Entscheidungen im Steering Committee – Eine Sitzung steht an, die Präsentation ist fertig – und trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl: Werden im Steering Committee wirklich die Entscheidungen getroffen, die Ihr Projekt braucht? Oder verlieren Sie sich wieder in Folien, Detaildiskussionen und vertagten Beschlüssen?
Dieser Beitrag zeigt, wie Entscheidungen im Steering Committee tatsächlich funktionieren sollten, welche Rollen und Prozesse es braucht und wie Sie als Projektleiter, Sponsor oder Fachexperte dieses Gremium gezielt „entscheidungsfähig“ machen. Mit klaren Beispielen, Checklisten und Formulierungen, die Sie direkt in Ihrem nächsten Steering Committee einsetzen können.

1. Was ist ein Steering Committee – und was entscheidet es eigentlich?
Ein Steering Committee (Lenkungsausschuss) ist das oberste Steuerungs- und Entscheidungsgremium eines Projekts oder Programms. Es sorgt dafür, dass:
- das Projekt zur Unternehmensstrategie passt,
- Ressourcen, Budgets und Prioritäten verbindlich festgelegt werden,
- kritische Weichenstellungen einheitlich entschieden werden,
- Risiken adressiert werden, die das Projekt allein nicht lösen kann.
Kurz gesagt: Im Steering Committee werden die Entscheidungen getroffen, die das Projektteam nicht selbst treffen darf oder kann, weil sie Strategie, Budget, Organisation oder rechtliche Rahmenbedingungen berühren.
Typische Entscheidungen des Steering Committees:
- Start, Stopp oder Re-Scoping eines Projekts
- Freigabe von Budgets und zusätzlichen Ressourcen
- Priorisierung gegenüber anderen Initiativen
- Genehmigung von wesentlichen Änderungen (Scope, Zeit, Kosten, Qualität)
- Eskalationsentscheidungen bei gravierenden Risiken oder Konflikten
- Abnahme von Meilensteinen und Übergang in nächste Phasen
2. Typische Entscheidungsfelder im Steering Committee
Damit Steering-Entscheidungen greifbar werden, lohnt sich der Blick auf die wichtigsten Entscheidungsfelder. Praktisch jedes Steering Committee bewegt sich in diesen Kategorien – egal ob IT-Transformation, Organisationsprojekt oder Produkteinführung.
2.1 Strategische Entscheidungen
Hier geht es um die „großen Linien“:
- Passt das Projekt noch zu Strategie, Markt und Rahmenbedingungen?
- Müssen Ziele angepasst werden (z. B. Fokus auf Time-to-Market statt Funktionsumfang)?
- Welche anderen Projekte müssen weichen, wenn dieses Projekt Vorrang hat?
