Liste offener Punkte erstellen & pflegen – Komplexe Projekte scheitern selten an fehlender Expertise, sondern viel öfter daran, dass Dinge „zwischen den Stühlen“ verschwinden. Deshalb ist eine gut geführte Liste offener Punkte (LOP) eines der wirkungsvollsten Werkzeuge, um Projekte sauber zu steuern und Teams zu entlasten. Wenn Sie diese Liste konsequent pflegen und klug strukturieren, schaffen Sie Transparenz, reduzieren Nachfragen und vermeiden teure Überraschungen.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie eine professionelle Liste offener Punkte erstellen, wie Sie sie im Alltag lebendig halten und welche typischen Fehler Sie vermeiden sollten, damit Ihre LOP wirklich hilft statt nur „verwaltet“ zu werden.

Was ist eine Liste offener Punkte?
Eine Liste offener Punkte ist ein strukturiertes Verzeichnis aller noch nicht abgeschlossenen Themen in einem Projekt oder Prozess. Im Unterschied zu einer einfachen To-do-Liste betrachtet sie Aufgaben umfassender und verknüpft sie enger mit Verantwortlichkeiten, Entscheidungen und Risiken.
Typische Inhalte einer Liste offener Punkte sind:
- Beschreibung des offenen Punktes
- Verantwortliche Person oder Rolle
- Fälligkeitsdatum bzw. Zieltermin
- Status (z. B. offen, in Bearbeitung, geklärt, erledigt)
- Priorität
- Kontext/Projekt und ggf. Kategorie
- Historie: letzte Aktivitäten, Entscheidungen, Abhängigkeiten
Eine LOP funktioniert somit wie ein zentrales Steuerungsinstrument, das sowohl Projektleitung als auch Teammitgliedern auf einen Blick zeigt, wo Handlungsbedarf besteht und wo bereits Fortschritte sichtbar werden.
Wann ist eine Liste offener Punkte sinnvoll?
Eine LOP lohnt sich überall dort, wo viele Beteiligte mit unterschiedlichen Aufgaben zusammenkommen und wo Themen sich über einen längeren Zeitraum entwickeln. Besonders nützlich ist sie daher:
- In Projekten mit mehreren Teilprojekten oder Gewerken
- In Meetings, deren Ergebnisse nachgehalten werden müssen
- In Audits und Prüfungen, bei denen Maßnahmen aus Findings abgeleitet werden
- In Kundenprojekten, in denen Anforderungen, Rückfragen und Zusagen sauber dokumentiert werden sollen
- In kontinuierlichen Verbesserungsprozessen, in denen Ideen und Maßnahmen sonst leicht versanden
Je komplexer die Zusammenarbeit, desto stärker zahlt sich eine klar geführte Liste offener Punkte aus, weil sie Ordnung schafft und die gemeinsame Orientierung erleichtert.
Vorteile einer professionellen LOP
Wenn Sie Ihre Liste offener Punkte bewusst gestalten und diszipliniert pflegen, profitieren Sie von mehreren Effekten gleichzeitig:
- Transparenz: Alle sehen denselben Stand und dieselben Zusagen.
- Verbindlichkeit: Verantwortlichkeiten und Termine sind klar festgehalten, sodass Zusagen nicht im Raum hängen bleiben.
- Priorisierung: Sie erkennen, welche Punkte kritisch sind und zuerst Aufmerksamkeit brauchen.
- Nachvollziehbarkeit: Später lässt sich rekonstruieren, warum eine Entscheidung gefallen ist oder weshalb sich etwas verzögert hat.
- Entlastung: Das Team muss sich weniger merken, weil die Liste den gemeinsamen „Projekt-Speicher“ stellt.
Gerade in stressigen Phasen wirkt eine gute LOP wie ein zweites Gedächtnis, das hilft, ruhig zu bleiben und strukturiert zu handeln.
Schritt für Schritt: Eine professionelle Liste offener Punkte erstellen
1. Ziel und Scope der Liste klären
Bevor Sie die erste Zeile erfassen, sollten Sie klären, wofür Sie die LOP nutzen und wer damit arbeitet. Diese Fragen helfen bei der Eingrenzung:
- In welchem Projekt oder Prozess gilt die Liste?
- Welche Arten von Punkten sollen hinein (technische Themen, organisatorische Fragen, Entscheidungen, Risiken, …)?
- Wer darf Punkte anlegen, wer priorisieren, wer abschließen?
