Walt Disney Methode vs. Brainstorming – Meetings, in denen „mal eben schnell Ideen gesammelt“ werden, enden oft mit halbgaren Vorschlägen, Wiederholungen und Frust. Gleichzeitig stehen Sie unter Druck: neue Produkte, digitale Services, Effizienzprogramme – alles braucht tragfähige Ideen, die sich später auch umsetzen lassen. Zwei der bekanntesten Kreativmethoden dafür sind klassisches Brainstorming und die Walt Disney Methode. Beide versprechen bessere Einfälle, funktionieren aber ganz unterschiedlich. Dieser Beitrag zeigt, worin genau der Unterschied liegt, wie beide Methoden praktisch eingesetzt werden – und welche Vorgehensweise für Ihr Projekt, Ihr Team und Ihre Fragestellung die bessere Wahl ist.

Was ist Brainstorming? Kurz erklärt
Brainstorming ist eine einfache Methode zur Ideenfindung, bei der eine Gruppe in kurzer Zeit möglichst viele Vorschläge sammelt, ohne diese zunächst zu bewerten.
Typische Kernprinzipien beim Brainstorming:
- Quantität vor Qualität: Je mehr Ideen, desto besser.
- Keine Kritik in der ersten Phase.
- An Ideen anderer anknüpfen ist ausdrücklich erwünscht.
- Wildes, unkonventionelles Denken wird gefördert.
Brainstorming ist deshalb so verbreitet, weil:
- es fast ohne Vorbereitung auskommt,
- jede:r es intuitiv versteht,
- es sich gut für schnelle, informelle Runden eignet.
Gleichzeitig stößt die Methode in anspruchsvollen Projekten schnell an Grenzen: Lautstarke Personen dominieren, viele Vorschläge wiederholen Bekanntes, und am Ende fehlt häufig der Schritt zur systematischen Auswahl und Konkretisierung.
Was ist die Walt Disney Methode? Kurz erklärt
Die Walt Disney Methode ist eine strukturierte Kreativtechnik, bei der eine Idee nacheinander aus drei klar getrennten Perspektiven betrachtet wird: Träumer, Realist und Kritiker.
Kurzdefinition:
Die Walt Disney Methode trennt kreative Ideengenerierung, Planung und kritische Bewertung bewusst in drei aufeinanderfolgende Rollen, um mutige Ideen zuzulassen und gleichzeitig ihre Umsetzbarkeit zu sichern.
Die drei Rollen im Überblick:
- Träumer (Visionär)
- entwickelt frei neue Ideen und Visionen,
- denkt ohne Grenzen, Budget oder Restriktionen,
- formuliert „Wie wäre es, wenn…?“-Szenarien.
- Realist (Planer)
- prüft: Wie können wir das konkret umsetzen?
- entwickelt Schritte, Ressourcenpläne, Verantwortlichkeiten,
- macht aus Visionen Projekte und Maßnahmen.
- Kritiker (Prüfer)
- identifiziert Risiken, Schwachstellen, Annahmen,
- stellt kritische Fragen und priorisiert,
- hilft, das Konzept robust und realistisch zu machen.
Die Rollen können von einzelnen Personen nacheinander eingenommen werden oder im Team rollierend besetzt sein. Wichtig ist die konsequente Trennung der Phasen.
Walt Disney Methode vs. Brainstorming: Die wichtigsten Unterschiede
Wenn Sie „Walt Disney Methode vs. Brainstorming“ vergleichen, geht es meist um diese Punkte:
- Wie strukturiert läuft die Ideengenerierung ab?
- Welche Qualität und Reife haben die Ergebnisse?
- Wie gut eignet sich die Methode für komplexe, kritische Themen?
- Wie hoch ist der Moderationsaufwand?
Struktur und Ablauf
- Brainstorming
- Eine Hauptphase: Ideen sammeln.
- Optional: kurze Clustering- und Bewertungsphase im Anschluss.
- Ablauf ist flexibel, oft spontan.
- Walt Disney Methode
- Drei klar getrennte Phasen (Träumer → Realist → Kritiker).
- Rollen, Zeit und Reihenfolge sind definiert.
- Eignet sich gut für wiederholbare, standardisierte Workshops.
Ergebnisqualität und Umsetzungstiefe
- Brainstorming
- Viele Ideen, oft grob und unsortiert.
- Gute Basis für einen ersten Überblick, aber:
- Umsetzungsschritte fehlen häufig,
- gute Ideen gehen im „Ideenrauschen“ unter.
- Walt Disney Methode
- Weniger, aber reifere Ideen.