Beispiele:
- „Wir verschieben den internationalen Rollout um 6 Monate und fokussieren zuerst das Kernland.“
- „Die Automatisierung im Bereich X wird gestoppt, stattdessen priorisieren wir Prozess Y mit größerem Business-Impact.“
2.2 Finanzielle Entscheidungen
Finanzielle Steuerung ist Kernaufgabe des Steering Committees:
- Freigabe oder Anpassung des Projektbudgets
- Entscheidungen zu Einsparmaßnahmen oder Zusatzinvestitionen
- Umgang mit Budgetüberschreitungen
Beispiele:
- „Wir stellen zusätzliches Budget für externe Experten bereit, um die Verzögerung auszugleichen.“
- „Das Funktionspaket ‚Reporting Advanced‘ wird gestrichen, um im Budgetrahmen zu bleiben.“
2.3 Scope- und Priorisierungsentscheidungen
Hier entscheidet das Gremium, was wirklich ins Projekt gehört – und was nicht:
- Aufnahme oder Streichung von Leistungsumfängen
- Priorisierung von Releases, Teilprojekten, Workstreams
- Umgang mit Change Requests
Beispiele:
- „Die Integration in Alt-System A entfällt, Fokus liegt auf System B, das strategisch relevanter ist.“
- „Feature-Gruppe 3 wird ins Release 2 geschoben, um den Go-Live-Termin zu halten.“
2.4 Risiko- und Eskalationsentscheidungen
Das Steering Committee greift ein, wenn Risiken strukturelle oder politische Dimensionen haben:
- Konflikte zwischen Fachbereichen
- Abhängigkeiten zu externen Partnern, Regulatorik, Betriebsrat
- Reputations- oder Compliance-Risiken
Beispiele:
- „Wir akzeptieren das Risiko einer verkürzten Testphase unter der Bedingung zusätzlicher Monitoring-Maßnahmen.“
- „Der externe Dienstleister wird ausgetauscht, da vertragliche Leistungszusagen wiederholt nicht eingehalten wurden.“
2.5 Organisations- und Rollenentscheidungen
Oft wird hier geklärt, „wer was darf“:
- Benennung oder Austausch von Projektleiter, Product Owner, Workstream-Leads
- Aufbau von Governance-Strukturen (z. B. Entscheidungsboard, Architekturboard)
- Zuordnung von Verantwortlichkeiten zwischen Linienorganisation und Projekt
Beispiele:
- „Die Verantwortung für den Change Management-Workstream geht von HR an die Fachbereiche über.“
- „Wir setzen ein Architekturboard ein, um technische Entscheidungen zu bündeln.“
3. Wer trifft Entscheidungen im Steering Committee – Rollen und Verantwortlichkeiten
Entscheidungsfähigkeit beginnt mit der richtigen Besetzung. Ein Steering Committee ist kein Informationszirkel, sondern ein Gremium mit klaren Entscheidungsträgern.
3.1 Typische Rollen im Steering Committee
In einem wirksamen Steering Committee sitzen:
- Auftraggeber / Projektsponsor (Chair)
- Vertreter des Top-Managements (z. B. Bereichsleiter)
- Verantwortliche der betroffenen Geschäftsbereiche
- ggf. IT-Verantwortliche (CIO, IT-Leitung)
- Projektleitung (beratend, vorbereitend)
- ggf. Controlling, HR, Legal (je nach Thema, meist beratend)
Wichtig: Nicht alle haben die gleiche Entscheidungsmacht. Wer formal entscheidet, sollte explizit festgehalten sein (z. B. im Projektauftrag oder Steering Committee Charter).
3.2 Entscheidungsrechte klar definieren
Hilfreiche Leitfragen für die Klärung von Entscheidungsrechten:
- Worüber entscheidet das Steering Committee verbindlich?
- Worüber entscheidet der Projektsponsor allein?
- Wo trifft das Projektteam Entscheidungen in eigener Verantwortung?
- Wo spricht das Steering Committee nur Empfehlungen aus?
Ein bewährtes Hilfsmittel ist eine RACI- oder DECIDE-Matrix, in der pro Entscheidungstyp folgende Rollen definiert werden:
- Decider: trifft die finale Entscheidung
- Explainer: stellt Entscheidungsunterlage vor (oft Projektleitung)
- Consulted: wird vorab eingebunden
- Informed: wird nach der Sitzung informiert
Damit vermeiden Sie endlose „Meinungsschlachten“, in denen unklar bleibt, wer am Ende den Hut aufhat.
4. Der Entscheidungsprozess im Steering Committee – Schritt für Schritt
In der Praxis scheitern viele Steering Committees nicht an der Bereitschaft zu entscheiden, sondern an der Art und Weise, wie Entscheidungen vorbereitet und durchgezogen werden. Folgender Prozess hat sich in vielen Unternehmen bewährt.
4.1 Von der Fragestellung zur Entscheidungsfrage
Statt „Wir haben ein Problem“ braucht es eine sauber formulierte Entscheidungsfrage.
