Liste offener Punkte vs. Backlog vs. Maßnahmenliste

Liste offener Punkte vs. Backlog vs. Maßnahmenliste – Wer in Projekten arbeitet, kennt das Problem: Überall Listen. Eine „Liste offener Punkte“, irgendwo ein „Backlog“ und zusätzlich eine „Maßnahmenliste“ in Excel. Alle drei klingen ähnlich, doch sie erfüllen sehr unterschiedliche Funktionen – und genau hier entsteht im Alltag oft Chaos.

In diesem Artikel schauen wir uns die drei Begriffe strukturiert an, grenzen sie sauber voneinander ab und zeigen, wie Sie sie sinnvoll kombinieren. Dadurch schaffen Sie mehr Klarheit im Team, reduzieren Doppelarbeit und erhöhen ganz nebenbei die Verlässlichkeit Ihrer Planung.

Liste offener Punkte vs. Backlog vs. Maßnahmenliste
Liste offener Punkte vs. Backlog vs. Maßnahmenliste

1. Drei Begriffe, drei Ebenen der Arbeit

Bevor wir in Details einsteigen, hilft ein grobes Bild:

Alle drei können sich teilweise überschneiden, jedoch bedienen sie unterschiedliche Ebenen:

Im nächsten Schritt schauen wir uns jede Liste genauer an.


2. Was ist eine Liste offener Punkte?

Eine Liste offener Punkte (oft „LoP“ genannt) ist ein Verzeichnis aller offenen Fragen, Unklarheiten und Entscheidungen, die noch ausstehen. Sie entsteht häufig in Meetings, Workshops oder im Projektverlauf, wenn man feststellt: „Das müssen wir noch klären.“

2.1 Typische Inhalte einer Liste offener Punkte (LoP)

Eine gute LoP enthält mindestens:

Beispiele für Einträge:

2.2 Zweck der Liste offener Punkte

Die LoP dient vor allem dazu, Transparenz über Unklarheiten zu schaffen und sicherzustellen, dass nichts „zwischen die Stühle“ fällt. Sie ist deshalb:

Wichtig ist: Eine Liste offener Punkte ersetzt keine Aufgabenplanung. Sie beschreibt noch nicht, wie etwas umgesetzt wird, sondern zunächst nur, was noch unklar oder zu entscheiden ist.


3. Was ist ein Backlog?

Der Begriff Backlog stammt aus der agilen Welt, vor allem aus Scrum. Viele Organisationen nutzen ihn heute jedoch breiter, auch außerhalb reiner Softwareentwicklung.

3.1 Kerneigenschaften eines Backlogs

Ein Backlog ist:

Typische Felder:

3.2 Zweck des Backlogs

Ein Backlog beantwortet die Frage:
„Welche Arbeit wollen wir in nächster Zeit in dieses Produkt / Projekt stecken – und in welcher Reihenfolge?“

Es ist damit:

Wichtig: Ein Backlog ist kein reines Fehler- oder Problemregister, sondern eine Vision der nächsten Entwicklungsschritte, inklusive Verbesserungen, Features und technischen Aufgaben.


4. Was ist eine Maßnahmenliste?

Eine Maßnahmenliste beschreibt konkrete Aktionen, die jemand ausführen muss, um ein definiertes Ziel, eine Lösung oder eine Verbesserung zu erreichen. Sie verbindet also Erkenntnis mit konkreter Umsetzung.

4.1 Typische Inhalte einer Maßnahmenliste

Eine gut geführte Maßnahmenliste enthält:

Beispiele:

4.2 Zweck der Maßnahmenliste

Die Maßnahmenliste sorgt dafür, dass aus Beschlüssen und Analysen tatsächliche Veränderungen entstehen. Sie wird häufig im Rahmen von:

verwendet und stellt sicher, dass nicht nur geredet, sondern auch gehandelt wird.


5. Die zentralen Unterschiede im Überblick

Um die Unterschiede besser greifbar zu machen, hilft eine strukturierte Gegenüberstellung.

5.1 Perspektive und Fokus

5.2 Typische Entstehungssituationen

5.3 Zeitliche Rolle im Projektverlauf

Wer diese zeitliche Logik versteht und bewusst nutzt, reduziert Überlappungen und vermeidet, dass Listen parallel geführt werden, die sich gegenseitig widersprechen.


6. Typische Missverständnisse und Fallstricke

In vielen Organisationen vermischen sich die drei Listen. Dadurch entstehen Reibungsverluste, die sich zwar alltäglich anfühlen, aber langfristig viel Energie kosten.

6.1 Offene Punkte landen ungefiltert im Backlog

Ein häufiger Fehler:
Jede offene Frage erscheint sofort als Eintrag im Backlog. Dadurch:

Besser:
Offene Fragen landen zunächst in der Liste offener Punkte. Erst wenn klar ist, dass und wie daraus Arbeit für das Team entsteht, erstellen Sie einen passenden Backlog-Eintrag.

