Personas erklärt

Personas erklärt – Personas gelten heute als Standardwerkzeug in Strategie-, IT- und Change-Projekten – und werden dennoch oft missverstanden oder zu oberflächlich umgesetzt. Das führt zu schönen Folien, aber kaum spürbarem Mehrwert in Produktentwicklung, Vertrieb oder internen Projekten.
In diesem Beitrag werden Personas erklärt – praxisnah, fundiert und mit konkreten Schritten, wie Sie sie in Ihrem Unternehmen nutzbar machen. Sie erfahren, was Personas wirklich sind, wie Sie sie anhand von Daten erstellen, wie viele Personas sinnvoll sind und wie Sie damit bessere Entscheidungen in Projekten, Produktmanagement und Kommunikation treffen.

Personas erklärt
Personas erklärt

Was sind Personas?

Kurzdefinition:
Personas sind fiktive, aber datenbasierte Stellvertreter realer Nutzer- oder Kundengruppen. Sie bündeln typische Merkmale, Ziele, Bedürfnisse und Verhaltensweisen eines Segments in einer greifbaren Figur mit Namen, Gesicht und Hintergrundgeschichte.

Wichtige Punkte:

Im B2B-Kontext unterscheiden wir häufig:


Warum Personas im Unternehmen so wichtig sind

Personas sind vor allem ein Entscheidungswerkzeug. Sie helfen, Prioritäten in komplexen Projekten zu setzen und Diskussionen zu versachlichen.

Typische Nutzen:

Für Entscheider und Projektleiter sind Personas damit ein Hebel, um Business-Ziele und Nutzerbedürfnisse systematisch zu verbinden.


Arten von Personas im B2B-Umfeld

1. Buyer Personas

Buyer Personas repräsentieren Entscheiderrollen im Kaufprozess:

Typische Inhalte:

2. User Personas

User Personas beschreiben tatsächliche Anwender der Lösung im Alltag:

Wichtige Aspekte:

3. Stakeholder- oder Influencer-Personas

Diese Personas beeinflussen Entscheidungen, auch wenn sie nicht selbst kaufen oder nutzen:

Typisch sind:

4. Negative Personas

Negative Personas repräsentieren Zielgruppen, die Sie nicht ansprechen wollen:

Sie helfen, Klarheit in Marketing und Vertrieb zu schaffen und Ressourcen zu schonen.


Gute vs. schlechte Personas

Woran Sie gute Personas erkennen

Gute Personas:

Beispiele für starke Persona-Elemente:

Typische Fehler bei Personas

Häufige Schwachstellen:

Eine einfache Prüffrage:

Treffen Teams tatsächlich andere Entscheidungen, weil sie mit Personas arbeiten?
Wenn nicht, sind die Personas entweder ungeeignet oder nicht richtig verankert.


Schritt-für-Schritt: Personas erstellen

1. Ziele und Rahmen definieren

Bevor Sie Personas erstellen, klären Sie:

Ein klarer Rahmen verhindert, dass Sie sich in zu vielen Varianten verlieren.

2. Datenbasis aufbauen

Kombinieren Sie quantitative und qualitative Daten:

Quantitative Quellen:

Qualitative Quellen:

Ziel ist, reale Muster zu erkennen: Welche Rollen verhalten sich ähnlich, haben vergleichbare Ziele und ähnliche Hürden?

3. Muster erkennen und Persona-Cluster bilden

Analysieren Sie Ihre Daten auf wiederkehrende Muster:

Gruppieren Sie diese Muster zu 3–5 Kern-Personas, z. B.:

4. Persona-Profile strukturieren

Ein praxistaugliches Persona-Template kann u. a. folgende Elemente enthalten:

Wichtig: Halten Sie die Persona konkret, aber nicht überladen. Alles, was nicht handlungsleitend ist, kann wegfallen.

5. Personas priorisieren

Nicht jede Persona ist gleich wichtig. Differenzieren Sie:

So vermeiden Sie, dass sich Teams in Randfällen verlieren.

