Häufige Fehler bei Personas – Viele Unternehmen investieren viel Zeit in Personas – und sind später frustriert: Die Inhalte performen nicht, Kampagnen greifen ins Leere, Produktentscheidungen wirken beliebig. Der Grund liegt selten im Konzept „Persona“ selbst, sondern in typischen Fehlern bei der Erstellung und Nutzung. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche häufigen Fehler bei Personas es gibt, woran Sie schwache Personas erkennen und wie Sie sie so entwickeln, dass sie Entscheidungen im Marketing, Vertrieb, Produktmanagement und in Projekten wirklich verbessern.
Was sind Personas – kurz erklärt
Personas sind verdichtete, fiktive Profile typischer Nutzer, Kunden oder Stakeholder, basierend auf realen Daten und Mustern.
Sie beschreiben Ziele, Bedürfnisse, Pain Points, Entscheidungsverhalten und Rahmenbedingungen einer klar abgegrenzten Gruppe – nicht „den Durchschnittskunden“.
Gut gemachte Personas helfen Ihnen:
- bessere Prioritäten zu setzen
- relevantere Lösungen zu entwickeln
- Kommunikation und Angebote zu schärfen
- Entscheidungen im Team schneller zu treffen
Warum so viele Persona-Projekte scheitern
Viele Persona-Initiativen starten mit hohen Erwartungen und enden als hübsche Poster ohne Wirkung. Typische Symptome:
- Personas werden selten genutzt oder sind schnell veraltet
- Teams verlassen sich wieder auf Bauchgefühl statt auf die Profile
- Fachbereiche erkennen sich in den Personas nicht wieder
- Inhalte, Funktionen oder Kampagnen wirken beliebig und generisch
Die Ursache liegt meist in strukturellen Fehlern: fehlende Datenbasis, unklare Ziele, zu theoretischer Ansatz oder keine Verankerung in Prozessen.
Die häufigsten Fehler bei Personas im Überblick
Typische Fehler bei Personas sind:
- Personas ohne oder mit zu wenig Datenbasis
- Fokus auf Demografie statt auf Motiven und Aufgaben
- Stereotype, Klischees und Wunschbilder
- Zu viele Personas und fehlende Fokussierung
- Personas ohne Bezug zu Zielen und Strategie
- Verwechslung von Buyer Persona und User Persona
- Keine Validierung mit echten Nutzern und Kunden
- Personas als einmaliges Projekt statt lebendem Artefakt
- Fehlende Integration in Prozesse und Entscheidungen
- Zu komplexe, unhandliche Persona-Dokumente
- Unklare Priorisierung von Pain Points und Jobs-to-be-done
- Mangelndes Alignment und fehlende Akzeptanz im Unternehmen
Im Folgenden gehen wir diese Persona-Fehler systematisch durch – inklusive praxisnaher Hinweise, wie Sie sie vermeiden.
1. Personas ohne Datenbasis – Bauchgefühl statt Evidenz
Problem:
Personas werden im Workshop „erfunden“, basierend auf Annahmen, Einzelfällen oder Meinungen lauter Stimmen im Raum.
Risiken:
- Verzerrtes Bild der Zielgruppen
- Entscheidungsvorlagen, die auf Anekdoten beruhen
- Widerstand von datenorientierten Stakeholdern
So vermeiden Sie den Fehler:
- Nutzen Sie vorhandene Datenquellen: CRM, Web Analytics, Support-Tickets, NPS, Sales-Feedback
- Führen Sie qualitative Interviews mit typischen Kunden und Nutzern
- Ergänzen Sie bei Bedarf um kurze, fokussierte Online-Befragungen
- Dokumentieren Sie klar, auf welchen Daten und Stichproben die Persona basiert
2. Fokus auf Demografie statt auf Motiven und Aufgaben
Problem:
Personas beschränken sich auf Alter, Jobtitel, Branche und vielleicht noch Hobbys („spielt gern Tennis“), ohne Bezug zu Entscheidungen oder Nutzungsszenarien.
Konsequenz:
Die Persona wirkt konkret, hilft aber nicht bei Produkt- oder Kommunikationsentscheidungen.
Was wirklich zählt:
- Ziele und Erfolgskriterien („Woran misst die Person ihren Erfolg?“)
- Pain Points und Risiken („Was will sie unbedingt vermeiden?“)
- Typische Aufgaben und Workflows („Was macht sie an einem typischen Tag?“)
- Informationsverhalten und Entscheidungslogik („Wie bereitet sie Entscheidungen vor?“)
Praxis-Tipp:
Formulieren Sie mindestens 3–5 konkrete „Jobs-to-be-done“ je Persona, z. B.:
- „Einführung einer neuen Software im Bereich X mit minimalen Betriebsunterbrechungen planen“
- „Vorstandsvorlage für Investitionsentscheidung in 3 Tagen finalisieren“
3. Stereotype und Wunschbilder
Problem:
Personas werden zu Karikaturen („innovationsfreudiger Digital Leader“, „risikoaverser Verwaltungsleiter“) oder zu idealisierten Wunschkunden.
