Delphi Methode: Leitfaden und Best Practice

Delphi Methode: Leitfaden und Best Practice – Die Delphi Methode gehört zu den wirkungsvollsten Instrumenten, wenn es darum geht, fundierte Einschätzungen von Experten zu strukturieren: für Strategien, Technologien, Risiken oder Markttrends. Gerade in komplexen Projekten, in der Digitalisierung oder im Portfoliomanagement liefert sie belastbare Ergebnisse, wo Daten allein nicht ausreichen. In diesem Leitfaden erfahren Sie, was die Delphi-Methode ist, wie sie funktioniert und wie Sie sie in der Praxis so aufsetzen, dass Sie verlässliche Entscheidungsgrundlagen erhalten – ohne wissenschaftlichen Overkill, aber mit sauberem Vorgehen, klaren Schritten und konkreten Best Practices aus der Unternehmenspraxis.

Delphi Methode: Leitfaden und Best Practice
Delphi Methode: Leitfaden und Best Practice

Was ist die Delphi-Methode?

Die Delphi-Methode ist ein strukturiertes Befragungsverfahren, mit dem das Wissen mehrerer Experten zu einer Fragestellung schrittweise gebündelt wird.

Kernmerkmale:

Ziel ist nicht zwangsläufig „Konsens um jeden Preis“, sondern eine transparente, begründete Einschätzung der Experten – oft genutzt für Prognosen, Priorisierungen und Szenarien.


Wofür eignet sich die Delphi-Methode?

Typische Einsatzfelder in Unternehmen und Projekten:

Typische Fragen, bei denen die Delphi Methode besonders sinnvoll ist:

Immer dann, wenn harte Daten fehlen, Unsicherheit hoch ist und Expertenwissen verteilt vorliegt, ist die Delphi-Methode ein starkes Werkzeug.


Wie funktioniert die Delphi Methode? – Schritt-für-Schritt-Ablauf

1. Ziel und Fragestellung präzisieren

Ohne klare Fragestellung wird jede Delphi-Studie zur Meinungs-Sammlung ohne Nutzen.

Klären Sie:

Formulieren Sie 1–3 Leitfragen, z. B.:

2. Expertenpanel definieren und auswählen

Die Qualität der Delphi-Methode steht und fällt mit der Auswahl der Experten.

Worauf sollten Sie achten?

Praxisregel:
Für unternehmensinterne Delphi-Studien sind 10–25 Experten meist ausreichend. Entscheidend ist nicht die Anzahl, sondern die Repräsentativität der Sichtweisen.

3. Fragebogendesign: Die richtigen Fragen stellen

Der Fragebogen bildet das Rückgrat der gesamten Delphi-Befragung.

Best Practices für Fragen in der Delphi Methode:

Beispiel für eine kombinierte Frage:

„Wie hoch schätzen Sie die Eintrittswahrscheinlichkeit von Risiko R in den nächsten 3 Jahren ein?
Skala 1 (sehr unwahrscheinlich) bis 9 (sehr wahrscheinlich).
Bitte begründen Sie Ihre Einschätzung in 2–3 Sätzen.“

4. Erste Runde: Individuelle Einschätzungen einholen

In der ersten Delphi-Runde beantworten alle Experten unabhängig und anonym denselben Fragebogen.

Wichtige Punkte:

Ergebnis der ersten Runde:
Sie erhalten eine Streubreite von Einschätzungen und Begründungen, die die Vielfalt der Meinungen sichtbar macht.

5. Auswertung und Feedback aufbereiten

Zwischen der ersten und zweiten Runde liegt die eigentliche analytische Arbeit.

Typische Auswertungselemente:

Ziel ist eine kompakte Rückmeldung, etwa nach dem Muster:

Diese Rückmeldung dient als Grundlage für die zweite Runde.

6. Zweite (und ggf. weitere) Runde: Überdenken der Einschätzungen

In der zweiten Runde erhalten die Experten:

Sie werden gebeten:

Dadurch entsteht ein Prozess des reflektierten Meinungsabgleichs:

Oft reichen zwei bis drei Runden, um stabile Ergebnisse zu erreichen. Je mehr Runden, desto höher die Gefahr von Ermüdung und fallender Beteiligung.

7. Konsolidierung und Dokumentation der Ergebnisse

Am Ende der Delphi Methode steht nicht nur ein Zahlenwerk, sondern ein begründetes Bild:

Bereiten Sie die Ergebnisse für Entscheider so auf, dass diese:


Best Practices für erfolgreiche Delphi-Studien

1. Anonymität konsequent sichern

Anonymität ist entscheidend, um Hierarchieeffekte und Gruppendruck zu vermeiden.

