Häufigsten Fehler bei Listen offener Punkte – Listen offener Punkte gehören in vielen Projekten zum Alltag, doch sie werden oft stiefmütterlich behandelt. Dadurch gehen wichtige Informationen verloren, Verantwortlichkeiten bleiben unklar und Projekte verzögern sich unnötig. Gleichzeitig kann eine gut geführte Liste offener Punkte dafür sorgen, dass Teams fokussiert bleiben, Risiken früh erkennen und Zusagen zuverlässig einhalten.
In diesem Artikel erfahren Sie, welche typischen Fehler bei Listen offener Punkte auftreten – und wie Sie diese mit einfachen, praxiserprobten Maßnahmen vermeiden.

Was ist eine Liste offener Punkte – und warum ist sie so wichtig?
Eine Liste offener Punkte (häufig auch „Open-Item-Liste“, „LOP“, „Action Item List“ oder schlicht „To-do-Liste im Projekt“ genannt) sammelt alle Aufgaben, Entscheidungen und Klärungspunkte, die noch nicht abgeschlossen sind.
Typische Inhalte sind:
- Aufgaben, die aus Meetings resultieren
- noch zu klärende Fragen oder Risiken
- ausstehende Entscheidungen von Stakeholdern
- technische oder organisatorische To-dos
Vorteile einer professionell geführten Liste offener Punkte
Wenn Sie Ihre LOP konsequent pflegen, profitieren Sie gleich mehrfach:
- Transparenz: Jeder weiß, was noch zu tun ist und wer wofür verantwortlich ist.
- Verlässlichkeit: Zusagen gehen nicht im Protokoll oder im Chatverlauf unter.
- Steuerbarkeit: Sie erkennen früh, wo es Engpässe, Abhängigkeiten oder Verzögerungen gibt.
- Fokus: Das Team konzentriert sich auf das Wesentliche, statt sich in Nebensächlichkeiten zu verlieren.
Damit das funktioniert, braucht es jedoch Struktur, Disziplin und klare Regeln – und genau hier passieren in der Praxis die meisten Fehler.
Die häufigsten Fehler bei Listen offener Punkte
Im Folgenden finden Sie die typischen Stolperfallen, die in Projekten immer wieder auftreten, inklusive konkreter Tipps zur Vermeidung.
1. Unklare Verantwortlichkeiten
Einer der größten Fehler besteht darin, Punkte ohne klar benannte Verantwortliche zu führen. Oft steht dann nur ein Teamname, ein Bereich oder gar nichts in der Spalte „Verantwortlich“. Dadurch fühlt sich am Ende niemand wirklich zuständig, und der Punkt bleibt liegen.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Weisen Sie immer genau eine Person als Verantwortlichen zu – nie nur ein Team.
- Verwenden Sie Namen statt Rollen, z. B. „Max Müller“ statt „Entwicklung“.
- Halten Sie fest, wer entscheidet und wer ausführt, wenn das nicht dieselbe Person ist.
- Klären Sie den Verantwortlichen direkt im Meeting, statt es später „nach Gefühl“ zuzuordnen.
2. Fehlende oder unrealistische Fälligkeiten
Ein weiterer Klassiker: Offene Punkte ohne Fälligkeitsdatum. In solchen Listen stapeln sich Aufgaben, doch niemand weiß, bis wann etwas erledigt sein muss. Ebenso problematisch sind unrealistische Deadlines, die zwar gut aussehen, aber in der Praxis nicht haltbar sind.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Vergeben Sie für jeden Punkt ein konkretes Datum, nicht nur „KW 12“ oder „bald“.
- Stimmen Sie die Fälligkeit immer mit der verantwortlichen Person ab, statt sie einseitig zu setzen.
- Verwenden Sie realistische Pufferzeiten, insbesondere bei Abhängigkeiten zu anderen Aufgaben.
- Prüfen Sie Fälligkeiten regelmäßig und passen Sie sie an, wenn sich Rahmenbedingungen ändern.
3. Vage oder mehrdeutige Formulierungen
„Thema XY klären“ oder „Schnittstelle prüfen“ sind typische Formulierungen, die zwar nach Aufgabe klingen, aber kaum Orientierung geben. Dadurch entstehen Missverständnisse, und die Bearbeiter wissen oft nicht genau, was eigentlich erwartet wird.