Typische Anzeichen:
- sehr positive, widerspruchsfreie Beschreibungen
- Buzzwords statt konkretem Verhalten
- fehlende interne Kritik („Das klingt zu gut, um wahr zu sein“)
Risiken:
Sie optimieren für eine Zielgruppe, die so nicht existiert – und wundern sich über geringe Conversion oder Adoption.
So gehen Sie besser vor:
- Halten Sie Widersprüche aus („digitalaffin, aber mit wenig Zeit für Einarbeitung“)
- Arbeiten Sie mit originalen Zitaten aus Interviews (anonymisiert)
- Stellen Sie sicher, dass auch „schwierige“ Aspekte abgebildet sind (z. B. politische Zwänge, Budgetgrenzen)
4. Zu viele Personas und fehlende Fokussierung
Problem:
Jedes Team definiert eigene Personas, am Ende existieren 8–15 Profile – alle theoretisch relevant, praktisch nicht handhabbar.
Folgen:
- Inhalte und Angebote verzetteln sich
- Kampagnen können nicht mehr klar auf Zielgruppen ausgerichtet werden
- Priorisierung wird unmöglich: Alles ist wichtig, also ist nichts wirklich wichtig
Empfehlung:
- Begrenzen Sie die Zahl aktiver Kern-Personas (typisch 3–5)
- Kennzeichnen Sie weitere Personas klar als „sekundär“ oder „Beinflusser“
- Priorisieren Sie nach Umsatzpotenzial, Risiko, strategischer Bedeutung oder Nutzungsintensität
- Verknüpfen Sie Personas mit Use Cases oder Journeys („für dieses Projekt sind genau diese zwei Personas relevant“)
5. Personas ohne Bezug zu Zielen und Strategie
Problem:
Personas werden isoliert erstellt, ohne klaren Bezug zu Unternehmens- oder Bereichszielen.
Typische Fragen, die dann offen bleiben:
- Welches Verhalten möchten wir bei dieser Persona verändern?
- Welche Kennzahlen sollen durch bessere Ausrichtung steigen (z. B. Lead-Qualität, NPS, Nutzung eines Features)?
Lösung:
- Starten Sie jedes Persona-Projekt mit einem klaren Ziel- und Scope-Statement:
- „Personas für …“ (z. B. Neukundengewinnung im Segment X, Produktnutzung von Feature Y)
- Verknüpfen Sie Personas mit KPIs (z. B. Conversion Rate pro Persona, Produktnutzungsgrade)
- Überprüfen Sie jährlich, ob Personas noch zu Strategie und Portfolio passen
6. Verwechslung von Buyer Persona und User Persona
Problem:
In B2B-Kontexten treffen andere Personen die Kaufentscheidung als diejenigen, die später täglich mit der Lösung arbeiten. Viele Teams vermischen diese Rollen.
Risiken:
- Inhalte adressieren falsche Argumente (z. B. technische Details für den CFO, strategische Vision für den Admin)
- Produktfunktionen werden verzerrt priorisiert
Besser:
- Trennen Sie klar zwischen:
- Entscheidern (Budget- und Vertragsverantwortliche)
- Influencern (Fachexperten, IT, Betriebsrat)
- User Personas (operative Anwender, Admins)
- Definieren Sie spezifische Informationsbedürfnisse und Erfolgskriterien je Rolle
- Bilden Sie typische Entscheidungs- und Nutzungsszenarien ab, in denen mehrere Personas interagieren
7. Keine Validierung mit echten Nutzern und Kunden
Problem:
Personas werden intern verabschiedet, aber nie mit realen Personen aus der Zielgruppe gespiegelt.
Folgen:
- blinde Flecken bleiben unentdeckt
- wichtige Pain Points werden übersehen
- Teams entwickeln falsches Sicherheitsgefühl („Wir kennen unseren Kunden“)
So validieren Sie Personas pragmatisch:
- Legen Sie Personas 5–10 passenden Personen vor und fragen Sie:
- „Erkennen Sie sich hier wieder?“
- „Was trifft gar nicht zu?“
- „Was fehlt Ihnen hier am meisten?“
- Beobachten Sie echte Nutzungsszenarien (Usability-Tests, Pilotprojekte, Proof-of-Concepts)
- Justieren Sie Personas regelmäßig, z. B. jährlich oder nach großen Markt- oder Portfolioänderungen
8. Personas als einmaliges Projekt statt lebendem Artefakt
Problem:
Personas werden in einem Workshop erarbeitet, in einer Präsentation dokumentiert – und dann nicht mehr aktualisiert.
