Delphi vs. Brainstorming

Delphi vs. Brainstorming – In vielen Unternehmen ist klar, dass wichtige Entscheidungen nicht mehr allein „aus dem Bauch heraus“ getroffen werden können. Gleichzeitig fehlt oft die passende Methode, um Wissen aus Teams und Experten systematisch zu nutzen. Spätestens bei komplexen Projekten, strategischen Fragen oder Risikoanalysen taucht deshalb ein wiederkehrendes Thema auf: Nutzen wir Brainstorming – oder ist die Delphi-Methode sinnvoller?
Der folgende Beitrag zeigt kompakt und praxisnah, wie sich beide Ansätze unterscheiden, wann welche Methode überzeugt und wie Sie Delphi und Brainstorming im Projekt- und Managementalltag gezielt einsetzen.

Delphi vs. Brainstorming
Delphi vs. Brainstorming

Warum der Vergleich „Delphi vs. Brainstorming“ für Entscheider relevant ist

Sowohl Brainstorming als auch die Delphi-Methode sind bewährte Werkzeuge, um Wissen zu bündeln und bessere Entscheidungen vorzubereiten. Dennoch verfolgen sie unterschiedliche Logiken:

Für Projektleiter, Product Owner, Bereichsleiter und andere Entscheider ist wichtig zu verstehen:


Was ist Brainstorming? Kurzer Überblick

Brainstorming ist eine moderierte Gruppenmethode zur schnellen Ideensammlung ohne Bewertung in der ersten Phase.

Typische Merkmale:

Häufige Varianten:

Brainstorming eignet sich besonders für:


Was ist die Delphi-Methode? Kurz erklärt

Die Delphi-Methode ist ein mehrstufiges Verfahren, bei dem eine Gruppe von Experten anonym befragt wird, um schrittweise zu einem fundierten, oft konsensnahen Urteil zu gelangen.

Kernprinzipien:

Typische Einsatzfelder der Delphi-Methode:

Im Unterschied zum Brainstorming liegt der Fokus weniger auf Kreativität im Sinne „viele neue Ideen“, sondern auf Qualität, Begründung und Annäherung an ein tragfähiges Urteil.


Delphi vs. Brainstorming: Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf einen Blick

Gemeinsamkeiten

Zentrale Unterschiede


Wann Brainstorming die bessere Wahl ist

Brainstorming spielt seine Stärken vor allem dann aus, wenn Schnelligkeit, Beteiligung und Kreativität im Vordergrund stehen.

Typische Situationen

Vorteile von Brainstorming

Typische Stolpersteine

Wer Brainstorming im Projektmanagement einsetzt, sollte deshalb Moderation, klare Regeln und eine saubere Nachbereitung sehr ernst nehmen.


Wann die Delphi-Methode Brainstorming überlegen ist

Die Delphi-Methode lohnt sich immer dann, wenn Unsicherheit hoch, Entscheidungsdruck groß und die Auswirkungen langfristig sind.

Typische Situationen

Vorteile der Delphi-Methode

Herausforderungen

Kurz gesagt: Je komplexer und langfristiger die Entscheidung, desto eher spricht „Delphi vs. Brainstorming“ für Delphi.


Praxisbeispiele: Wie Delphi und Brainstorming im Unternehmen zusammenspielen können

Beispiel 1: Produktstrategie im B2B

  1. Brainstorming im Kernteam
    • Ziel: Identifikation möglicher Kundensegmente, Use Cases, Mehrwerte
    • Ergebnis: Ideenspeicher mit möglichen Produktfeatures, Preismodellen, Go-to-Market-Ansätzen
  2. Delphi-Befragung mit internen und externen Experten
    • Ziel: Einschätzung von Marktattraktivität, Umsetzbarkeit und Risiken
    • Ergebnis: priorisierte Szenarien, z. B. „Segment A in 3 Jahren mit hoher Nachfrage, mittlerem Risiko“

So lassen sich breite Kreativität (Brainstorming) mit tiefer, faktenbasierter Bewertung (Delphi-Methode) verbinden.

