Delphi Methode erklärt

Delphi Methode erklärt – Komplexe Entscheidungen unter Unsicherheit gehören zum Alltag von Entscheidern, Projektmanagern und Führungskräften. Ob es um Zukunftsszenarien, Investitionsentscheidungen, Produktroadmaps oder Risikobewertungen geht: Harte Daten reichen oft nicht aus, und klassische Meetings erzeugen schnell Lautstärke statt Qualität. Die Delphi-Methode bietet hier einen strukturierten Weg, das Wissen unterschiedlicher Experten systematisch zu bündeln – ohne Dominanz einzelner Stimmen und mit klar dokumentierten Ergebnissen.

In diesem Beitrag wird die Delphi Methode verständlich erklärt: Was sie ist, wie sie Schritt für Schritt funktioniert, wofür sie sich eignet, wo ihre Grenzen liegen und wie Sie sie in Projekten, Strategieprozessen oder im Innovationsmanagement praktisch einsetzen können.

Delphi Methode erklärt
Delphi Methode erklärt

Was ist die Delphi-Methode?

Die Delphi-Methode ist ein strukturiertes Verfahren zur systematischen Expertenbefragung in mehreren Runden, mit dem Ziel, eine fundierte Einschätzung oder einen möglichst breiten Konsens zu komplexen Fragestellungen zu erreichen.

Typische Kernelemente der Delphi-Methode:

Kurz gesagt: Die Delphi-Methode hilft, verteiltes Expertenwissen zu bündeln und zu strukturieren, wenn einfache Umfragen oder Workshops nicht ausreichen.


Wofür wird die Delphi-Methode eingesetzt?

Die Delphi-Methode eignet sich besonders für Fragen, bei denen:

Typische Einsatzbereiche:

Überall dort, wo Sie „Was ist wahrscheinlich?“, „Wie wird sich das entwickeln?“ oder „Welche Optionen sind sinnvoll?“ beantworten wollen, kann eine Delphi-Befragung ein sehr wirksames Instrument sein.


Wie funktioniert die Delphi-Methode? Schritt-für-Schritt-Erklärung

1. Fragestellung klar definieren

Der wichtigste Schritt zu Beginn: Eine präzise, fokussierte Leitfrage.

Beispiele:

Wichtige Kriterien:

Ohne klare Ausgangsfrage wird die Delphi-Methode schnell unpräzise und die Auswertung beliebig.


2. Expertenpanel auswählen

Die Qualität des Ergebnisses hängt wesentlich von der Auswahl der Experten ab.

Typische Auswahlkriterien:

Häufige Fragen:


3. Erste Runde: Qualitative Delphi-Befragung

Die erste Runde der Delphi-Methode ist oft offen und explorativ. Ziel ist es, die gesamte Breite an Einschätzungen zu erfassen – ohne Vorgaben, ohne Antwortoptionen.

Typische Vorgehensweise:

Beispiele für Fragen:

Wichtig: In Runde 1 geht es nicht um Konsens, sondern um die Sammlung möglichst vieler relevanter Perspektiven.


4. Auswertung und Verdichtung der ersten Runde

Nach der ersten Runde werden die Antworten:

Typische Ergebnisse der ersten Runde:

Wichtig ist hier ein transparentes Vorgehen:

Aus dieser Auswertung entstehen die Grundlage und die Fragestellungen für die nächste Runde.


5. Zweite und weitere Runden: Quantitative Bewertung und Feedback

In der zweiten Runde wird das verdichtete Material den Experten erneut vorgelegt – diesmal typischerweise in strukturierter Form, etwa als:

Beispiele für Bewertungsfragen:

Charakteristisch ist:

Es sind zwei bis drei Runden üblich. Mehr Runden erhöhen zwar die Präzision, bergen aber das Risiko von Ermüdung und Abbruch.


6. Auswertung, Konsens und Divergenzen

Am Ende der Delphi-Methode stehen nicht nur Mittelwerte, sondern ein differenziertes Bild:

Mögliche Auswertungen:

Wichtig: Konsens ist kein Selbstzweck. Gerade begründete Unterschiede in den Einschätzungen können strategisch wertvolle Hinweise geben.


7. Transfer in Entscheidungen und Maßnahmen

Die Delphi-Methode endet nicht mit einem Bericht. Ihr Mehrwert entsteht dann, wenn die Ergebnisse:

Praxisbewährt ist es, unmittelbar nach Abschluss der Delphi-Befragung einen Workshop mit Entscheidern und ausgewählten Experten durchzuführen, um:


Varianten der Delphi-Methode

In der Praxis haben sich verschiedene Varianten entwickelt, die sich an spezifische Anforderungen anpassen lassen.

Häufig genutzte Formen:

Welche Variante sinnvoll ist, hängt von Ziel, Zeitrahmen, Ressourcen und Verfügbarkeit der Experten ab.


Vorteile der Delphi-Methode

Warum sollten Sie eine Delphi-Methode in Betracht ziehen, statt „nur“ einen Workshop oder eine Standardumfrage durchzuführen?

Wesentliche Vorteile:


Grenzen und typische Probleme der Delphi-Methode

Trotz vieler Stärken ist die Delphi-Methode kein Allheilmittel.