Typische Symptome:
- Rückfragen wie „Was genau soll ich da machen?“
- Unterschiedliche Interpretationen der gleichen Aufgabe
- Teilweise Erledigung, weil der Umfang unklar war
So vermeiden Sie den Fehler:
- Formulieren Sie konkrete Handlungen, z. B. „Schnittstelle A–B funktional testen und Testergebnis dokumentieren“.
- Ergänzen Sie bei Bedarf Akzeptanzkriterien, etwa: „erfolgreich, wenn Testfälle 1–5 fehlerfrei durchlaufen“.
- Vermeiden Sie Abkürzungen oder Fachbegriffe, die nicht allen Beteiligten geläufig sind.
- Fragen Sie im Zweifel nach: „Kann die verantwortliche Person mit dieser Beschreibung ohne Rückfrage arbeiten?“
4. Keine Priorisierung – alles ist gleich wichtig
Wenn alle offenen Punkte scheinbar gleich wichtig sind, verliert das Team den Überblick darüber, womit es beginnen soll. Dadurch fließt viel Energie in weniger relevante Themen, während kritische Aufgaben zu spät oder gar nicht bearbeitet werden.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Führen Sie eine klare Prioritätsspalte ein (z. B. „hoch / mittel / niedrig“).
- Nutzen Sie einfache Kriterien, etwa:
- hoch: Auswirkungen auf Termine, Budget oder Qualität
- mittel: wichtig, aber ohne unmittelbare Projektgefährdung
- niedrig: wünschenswert, aber verzichtbar oder langfristig
- Überprüfen Sie Prioritäten regelmäßig, damit sie nicht veralten.
- Verwenden Sie die Priorität konsequent in Ihrer Tages- und Wochenplanung.
5. Keine zentrale, verbindliche Liste
In vielen Projekten existieren mehrere parallele Listen: eine im Meeting-Protokoll, eine in Excel, eine im Ticketsystem und zusätzlich noch private Notizen. Dadurch gehen Punkte verloren, Einträge sind doppelt vorhanden oder widersprechen einander, und niemand weiß, welche Liste die „wahre“ ist.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Legen Sie eine zentrale Quelle der Wahrheit fest, z. B. ein Ticketsystem oder eine gemeinsam gepflegte Datei.
- Vereinbaren Sie im Team verbindlich: Nur diese Liste gilt; alles andere ist Hilfsmittel.
- Stellen Sie sicher, dass alle Beteiligten Zugriff auf diese Liste haben.
- Verknüpfen Sie – wenn möglich – Meeting-Protokolle und Tickets direkt miteinander, statt Inhalte zu kopieren.
6. Kein klarer Pflege- und Review-Prozess
Eine Liste offener Punkte ist kein statisches Dokument, sondern ein lebendes Steuerungsinstrument. Wenn sie jedoch nur sporadisch aktualisiert wird, verliert sie schnell ihre Aussagekraft. Dann stehen längst erledigte Aufgaben weiterhin als „offen“ in der Liste, und neue Themen tauchen nur verzögert auf.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Definieren Sie einen klaren Rhythmus für die Pflege, z. B.:
- kurz vor jedem Statusmeeting
- wöchentlich zur Projektplanung
- nach wichtigen Workshops oder Abstimmungsterminen
- Legen Sie fest, wer die Liste pflegt (z. B. Projektleiter, PMO, Scrum Master).
- Prüfen Sie regelmäßig:
- Was ist neu hinzugekommen?
- Was wurde erledigt und kann geschlossen werden?
- Was ist überfällig und braucht Eskalation oder Neuplanung?
7. Vermischung von Aufgaben, Ideen und Informationen
In der Praxis landen in Listen offener Punkte oft auch Notizen, Hintergrundinfos oder spontane Einfälle. Dadurch wird die Liste unübersichtlich, und die eigentlichen Aufgaben gehen zwischen „nice to know“-Informationen unter.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Trennen Sie konsequent zwischen:
- Aufgaben (konkrete To-dos mit Verantwortlichen und Fälligkeit)
- Informationen (Hintergründe, Protokollinhalte, Entscheidungen)
- Ideen (Vorschläge, Optionen, Zukunftsthemen)
- Nutzen Sie ggf. verschiedene Dokumente oder Spalten, etwa:
- „Aufgabe“
- „Hinweise / Kontext“
- „Ideen / Parkposition“
- Wandeln Sie Ideen erst dann in offene Punkte um, wenn eine Entscheidung gefallen ist.