Konsequenzen:
- Nach 1–2 Jahren sind Annahmen zu Tools, Kanälen, Entscheidungsverhalten überholt
- Neue Teammitglieder kennen die Historie nicht, erstellen „ihre eigenen“ Personas
Besserer Ansatz:
- Betrachten Sie Personas als lebendes Artefakt im Wissens- und Innovationsmanagement
- Legen Sie einen klaren Owner fest (z. B. Produktmanagement, CX, Marketing Strategy)
- Planen Sie regelmäßige Review-Termine (z. B. einmal pro Jahr oder nach größeren Releases)
- Dokumentieren Sie Änderungen transparent („Version 1.3 – Stand Q1/2026“)
9. Fehlende Integration in Prozesse und Entscheidungen
Problem:
Personas existieren auf Folien oder in PDFs, sind aber nicht in die täglichen Prozesse integriert.
Typische Anzeichen:
- Backlog-Items, Epics oder Anforderungen referenzieren keine Persona
- Redaktionspläne nutzen generische Formulierungen statt Persona-Bezug
- Vertrieb und Service haben eigene Zielgruppenbegriffe
So verankern Sie Personas im Alltag:
- Nutzen Sie Personas explizit in:
- Anforderungs- und Backlog-Formulierungen („User Story für Persona X“)
- Content-Briefings („Artikel für Persona Y in Phase Z“)
- Entscheidungsrunden („Welche Persona profitiert hiervon, welche wird benachteiligt?“)
- Integrieren Sie Personas in Tools (z. B. JIRA-Tags, CMS-Felder, CRM-Segmente)
- Schulen Sie neue Mitarbeitende explizit im Umgang mit Personas
10. Zu komplexe, unhandliche Persona-Dokumente
Problem:
Aus gut gemeinter Gründlichkeit entstehen 15-seitige Persona-Dokumente mit zu vielen Details, Geschichten und Grafiken.
Effekt:
Niemand liest sie im Alltag, sie werden nicht genutzt.
Was Sie stattdessen brauchen:
- 1 Übersichtssheet pro Persona (max. 1–2 Seiten) mit:
- Kurzprofil (Rolle, Kontext, wichtigste Ziele)
- Top-5-Pain-Points
- Top-5-Jobs-to-be-done
- Entscheidungsverhalten & Kanäle
- 2–3 Originalzitate
- Optional ausführlichere Hintergrunddokumente für Research-Teams
Faustregel:
Wenn eine Person die Persona nicht in 3–5 Minuten verstehen und anwenden kann, ist sie zu komplex.
11. Unklare Priorisierung von Pain Points und Jobs-to-be-done
Problem:
Persona-Dokumente listen viele Bedürfnisse und Probleme auf, aber ohne Gewichtung.
Risiken:
- Teams verlieren Fokus bei der Lösungsentwicklung
- „Nice-to-have“-Wünsche verdrängen kritische Probleme
Bessere Vorgehensweise:
- Ordnen Sie Pain Points nach Relevanz und Häufigkeit (z. B. „kritisch“, „wichtig“, „nice-to-have“)
- Verknüpfen Sie jeden Pain Point mit mindestens einem Job-to-be-done
- Hinterlegen Sie – wo möglich – Kennzahlen oder reale Beispiele (z. B. Support-Tickets, Eskalationen)
12. Mangelndes Alignment und fehlende Akzeptanz im Unternehmen
Problem:
Personas werden von einem Bereich (oft Marketing oder UX) entwickelt, andere Bereiche waren kaum eingebunden.
