Scrum Training: Entscheidungshilfe & Checkliste – Scrum ist längst im Mainstream angekommen – doch viele Unternehmen merken erst im Alltag, wie schwer der Schritt vom klassischen Projektmanagement zu echtem agilen Arbeiten ist. Ein Scrum Training wirkt hier wie ein Katalysator: Es schafft ein gemeinsames Verständnis, klärt Rollen und macht typische Fehler von Anfang an sichtbar.
Dieser Beitrag hilft Ihnen dabei zu entscheiden, ob, wann und welches Scrum Training für Ihr Unternehmen sinnvoll ist – inklusive einer praxisnahen Checkliste für die Planung.

Warum ein Scrum Training – und nicht „einfach mal agil machen“?
Viele Organisationen starten mit Scrum, indem sie ein paar Meetings umbenennen und ein Board aufhängen. Das Ergebnis: Frust im Team, skeptische Führungskräfte und wenig messbarer Nutzen.
Typische Symptome, dass ein professionelles Scrum Training fehlt:
- „Daily Scrums“ dauern 30 Minuten und sind Status-Meetings für die Führungskraft
- Product Backlog ist eine unsortierte Wunschliste
- Rollen (Scrum Master, Product Owner, Development Team) sind unklar oder werden „nebenbei“ gemacht
- Führungskräfte erwarten detaillierte Pläne wie im Wasserfall-Projekt
- Teams sprechen von „agil“, arbeiten aber faktisch wie früher
Ein gutes Scrum Training schafft hier einen gemeinsamen Bezugsrahmen und gibt konkrete Werkzeuge an die Hand, statt nur Begriffe zu erklären.
Was ist ein Scrum Training?
Ein Scrum Training ist eine strukturierte Schulung oder Weiterbildung, in der Teilnehmende die Grundlagen, Prinzipien und Praxis von Scrum lernen – meist in Form von Workshops, Übungen und Beispielen aus Projekten.
Ein professionelles Scrum Training umfasst in der Regel:
- Vermittlung der Scrum-Grundlagen (Rollen, Events, Artefakte, Werte)
- Praktische Anwendung anhand von Fallbeispielen oder Simulationen
- Diskussion typischer Stolperfallen im eigenen Unternehmenskontext
- Konkrete nächste Schritte für Projekte, Teams oder die gesamte Organisation
Typische Ziele eines Scrum Trainings
Je nach Zielgruppe und Reifegrad können die Ziele sehr unterschiedlich sein. Häufige Zielsetzungen:
- Grundverständnis herstellen: Alle sprechen dieselbe Sprache, kennen Rollen und Abläufe
- Projekte beschleunigen: Schnellere Feedbackzyklen, weniger Koordinationsaufwand
- Transparenz erhöhen: Klarheit über Fortschritt, Risiken und Prioritäten
- Kundennutzen fokussieren: Weg von Feature-Listen, hin zu echten Ergebnissen
- Rollen befähigen: Scrum Master, Product Owner und Entwicklungsteams handlungsfähig machen
- Führungskräfte einbinden: Rahmen für agiles Arbeiten schaffen, statt nur zu „fordern“
Für wen ist ein Scrum Training sinnvoll?
Nicht jede Person braucht dasselbe Scrum Training. Sinnvoll ist eine differenzierte Betrachtung:
1. Führungskräfte und Entscheider
Ziel: Rahmenbedingungen verstehen und gestalten, ohne Mikromanagement.
Sinnvolle Formate:
- Kompaktes Scrum Training für Führungskräfte (0,5–1 Tag)
- Fokus auf: Governance, Kennzahlen, Rollenverständnis, Umgang mit Budget & Planung
2. Projektmanager und Product Owner
Ziel: Übergang von klassischem Projektmanagement hin zu Produkt- und Value-orientiertem Arbeiten.
Sinnvolle Formate:
- Product Owner Training mit Schwerpunkt auf
- Produktvision
- Priorisierung (z. B. Value vs. Aufwand)
- Stakeholder-Management
- Backlog-Pflege
3. Scrum Master und Agile Coaches
Ziel: Teams coachen, Prozesse gestalten, Hindernisse systematisch beseitigen.
Sinnvolle Formate:
- Scrum Master Training mit Fokus auf
- Facilitation von Scrum Events
- Moderation und Konfliktlösung
- Veränderungsbegleitung im Unternehmen
4. Entwicklungsteams und Fachabteilungen
Ziel: Scrum im Arbeitsalltag anwenden, ohne in alte Muster zurückzufallen.