- Wie oft wird die Liste gemeinsam durchgegangen?
Je klarer Sie den Zweck definieren, desto leichter fällt später jede Entscheidung: Gehört dieser Punkt in die LOP – oder eher in eine persönliche To-do-Liste?
2. Eine einheitliche Struktur festlegen
Als Nächstes definieren Sie die Spalten bzw. Felder Ihrer Liste. Sie können dazu ein Tabellen-Tool (Excel, Google Sheets), ein Ticketsystem oder ein spezialisiertes Projektmanagement-Tool nutzen. Wichtig ist weniger das Werkzeug als eine klare, einheitliche Struktur.
Bewährte Felder sind:
- ID: Eindeutige Kennung (z. B. „P-023“)
- Titel / Kurzbeschreibung: Kurze, prägnante Bezeichnung
- Detaillierte Beschreibung: Was genau ist offen, warum ist es relevant?
- Verantwortliche Person: Wer führt den Punkt zum Abschluss?
- Beteiligte (optional): Weitere Personen, die beitragen oder informiert sein müssen
- Fälligkeitsdatum: Bis wann soll der Punkt erledigt oder entschieden sein?
- Priorität: z. B. Hoch / Mittel / Niedrig
- Status: Offen, In Bearbeitung, Warten auf…, Geklärt, Erledigt
- Kategorie (optional): z. B. Technik, Organisation, Vertrag, Risiko, Kunde
- Kontext / Referenz: Meeting, Protokoll, Ticket, Anforderung, Dokument
- Letzte Aktualisierung / Kommentar: Kurze Historie, Zwischenstände, nächste Schritte
Wenn Sie diese Struktur einmal gemeinsam im Team abgestimmt haben, schaffen Sie damit eine Sprache, die alle verstehen und in der alle Punkte vergleichbar sind.
3. Gute Formulierungen für offene Punkte wählen
Eine Liste ist nur so gut wie ihre Einträge. Deshalb lohnt es sich, ein wenig Sorgfalt in die Formulierungen zu investieren. Idealerweise sind Ihre Punkte:
- konkret statt vage
- lösungsorientiert statt problemorientiert
- zuordenbar zu einer Person oder Rolle
- überprüfbar, ob sie erledigt sind
Vergleichen Sie folgende Beispiele:
- Ungünstig: „Kunde unzufrieden“
- Besser: „Feedback von Kunde X zu Lieferverzug aufnehmen, Ursachenanalyse mit Logistik abstimmen und Maßnahmenvorschlag bis 15.02. erstellen (Verantwortlich: Frau Y).“
- Ungünstig: „Sicherheitskonzept klären“
- Besser: „Sicherheitskonzept für neue Webanwendung entwerfen, mit IT-Security abstimmen und im Lenkungskreis freigeben lassen.“
Sie sehen: Eine gute Beschreibung enthält Handlung, Kontext und Ergebnis. Dadurch erkennt jeder sofort, worum es geht und was zu tun ist.
Die LOP im Alltag pflegen: Aus Liste wird Steuerungsinstrument
Viele Organisationen erstellen mit viel Energie eine Liste offener Punkte, aber nach wenigen Wochen schaut kaum noch jemand hinein. Die eigentliche Kunst liegt daher nicht im Anlegen der Liste, sondern in ihrer Pflege. Damit Ihre LOP wirklich lebt, benötigen Sie klare Routinen.
1. Regelmäßige Reviews etablieren
Eine LOP entfaltet nur Wirkung, wenn sie regelmäßig gemeinsam durchgegangen wird. Planen Sie daher feste Zeitfenster ein, zum Beispiel:
- Wöchentliches Projekt-Review (30–60 Minuten)
- Kurzes LOP-Update in jedem Statusmeeting
- Monatliche Management-Sicht auf kritische Punkte
In diesen Terminen gehen Sie die Liste nicht Zeile für Zeile mechanisch durch, sondern Sie fokussieren sich:
- Welche Punkte sind kritisch & überfällig?
- Wo bestehen Abhängigkeiten zu anderen Aktivitäten?
- Welche Einträge können geschlossen oder umpriorisiert werden?
So entsteht ein lebendiger Dialog, in dem die Liste zum roten Faden für Entscheidungen wird.
2. Status und Prioritäten aktiv steuern
Eine LOP ist kein Archiv, sondern ein Arbeitsinstrument. Deshalb sollten sich Status und Prioritäten im Laufe der Bearbeitung auch sichtbar verändern.