Beispiel 2: IT-Strategie und Technologie-Roadmap

  1. Brainstorming mit IT-Leitung, Enterprise-Architekten und Business-Vertretern:
    • Welche Technologien sind in den nächsten 5 Jahren für uns relevant?
    • Welche Legacy-Systeme müssen mittelfristig abgelöst werden?
  2. Delphi-Verfahren mit ausgewählten Experten aus IT, Fachbereichen und ggf. externen Spezialisten:
    • Wie schätzen Sie Reifegrad, Risiken, Integrationsaufwand und Nutzen der Top-Technologien ein?
    • Welche Migrationsszenarien halten Sie für realistisch?

Ergebnis: eine priorisierte Technologie-Roadmap, abgestützt durch mehrfach reflektierte Experteneinschätzungen.

Beispiel 3: Organisationsentwicklung und Change

So entsteht ein abgestütztes Bild der Organisation, das weit über ein einzelnes Stimmungsbild hinausgeht.


Schritt-für-Schritt: Ein wirkungsvolles Brainstorming aufsetzen

Damit Brainstorming nicht bei „bunten Kärtchen“ stehenbleibt, hilft ein klarer Ablauf:

  1. Fragestellung schärfen
    • Konkrete, fokussierte Frage formulieren
    • Beispiel: „Welche Maßnahmen können wir ergreifen, um die Durchlaufzeit im Onboarding um 30 % zu senken?“
  2. Rahmen definieren
    • Teilnehmerkreis bewusst wählen (Fachwissen + Perspektivenvielfalt)
    • Zeitbox festlegen (z. B. 60–90 Minuten)
    • Regeln erklären: keine Bewertung in Phase 1, kein Unterbrechen, kein „Ja, aber…“
  3. Ideenphase (Divergenz)
    • schnelle Sammlung ohne Diskussion, ggf. in Runden
    • Nutzung von Techniken: Brainwriting, stille Phase, Impulsfragen
    • alles sichtbar dokumentieren (Whiteboard, Miro, Flipchart)
  4. Strukturierung (Clustern)
    • ähnliche Ideen zusammenfassen
    • Cluster benennen (z. B. „Prozess“, „Rollen“, „Tools“, „Kunde“)
  5. Bewertung und Priorisierung
    • z. B. mit Impact/Effort-Matrix, Dot-Voting, MoSCoW
    • klare nächste Schritte für die Top-Ideen definieren
  6. Nachbereitung sichern
    • Ergebnisse dokumentieren und verteilen
    • Verantwortlichkeiten und Zeitplan für weitere Analyse / Umsetzung festlegen

So wird Brainstorming vom „Kreativritual“ zur konkreten Vorbereitung von Entscheidungen und Maßnahmen.


Schritt-für-Schritt: Eine Delphi-Befragung planen und durchführen

Eine Delphi-Studie ist anspruchsvoller, aber bei guter Planung ein sehr wirkungsvolles Instrument.

  1. Ziel und Leitfragen definieren
    • Welche Entscheidung soll vorbereitet werden?
    • Beispiele: „Wie wahrscheinlich ist eine Markteinführung von Technologie X bis 2029?“
    • „Welche Transformationsrisiken sind für unser Programm am kritischsten?“
  2. Expertengruppe auswählen
    • 10–30 Personen, abhängig vom Thema
    • Mischung aus internen und externen Fachleuten, wenn möglich
    • klare Kriterien: Erfahrung, Rollen, Fachgebiete
  3. Erste Runde: Explorative Befragung
    • eher offene oder halboffene Fragen
    • Ziel: Themenbreite, relevante Einflussfaktoren und erste Einschätzungen sammeln
    • Auswertung: Kategorien bilden, Kennzahlen ableiten, Spannweiten sichtbar machen
  4. Zweite Runde: Strukturierte Bewertung
    • auf Basis der ersten Runde quantitative und qualitative Fragen formulieren
    • z. B. Skalen von 1–10, Szenario-Wahrscheinlichkeiten, Rangfolgen
    • Ergebnisse der ersten Runde anonymisiert als Feedback zur Verfügung stellen
  5. Dritte Runde (optional, aber oft sinnvoll)
    • Experten sehen aggregierte Ergebnisse und ggf. Argumente
    • Möglichkeit zur Anpassung der eigenen Einschätzungen
    • Ziel: Streuung verringern, Begründungen schärfen
  6. Auswertung und Aufbereitung
    • statistische Kennzahlen (Median, Mittelwert, Verteilung)
    • qualitative Kernargumente pro Option / Szenario
    • Visualisierung: Szenariomatrizen, Risikoheatmaps, Roadmaps
  7. Verankerung in der Entscheidung
    • Ergebnisse in Management- oder Lenkungsausschuss einbringen
    • Klar machen: Delphi liefert informierte Einschätzungen, ersetzt aber nicht die Verantwortung der Entscheider