Konsequenzen:
- Vertrieb fühlt sich nicht repräsentiert
- Produktmanagement hat andere Zielgruppentypologien
- Management erkennt den Mehrwert nicht
So schaffen Sie Akzeptanz:
- Binden Sie wichtige Stakeholder früh ein (Sales, Produkt, Service, Management, ggf. HR)
- Arbeiten Sie mit Co-Creation-Workshops auf Basis echter Daten
- Nutzen Sie Personas aktiv in bereichsübergreifenden Projekten (z. B. Customer-Journey-Workshops, Portfolio-Reviews)
- Kommunizieren Sie konkrete Erfolge, die mit Hilfe der Personas erreicht wurden (z. B. bessere Conversion, geringere Churn-Rate, weniger Fehlentwicklungen)
Woran Sie erkennen, dass Ihre bestehenden Personas schlecht sind
Die folgenden Signale deuten darauf hin, dass Ihre Personas überarbeitet werden sollten:
- Sie können keine klaren Entscheidungen damit treffen („Was tun wir jetzt konkret anders?“)
- Teams nutzen unterschiedliche Begriffe für die gleichen Zielgruppen
- Personas sind älter als zwei bis drei Jahre und wurden nie systematisch aktualisiert
- Neue Kolleginnen und Kollegen ignorieren die vorhandenen Persona-Dokumente
- Es gibt keine Verbindung zwischen Personas und Kennzahlen (z. B. Segment-Performance, Produktnutzung)
Wenn mehrere dieser Punkte zutreffen, lohnt sich ein strukturiertes Persona-Review.
Wie Sie robuste Personas ohne diese Fehler entwickeln – ein pragmatischer Leitfaden
- Ziel und Scope klären
- Wofür genau brauchen Sie Personas (z. B. neues Produkt, Content-Strategie, Vertriebsfokus)?
- Welche Entscheidungen sollen sie unterstützen?
- Bestehende Daten systematisch nutzen
- CRM-, Web- und Kampagnendaten
- Sales- und Support-Feedback
- Bestehende Marktstudien, NPS, Zufriedenheitsumfragen
- Qualitative Einblicke einholen
- 8–15 strukturierte Interviews mit typischen Personen pro Segment
- Fokus: Ziele, Hürden, Entscheidungsprozesse, Informationsquellen
- Erste Persona-Entwürfe erstellen
- Pro Segment: 1 Kern-Persona, ggf. 1–2 ergänzende Rollen (Entscheider, User, Influencer)
- Klarer Fokus auf Jobs-to-be-done und Pain Points, nicht auf Lifestyle-Details
- Mit echten Personen validieren
- Abgleich mit Interviewpartnern oder typischen Kunden
- Feedback in die Persona-Profile einarbeiten
- Personas fokussieren und priorisieren
- Anzahl begrenzen, Kern-Personas definieren
- Zuordnung zu Produkten, Services oder Initiativen klären
- In Prozesse integrieren
- Nutzung in Epics, User Stories, Redaktionsplänen, Kampagnenbriefings
- Schulungen und Guidelines für alle beteiligten Teams
- Regelmäßig aktualisieren
- Mindestens jährliches Review
- Anpassung bei Marktveränderungen, neuen Segmenten oder strategischen Kurswechseln
Beispiel: Wie Personas Entscheidungen konkret verbessern
Stellen Sie sich vor, Sie planen ein neues Self-Service-Portal für Ihre B2B-Kunden:
- Ohne klare Personas diskutieren Teams abstrakt über „den Kunden“, Features und Designvorlieben. Entscheidungen folgen persönlichem Geschmack oder Hierarchie.
- Mit klar definierten Personas können Sie gezielt fragen:
- „Wie unterstützt dieses Feature die Aufgaben der ‚Operativen Anwenderin Anna‘?“
- „Welche Informationen braucht ‚Entscheider Markus‘, um Self-Service zu akzeptieren?“
- „Welche Hürden sieht ‚IT-Admin Stefan‘ bei der Integration?“
So werden Prioritäten nachvollziehbar, Kompromisse transparent und die Umsetzung zielgerichteter.
Fazit Häufige Fehler bei Personas: Bessere Entscheidungen durch bessere Personas
Häufige Fehler bei Personas entstehen nicht aus böser Absicht, sondern aus Zeitdruck, unklaren Zielen oder fehlender Erfahrung mit nutzerzentrierter Arbeit. Das Ergebnis sind Profile, die zwar professionell aussehen, aber im Alltag wenig bewirken.
Wenn Sie:
- auf eine solide Datenbasis setzen
- Motive, Aufgaben und Pain Points in den Mittelpunkt stellen
- Personas fokussieren, validieren und regelmäßig aktualisieren
- sie konsequent in Ihre Entscheidungs- und Entwicklungsprozesse integrieren
dann werden Personas zu einem wirkungsvollen Instrument für Strategie, Produkt, Marketing und Vertrieb.
Wenn Sie Ihre bestehenden Personas überprüfen oder ein neues, tragfähiges Persona-Framework aufsetzen möchten, kann ein externer Blick helfen: In vielen Fällen reicht bereits ein fokussierter Workshop, um Klarheit, Akzeptanz und konkrete nächste Schritte zu schaffen – beispielsweise mit Unterstützung der Beraterinnen und Berater von PURE Consultant.