Empfehlungen:
- Statuswechsel ernst nehmen: Wenn ein Punkt von „Offen“ auf „In Bearbeitung“ wechselt, sollte klar sein, wer aktiv daran arbeitet und bis wann ein nächster Zwischenstand erwartet wird.
- Überfällige Punkte kennzeichnen: Nutzen Sie Farbcodes oder Filter, damit überfällige Tasks sofort ins Auge fallen.
- Prioritäten regelmäßig prüfen: Neue Informationen, veränderte Rahmenbedingungen oder Kundenwünsche können dazu führen, dass Prioritäten sich verschieben.
So verhindern Sie, dass alte Punkte „verstauben“, während neue – vermeintlich dringende – Themen alles überlagern.
3. Verantwortlichkeiten klar halten
Ein häufiger Stolperstein besteht darin, dass Punkte zwar in der Liste stehen, aber niemand sich wirklich zuständig fühlt. Achten Sie deshalb konsequent auf klare Zuordnungen:
- Jeder Punkt hat genau eine verantwortliche Person.
- Beteiligte dürfen genannt werden, doch die Verantwortung bleibt eindeutig.
- Wenn Personen wechseln (z. B. durch Urlaub oder Rollenwechsel), dokumentieren Sie die Übergabe in der Liste.
Damit verhindern Sie das bekannte Muster „Ich dachte, du kümmerst dich darum“, das in vielen Teams zu Frust und Zeitverlust führt.
4. Informationstiefe dosieren
Eine LOP soll informieren, aber sie darf nicht zur Dokumentenablage werden. Halten Sie daher eine sinnvolle Balance:
- Kurze, prägnante Beschreibungen in der LOP
- Verweise auf detaillierte Dokumente (Meetingprotokolle, Tickets, Konzepte)
- Klare Trennung zwischen „Was ist offen?“ und „Wo liegen alle Details?“
So bleibt die Liste übersichtlich, und dennoch ist jederzeit nachvollziehbar, wo tiefergehende Informationen zu finden sind.
Werkzeuge für die Liste offener Punkte
Eine Liste offener Punkte lässt sich mit einfachen Mitteln führen, und Sie müssen nicht sofort ein komplexes Tool einführen. Trotzdem lohnt es sich, ein Werkzeug zu wählen, das zum Reifegrad Ihres Projekts passt.
Einfache Lösungen
- Tabellen (Excel, Google Sheets, LibreOffice)
- Schnell erstellt und flexibel
- Gut für kleinere Teams oder klar abgegrenzte Projekte
- Vorteile: niedrigschwellig, leicht zu teilen
- Nachteile: begrenzte Rechteverwaltung, Konflikte bei gleichzeitiger Bearbeitung
- Textbasierte Listen (OneNote, Notion, Confluence)
- Gut integrierbar in Meetingprotokolle
- Ideal, wenn Sie direkt im Protokoll offene Punkte erfassen und anschließend strukturieren
Professionelle Werkzeuge
- Projektmanagement-Tools (z. B. Jira, Asana, Trello, ClickUp, MS Planner)
- Abbildung von Workflows, Verantwortlichkeiten und Benachrichtigungen
- Gute Filter- und Reportingfunktionen
- Besonders geeignet, wenn viele Teams parallel arbeiten und wenn Sie systematisch auswerten möchten
- Ticket- und Helpdesk-Systeme
- Sinnvoll, wenn offene Punkte überwiegend aus Kundenanfragen, Störungen oder internen Serviceanfragen bestehen
Wichtiger als das Produkt ist dabei, dass alle mit dem gewählten System arbeiten wollen und dass Prozesse sowie Rollen dazu passen.
Liste offener Punkte im Meeting: Vom Protokoll zur Verbindlichkeit
Meetings sind eine der häufigsten Quellen für offene Punkte. Dennoch gehen Entscheidungen und Zusagen dort gerne unter, weil Protokolle zwar geschrieben, aber später kaum gelesen werden. Eine einfache Regel hilft:
Jedes Meeting hat genau eine Liste offener Punkte, die sichtbar mitgeführt und anschließend in die zentrale LOP überführt wird.
Praktischer Ablauf:
- Während des Meetings notiert eine Person (Moderator:in oder Protokollant:in) offene Punkte direkt in einer klaren Struktur.
- Am Ende des Termins gehen alle die Liste kurz durch:
- Stimmt die Formulierung?
- Ist eine Person verantwortlich?
- Gibt es ein Ziel- oder Fälligkeitsdatum?