8. Fehlende Verknüpfung mit Zielen und Projektplanung
Eine Liste offener Punkte ist kein Selbstzweck. Wenn sie jedoch losgelöst von Projektzielen, Meilensteinen oder Roadmaps geführt wird, entsteht schnell Aktionismus: Es wird zwar viel gearbeitet, aber nicht unbedingt an den richtigen Stellen.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Ordnen Sie jeden offenen Punkt einem Projektziel, Meilenstein oder Arbeitspaket zu.
- Kennzeichnen Sie in der Liste, welchem Deliverable der Punkt zugeordnet ist.
- Prüfen Sie regelmäßig:
- Trägt dieser Punkt sichtbar zum Projekterfolg bei?
- Oder kann er entfallen, vertagt oder delegiert werden?
- Nutzen Sie die LOP aktiv in Ihren Planungsmeetings, statt sie nur „nebenbei“ zu pflegen.
9. Fehlende Transparenz und Kommunikation
Selbst eine gut strukturierte Liste hilft wenig, wenn sie in einer Datei auf dem Server „verstaubt“. Wenn Beteiligte nicht wissen, wo sie den aktuellen Stand finden oder wie sie neue Punkte einbringen können, entstehen Schattenlisten und Parallelstrukturen.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Stellen Sie sicher, dass alle relevanten Stakeholder wissen, wo die Liste liegt und wie sie darauf zugreifen.
- Kommunizieren Sie aktiv:
- „Die Liste offener Punkte ist im Tool XY / im Ordner Z abgelegt.“
- „Neue Punkte könnt ihr über Kanal X melden oder selbst eintragen.“
- Integrieren Sie die LOP sichtbar in Meetings, z. B. indem Sie:
- zu Beginn kurz den Status zeigen
- am Ende neue Punkte direkt gemeinsam erfassen
10. Zu grobe oder zu kleinteilige Punkte
Manche offenen Punkte sind so umfangreich formuliert, dass sie eher einem Mini-Projekt gleichen. Andere sind extrem kleinteilig und beschreiben jeden Mikroschritt. Beides führt dazu, dass die Liste schwer steuerbar wird.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Zerlegen Sie sehr große Punkte in mehrere handhabbare Aufgaben, die in wenigen Tagen abgeschlossen werden können.
- Fassen Sie zu kleinteilige Punkte zu sinnvollen Arbeitspaketen zusammen.
- Orientieren Sie sich an der Frage: „Ist dieser Punkt eine echte, eigenständige Aufgabe, oder nur ein Zwischenschritt?“
- Achten Sie darauf, dass der Fortschritt messbar bleibt, ohne das Team mit übertriebenem Detailgrad zu belasten.
11. Abhängigkeiten werden ignoriert
In vielen Listen stehen Aufgaben nebeneinander, obwohl sie inhaltlich stark voneinander abhängen. Wenn Abhängigkeiten nicht sichtbar sind, starten Bearbeiter zu früh oder zu spät, und Termine verschieben sich unnötig.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Markieren Sie Abhängigkeiten explizit, z. B. in einer separaten Spalte („abhängig von Punkt #23“).
- Ordnen Sie die Liste so, dass logische Reihenfolgen erkennbar sind.
- Klären Sie in der Planung:
- Was muss zuerst erledigt sein?
- Welche Aufgaben können parallel laufen?
- Passen Sie Fälligkeiten an, wenn sich vorgelagerte Aufgaben verzögern.
12. „Erledigt“ ohne klare Definition
Oft wird ein Punkt als „erledigt“ markiert, obwohl noch Rückfragen offen sind oder wichtige Abnahmen fehlen. Deshalb kommt das Thema später erneut auf den Tisch, und das Team führt dieselben Diskussionen mehrfach.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Definieren Sie für wichtige Kategorien von Aufgaben klare „Done“-Kriterien.
- Stimmen Sie ab, ob z. B. eine fachliche Abnahme oder ein Testnachweis nötig ist, bevor ein Punkt geschlossen werden darf.
- Notieren Sie bei Erledigung kurz, was genau gemacht wurde und ggf. wo Dokumente abgelegt sind.