2. Klarer Zeitplan und schlanker Prozess

So sichern Sie eine hohe Beteiligungsquote und zuverlässige Ergebnisse.

3. Professionelle Moderation und Auswertung

Eine erfahrene Moderation sorgt dafür, dass:

Gerade bei politisch sensiblen Themen (z. B. Standortentscheidungen, Reorganisationen) ist Neutralität entscheidend.

4. Klare Rückkopplung an die Praxis

Ein häufiger Fehler: Die Delphi Methode wird als „Studienprojekt“ durchgeführt, die Ergebnisse versanden in einer Schublade.

Stellen Sie sicher:


Varianten der Delphi Methode

Je nach Ziel und Rahmenbedingungen können unterschiedliche Delphi-Formate sinnvoll sein.

Klassische Delphi-Studie

Geeignet für:
Strategieprozesse, Technologie-Roadmaps, Langfristprognosen.

Policy Delphi

Geeignet für:
Grundsatzentscheidungen, Leitbildprozesse, Ethik- oder Compliance-Themen.

Online- bzw. Real-Time-Delphi

Geeignet für:
Zeitkritische Fragestellungen, große verteilte Organisationen, internationale Panels.


Typische Fehler bei Delphi-Studien – und wie Sie sie vermeiden

1. Unklare oder zu breite Fragestellung

2. Zu homogene Expertenrunde

3. Überfrachtete Fragebögen

4. Kein echtes Feedback zwischen den Runden

5. Verdeckt gewünschte Ergebnisse


Praxisbeispiel: Delphi Methode in einem IT-Transformationsprojekt

Ausgangssituation:
Ein Unternehmen plant die Einführung einer neuen, cloudbasierten ERP-Lösung. Die Entscheidungsträger möchten wissen:

Schritt 1: Expertenpanel

Schritt 2: Fragebogen (Runde 1)

Blöcke im Fragebogen:

Schritt 3: Auswertung und Runde 2

Nach der ersten Runde zeigt sich:

In Runde 2 erhalten die Experten:

Sie werden gebeten:

Schritt 4: Ergebnis und Nutzung

Die konsolidierte Delphi-Auswertung ergibt:

Diese Ergebnisse fließen direkt in die Projektplanung und das Risikoregister ein. Der Nutzen der Delphi Methode liegt hier nicht in „perfekten Prognosen“, sondern in einer gemeinsam getragenen, transparenten Risikoeinschätzung.


Wann lohnt sich die Delphi Methode – und wann nicht?

Gute Einsatzsituationen

Weniger geeignet ist die Delphi-Methode, wenn:


Praktische Tipps für die Umsetzung in Ihrem Unternehmen

Zum Abschluss eine kompakte Übersicht, wie Sie die Delphi Methode pragmatisch erfolgreich einsetzen:

  1. Starten Sie klein, aber sauber.
    Lieber eine fokussierte Delphi-Studie zu einem klar eingegrenzten Thema als ein überambitioniertes Großprojekt.
  2. Investieren Sie in das Design der ersten Runde.
    Eine gute Struktur und verständliche Fragen sparen später erheblich Aufwand.
  3. Kommunizieren Sie den Nutzen für die Experten.
    Wer versteht, warum seine Einschätzung wichtig ist, beteiligt sich engagierter.
  4. Achten Sie auf neutrale Moderation.
    Besonders wenn es um sensible Themen geht, ist Unabhängigkeit entscheidend.
  5. Verankern Sie die Ergebnisse im Entscheidungsprozess.
    Definieren Sie im Vorfeld, wie die Resultate genutzt werden: z. B. als Input für Portfolio-Workshops, Strategieklausuren, Risikoreviews.

Wenn Sie die Delphi Methode in Ihrem Unternehmen gezielt einführen oder bei kritischen Entscheidungen nutzen möchten, kann es sinnvoll sein, mit einem erfahrenen Partner zu arbeiten – von der Konzeption über die Durchführung bis zur Auswertung und Management-Präsentation.

Wenn Sie dazu Unterstützung oder eine zweite Meinung wünschen, können Sie sich beispielsweise an die Berater der PURE Consultant wenden, um ein passendes Vorgehen für Ihre spezifische Fragestellung zu entwickeln.

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