So wird die Delphi-Methode zu einer robusten Grundlage für strategische Entscheidungen, die sich transparent dokumentieren lässt.


Häufige Fragen zu „Delphi vs. Brainstorming“

Wann ist Brainstorming ausreichend?
Wenn das Problem überschaubar ist, rasch Ideen benötigt werden und das Team handlungsnah entscheiden kann, reicht meist ein gut moderiertes Brainstorming mit anschließender Priorisierung.

Wann ist die Delphi-Methode sinnvoller als Brainstorming?
Wenn es um langfristige Entwicklungen, größere Investitionen, kritische Risiken oder politisch sensible Entscheidungen geht – insbesondere, wenn Sie auf fundierte Experteneinschätzungen angewiesen sind, die nicht von Hierarchien beeinflusst werden sollen.

Kann man Brainstorming und Delphi kombinieren?
Ja. Häufig dient Brainstorming zur Themen- und Hypothesengenerierung, während die Delphi-Methode im Anschluss zur Bewertung und Verdichtung dieser Themen genutzt wird.

Wie viele Experten braucht eine Delphi-Studie?
Es gibt keine starre Regel. In der Praxis sind 10–30 Experten ein guter Richtwert, je nach Themenbreite und Verfügbarkeit kompetenter Personen.

Ist Brainstorming in hybriden oder Remote-Teams noch zeitgemäß?
Ja, sofern digitale Whiteboards und klare Moderation eingesetzt werden. Remote-Brainstorming kann sogar diversere Perspektiven einbinden, wenn Standorte und Zeitzonen berücksichtigt werden.


Entscheidungsleitfaden: Welche Methode passt zu Ihrem Vorhaben?

Eine pragmatische Orientierung für Entscheider kann so aussehen:

Nutzen Sie Brainstorming, wenn …

Nutzen Sie die Delphi-Methode, wenn …

Oft ist die beste Antwort auf „Delphi vs. Brainstorming“ keine Entweder-oder-Entscheidung, sondern eine sinnvolle Reihenfolge:

  1. Brainstorming zur Generierung von Optionen, Einflussfaktoren, Szenarien
  2. Delphi zur Bewertung, Gewichtung und Priorisierung der wichtigsten Optionen

Nächste Schritte für Ihr Unternehmen

Ob Sie ein PMO aufbauen, eine Transformations-Roadmap planen oder ein kritisches Investitionsprojekt vorbereiten: Die Wahl der richtigen Methode entscheidet mit darüber, wie belastbar Ihre Ergebnisse sind – und wie gut sich Entscheidungen gegenüber Stakeholdern vertreten lassen.

Wenn Sie intern bereits Brainstorming-Workshops durchführen, aber bei komplexeren Fragestellungen mehr Struktur und Tiefe benötigen, lohnt sich ein Blick auf die Delphi-Methode als Ergänzung in Ihrem Methodenbaukasten.

Falls Sie Unterstützung bei der Konzeption und Moderation von Brainstorming-Sessions, bei der Durchführung einer Delphi-Befragung oder beim Aufbau eines konsistenten Entscheidungsprozesses suchen, kann ein externer Sparringspartner wie die PURE Consultant helfen, Methodenkompetenz mit Projekterfahrung zu verbinden und die passenden Formate für Ihre Organisation zu entwickeln.

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