Sinnvolle Formate:
- Inhouse-Scrum Schulung für ganze Teams
- Praxisworkshops mit echten Backlogs, User Stories und Sprints
- Fokus auf Zusammenarbeit, Schätzmethoden, Definition of Done
Welche Arten von Scrum Trainings gibt es?
Grundlagen-Schulung vs. Praxis-Workshop
- Grundlagen-Scrum Training
- Ziel: Basiswissen, ideal für Einsteiger
- Inhalte: Scrum-Framework, Begriffe, Rollen, Events, Artefakte
- Dauer: meist 1–2 Tage
- Praxis-Workshop
- Ziel: Anwendung auf konkrete Projekte
- Inhalte: Arbeiten mit realen Backlogs, Definition of Ready/Done, Estimation, Sprint Planning
- Dauer: 1–3 Tage, oft als Ergänzung zur Grundlagen-Schulung
Beide Formate lassen sich kombinieren: zuerst Grundlagen, dann praxisorientierter Vertiefungs-Workshop.
Offenes Seminar vs. Inhouse-Training
Offenes Scrum Seminar
- Teilnehmende aus verschiedenen Unternehmen
- Gut für Einzelpersonen oder kleine Gruppen
- Bietet Blick über den Tellerrand
- Wenig Raum für unternehmensspezifische Details
Inhouse-Scrum Training
- Maßgeschneidert auf Ihre Organisation
- Ideal für ganze Teams, Abteilungen oder Bereiche
- Eigene Projekte und Beispiele im Mittelpunkt
- Stärkerer Impact auf Zusammenarbeit und Kultur
Für konkrete Veränderungsprojekte ist ein Inhouse-Training meist wirkungsvoller. Offene Seminare eignen sich gut, um erste Schlüsselpersonen (Scrum Master, Product Owner) aufzubauen.
Präsenz, Online oder Blended Learning
- Präsenztraining
- Starke Wirkung durch gemeinsame Übungen und Diskussionen
- Einfacher Aufbau von Vertrauen und Offenheit
- Online-Scrum Training
- Ortsunabhängig, oft leichter planbar
- Benötigt erfahrene Trainer mit starken Remote-Methoden
- Blended Learning
- Kombination aus E-Learning, Live-Sessions und Praxisaufgaben
- Gut für verteilte Teams und nachhaltiges Lernen
Wichtig ist weniger das Format, sondern die Frage: Wie hoch ist der Praxisanteil und wie gut wird der Transfer in den Arbeitsalltag unterstützt?
Zertifizierungslehrgänge (z. B. Scrum Master, Product Owner)
Viele Unternehmen starten mit einem zertifizierten Scrum Training (z. B. „Scrum Master Zertifizierung“ oder „Product Owner Zertifizierung“).
Vorteile:
- Klarer Rahmen, etablierte Curricula
- Offizielle Zertifikate als Nachweis für Kunden oder HR
- Gute Struktur für Einsteiger
Grenzen:
- Starker Fokus auf Prüfungsinhalte
- Unternehmensspezifische Besonderheiten kommen oft zu kurz
- Zertifikat allein garantiert noch keinen nachhaltigen Wandel
Sinnvoll kann eine Kombination sein: Zertifizierungslehrgang plus ergänzende Inhouse-Workshops, in denen das Gelernte auf Ihre konkrete Situation übertragen wird.
Entscheidungshilfe: Brauchen wir jetzt ein Scrum Training?
Stellen Sie sich (oder Ihrem Team) folgende Fragen:
- Arbeiten wir bereits mit Scrum oder „agilen Methoden“, ohne dass alle Beteiligten genau wissen, wie das Framework funktioniert?
- Entstehen immer wieder Missverständnisse über Rollen, Verantwortlichkeiten und Prioritäten?
- Haben wir mehrere „angefangene“ agile Initiativen, aber wenig sichtbare Ergebnisse?
- Wächst der Druck von Kunden oder Management, „agiler“ zu werden, ohne dass klar ist, was damit konkret gemeint ist?
- Hatten wir bereits interne Schulungen, die aber vor allem Theorie vermittelt haben, ohne echte Verhaltensänderung?
Wenn Sie mehrere Fragen mit „Ja“ beantworten, ist ein gezielt geplantes Scrum Training ein sinnvoller nächster Schritt – nicht als Selbstzweck, sondern als Baustein einer klaren Veränderungsstrategie.
