Stakeholder Matrix – Erklärung & Aufbau – Eine gut durchdachte Stakeholder Matrix gehört zu den wirksamsten Werkzeugen im Projekt- und Change-Management. Sie hilft Ihnen, die richtigen Menschen zur richtigen Zeit mit der richtigen Botschaft zu erreichen – und sie verhindert, dass wichtige Interessengruppen „übersehen“ werden. In diesem Artikel erfahren Sie, was eine Stakeholder Matrix ist, wie Sie sie professionell aufbauen und wie Sie sie im Alltag sinnvoll nutzen.

Was ist eine Stakeholder Matrix?
Eine Stakeholder Matrix ist ein Analyse- und Visualisierungsinstrument, mit dem Sie Stakeholder nach bestimmten Kriterien (z. B. Macht, Interesse, Einfluss, Haltung) systematisch einordnen. Sie stellt damit einen zentralen Baustein im Stakeholder-Management dar und bildet die Grundlage für eine gezielte Kommunikations- und Einbindungsstrategie.
Stakeholder sind alle Personen oder Gruppen, die von einem Projekt, einer Entscheidung oder einer Veränderung betroffen sind oder diese beeinflussen können, zum Beispiel:
- Interne Stakeholder: Mitarbeitende, Führungskräfte, Betriebsrat, Fachabteilungen, Management
- Externe Stakeholder: Kunden, Lieferanten, Partner, Behörden, Investoren, Medien, Öffentlichkeit
Die Stakeholder Matrix hilft dabei, diese Gruppen nicht nur zu listen, sondern aktiv nach Relevanz, Einfluss und Erwartungshaltung zu bewerten. Dadurch entsteht aus einer bloßen Stakeholder-Liste ein handlungsorientiertes Steuerungsinstrument.
Warum eine Stakeholder Matrix unverzichtbar ist
Viele Projekte scheitern nicht an der Technik oder am Budget, sondern an fehlender Akzeptanz der Betroffenen. Genau hier setzt die Stakeholder Matrix an, weil sie Struktur in ein oft unübersichtliches Umfeld bringt.
Zentrale Vorteile im Überblick
- Klarheit über Einfluss und Interessen
Sie erkennen schnell, wer Ihr Projekt stark beeinflussen kann, wer hohe Erwartungen hat und wer eher am Rand steht. - Priorisierung von Ressourcen
Statt alle gleich zu behandeln, richten Sie Ihre Zeit, Ihr Budget und Ihre Energie auf die Stakeholder, bei denen es wirklich entscheidend ist. - Gezielte Kommunikationsstrategie
Sie entwickeln für jede Gruppe passende Botschaften, Kanäle und Formate, sodass Sie nicht ins Leere kommunizieren. - Früherkennung von Risiken und Widerständen
Durch die systematische Analyse identifizieren Sie potenzielle Blockaden frühzeitig und können proaktiv gegensteuern. - Höhere Akzeptanz und bessere Projektergebnisse
Wenn Stakeholder sich ernst genommen und eingebunden fühlen, steigt die Unterstützung – und oft verbessern sich auch Qualität und Nachhaltigkeit der Ergebnisse.
Typische Formen einer Stakeholder Matrix
Es gibt unterschiedliche Ausprägungen von Stakeholder Matrizen, die jeweils andere Schwerpunkte setzen. Drei Formen begegnen Ihnen besonders häufig.
1. Macht-Interesse-Matrix (Power-Interest-Grid)
Dies ist der Klassiker unter den Stakeholder Matrizen. Sie ordnen Stakeholder in einem 2×2-Grid:
- Hohe Macht, hohes Interesse:
Strategische Schlüssel-Stakeholder, die Sie eng einbinden und regelmäßig informieren sollten. - Hohe Macht, geringes Interesse:
Wichtige Player, die Sie informiert halten und situativ aktivieren. - Geringe Macht, hohes Interesse:
Engagierte Unterstützer, die viel Interesse zeigen, aber wenig formale Entscheidungsgewalt besitzen. - Geringe Macht, geringes Interesse:
Rand-Stakeholder, für die schlanke, gelegentliche Kommunikation ausreicht.
2. Einfluss-Haltung-Matrix (Support vs. Resistance)
Hier bewerten Sie Stakeholder nach:
- Einfluss / Einflussgrad auf das Projekt
- Haltung / Einstellung zum Projekt (positiv, neutral, negativ)
Dadurch erkennen Sie auf einen Blick, wer als Sponsor, Multiplikator oder Gegner wirkt. Außerdem sehen Sie, wo gezielte Überzeugungsarbeit nötig ist.