- Nach dem Meeting überträgt diese Person die Punkte in die zentrale LOP oder verknüpft das Protokoll so, dass die Einträge im Hauptsystem erscheinen.
So sorgen Sie dafür, dass aus Diskussionen im Raum konkrete, nachverfolgbare Aufgaben entstehen.
Häufige Fehler bei Listen offener Punkte – und wie Sie sie vermeiden
Auch die beste Struktur hilft wenig, wenn typische Fehler die Wirkung untergraben. Die folgenden Stolperfallen begegnen man in vielen Organisationen immer wieder:
- Zu vage Formulierungen
- Problem: „Thema XY klären“ oder „Kunde zufriedenstellen“ sagt wenig darüber, was genau zu tun ist.
- Lösung: Jede Formulierung beantwortet idealerweise die Fragen Was? Warum? Wer? Bis wann?
- Fehlende Verantwortlichkeit
- Problem: Es werden viele Personen genannt, doch niemand fühlt sich wirklich zuständig.
- Lösung: Genau eine verantwortliche Person pro Punkt festlegen; andere als „beteiligt“ kennzeichnen.
- Kein Fälligkeitsdatum
- Problem: Ohne Termin gibt es keinen Anlass, den Punkt aktiv in die Hand zu nehmen.
- Lösung: Auch wenn Sie den Termin später noch anpassen, setzen Sie zunächst einen realistischen Zieltermin.
- Liste wird nicht aktiv genutzt
- Problem: Die LOP existiert, aber sie spielt in der Steuerung kaum eine Rolle.
- Lösung: Feste LOP-Review-Termine einplanen und Entscheidungen sichtbar an den Status der Punkte knüpfen.
- Zu viele Details direkt in der Liste
- Problem: Die LOP wird unübersichtlich und niemand findet mehr schnell, was wichtig ist.
- Lösung: Kernaussage in der LOP, Details in verlinkten Dokumenten.
- Alte, irrelevante Punkte werden nie aufgeräumt
- Problem: Die Liste bläht sich auf und verliert an Aussagekraft.
- Lösung: In regelmäßigen Abständen archivieren oder konsequent schließen, was nicht mehr relevant ist, und den Grund kurz dokumentieren.
Best Practices: So wird Ihre LOP zum echten Erfolgsfaktor
Wenn Sie die folgenden Prinzipien verinnerlichen, verwandeln Sie Ihre Liste offener Punkte vom Pflichtdokument in ein echtes Führungsinstrument:
- Klarheit vor Vollständigkeit
Lieber weniger Punkte, die klar beschrieben sind, als eine überladene Liste mit unklaren Einträgen. - Transparenz statt Schuldzuweisung
Nutzen Sie die LOP nicht, um Fehler zu suchen, sondern um gemeinsam Lösungen zu finden. Dadurch steigt die Bereitschaft, Punkte offen anzusprechen. - Regelmäßigkeit schlägt Perfektion
Eine wöchentliche, halbstündige Durchsicht ist wertvoller als ein perfektes Review, das alle paar Monate stattfindet. - Verzahnung mit anderen Prozessen
Verknüpfen Sie die LOP mit Risikomanagement, Change-Management und Reporting. Dadurch wird sie zur zentralen Drehscheibe für Entscheidungen. - Gemeinsame Sprache etablieren
Definieren Sie, was „offen“, „in Bearbeitung“, „geklärt“ oder „erledigt“ genau bedeutet. So verstehen alle den Status auf die gleiche Weise.
Fazit Liste offener Punkte erstellen & pflegen: Eine gute Liste offener Punkte ist gelebte Führung
Eine Liste offener Punkte wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, doch sie gehört zu den wirksamsten Werkzeugen in Projekten und in der Linienorganisation. Wenn Sie sie konsequent nutzen, schaffen Sie Klarheit, stärken die Zusammenarbeit und reduzieren Reibungsverluste erheblich.
Entscheidend ist nicht die perfekte Vorlage, sondern die Haltung dahinter: Offene Themen werden sichtbar gemacht, Verantwortlichkeiten werden klar ausgesprochen, und Fortschritt wird gemeinsam gesteuert. Wenn Sie mit dieser Haltung starten und Ihre LOP Schritt für Schritt verfeinern, entwickeln Sie ein Instrument, das Ihre Projekte nachhaltig stabilisiert – und das Ihre Teams Ihnen schon bald nicht mehr wegnehmen lassen möchten.