Stakeholder Matrix vs. RACI Matrix

Stakeholder Matrix vs. RACI Matrix – Wer Projekte professionell steuert, kommt an zwei Werkzeugen kaum vorbei: der Stakeholder-Matrix und der RACI-Matrix. Beide sehen auf den ersten Blick tabellarisch und technisch aus, doch sie beantworten völlig unterschiedliche Fragen – und ergänzen sich deshalb hervorragend, wenn man sie richtig einsetzt.

In diesem Beitrag erfahren Sie, worin sich beide Matrizen unterscheiden, wann Sie welches Instrument nutzen sollten und wie Sie sie in der Praxis sinnvoll kombinieren.

Stakeholder Matrix vs. RACI Matrix
Stakeholder Matrix vs. RACI Matrix

1. Grundlagen: Worum geht es bei Stakeholder- und RACI-Matrix?

Beide Instrumente stammen aus dem Projekt- und Change-Management, allerdings setzen sie an verschiedenen Punkten an:

1.1 Stakeholder-Matrix kurz erklärt

Die Stakeholder-Matrix hilft Ihnen dabei, alle relevanten Anspruchsgruppen eines Projektes zu identifizieren, zu analysieren und zu priorisieren. Typische Stakeholder sind zum Beispiel:

Meist arbeiten Sie mit einer 2×2-Matrix, in der Sie Stakeholder vor allem nach zwei Dimensionen einordnen:

Daraus ergeben sich vier Quadranten, etwa:

  1. Hohe Macht, hohes Interesse
    → Eng einbinden, aktiv managen, regelmäßig informieren
  2. Hohe Macht, niedriges Interesse
    → Selektiv einbeziehen, bei kritischen Entscheidungen berücksichtigen
  3. Niedrige Macht, hohes Interesse
    → Informieren und einbinden, um Unterstützung aufzubauen
  4. Niedrige Macht, niedriges Interesse
    → Minimal informieren, Aufwand gering halten

Auf dieser Basis entwickeln Sie anschließend:

Die Stakeholder-Matrix beantwortet somit die Frage:

Mit wem haben wir es eigentlich zu tun – und wie gehen wir mit diesen Menschen um, damit das Projekt erfolgreich wird?

1.2 RACI-Matrix kurz erklärt

Die RACI-Matrix ist ein Rollen- und Verantwortlichkeitsdiagramm. Sie sorgt dafür, dass klar ist, wer für welche Aufgabe welche Rolle übernimmt. Die Abkürzung steht für:

In einer RACI-Matrix stehen:

Sie beantwortet deshalb die Frage:

Wer macht was, wer darf was entscheiden, wen müssen wir fragen und wen informieren wir rechtzeitig?


2. Unterschiedliche Fragestellungen: Mindset statt Tabellenkalkulation

Obwohl beide Werkzeuge tabellarisch aufgebaut sind, liegt der entscheidende Unterschied im Denkmodell dahinter.

2.1 Fokus der Stakeholder-Matrix: Menschen, Macht und Emotionen

Die Stakeholder-Matrix richtet den Blick vor allem auf:

Typische Fragen in Workshops lauten deshalb:

Die Stakeholder-Matrix ist damit stark strategisch und politisch geprägt. Sie adressiert weniger das „Was tun wir?“ und deutlich mehr das „Mit wem haben wir es zu tun und wie holen wir diese Menschen mit?“.

2.2 Fokus der RACI-Matrix: Klarheit in Prozessen und Aufgaben

Die RACI-Matrix zielt dagegen auf operative Klarheit ab. Sie beantwortet Fragen wie:

Sie wirkt deshalb besonders dort, wo:

Kurz gesagt:


3. Aufbau und Elemente im Vergleich

Damit die Unterschiede noch greifbarer werden, lohnt sich ein Blick auf den typischen Aufbau beider Matrizen.

3.1 Dimensionen der Stakeholder-Matrix

In der Praxis arbeiten viele Organisationen mit erweiterten Stakeholder-Matrizen, die über die einfache Macht-Interesse-Matrix hinausgehen. Mögliche Dimensionen sind:

Typische Schritte beim Arbeiten mit der Stakeholder-Matrix:

  1. Identifikation aller Stakeholder
  2. Bewertung entlang definierter Kriterien
  3. Visualisierung in einer oder mehreren Matrizen
  4. Definition von Strategien je Stakeholdergruppe
  5. Ableitung konkreter Maßnahmen (z. B. Gesprächsformate, Informationsangebote)

Diese Schritte klingen banal, doch sie schaffen oft zum ersten Mal ein gemeinsames Bild im Projektteam, wer wirklich wichtig ist und wo versteckte Risiken lauern.