6. Validierung & Abgleich

Überprüfen Sie Ihre Personas systematisch:

Anschließend justieren Sie Formulierungen, Gewichtungen und ggf. die Anzahl der Personas.

7. Verankerung im Alltag

Personas sind nur dann wertvoll, wenn sie in Prozessen und Artefakten auftauchen:

Sichtbare Artefakte (Poster, Miro-Boards, Intranet-Seiten) helfen, die Persona-Methode dauerhaft zu verankern.


Praxisbeispiel 1: SaaS-Lösung für Projektmanagement

Ein Anbieter von Projektmanagement-Software fokussiert zunächst auf eine generische „Projektleiter“-Zielgruppe. Die Nutzung bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Nach einer strukturierten Persona-Analyse entstehen u. a.:

Konsequenzen:

Ergebnis: Höhere Aktivierungsraten und weniger Supportaufwand im Onboarding.


Praxisbeispiel 2: Maschinenbau – Servicegeschäft ausbauen

Ein Maschinenbauer möchte sein Servicegeschäft (Wartungsverträge, Remote Services) ausbauen. Bisher richtet sich Kommunikation allgemein an „Kunden im After Sales“.

Nach Interviews entstehen:

Die Serviceangebote werden entsprechend umgebaut:


Personas im Projektalltag nutzen: konkrete Einsatzfelder

1. Anforderungsmanagement & Backlog

2. UX- und Service-Design

3. Content- und Kommunikationsstrategie

4. Vertrieb & Account Management

5. Change-Management und Schulung

Gerade bei internen IT- oder Prozessprojekten sind Personas hilfreich:


Häufige Fragen zu Personas

Wie viele Personas sind sinnvoll?

In den meisten Projekten reichen 3–5 Kern-Personas:

Für große Organisationen können ergänzende Sub-Personas sinnvoll sein, sollten aber klar priorisiert werden.

Wie detailliert müssen Personas sein?

So detailliert wie nötig, so schlank wie möglich.
Alles, was Entscheidungen nicht beeinflusst, kann weggelassen werden. Relevanter als Alter oder Hobbys sind:

Wie oft sollten Personas aktualisiert werden?

Personas sind Hypothesen, keine statischen Wahrheiten. Ein pragmatischer Rhythmus:

Was ist der Unterschied zwischen Zielgruppen und Personas?

Zielgruppen helfen beim Marktverständnis, Personas beim konkreten Entscheiden und Gestalten.


Checkliste: Persona-Projekt im Unternehmen aufsetzen

Eine kompakte Checkliste für Ihr nächstes Persona-Vorhaben:

  1. Zweck klären
    • Welche Entscheidungen sollen mit Personas besser getroffen werden?
  2. Scope definieren
    • Produkt / Service / Projekt, Märkte, Sprachen, Rollen
  3. Datenquellen identifizieren
    • CRM, Analytics, Support, Vertrieb, Nutzerforschung
  4. Interviews planen und durchführen
    • Kunden, Nutzer, interne Experten
  5. Muster analysieren und 3–5 Kern-Personas bilden
  6. Persona-Templates ausarbeiten und visualisieren
  7. Validierung mit Stakeholdern und ggf. Kunden
  8. Nutzung in Prozessen verankern
    • Backlog, Journeys, Content, Sales, Change
  9. Governance und Pflege festlegen
    • Verantwortlichkeiten, Reviewzyklen, Versionierung

Unterstützung bei der Einführung von Personas

Personas entfalten ihre Wirkung erst dann voll, wenn sie systematisch erhoben, sauber dokumentiert und in Ihren Prozessen verankert werden. Gerade in komplexen B2B-Umfeldern lohnt sich ein strukturiertes Vorgehen mit externer Begleitung:

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen Personas professionell einführen oder bestehende Profile schärfen möchten, unterstützt PURE Consultant Sie dabei, ein robustes Fundament zu legen – von der Datenerhebung über die Moderation bis hin zur Verankerung in Ihren Projekten.

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