3. Mehrdimensionale Matrizen
In komplexen Vorhaben fügen Teams oft weitere Kriterien hinzu, zum Beispiel:
- Fachliche Expertise
- Betroffenheitsgrad
- Kommunikationsbedarf
- Dringlichkeit
Dies kann in einer erweiterten Matrix oder in einer ergänzenden Stakeholder-Tabelle erfolgen. Wichtig ist, dass Sie nicht „sammeln um des Sammelns willen“, sondern Kriterien wählen, die für Ihre Steuerung wirklich relevant sind.
Aufbau einer Stakeholder Matrix – Schritt für Schritt
Im Folgenden finden Sie einen praxisnahen Leitfaden, mit dem Sie eine professionelle Stakeholder Matrix erstellen. Die Schritte bauen logisch aufeinander auf, und Sie können sie in Projekten jeder Größe anwenden.
Schritt 1 – Stakeholder systematisch identifizieren
Zu Beginn steht immer eine möglichst vollständige Sammlung. Arbeiten Sie dafür bewusst nicht allein, sondern nutzen Sie das Wissen des Projektteams und ggf. externer Experten.
Mögliche Quellen:
- Projektauftrag, Business Case, Lasten- und Pflichtenhefte
- Organigramme, Prozesslandkarten, Governance-Strukturen
- Bestehende Partner- und Lieferantenlisten
- Erfahrungen aus früheren Projekten
- Workshops mit Fachbereichen und Führungskräften
Hilfreiche Fragen:
- Wer ist direkt oder indirekt von den Ergebnissen betroffen?
- Wer entscheidet über Budget, Zeitplan, Qualität und Prioritäten?
- Wer muss neue Prozesse, Systeme oder Rollen später anwenden?
- Wer verfügt über Know-how, das für die Umsetzung kritisch ist?
- Wer könnte das Projekt fördern – oder behindern?
Dokumentieren Sie alle identifizierten Stakeholder zunächst in einer Stakeholder-Liste, bevor Sie sie in die Matrix überführen. So vermeiden Sie, dass relevante Gruppen durchs Raster fallen.
Schritt 2 – Kriterien und Bewertungslogik festlegen
Bevor Sie Stakeholder einordnen, definieren Sie klar, was Sie überhaupt messen möchten und wie Sie bewerten.
Typische Kriterien sind:
- Macht / Einfluss:
Wie stark kann dieser Stakeholder Entscheidungen beeinflussen? - Interesse / Betroffenheit:
Wie stark ist dieser Stakeholder von den Ergebnissen betroffen? - Haltung / Einstellung:
Wie positiv oder negativ steht dieser Stakeholder dem Vorhaben gegenüber? - Wissens- oder Ressourcenbeitrag:
Welchen Beitrag kann der Stakeholder inhaltlich leisten?
Legen Sie eine einheitliche Skala fest, zum Beispiel von 1 (sehr gering) bis 5 (sehr hoch). Dadurch entsteht ein vergleichbares Bild, und Sie vermeiden endlose Diskussionen über Nuancen.
Schritt 3 – Stakeholder bewerten und in die Matrix eintragen
Nun übertragen Sie die Stakeholder in die ausgewählte Matrixform, etwa die Macht-Interesse-Matrix. Arbeiten Sie dabei idealerweise im Team, weil sich Einschätzungen sonst zu stark an Einzelmeinungen orientieren.
Vorgehen:
- Jeder Stakeholder erhält für die gewählten Kriterien eine Bewertung auf der Skala (z. B. 1–5).
- Im Anschluss gleichen Sie die Bewertungen im Team ab und einigen sich auf gemeinsame Werte.
- Dann positionieren Sie jeden Stakeholder grafisch im Diagramm (z. B. auf der x-Achse: Interesse, auf der y-Achse: Macht).
- Optional verwenden Sie Symbole oder Farben, um die Haltung (positiv, neutral, negativ) darzustellen.
Nutzen Sie am Anfang ruhig einfache Tools wie Whiteboard, Excel oder digitale Kollaborationstools. Später können Sie die Matrix in professionelle Projektsoftware überführen, wenn das sinnvoll erscheint.