3.2 Rollen in der RACI-Matrix

Bei der RACI-Matrix stehen dagegen klare Rollenzuordnungen im Zentrum. Wichtig ist, dass Sie:

Ein typisches Raster könnte so aussehen:

In den Schnittpunkten tragen Sie dann R, A, C oder I ein.
Beispiel:

Dadurch entsteht ein sehr klares Bild, wer wann gefragt ist und wer am Ende entscheidet.


4. Praxisbeispiel: Einführung einer neuen Unternehmenssoftware

Ein Praxisbeispiel macht den Unterschied besonders deutlich. Stellen Sie sich vor, Ihr Unternehmen führt ein neues ERP-System ein.

4.1 Stakeholder-Matrix im Beispielprojekt

Zuerst betrachten Sie, wen die Einführung betrifft und wie diese Gruppen ticken:

Mögliche Stakeholder:

Sie ordnen diese Stakeholder nun in der Matrix ein:

Auf Basis dieser Analyse entwickeln Sie gezielte Maßnahmen, etwa:

Sie merken: Die Stakeholder-Matrix steuert vor allem Kommunikation, Beteiligung und Erwartungsmanagement.

4.2 RACI-Matrix im selben Projekt

Im nächsten Schritt strukturieren Sie die Rollen und Verantwortlichkeiten. Für das ERP-Projekt könnten Sie beispielsweise folgende Aufgaben definieren:

Dann legen Sie die Rollen fest:

Nun ordnen Sie in der RACI-Matrix zu, zum Beispiel:

Die RACI-Matrix verhindert, dass Aufgaben „liegenbleiben“, weil niemand sich zuständig fühlt, oder dass zu viele Personen mitreden, obwohl am Ende unklar bleibt, wer entscheidet.


5. Vorteile und Grenzen beider Ansätze

Beide Werkzeuge entfalten ihre volle Wirkung nur, wenn Sie sich ihrer Stärken und Grenzen bewusst sind.

5.1 Stärken der Stakeholder-Matrix

Vorteile:

Grenzen:

5.2 Stärken der RACI-Matrix

Vorteile:

Grenzen:


6. Typische Fehler im Umgang mit Stakeholder- und RACI-Matrix

Damit Sie beide Werkzeuge nicht nur theoretisch kennen, sondern in der Praxis auch souverän einsetzen, lohnt sich ein Blick auf typische Stolperfallen.

6.1 Häufige Fehler bei der Stakeholder-Matrix

6.2 Häufige Fehler bei der RACI-Matrix


7. Wie Sie Stakeholder-Matrix und RACI-Matrix sinnvoll kombinieren

Am wirkungsvollsten setzen Sie beide Werkzeuge ein, wenn Sie sie aufeinander aufbauen, statt sie isoliert zu betrachten.

7.1 Sinnvolle Reihenfolge

Eine bewährte Vorgehensweise sieht so aus:

  1. Stakeholder analysieren
    • Wer ist betroffen, wer hat Macht, wer unterstützt, wer blockiert?
  2. Schlüssel-Stakeholder definieren
    • Welche Gruppen oder Personen sind für den Projekterfolg besonders kritisch?
  3. Rollen und Aufgaben strukturieren
    • Auf Basis der Stakeholdergruppen legen Sie Rollen in der RACI-Matrix fest.
  4. Kommunikations- und Beteiligungsstrategien verknüpfen
    • Sie kombinieren Rollen (R, A, C, I) mit Kommunikationsmaßnahmen aus der Stakeholder-Analyse.
  5. Laufend überprüfen und anpassen
    • Sowohl Stakeholderlage als auch RACI-Zuordnungen passen Sie bei größeren Projektänderungen an.

7.2 Konkrete Verknüpfung in der Praxis

Ein paar praxisnahe Ideen, wie Sie beide Instrumente verzahnen:

Dadurch schaffen Sie eine Brücke zwischen politisch-strategischer Perspektive (Stakeholder-Matrix) und operativ-organisatorischer Klarheit (RACI-Matrix).


8. Entscheidungsleitfaden: Wann welches Tool?

Abschließend hilft ein kompakter Entscheidungsleitfaden für den Alltag:

Nutzen Sie primär die Stakeholder-Matrix, wenn …

Nutzen Sie primär die RACI-Matrix, wenn …

Kombinieren Sie beide, wenn …


9. Fazit Stakeholder Matrix vs. RACI Matrix: Zwei unterschiedliche Werkzeuge – ein gemeinsames Ziel

Die Stakeholder-Matrix und die RACI-Matrix wirken auf den ersten Blick wie zwei ähnliche Tabellen, doch sie verfolgen deutlich unterschiedliche Ziele:

Wer beide Instrumente bewusst kombiniert, erhöht nicht nur die Erfolgswahrscheinlichkeit von Projekten, sondern stärkt zugleich die Zusammenarbeit in der Organisation. Denn klare Verhältnisse bei Interessen, Einfluss und Verantwortlichkeiten gehören zu den wirksamsten Hebeln für nachhaltigen Projekterfolg.

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