- Jede Idee durchläuft:
- kreative Erweiterung (Träumer),
- Konkretisierung (Realist),
- kritische Überprüfung (Kritiker).
- Am Ende stehen definierte Konzepte mit klaren Annahmen und Risiken.
Gruppendynamik und Beteiligung
- Brainstorming
- Introvertierte sind oft im Nachteil.
- Hierarchien wirken stark: Wenn Führungskräfte früh Ideen nennen, passen sich andere an.
- „Gruppendenken“ und Konformität sind verbreitete Risiken.
- Walt Disney Methode
- Rollen schaffen Distanz zur Person: „Als Kritiker sage ich…“.
- Auch kritische Stimmen haben ihren klaren Platz und Zweck.
- Die Trennung der Phasen reduziert Selbstzensur in der Träumer-Phase.
Eignung nach Fragestellung
Brainstorming ist besonders geeignet, wenn:
- Sie einen breiten Überblick an Ansatzpunkten brauchen,
- das Problem relativ überschaubar ist,
- es um erste Ideensammlungen geht.
Die Walt Disney Methode ist vorzuziehen, wenn:
- es um strategische oder risikoreiche Entscheidungen geht,
- wenige, aber gut durchdachte Konzepte benötigt werden,
- Sie Ideen direkt in Richtung Umsetzung führen wollen.
Wann Brainstorming die bessere Wahl ist
Brainstorming hat seine Stärken, wenn Geschwindigkeit und Breite im Vordergrund stehen. Typische Einsatzszenarien in Projekten und Unternehmen:
- Frühe Phase eines Innovationsprojekts:
- „Welche Problemfelder rund um unser Produkt sehen wir?“
- Retrospektiven oder Lessons Learned:
- „Was könnten wir im nächsten Projekt anders machen?“
- Marketing- und Kommunikationsideen:
- Slogans, Kampagnenmotive, Content-Ideen.
- Schnelle Ideensammlungen im Tagesgeschäft:
- Verbesserungen im Prozess,
- Themen für interne Schulungen.
Vorteile:
- Sehr niedrige Einstiegshürde.
- Kann auch ad hoc in regulären Meetings eingesetzt werden.
- Gut geeignet für heterogene Gruppen, wenn klar moderiert.
Grenzen:
- Ohne konsequente Moderation verkommt Brainstorming leicht zu „lautes Durcheinander“.
- Die eigentlich wertvollen Punkte gehen nach der Session häufig verloren oder werden nicht umgesetzt.
- Die lautesten Stimmen prägen das Ergebnis.
Wann die Walt Disney Methode überlegen ist
Die Walt Disney Methode spielt ihre Stärken aus, wenn neben Kreativität auch Umsetzbarkeit und Risiko im Fokus stehen. Typische Situationen:
- Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells oder Serviceangebots.
- Konzeption größerer Transformations- oder IT-Projekte.
- Entscheidungsvorbereitung für Investitionen und strategische Initiativen.
- Ausarbeitung von Roadmaps, Programmen oder Change-Konzepten.
Besondere Vorteile:
- Mutige Ideen sind in der Träumer-Phase ausdrücklich erwünscht – Kritik ist dort verboten.
- Die Realist-Phase zwingt zur Konkretisierung:
- Ziele,
- Meilensteine,
- Ressourcen,
- Verantwortlichkeiten.
- Die Kritiker-Phase erlaubt kontrollierte Skepsis:
- Was haben wir übersehen?
- Wo sind Annahmen zu optimistisch?
- Welche Alternativen gibt es?
Dadurch eignet sich die Walt Disney Methode hervorragend, wenn die Frage lautet:
„Wie kommen wir von einer groben Idee zu einem tragfähigen Konzept, das wir vor Management oder Kunden vertreten können?“
Schritt für Schritt: Brainstorming im Unternehmen professionell moderieren
Viele Brainstorming-Runden scheitern an banalen Dingen. Eine strukturierte Vorgehensweise hilft:
- Fragestellung schärfen
- Konkrete, offene Frage formulieren:
- schlecht: „Ideen für unser Produkt?“
- besser: „Wie können wir die Onboarding-Zeit für neue Nutzer um 30 % verkürzen?“
- Konkrete, offene Frage formulieren:
- Regeln klar machen
- Keine Bewertung in der Sammelphase.
- Quantität vor Qualität.
- Anknüpfen an bestehende Ideen ist erlaubt.
- Individuell starten
- 5–10 Minuten stille Einzelarbeit (z. B. auf Haftnotizen oder digital).
- Danach erst mündliche Sammlung – das reduziert Dominanz einzelner.