Gute Entscheidungsfragen sind:
- spezifisch („Sollen wir Option A oder B verfolgen?“),
- zeitlich klar („Welche Option wählen wir heute?“),
- im Entscheidungsrahmen des Steering Committees („…unter Einhaltung des Budgetrahmens von X“).
Schlechte Beispiel-Formulierung:
- „Wir wollten mal Ihre Meinung zum Projektstatus hören.“
Gute Beispiel-Formulierung:
- „Entscheidung benötigt: Sollen wir die Go-Live-Terminverschiebung um 3 Monate genehmigen, um die Testabdeckung auf 95 % zu erhöhen?“
4.2 Entscheidungsunterlage („Decision Paper“) vorbereiten
Eine gute Entscheidungsunterlage ist maximal 2–4 Seiten lang und folgt einer klaren Struktur. Bewährt hat sich:
- Kurzfassung (1 Absatz): Worum geht es, was ist zu entscheiden?
- Ausgangslage: Fakten, Zahlen, Rahmenbedingungen
- Optionen (meist 2–3 realistische Alternativen)
- Bewertung der Optionen: Vor- und Nachteile, Risiken, Aufwand, Nutzen
- Empfehlung des Projektteams
- Konkreter Beschlussvorschlag zur Abstimmung
Checkliste für eine entscheidungsreife Vorlage:
- Ist die Frage entscheidungsfähig (klar, konkret, im Mandat)?
- Sind die Optionen realistisch und ausreichend durchdacht?
- Sind finanzielle, zeitliche und risikorelevante Auswirkungen dargestellt?
- Gibt es eine nachvollziehbare Empfehlung?
- Ist klar, was passiert, wenn nicht entschieden wird (z. B. Verzögerung, Mehrkosten)?
4.3 Entscheidungen in der Sitzung herbeiführen
Damit eine Steering-Sitzung zu Entscheidungen führt, helfen einige einfache Prinzipien:
- Agenda entscheidet: Entscheidungen stehen oben auf der Agenda, Statusberichte weiter unten.
- Zeitboxen setzen: z. B. 5 Minuten Einleitung, 10 Minuten Diskussion, 5 Minuten Entscheidung.
- Visualisierung nutzen: Optionen, Auswirkungen und Empfehlung klar sichtbar machen.
- Entscheidung aktiv einfordern: „Wir benötigen heute eine Entscheidung zwischen Option A oder B.“
Praxis-Tipp:
Lassen Sie in kritischen Punkten zunächst nur die Mitglieder mit Entscheidungsmandat zu Wort kommen. Lange Runden mit allen Anwesenden führen oft zu Zerreden statt Entscheiden.
4.4 Entscheidung dokumentieren und verbindlich machen
Eine Entscheidung ist erst dann wirksam, wenn sie:
- präzise formuliert ist,
- Verantwortliche und Fristen benennt,
- schriftlich dokumentiert und freigegeben wurde.
Elemente eines guten Steering-Beschlusses:
- Was wird entschieden? (Inhalt)
- Ab wann gilt die Entscheidung? (Zeitpunkt)
- Wer ist verantwortlich für die Umsetzung?
- Welche Ressourcen werden bereitgestellt / umverteilt?
- Welche Bedingungen sind verbunden (z. B. Nachprüfung nach 4 Wochen)?
Beispiel:
„Das Steering Committee beschließt, den Go-Live von 01.09. auf 01.12. zu verschieben. Projektleitung [Name] ist verantwortlich für die Anpassung des Detailplans bis 15.05. und das aktualisierte Risikokonzept. Die zusätzlich benötigten Testressourcen (2 FTE) werden durch Bereich X bereitgestellt.“
5. Kriterien für gute Entscheidungen im Steering Committee
Nicht jede schnelle Entscheidung ist eine gute Entscheidung. Folgende Kriterien helfen, die Qualität von Steering-Entscheidungen zu bewerten.