Schritt 4 – Stakeholder-Gruppen und Strategien ableiten
Die Matrix dient nicht nur der Visualisierung, sondern vor allem der Ableitung konkreter Maßnahmen. Ordnen Sie Stakeholder zu Gruppen und entwickeln Sie für jede Gruppe passende Strategien.
Beispiel für eine Macht-Interesse-Matrix:
- Hohe Macht, hohes Interesse (Key Player)
- Enge Einbindung in Entscheidungsprozesse
- Regelmäßige, detaillierte Information
- Persönliche Gespräche, Workshops, Steuerkreise
- Gezielter Aufbau von Vertrauen und Sponsorship
- Hohe Macht, geringes Interesse (Latente Entscheider)
- Kompakte, managementtaugliche Updates
- Fokus auf Relevanz für strategische Ziele
- Frühzeitige Einbindung bei kritischen Weichenstellungen
- Geringe Macht, hohes Interesse (Promotoren und Betroffene)
- Informations- und Dialogformate (z. B. Townhalls, Q&A-Sessions)
- Einbindung in Tests, Piloten, Feedbackschleifen
- Nutzung als Multiplikatoren in der Organisation
- Geringe Macht, geringes Interesse (Rand-Stakeholder)
- Basisinformationen über Fortschritt und Ergebnisse
- Standardkommunikation (z. B. Newsletter, Intranet-Beiträge)
- Nur punktuelle, bedarfsorientierte Vertiefung
Dokumentieren Sie diese Strategien in einem Stakeholder-Management- oder Kommunikationsplan, damit klar ist, wer wann welche Botschaft über welchen Kanal erhält.
Schritt 5 – Konkrete Kommunikationsmaßnahmen planen
Aus der Strategie folgen konkrete Maßnahmen. Oft reicht es nicht, „nur“ zu wissen, wen Sie wie einbinden sollten, daher braucht es einen verbindlichen Plan.
Mögliche Elemente:
- Zielgruppe: Welche Stakeholder oder Stakeholder-Gruppen sprechen Sie an?
- Ziel: Was wollen Sie mit der Maßnahme erreichen (informieren, überzeugen, beteiligen)?
- Botschaft: Welche Kerninhalte sind für diese Gruppe relevant?
- Kanal: E-Mail, Meeting, Workshop, Präsentation, Intranet, Social Media, 1:1-Gespräch usw.
- Timing / Frequenz: Wann und wie oft findet die Kommunikation statt?
- Verantwortliche Person: Wer übernimmt die Durchführung?
So stellen Sie sicher, dass Kommunikation nicht zufällig entsteht, sondern gezielt auf die Stakeholder Matrix abgestimmt ist.
Schritt 6 – Matrix laufend überprüfen und aktualisieren
Stakeholder-Interessen und -Machtverhältnisse bleiben selten statisch. Projekte entwickeln sich, Rollen wechseln, und Rahmenbedingungen ändern sich. Deshalb behandeln Sie die Stakeholder Matrix nicht als einmalige Übung, sondern als lebendes Dokument.
Empfehlungen:
- Regelmäßige Reviews in festen Projektmeilensteinen
- Anpassung bei großen Organisationsveränderungen oder Führungswechseln
- Nachjustierung der Strategien, wenn sich Einstellungen merklich verschieben
- Dokumentation von Lessons Learned für zukünftige Projekte
Je konsequenter Sie diese Aktualisierung verankern, desto zuverlässiger unterstützt die Matrix Ihr Projekt über den gesamten Lebenszyklus.
Typische Fehler beim Einsatz einer Stakeholder Matrix
Auch wenn das Instrument auf den ersten Blick einfach wirkt, schleichen sich in der Praxis immer wieder ähnliche Fehler ein. Wenn Sie diese kennen, vermeiden Sie unnötige Risiken.
1. Zu oberflächliche Identifikation
Viele Teams fokussieren sich ausschließlich auf offizielle Rollen (z. B. Bereichsleiter, Projektgremien) und übersehen informelle Meinungsmacher. Gerade diese Personen können jedoch großen Einfluss auf Stimmung und Akzeptanz ausüben.
Tipp: Fragen Sie explizit nach „Meinungsführern“ und „informellen Netzwerken“ in der Organisation.
2. Unklare oder inkonsistente Bewertungsmaßstäbe
Wenn jeder im Team „Macht“ oder „Einfluss“ anders versteht, entstehen verzerrte Bilder. Dadurch treffen Sie Kommunikationsentscheidungen auf wackeliger Basis.