- Ideen sichtbar sammeln
- Whiteboard, Pinnwand oder Online-Board nutzen.
- Ideen erst mal 1:1 übernehmen, ohne Diskussion.
- Clustern und verdichten
- Ähnliche Ideen gruppieren.
- Gemeinsame Muster und Themen herausarbeiten.
- Bewerten und priorisieren
- Einfache Bewertungsmethoden:
- Punktabfrage,
- Impact-/Aufwand-Matrix,
- kurze Diskussion mit klarer Zeitbegrenzung.
- Einfache Bewertungsmethoden:
- Nächste Schritte definieren
- Für die Top-Ideen:
- Verantwortliche benennen,
- erste Maßnahmen oder Experimente festlegen,
- zeitnahes Follow-up vereinbaren.
- Für die Top-Ideen:
Schritt für Schritt: Die Walt Disney Methode im Team anwenden
So können Sie die Walt Disney Methode strukturiert in Workshops einsetzen:
- Thema und Ziel klären
- Beispiel-Frage:
- „Wie können wir unser Projektportfolio-Reporting so gestalten, dass das Management in 15 Minuten belastbare Entscheidungen treffen kann?“
- Beispiel-Frage:
- Rollen erklären
- Träumer: Visionär ohne Grenzen.
- Realist: Planer und Organisator.
- Kritiker: Qualitäts- und Risiko-Check.
- Wichtig:
- In jeder Phase gilt ausschließlich die jeweilige Denkweise.
- Keine Rolle mischen.
- Rollenverteilung festlegen
- Variante A: Das gesamte Team durchläuft alle Rollen gemeinsam, nacheinander.
- Variante B: Personen übernehmen für eine Runde jeweils eine feste Rolle und rotieren bei Bedarf.
- Phase 1 – Träumer
- Fragen:
- „Was wäre ideal, wenn alles möglich wäre?“
- „Wie sähe die perfekte Lösung aus Sicht unserer Kunden aus?“
- Regeln:
- Keine Kritik oder Machbarkeitsdiskussion.
- Verrückte Ideen sind ausdrücklich erwünscht.
- Ergebnis:
- Sammlung von Zukunftsbildern, Features, Szenarien.
- Fragen:
- Phase 2 – Realist
- Überleitung:
- „Welche dieser Ideen möchten wir konkret weiterverfolgen?“
- Fragen:
- „Welche Schritte sind nötig, um das umzusetzen?“
- „Wer macht was bis wann mit welchen Ressourcen?“
- Ergebnis:
- Grobkonzept, Maßnahmenliste, Roadmap-Entwürfe.
- Überleitung:
- Phase 3 – Kritiker
- Rollenwechsel wird klar markiert.
- Fragen:
- „Wo sind die Schwachstellen?“
- „Welche Annahmen müssen wir testen?“
- „Welche Risiken können wir nicht akzeptieren?“
- Ergebnis:
- Liste von Risiken, Anpassungen, offenen Fragen.
- Entscheidung, welche Version des Konzepts weiterverfolgt wird.
- Abschluss
- Konsolidiertes Konzept dokumentieren.
- Verantwortliche und nächste Schritte festlegen.
- Reflektion:
- „Was hat die Rollenaufteilung gebracht?“
- „Wo wollen wir die Methode erneut einsetzen?“
Typische Fehler bei beiden Methoden – und wie Sie sie vermeiden
Häufige Fehler beim Brainstorming:
- Fragestellung ist zu vage oder zu breit.
- Kritik und Bewertung mischen sich in die Sammelphase.
- Interessante, aber unbequeme Ideen werden „weichdiskutiert“.
- Es gibt keine klare Entscheidung, was mit den Ergebnissen passiert.
So vermeiden Sie das:
- Zeitlich klar getrennte Phasen für Sammeln und Bewerten.
- Neutrale Moderation, die die Regeln aktiv schützt.
- Dokumentation der Ergebnisse direkt im Workshop.
- Zum Abschluss konkrete Ownership und nächste Schritte definieren.
Häufige Fehler bei der Walt Disney Methode:
- Rollen werden nicht ernst genommen („Ich bleibe einfach kritisch“).
- Phasen werden zu schnell durchlaufen.
- Zu viele Themen auf einmal – die Methode eignet sich besser für 1–2 zentrale Fragestellungen.
- Das Management steigt erst in der Kritiker-Rolle ein und blockiert.
So vermeiden Sie das:
- Zu Beginn Verabredung: Rollen gelten für alle – unabhängig von Hierarchie.
- Pro Phase ausreichend Zeit einplanen, z. B. je 30–45 Minuten.