5.1 Klarheit
- Ist für alle Beteiligten eindeutig, was entschieden wurde – und was nicht?
- Gibt es Interpretationsspielräume, die später zu Missverständnissen führen?
5.2 Konsistenz
- Passen die Entscheidungen zu früheren Beschlüssen und zur Unternehmensstrategie?
- Werden ähnliche Fälle ähnlich behandelt?
5.3 Umsetzbarkeit
- Sind Ressourcen, Kompetenzen und Zeitrahmen realistisch?
- Gibt es klare Verantwortlichkeiten und nächste Schritte?
5.4 Risikoabwägung
- Wurden wesentliche Risiken bewusst adressiert – oder verdrängt?
- Sind bewusst akzeptierte Risiken dokumentiert und mit Maßnahmen hinterlegt?
5.5 Akzeptanz
- Stehen die relevanten Stakeholder hinter der Entscheidung – oder ist Widerstand vorprogrammiert?
- Wurde die Perspektive derjenigen berücksichtigt, die die Entscheidung umsetzen müssen?
6. Typische Fehler bei Entscheidungen im Steering Committee – und wie Sie sie vermeiden
Viele Probleme in Projekten lassen sich auf schwache Steering-Entscheidungen zurückführen. Einige Muster tauchen sehr häufig auf.
6.1 „Wir vertagen das“ – Entscheidungsunwilligkeit
Symptom:
- Themen wandern von Sitzung zu Sitzung.
- Es werden immer neue Analysen gefordert, ohne dass sich die Faktenlage wesentlich ändert.
Gegenmaßnahmen:
- Entscheidungsfrage zuspitzen.
- „Default-Entscheidung“ klar machen (z. B. „Ohne Beschluss heute verschiebt sich der Go-Live automatisch um 3 Monate“).
- Verbindliche Fristen für Nachforderungen vereinbaren.
6.2 Zu viel Detail, zu wenig Entscheidung
Symptom:
- Das Gremium diskutiert Foliendetails, aber nicht die Grundsatzfrage.
- Es geht mehr um die Schönheit der Präsentation als um die Tragweite der Entscheidung.
Gegenmaßnahmen:
- Maximal 10–15 Seiten pro Steering-Vorlage.
- Klare Trennung von Management Summary und Detailanhang.
- In der Sitzung konsequent auf die Entscheidungsfrage zurückführen.
6.3 Unklare Entscheidungsrechte
Symptom:
- Niemand fühlt sich befugt, eine Entscheidung zu treffen.
- Entscheidungen werden wieder „aufgeknüpft“, weil sich jemand übergangen fühlt.
Gegenmaßnahmen:
- Entscheidungsrechte vor Projektstart definieren und schriftlich festhalten.
- In kritischen Fällen vorab bilaterale Klärung mit Schlüsselakteuren.
- Im Protokoll klar benennen, wer entschieden hat.
6.4 Symbolische Entscheidungen ohne Umsetzung
Symptom:
- Auf dem Papier wird entschieden, in der Realität ändert sich wenig.
- Verantwortliche „versanden“ in der Linie, Beschlüsse werden nicht nachverfolgt.
Gegenmaßnahmen:
- Jede Entscheidung mit konkreten Action Items verknüpfen.
- Nächste Steering-Sitzung: expliziter Punkt „Umsetzungsstand der letzten Beschlüsse“.
- Sichtbares Decision-Log führen (z. B. im Projekt-Wiki oder PM-Tool).
6.5 Entscheidungen ohne Stakeholder-Perspektive
Symptom:
- Fachbereiche „blockieren“ später, weil sie nicht ausreichend eingebunden waren.
- Entscheidungen sind fachlich richtig, aber politisch nicht tragfähig.
Gegenmaßnahmen:
- Vor wichtigen Steering-Terminen gezielte Vorabstimmungen (Sounding).