Wie finde ich das passende Scrum Training für mein Unternehmen?
Wichtige Auswahlkriterien auf einen Blick:
- Erfahrung des Trainers
- Hat die Person Scrum in realen Projekten eingesetzt – auch in Ihrem Umfeld (z. B. B2B, Industrie, regulierte Branchen)?
- Praxisorientierung
- Gibt es Simulationen, Übungen, Arbeit mit echten Backlogs?
- Anpassung an Ihre Situation
- Werden Ziele, Reifegrad und Rahmenbedingungen vorab geklärt?
- Zielgruppe & Level
- Passt das Training zu Einsteigern, Fortgeschrittenen oder Führungskräften?
- Transfer & Nachbereitung
- Gibt es Follow-up-Angebote, Coaching oder konkrete Transferaufgaben?
Ein reiner „Folienvortrag“ mit Scrum-Begriffen ist selten das, was Organisationen brauchen. Achten Sie auf messbare Lernziele und einen klaren roten Faden.
Checkliste: So planen Sie Ihr Scrum Training Schritt für Schritt
1. Ziele klären
- Was soll sich nach dem Scrum Training konkret verändert haben?
- Geht es um Verständnis, um Verhaltensänderung oder um konkrete Projektresultate?
- Welche Kennzahlen oder Indikatoren machen Erfolg sichtbar (z. B. Time-to-Market, Zufriedenheit im Team, Planbarkeit)?
2. Zielgruppen definieren
- Wer nimmt teil? (Führungskräfte, Projektleiter, Scrum Master, Product Owner, Entwickler, Fachexperten)
- Braucht jede Zielgruppe das gleiche Format – oder sind getrennte Module sinnvoll?
- Gibt es Multiplikatoren (z. B. künftige Agile Coaches), die besonders gestärkt werden sollten?
3. Reifegrad einschätzen
- Haben Sie bereits erste Erfahrungen mit Scrum oder agilen Frameworks?
- Gibt es bestehende Teams, die schon „irgendwie agil“ arbeiten?
- Wo liegen aktuell die größten Hürden: Verständnis, Prozesse, Kultur, Schnittstellen?
Eine offene Bestandsaufnahme mit 3–5 Schlüsselpersonen wirkt oft klärender als lange Fragebögen.
4. Trainingsformat wählen
- Offenes Seminar für Einzelpersonen oder Rollenaufbau
- Inhouse-Training für Teams und Bereiche
- Workshop-Reihe (z. B. mehrere halbe Tage) statt eines kompakten Blocks
- Online, Präsenz oder Hybrid – je nach Standort und Verfügbarkeit
Pragmatischer Grundsatz: Wählen Sie das Format, das maximal viel gemeinsame Reflexion ermöglicht.
5. Inhalte priorisieren
Beispiele für inhaltliche Schwerpunkte:
- Scrum Basics: Framework, Rollen, Events, Artefakte
- Product Owner-Fokus: Vision, Roadmap, Backlog-Priorisierung
- Scrum Master-Fokus: Facilitation, Hindernismanagement, Change
- Team-Fokus: Schätzen, User Stories, Definition of Done, Zusammenarbeit
- Organisation-Fokus: Skalierung, Schnittstellen zu Linienorganisation, Portfoliosteuerung
Nicht alles muss in ein einziges Scrum Training gepackt werden. Lieber klar fokussierte Module als „Alles in zwei Tagen“.
6. Trainer oder Anbieter auswählen
- Referenzen aus vergleichbaren Unternehmen einholen
- Vorgespräch führen: Wie geht der Trainer mit Widerständen um? Welche Beispiele bringt er ein?
- Klären, wie stark das Training an Ihre Realität angepasst wird
- Rückfragen des Trainers sind ein gutes Zeichen – Standardkonzepte ohne individuelle Anpassung eher nicht
7. Rahmenbedingungen festlegen
- Termin, Dauer, Gruppengröße (ideal oft 8–14 Personen)
- Raum, Technik, virtuelle Tools (z. B. Miro, Mural, Whiteboards)
- Arbeitszeit vs. Trainingszeit: Ist klar, dass Training Arbeitszeit ist und Vorrang hat?
Stellen Sie sicher, dass Teilnehmende nicht „nebenbei“ E-Mails beantworten – das reduziert den Effekt erheblich.