- Fokussierung auf eine zentrale Fragestellung pro Durchlauf.
- Führungskräfte frühzeitig einbinden, idealerweise in allen Rollen.
Praxisbeispiele aus Projekten
Beispiel 1: Klassisches Brainstorming in der Produktentwicklung
Ein B2B-Softwareanbieter möchte neue Features identifizieren. In einer 60-minütigen Brainstorming-Session mit Produktmanagement, Vertrieb und Support entstehen:
- über 80 Roh-Ideen,
- grobe Themencluster (z. B. Reporting, Benutzerfreundlichkeit, Integrationen),
- erste Hinweise auf „Quick Wins“.
Nutzen:
- Breites Bild der Kundenanforderungen,
- schnelle Identifikation von Themenfeldern für weitere Exploration.
Grenze:
- Nach dem Workshop ist zusätzliche Arbeit nötig:
- Priorisierung,
- technische Bewertung,
- Abgleich mit der Produktstrategie.
Beispiel 2: Walt Disney Methode für ein Transformationsthema
Ein Unternehmen möchte die Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und IT in Projekten verbessern.
- Träumer-Phase:
- Vision eines integrierten Projektframeworks,
- gemeinsame Zielbilder,
- Self-Service-Analytics für Fachbereiche.
- Realist-Phase:
- Roadmap für Pilotprojekte,
- Definition von Rollen (Product Owner, Business Analyst etc.),
- Auswahl von Tools und Governance-Regeln.
- Kritiker-Phase:
- Identifikation von Widerständen in den Fachbereichen,
- Risiken bei Ressourcen und Know-how,
- Anpassung der Roadmap (z. B. kleinere Pilotierung, gezielte Schulungen).
Ergebnis:
- Ein abgestimmtes Transformationskonzept,
- klare Entscheidungsgrundlage für das Management,
- realistische Einschätzung von Aufwand und Risiken.
Entscheidungshilfe: Welche Methode passt zu Ihrem Vorhaben?
Stellen Sie sich folgende Fragen:
- Zielbreite vs. Zieltiefe
- Brauchen Sie viele unterschiedliche Ansatzpunkte?
→ Brainstorming. - Brauchen Sie wenige, aber ausgereifte Konzepte?
→ Walt Disney Methode.
- Brauchen Sie viele unterschiedliche Ansatzpunkte?
- Zeit und Reifegrad
- Haben Sie nur 30–60 Minuten und sind früh im Prozess?
→ Brainstorming. - Haben Sie 2–3 Stunden und wollen Entscheidungen vorbereiten?
→ Walt Disney Methode.
- Haben Sie nur 30–60 Minuten und sind früh im Prozess?
- Themenkritikalität
- Geht es um eher überschaubare Verbesserungen?
→ Brainstorming. - Geht es um strategische, risikoreiche Vorhaben?
→ Walt Disney Methode.
- Geht es um eher überschaubare Verbesserungen?
- Teamkultur
- Ihr Team arbeitet ohnehin offen, Feedback wird gut angenommen?
→ Brainstorming kann reichen. - Kritik wird oft persönlich genommen, Hierarchien sind stark?
→ Die klaren Rollen der Walt Disney Methode entlasten und strukturieren.
- Ihr Team arbeitet ohnehin offen, Feedback wird gut angenommen?
In der Praxis ist die Kombination beider Methoden oft am wirksamsten:
Zuerst ein offenes Brainstorming für die Themenbreite – dann mit der Walt Disney Methode die besten Ansätze vertiefen und entscheidungsreif machen.
Fazit: Prinzipien statt Dogmen – und wie Sie beides verankern
Die Frage „Walt Disney Methode vs. Brainstorming – was ist besser?“ lässt sich nicht pauschal beantworten. Beide Kreativmethoden haben klare Stärken:
- Brainstorming liefert schnell viele Ansatzpunkte und ist ideal für frühe Phasen und niedrigschwellige Ideensammlungen.
- Die Walt Disney Methode hilft, vielversprechende Ideen systematisch zu tragfähigen Konzepten weiterzuentwickeln und Risiken sichtbar zu machen.
Entscheidend ist, dass Sie:
- Ihre Fragestellung präzise formulieren,
- Methode und Ablauf bewusst auswählen,
- Zeit für Bewertung und Umsetzungsschritte einplanen,
- Moderation und Rollen klar definieren.
Wenn Sie Kreativ- und Entscheidungsprozesse professionell in Ihrer Organisation verankern möchten – etwa in Strategie-, Projekt- oder Innovationsarbeit – lohnt es sich, diese Methoden fest in Workshops, Projektframeworks und Führungstools zu integrieren.
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