- Schlüssel-Stakeholder zu kritischen Entscheidungsagenda-Punkten hinzuziehen.
- In Entscheidungsunterlagen kurz aufzeigen: „Betroffene Bereiche & erwartete Auswirkungen“.
7. Vorbereitung: Wie Sie Ihr Steering Committee entscheidungsreif machen
Gute Steering-Entscheidungen beginnen lange vor der Sitzung. Folgende Hebel haben sich in der Praxis bewährt.
7.1 Klare Sitzungstypen und -ziele definieren
Nicht jede Sitzung muss alle Themen abdecken. Unterscheiden Sie z. B.:
- Entscheidungssitzung (Fokus: Beschlüsse)
- Strategie-/Retrospektiv-Sitzung (Fokus: Ausrichtung, Lernen)
- Ad-hoc-Steering bei Krisen (Fokus: schnelle Weichenstellung)
Jede Einladung sollte klar benennen:
- Ziel der Sitzung,
- zu erwartende Entscheidungen,
- benötigte Vorbereitung der Mitglieder.
7.2 Agenda konsequent auf Entscheidungen ausrichten
Eine effektive Agenda könnte so aussehen:
- Review der letzten Beschlüsse und Umsetzungsstatus (10 Min.)
- Kritische Entscheidungen (2–3 Punkte, 60 Min.)
- Wichtige Status-Updates / Informationen (20 Min.)
- Offene Punkte, nächste Schritte (10 Min.)
Merksatz:
Reporting dient Entscheidungen – nicht umgekehrt.
7.3 Vorab-Kommunikation nutzen („Pre-Steering“)
Gerade bei sensiblen Themen ist es sinnvoll, wichtige Akteure vorab zu informieren:
- bilaterale Gespräche mit Sponsoren und betroffenen Bereichsleitern
- Abstimmung über Entscheidungsoptionen und mögliche Kompromisse
- Klärung von No-Gos, die in der Sitzung nicht zum Showstopper werden sollen
So reduzieren Sie Überraschungsmomente und erhöhen die Chance auf tragfähige Beschlüsse.
7.4 Werkzeuge für bessere Entscheidungen
Pragmatische Tools, die Sie leicht integrieren können:
- Entscheidungsmatrix: Bewertung von Optionen nach Kriterien (Nutzen, Kosten, Risiko, Time-to-Market etc.)
- Risiko-Heatmap: Visualisierung der Risikolage pro Option
- Szenario-Vergleich: „Best Case / Realistic Case / Worst Case“ für zentrale Entscheidungen
- Kurz-Canvas: Einseiter pro Option mit Zielbild, Aufwand, Abhängigkeiten
Wichtig: Halten Sie Werkzeuge einfach und konsistent, statt in jeder Sitzung neue Modelle einzuführen.
8. Praxisbeispiele: Typische Entscheidungen im Steering Committee
Um das Ganze greifbarer zu machen, zwei vereinfachte Beispiele aus der Praxis.
8.1 IT-Transformationsprojekt – Go-Live unter Druck
Ausgangslage:
- Großes ERP-Einführungsprojekt, Go-Live in 4 Monaten.
- Testabdeckung liegt erst bei 60 %, gleichzeitig hoher politischer Druck, den Termin zu halten.
Entscheidungsfrage:
„Sollen wir den Go-Live-Termin um 3 Monate verschieben, um Testabdeckung und Schulungen zu verbessern, oder am ursprünglichen Termin festhalten mit eingeschränktem Funktionsumfang?“
Optionen:
- Option A: Go-Live wie geplant, aber Reduktion des Scopes.
- Option B: Verschiebung des Go-Live um 3 Monate, Beibehaltung des Scopes.
- Option C: Gestufter Go-Live (Pilotbereich vs. Gesamtorganisation).
Bewertung:
- Option A: schneller Nutzen, hohe Betriebsrisiken, hoher Supportbedarf.