6.2 Maßnahmen werden als „Tasks“ im Backlog versteckt

Ein zweites Missverständnis entsteht, wenn Teams jede Art von Maßnahme als „Task“ im Backlog führen. Das ist zwar bequem, führt aber zu Problemen:

Deshalb lohnt es sich, eine separate Maßnahmenliste zu pflegen, zumindest für regulatorisch relevante oder organisationsweite Maßnahmen.

6.3 „Liste offener Punkte“ als Müllhalde

Ohne klare Verantwortlichkeiten wird die LoP schnell zur Sammelstelle für alles, was unbequem ist:

Gegenmittel:


7. Wie Sie LoP, Backlog und Maßnahmenliste sinnvoll kombinieren

Statt zu versuchen, alles in einem System abzubilden, ist es oft effizienter, die drei Listen klar zu trennen und gut zu verzahnen.

7.1 Eine einfache Prozesslogik

Sie können folgenden Ablauf nutzen:

  1. Erkenntnisphase
    • Fragen, Unklarheiten und Entscheidungsbedarfe landen in der Liste offener Punkte.
  2. Klärungs- und Entscheidungsphase
    • Verantwortliche klären Punkte oder bereiten Entscheidungen vor.
    • In Reviews oder Entscheidungsgremien legen Sie fest, was daraus folgt.
  3. Ableitung von Arbeit
    • Aus relevanten, geklärten Punkten entstehen Backlog-Items (für Produkt‑/Projektarbeit)
    • oder Maßnahmen (für organisatorische, prozessuale oder compliance-relevante Themen).
  4. Planung & Umsetzung
    • Das Team plant Backlog-Items in Sprints, Releases oder Meilensteine.
    • Verantwortliche setzen Maßnahmen um und berichten den Fortschritt.
  5. Kontrolle & Lernen
    • Backlog: Review der Ergebnisse (z. B. Sprint Review, Produktdemo).
    • Maßnahmenliste: Kontrolle der Wirksamkeit (z. B. im Audit, in der Retrospektive).

Diese Logik verbindet die drei Instrumente, ohne sie zu vermischen.

7.2 Praktische Empfehlungen für die Umsetzung


8. Beispiele aus der Praxis

Konkrete Szenarien machen die Unterschiede greifbarer.

8.1 Beispiel: IT-Projekt mit neuem Kundenportal

  1. Liste offener Punkte
    • „Sind wir DSGVO-konform beim Tracking? (Klärung mit Datenschutzbeauftragtem)“
    • „Entscheidung: Bietet das Portal Self-Service-Passwort-Reset an oder nur E-Mail-Support?“
  2. Backlog
    • User Story: „Als Kunde möchte ich mein Passwort selbst zurücksetzen, damit ich bei Verlust schnell wieder Zugriff bekomme.“
    • Feature: „Anbindung an CRM-System“
  3. Maßnahmenliste
    • Maßnahme: „Datenschutz-Folgenabschätzung für Tracking-Funktionen durchführen“
    • Maßnahme: „Schulung des Support-Teams zum Umgang mit neuen Portal-Funktionen“

Die offenen Punkte liefern Input für Backlog und Maßnahmen, aber sie bleiben nicht dauerhaft dort stehen, wo sie zuerst auftauchen.

8.2 Beispiel: Audit im Produktionsunternehmen

  1. Liste offener Punkte
    • „Klärung, ob die neue Normversion bereits gilt“
    • „Rückfrage zu Messmittelkalibrierung mit externem Dienstleister“
  2. Maßnahmenliste
    • „Prüfpläne an neue Normversion anpassen“
    • „Zusätzliche Schulung zur Kalibrierung für Schichtleiter organisieren“
  3. Backlog (optional, wenn agiles Team vorhanden)
    • „Dashboard für Prüfmitteldaten entwickeln“
    • „Schnittstelle zum Kalibrierdienstleister implementieren“

Hier wird deutlich, dass nicht jede Maßnahme ins Backlog gehören muss, während Backlog-Einträge dennoch auf Maßnahmen und Entscheidungen aufbauen.


9. Kriterien zur Abgrenzung im Alltag

Wenn Sie im Alltag unsicher sind, wohin etwas gehört, können folgende Fragen helfen:

Sie können diese Entscheidungslogik auch in einem einfachen Flussdiagramm oder als Leitlinie im Team dokumentieren. Dadurch entsteht eine gemeinsame Sprache, die Missverständnisse deutlich reduziert.


10. Fazit Liste offener Punkte vs. Backlog vs. Maßnahmenliste: Klarheit in der Listenlandschaft schafft Ruhe im Projektalltag

LoP, Backlog und Maßnahmenliste sind keine Konkurrenz, sondern ergänzende Werkzeuge. Wenn Sie:

dann gewinnen Sie gleichzeitig Übersicht, Verbindlichkeit und Geschwindigkeit.

Letztlich geht es nicht um das perfekte Tool, sondern um klare Rollen, saubere Schnittstellen und eine gemeinsame Verständigung im Team. Wenn diese Grundlagen stimmen, werden Ihre Listen nicht länger als lästige Pflicht empfunden, sondern als hilfreiche Unterstützung auf dem Weg zu besseren Ergebnissen.

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