Tipp: Definieren Sie Kriterien und Skalen schriftlich und illustrieren Sie sie mit Beispielen.
3. Einmalige Erstellung ohne Pflege
Eine Matrix, die nur zu Projektstart erstellt wird und dann in der Schublade verschwindet, verliert schnell ihren Wert. Stakeholder entwickeln sich, und neue Player tauchen auf.
Tipp: Verankern Sie feste Review-Termine in Ihrer Projektplanung und aktualisieren Sie Matrix und Maßnahmenplan bewusst.
4. Kein Brückenschlag zur tatsächlichen Kommunikation
Manche Organisationen erstellen sehr schöne Matrizen, aber sie leiten keine konkreten Aktivitäten ab. Dann bleibt die Matrix ein theoretisches Konstrukt, das niemandem wirklich hilft.
Tipp: Verknüpfen Sie die Matrix direkt mit einem Kommunikations- oder Change-Plan inklusive Verantwortlichkeiten.
5. Zu starke Fokussierung auf „kritische“ Stakeholder
Es ist wichtig, mit Skeptikern zu arbeiten, jedoch sollten Sie Befürworter nicht vernachlässigen. Wenn Sie Unterstützer nicht pflegen, kann deren Engagement spürbar nachlassen.
Tipp: Planen Sie auch für positive Stakeholder gezielte Maßnahmen, damit sie motiviert bleiben und als Multiplikatoren wirken.
Best Practices für eine wirksame Stakeholder Matrix
Damit Ihre Stakeholder Matrix nicht nur formal korrekt ist, sondern im Alltag wirklich wirkt, helfen die folgenden bewährten Ansätze.
Interdisziplinäre Perspektiven einbeziehen
Je vielfältiger das Projektteam, desto besser die Stakeholder-Analyse. Fachbereiche, HR, Kommunikation, IT und ggf. externe Berater bringen unterschiedliche Blickwinkel ein. Diese Vielfalt erhöht die Qualität der Einschätzungen deutlich.
Offen, aber vertraulich diskutieren
Sprechen Sie über Einfluss, Widerstände und Interessen unbedingt offen, dennoch sollten Sie Vertraulichkeit zusichern. Nur wenn sich das Team sicher fühlt, können ehrliche Einschätzungen entstehen.
Visuell und verständlich darstellen
Nutzen Sie klar strukturierte Visualisierungen:
- 2×2-Matrizen mit Achsenbeschriftung
- Farb-Codierung für Haltungen (z. B. grün = supporter, rot = Gegner)
- Legenden mit kurzer Erklärung der Skalen
Je intuitiver die Darstellung, desto leichter lässt sie sich im Projektalltag einsetzen.
Verbindung zu Zielen und Nutzen herstellen
Verankern Sie die Stakeholder Matrix klar in der Projektlogik: Zeigen Sie, wie sie zur Zielerreichung beiträgt, und nutzen Sie sie regelmäßig als Argumentationsgrundlage gegenüber Lenkungsausschüssen oder Sponsoren.
Lernen und iterieren
Behandeln Sie jede Stakeholder-Analyse als Lernprozess. Was hat gut funktioniert? Wo lagen Sie mit Einschätzungen daneben? Diese Reflexion hilft dabei, zukünftige Projekte noch gezielter zu steuern.
Fazit Stakeholder Matrix – Erklärung & Aufbau: Die Stakeholder Matrix als strategischer Hebel
Eine Stakeholder Matrix ist weit mehr als ein hübsches Schaubild in einer Präsentation. Richtig angewendet, wird sie zu einem strategischen Hebel für erfolgreiche Projekte, weil sie Klarheit über Akteure, Interessen und Einflussverhältnisse schafft.
Wenn Sie Stakeholder sorgfältig identifizieren, anhand klarer Kriterien bewerten und daraus konkrete Kommunikations- und Einbindungsstrategien ableiten, erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit für Akzeptanz und nachhaltige Ergebnisse erheblich. Gleichzeitig reduzieren Sie das Risiko unerwarteter Widerstände und vermeiden teure Reibungsverluste.
Nutzen Sie die Matrix deshalb nicht nur als Pflichtübung zu Projektbeginn, sondern als lebendiges Steuerungsinstrument, das Sie über die gesamte Projektlaufzeit begleitet und kontinuierlich weiterentwickelt wird.