- Option B: höhere Investition, bessere Stabilität, weniger Reibung in den Fachbereichen.
- Option C: mittlere Risiken, organisatorische Komplexität.
Steering-Entscheidung (Beispiel):
„Das Steering Committee beschließt Option C: gestufter Go-Live mit Pilot im Bereich Vertrieb zum ursprünglichen Termin, Gesamt-Rollout 6 Monate später. Projektleitung erstellt bis zum nächsten Steering einen detaillierten Pilotplan inkl. Risiko- und Kommunikationskonzept.“
8.2 Organisationsprojekt – Konflikt zwischen zwei Bereichen
Ausgangslage:
- Einführung eines neuen, bereichsübergreifenden Prozesses.
- Zwei Bereiche beanspruchen die Prozessverantwortung, Blockaden im Design.
Entscheidungsfrage:
„Welcher Bereich übernimmt zukünftig die End-to-End-Verantwortung für den Prozess ‚Kunden-Onboarding‘?“
Optionen:
- Option A: Vertrieb als Process Owner.
- Option B: Operations als Process Owner.
- Option C: Gemeinsamer Process Owner mit geteilten Verantwortlichkeitsfeldern.
Steering-Entscheidung (Beispiel):
„Das Steering Committee legt den Bereich Operations als End-to-End-Process Owner fest. Vertrieb übernimmt die Verantwortung für die Prozessschritte ‚Akquise‘ und ‚Vertragsabschluss‘. Diese Verantwortlichkeiten sind im Prozesshandbuch zu verankern. Eine Evaluierung erfolgt nach 12 Monaten.“
9. Checkliste: So machen Sie Ihr nächstes Steering Committee wirklich entscheidungsstark
Zum Abschluss eine kompakte Übersicht für Ihre Praxis. Nutzen Sie diese Liste vor jeder Sitzung.
Vor der Sitzung
- Sind die Entscheidungsfragen klar formuliert?
- Gibt es pro Thema maximal 2–3 realistische Optionen?
- Liegen strukturierte, verständliche Entscheidungsunterlagen vor?
- Sind Entscheidungsrechte und -mandate geklärt?
- Sind Schlüssel-Stakeholder vorab eingebunden?
In der Sitzung
- Stehen Entscheidungen im Fokus, nicht nur Statusberichte?
- Werden Zeitboxen eingehalten und Diskussionen moderiert?
- Wird am Ende jedes Themas explizit gefragt: „Was entscheiden wir heute?“
- Werden Beschlüsse konkret, mit Verantwortlichen und Terminen, formuliert?
Nach der Sitzung
- Sind alle Entscheidungen dokumentiert (Decision-Log, Protokoll)?
- Sind Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Fristen kommuniziert?
- Wird der Umsetzungsstatus der Beschlüsse in der nächsten Sitzung explizit geprüft?
10. Wie Sie Unterstützung für wirksame Steering-Entscheidungen bekommen
Entscheidungen im Steering Committee sind ein Hebel mit enormer Wirkung – positiv wie negativ. Professionelle Vorbereitung, klare Entscheidungsprozesse und ein strukturiertes Decision-Design machen hier den Unterschied zwischen „wir berichten viel“ und „wir steuern wirklich“.
Wenn Sie Ihre Steering Committees neu aufsetzen, schärfen oder professionalisieren möchten – etwa durch:
- Design von Entscheidungsprozessen und Governance,
- Moderation kritischer Steering-Sitzungen,
- Training für Projektleiter, Sponsoren und Gremienmitglieder,
- Templates für Entscheidungsunterlagen, Agenda und Decision-Logs,
kann eine externe, erfahrene Begleitung sehr hilfreich sein.
Die Berater von PURE Consultant unterstützen Unternehmen genau in diesen Fragestellungen – von der Konzeption wirksamer Steering-Strukturen bis zur Begleitung komplexer Transformationsprojekte.