- Schließen Sie Punkte erst, wenn die erwarteten Ergebnisse tatsächlich vorliegen und kommuniziert wurden.
Best Practices für professionelle Listen offener Punkte
Nachdem wir die typischen Fehler betrachtet haben, lohnt sich ein Blick auf einige allgemeine Grundsätze, die sich in vielen Projekten bewährt haben.
1. Klarer Aufbau der Liste
Eine praxistaugliche Liste offener Punkte enthält mindestens folgende Felder:
- ID / Nummer
- Beschreibung des Punkts (klar und konkret)
- Verantwortliche Person
- Fälligkeitsdatum
- Priorität
- Zugehöriges Projektziel / Meilenstein / Arbeitspaket
- Status (z. B. offen, in Bearbeitung, geklärt, erledigt)
- Optional: Abhängigkeiten, Kommentar / Historie, Link zu Doku
2. Fester Prozess statt „Best-Effort“
Definieren Sie gemeinsam im Team, wie mit offenen Punkten umgegangen wird:
- Wann wird ein neuer Punkt angelegt?
- Wer darf Punkte hinzufügen oder ändern?
- In welchem Rhythmus wird die Liste durchgesehen und aktualisiert?
- Wie wird über kritische, überfällige Punkte berichtet und eskaliert?
Je klarer diese Regeln sind, desto zuverlässiger funktioniert die Liste im Alltag.
3. Kombination aus Übersicht und Detail
Nutzen Sie eine Kombination aus:
- kompakter Übersicht (z. B. Filter auf „kritische Punkte mit Fälligkeit in den nächsten 14 Tagen“)
- Detailansicht einzelner Punkte (z. B. in einem Ticketsystem mit Kommentaren und Anhängen)
Dadurch behalten Sie den Überblick, ohne wichtige Details zu verlieren.
4. Regelmäßige „Aufräumaktionen“
Selbst gut gepflegte Listen sammeln im Laufe der Zeit „Altlasten“ an. Planen Sie deshalb in regelmäßigen Abständen eine kurze Bereinigung ein:
- Was ist überholt oder obsolet?
- Welche Punkte sind faktisch erledigt, aber noch nicht als solche markiert?
- Welche Aufgaben sind längst bedeutungslos, weil sich die Rahmenbedingungen geändert haben?
Dadurch bleibt Ihre Liste schlank, relevant und nutzbar.
Praxis-Checkliste: Wie gut ist Ihre Liste offener Punkte?
Nutzen Sie die folgende Kurz-Checkliste, um Ihre aktuelle LOP einzuschätzen:
- Sind alle Punkte mit klaren Verantwortlichen und Fälligkeiten versehen?
- Gibt es eine verbindliche, zentrale Liste – oder mehrere, die nebeneinander existieren?
- Sind die Formulierungen konkret genug, damit Aufgaben ohne Rückfragen bearbeitet werden können?
- Werden Prioritäten aktiv genutzt, um den Fokus zu setzen?
- Ist die Liste sichtbar in Ihre Meetings und Planung integriert?
- Gibt es einen festen Pflege- und Review-Rhythmus?
- Sind Abhängigkeiten und „Done“-Kriterien ausreichend klar?
Wenn Sie mehrere Fragen mit „nein“ beantworten, lohnt es sich, Ihre Arbeitsweise mit Listen offener Punkte gezielt zu überarbeiten. Bereits kleine Verbesserungen können einen spürbaren Effekt auf Verlässlichkeit, Termintreue und Teamzufriedenheit haben.
Fazit Häufigsten Fehler bei Listen offener Punkte: Liste offener Punkte als Steuerungsinstrument nutzen
Eine Liste offener Punkte ist weit mehr als eine lose Sammlung von Aufgaben. Richtig eingesetzt, wird sie zu einem zentralen Steuerungsinstrument, das Klarheit schafft, Verantwortung stärkt und Projekte spürbar stabilisiert.
Indem Sie die häufigsten Fehler vermeiden – von unklaren Verantwortlichkeiten über fehlende Fälligkeiten bis hin zu mangelnder Priorisierung – verwandeln Sie Ihre LOP von einer lästigen Pflichtliste in ein wirksames Management-Werkzeug. Entscheidend ist, dass Sie Struktur, Transparenz und einen klaren Prozess etablieren und diese Standards im Team konsequent leben.