Wichtige Grenzen:


Praxisbeispiel: Delphi-Methode im Projekt- und Innovationsmanagement

Angenommen, ein Unternehmen plant eine mehrjährige Digitalisierungsinitiative mit erheblichem Investitionsvolumen. Die zentrale Frage lautet:

„Welche digitalen Initiativen erzeugen in den nächsten 5 Jahren den höchsten Mehrwert für unser Kerngeschäft?“

Möglicher Einsatz der Delphi-Methode:

  1. Fragestellung konkretisieren
    • Fokus auf bestimmte Geschäftsbereiche
    • Klarer Zeithorizont (z. B. 5 Jahre)
    • Definition von „Mehrwert“ (z. B. Umsatz, Effizienz, Kundenzufriedenheit)
  2. Expertenpanel zusammenstellen
    • Geschäftsbereichsleiter, IT-Verantwortliche, Produktmanager, Vertrieb, Controlling
    • ggf. externe Branchenexperten
  3. Runde 1: Ideen und Einflussfaktoren sammeln
    • Offene Fragen zu:
      • möglichen digitalen Initiativen
      • erwarteten Effekten
      • Abhängigkeiten und Risiken
  4. Auswertung und Verdichtung
    • Zusammenführung zu 15–20 konkreten Initiativen
    • Ergänzung um kurze Beschreibungen
  5. Runde 2: Bewertung der Initiativen
    • Skalen für:
      • geschätzter Business Impact
      • Umsetzungsaufwand
      • technische und organisatorische Risiken
    • Erhebung von Bandbreiten (z. B. min./max. Nutzen)
  6. Runde 3 (optional): Feinjustierung
    • Präsentation der gruppenweiten Ergebnisse (Mittelwerte, Spannbreiten)
    • erneute Bewertung ausgewählter Initiativen mit hoher Unsicherheit
  7. Transfer in die Praxis
    • Strategieworkshop auf Basis der Delphi-Ergebnisse
    • Bildung eines priorisierten Projektportfolios
    • Definition von Pilotprojekten und nächsten Schritten

Ergebnis: Eine nachvollziehbar hergeleitete, von Experten getragene Priorisierung, die sich gegenüber Vorstand, Aufsichtsrat oder anderen Stakeholdern gut begründen lässt.


Erfolgsfaktoren für eine gute Delphi-Befragung

Damit die Delphi-Methode ihren vollen Nutzen entfaltet, sollten einige Erfolgsfaktoren beachtet werden:


Praktische Tipps für die Umsetzung im Unternehmen

Wenn Sie die Delphi-Methode in Ihrem Unternehmen einsetzen wollen, helfen folgende Schritte:


Häufige Fragen zur Delphi-Methode

Wie lange dauert eine Delphi-Befragung?
Je nach Umfang und Anzahl der Runden sollten Sie realistisch 4–12 Wochen einplanen. Kürzer ist mit Real-Time- oder Online-Varianten möglich, wenn Setup und Experten schnell verfügbar sind.

Wie unterscheidet sich die Delphi-Methode von einer normalen Umfrage?
Standardumfragen erfassen vor allem Meinungen zu vorgegebenen Fragen – meist nur einmal. Die Delphi-Methode arbeitet iterativ, mit Feedback zwischen den Runden. Experten reflektieren ihre Einschätzungen im Lichte der Gruppenergebnisse, was zu fundierteren, konsistenteren Resultaten führt.

Worin unterscheidet sich die Delphi-Methode von einem Workshop?
Workshops sind synchron, oft von Persönlichkeits- und Hierarchieeffekten geprägt. Eine Delphi-Befragung ist asynchron, anonym und stärker strukturiert. Sie eignet sich besonders, wenn Experten räumlich verteilt sind oder Hierarchien die offene Diskussion erschweren.

Wie viele Runden sind sinnvoll?
In der Praxis sind zwei bis drei Runden üblich. Eine Runde ist zu wenig für echte Reflexion und Annäherung; mehr als drei Runden bringen meist nur noch marginalen Erkenntnisgewinn, erhöhen aber Aufwand und Ermüdung.

Ist die Delphi-Methode immer auf Konsens ausgerichtet?
Nein. Je nach Ziel ist es ebenso wertvoll, bewusst divergierende Einschätzungen sichtbar zu machen und zu verstehen, warum diese Unterschiede existieren. Vor allem beim Policy Delphi stehen Argumente und Positionen im Vordergrund, nicht der Konsens.


Fazit Delphi Methode erklärt: Wann sich die Delphi-Methode für Sie lohnt

Die Delphi-Methode ist ein starkes Instrument, wenn Sie:

Sie ist kein Schnellschuss, sondern ein methodisch anspruchsvoller Prozess. Richtig eingesetzt, bietet sie jedoch eine deutlich bessere Grundlage für strategische Entscheidungen, Portfolio- und Projektpriorisierung sowie Risiko- und Innovationsmanagement als informelle Diskussionen oder isolierte Einzelmeinungen.

Wenn Sie überlegen, die Delphi-Methode in einem konkreten Vorhaben einzusetzen – etwa zur Bewertung einer Transformationsinitiative, zur Priorisierung eines Projektportfolios oder zur Entwicklung von Zukunftsszenarien – kann es sinnvoll sein, sich methodische Unterstützung zu holen. Erfahrene Berater wie die Expertinnen und Experten der PURE Consultant helfen dabei, Fragestellung, Design, Durchführung und Auswertung so aufzusetzen, dass aus Experteneinschätzungen belastbare Entscheidungsgrundlagen werden.

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