist ein festes Scrum-Event am Ende jedes Sprints. Das Team reflektiert:

Ziel ist es, die Arbeitsweise des Teams kontinuierlich zu verbessern – nicht das Produkt. Die Sprint Retrospektive ist damit der wichtigste Hebel für echte kontinuierliche Verbesserung in agilen Organisationen.


Ziele und Nutzen einer wirksamen Sprint-Retrospektive

Eine gut durchgeführte Retrospektive liefert klaren Mehrwert auf mehreren Ebenen:

Für Entscheider und Führungskräfte ist die Sprint Retrospektive damit ein zentrales Instrument, um kontinuierliche Verbesserung messbar zu etablieren – ohne zusätzliche Meetings.


Ablauf & Phasen der Sprint Retrospektive im Überblick

Eine professionelle Sprint-Retrospektive folgt typischerweise diesem Ablauf:

  1. Rahmen klären (Set the Stage)
  2. Daten sammeln (Gather Data)
  3. Einsichten gewinnen (Generate Insights)
  4. Maßnahmen definieren (Decide What to Do)
  5. Abschluss & Commitment (Close the Retrospective)

Für die Praxis gilt:

Für einen zweiwöchigen Sprint sind 60–90 Minuten ein guter Richtwert.


Phase 1: Rahmen klären – Set the Stage

Ziel: Alle Beteiligten ankommen lassen, Fokus und Ziel der Sprint Retrospektive klären, psychologische Sicherheit schaffen.

Typische Elemente dieser Phase

Rolle des Scrum Masters / Moderators:
Sorgt für einen klaren Rahmen, achtet auf Timebox und Beteiligung, ist aber nicht „Chef“ des Meetings.


Phase 2: Daten sammeln – Was ist im Sprint passiert?

Ziel: Ein gemeinsames, möglichst objektives Bild des letzten Sprints erzeugen.

Hier geht es um Fakten, Beobachtungen und Eindrücke, zum Beispiel:

Mögliche Formate zum Datensammeln

Wichtig ist, dass in dieser Phase noch keine Bewertungen oder Lösungen diskutiert werden. Es geht um Sammeln, nicht um Debattieren.


Phase 3: Einsichten gewinnen – Was steckt hinter den Mustern?

Ziel: Die gesammelten Daten werden strukturiert, Muster werden sichtbar, Ursachen erkannt.

Typische Schritte in dieser Phase

  1. Clustern und priorisieren
    • ähnliche Punkte zusammenfassen
    • per Dot-Voting oder andere Methode Schwerpunktthemen wählen
  2. Ursachen analysieren
    Methoden, die sich in Sprint Retrospektiven bewährt haben:
    • 5-Why-Analyse: Fünfmal „Warum?“ fragen, bis die eigentliche Ursache sichtbar wird.
    • Fishbone / Ishikawa-Diagramm: Ursachen z. B. nach Kategorien wie „Prozess, Technik, Menschen, Umgebung“ ordnen.
    • Systemische Fragen: „Wer profitiert unbewusst vom Status quo?“, „Was würde passieren, wenn wir nichts ändern?“
  3. Zusammenhänge und Muster erkennen
    Beispielsweise:
    • Wiederkehrende Verzögerungen durch externe Abhängigkeiten
    • Ständige Unterbrechungen durch Ad-hoc-Anfragen
    • Unklare Priorisierung im Product Backlog

Wichtig für Entscheider:
In dieser Phase entsteht das Systemverständnis, das später die Qualität der Maßnahmen bestimmt. Ohne saubere Ursachenanalyse werden Maßnahmen schnell zu „Symptomkur“.


Phase 4: Maßnahmen definieren – Entscheiden, was wir konkret tun

Ziel: Wenige, aber wirksame Verbesserungsmaßnahmen für den nächsten Sprint vereinbaren.

Kriterien für gute Maßnahmen

Gute Verbesserungsmaßnahmen sind:

Bewährt hat sich das SMART-Kriterium:

Vorgehen zur Maßnahmenableitung

  1. 1–3 priorisierte Themen aus Phase 3 auswählen
  2. Pro Thema fragen:
    • „Was ist der kleinste nächste Schritt, der einen Unterschied macht?“
  3. Mögliche Maßnahmen sammeln, kurz diskutieren, entscheiden
  4. Jede Maßnahme mit folgenden Infos festhalten:
    • Beschreibung
    • Verantwortliche Person(en)
    • Zeitpunkt / Sprint
    • Wie wird überprüft, ob sie umgesetzt wurde?

Praxis-Tipp:
Begrenzen Sie die Anzahl der Maßnahmen.
1–3 Verbesserungen pro Sprint sind realistischer und wirksamer als eine lange Liste, die nie umgesetzt wird.