8. Teilnehmer vorbereiten
Kurze, klare Vorbereitung erhöht die Wirksamkeit:
- Einladung mit Ziel, Agenda und Erwartungshaltung
- Optional: kurze Leseempfehlung oder Video zum Thema Scrum
- Bitte an Teilnehmende, eigene Beispiele oder Fragen mitzubringen
So wird aus einem Frontaltraining ein gemeinsamer Arbeitsraum.
9. Durchführung mit hohem Praxisanteil
Achten Sie darauf, dass das Scrum Training:
- Nicht nur Folien zeigt, sondern echte Übungen enthält
- Beispiele aus Ihrer Organisation aufgreift
- Raum für kritische Fragen und Widerspruch lässt
- Gemeinsame Vereinbarungen produziert („Was probieren wir konkret aus?“)
10. Transfer & Nachbereitung sichern
Der wichtigste Teil beginnt nach dem Scrum Training:
- 1–3 konkrete Experimente definieren, die Teams im Anschluss ausprobieren
- Follow-up-Session nach 4–8 Wochen einplanen („Was hat funktioniert, was nicht?“)
- Gezieltes Coaching für Schlüsselrollen (Scrum Master, Product Owner) anbieten
- Hindernisse identifizieren, die das Management lösen muss (z. B. Schnittstellen, Governance)
Ohne Transferarbeit bleibt ein Scrum Training oft ein inspirierendes Event – aber ohne nachhaltige Wirkung.
Häufige Fehler bei Scrum Schulungen – und wie Sie sie vermeiden
Typische Stolperfallen:
- Nur das Team schulen, Führungskräfte außen vor lassen
- Folge: Alte Steuerungsmuster kollidieren mit neuem Vorgehen
- Lösung: Spezifische Module oder Kurzformate für Management
- Zertifikat höher bewerten als Verhaltensänderung
- Folge: Bestandenes Examen, wenig Veränderung im Alltag
- Lösung: Zertifizierung plus begleitende Praxisformate planen
- Einmalige Schulung ohne Follow-up
- Folge: Gute Vorsätze, die im Alltag versanden
- Lösung: Nachbereitungs-Workshops, Coaching, Communities of Practice
- Zu große Gruppen
- Folge: Wenig Interaktion, geringe Verbindlichkeit
- Lösung: Lieber mehrere kleinere Gruppen mit hohem Übungsanteil
- Training als „IT-Thema“ behandeln
- Folge: Business, Fachbereiche und Management bleiben im alten Denken
- Lösung: Cross-funktionale Teilnehmendenkreise, inklusive Business & Fachseite
Was ein gutes Scrum Training im Alltag verändert
Wenn ein Scrum Training gut aufgesetzt und begleitet ist, sehen Sie mittelfristig:
- Klarere Prioritäten und weniger parallele Baustellen
- Kürzere Entscheidungswege durch klar definierte Rollen
- Mehr Transparenz über Fortschritt, Risiken und Abhängigkeiten
- Teams, die Verantwortung übernehmen, statt Aufgaben „abzuarbeiten“
- Führungskräfte, die Ziele und Rahmen setzen, statt Sprints zu micromanagen
Wichtig: Ein Scrum Training ist kein Allheilmittel. Es ist ein Hebel, der dann am besten wirkt, wenn er in eine klare Transformationslogik eingebettet ist – inklusive Management-Commitment und Raum für Lernen.
Fazit: Scrum Training als strategische Investition
Ein Scrum Training lohnt sich vor allem dann, wenn es:
- zu klar definierten Zielen passt,
- unterschiedliche Zielgruppen mit passenden Formaten adressiert,
- praxisnah und kontextbezogen gestaltet ist und
- einen bewussten Transfer in den Arbeitsalltag einplant.
Statt nach „dem besten Scrum Training“ zu suchen, ist die wichtigere Frage: Welches Training unterstützt unsere konkrete Situation und unsere nächsten Schritte am besten?
Wenn Sie Unterstützung dabei wünschen, Ihr Vorhaben zu schärfen, Reifegrad und Bedarf zu klären und ein passendes Scrum Training für Ihr Unternehmen zu konzipieren, können Sie sich an die Expert:innen von PURE Consultant wenden. In einem kurzen Austausch lässt sich meist schnell erkennen, welche Form von Scrum Schulung oder Scrum Workshop für Ihre Organisation den größten Mehrwert bringt – und wie Sie sicherstellen, dass es nicht bei einmaligem „Agilitäts-Feuerwerk“ bleibt, sondern nachhaltige Veränderung entsteht.