Phase 5: Abschluss & Commitment – Retro bewusst beenden

Ziel: Gemeinsames Commitment zur Umsetzung der Maßnahmen, kurzes Feedback zur Retro selbst.

Elemente eines guten Abschlusses


Beispiel: Konkreter Ablauf einer Sprint Retrospektive (90 Minuten)

Für einen zweiwöchigen Sprint kann der Ablauf einer Sprint Retrospektive so aussehen:

  1. 0–10 Minuten: Rahmen klären
    • Begrüßung, Ziel der Retro, Agenda
    • Kurzer Check-in (z. B. Skala 1–5)
  2. 10–35 Minuten: Daten sammeln
    • Start–Stop–Continue im Stillen ausfüllen
    • Alle Punkte sichtbar machen (Board/Miro/Mural)
  3. 35–60 Minuten: Einsichten gewinnen
    • Clustern der Punkte
    • Dot-Voting (z. B. 3 Stimmen pro Person)
    • 5-Why-Analyse für die Top-2-Themen
  4. 60–80 Minuten: Maßnahmen definieren
    • Pro Top-Thema 1–2 SMART-Maßnahmen formulieren
    • Verantwortliche und Sprint festlegen
  5. 80–90 Minuten: Abschluss
    • Maßnahmen zusammenfassen
    • ROTI-Abfrage
    • kurze Wertschätzungsrunde

Für Remote-Teams lassen sich alle Schritte mit digitalen Whiteboards (z. B. Miro, Mural, FigJam) und Video-Konferenz-Tools effizient durchführen.


Typische Fragen zum Ablauf & zu den Phasen der Sprint Retrospektive

Wie lange sollte eine Sprint-Retrospektive dauern?

Wichtiger als die exakte Dauer ist, dass alle Phasen (Rahmen – Daten – Einsichten – Maßnahmen – Abschluss) sinnvoll durchlaufen werden.

Wer nimmt an der Sprint Retrospektive teil?

Teilnehmer der Sprint Retrospektive sind:

Externe Stakeholder nehmen in der Regel nicht teil, um einen geschützten Raum für das Team zu gewährleisten.

Wie viele Verbesserungsmaßnahmen sind sinnvoll?

Erfahrungsgemäß ist es besser, sich auf 1–3 Maßnahmen pro Sprint zu fokussieren.
Zu viele Maßnahmen:

Wenige, klar verfolgte Maßnahmen führen schneller zu spürbaren Verbesserungen.

Was tun, wenn das Team „nichts zu sagen“ hat?

Ursachen können sein:

Ansätze:


Erfolgsfaktoren für wirksame Sprint Retrospektiven

Damit der Ablauf und die Phasen der Sprint Retrospektive ihren vollen Nutzen entfalten, sind einige Erfolgsfaktoren entscheidend:


Häufige Fehler in Retrospektiven – und wie Sie sie vermeiden

Typische Probleme in Sprint Retrospektiven:


Tools, Formate und Templates für Retrospektiven

Je nach Team-Setup (remote, hybrid, co-located) eignen sich unterschiedliche Werkzeuge:

Viele Teams arbeiten mit wiederverwendbaren Retro-Templates, z. B.:

Wichtig ist weniger das Tool, sondern dass der Ablauf klar ist und alle Beteiligten gut damit umgehen können.


Sprint Retrospektiven in skalierten Umgebungen

In skalierten Setups (mehrere Teams, gemeinsame Produktentwicklung) kommen oft zusätzliche Formate dazu:

Der grundsätzliche Ablauf bleibt ähnlich (Rahmen – Daten – Einsichten – Maßnahmen – Abschluss), aber der Fokus verschiebt sich von Teamprozessen zu systemischen Rahmenbedingungen.

Für Entscheider ist dies oft der Schlüssel, um organisationale Engpässe zu identifizieren, die einzelne Teams allein nicht lösen können.


Fazit Ablauf & Phasen der Sprint Retrospektive: Ablauf & Phasen der Sprint Retrospektive bewusst nutzen

Die Sprint Retrospektive ist weit mehr als ein obligatorisches Scrum-Event. Sie ist ein strukturierter Prozess aus fünf Phasen, der – konsequent angewendet – die Arbeitsweise Ihrer Teams nachhaltig verbessert:

Wenn Sie als Führungskraft oder Projektverantwortlicher sicherstellen wollen, dass Retrospektiven in Ihrer Organisation nicht zur Routineveranstaltung verkommen, lohnt sich eine professionelle Einführung und Begleitung.

PURE Consultant unterstützt Unternehmen dabei, Sprint Retrospektiven so aufzusetzen, zu moderieren und im Alltag zu verankern, dass sie messbar zur Leistungsfähigkeit Ihrer Teams beitragen – vom ersten Pilotteam bis zur skalierenden Organisation.

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