SYLLK Modell erklärt

SYLLK Modell erklärt – Viele Organisationen sammeln seit Jahren „Lessons Learned“ – und trotzdem wiederholen sich dieselben Fehler von Projekt zu Projekt. Meetings werden protokolliert, Dateien abgelegt, aber das Wissen kommt im Alltag nicht an. Genau hier setzt das SYLLK Modell an: Es macht sichtbar, wo Lernprozesse in Projekten stecken bleiben und wie Sie Ihre Organisation so „verdrahten“, dass Erfahrungen tatsächlich zu besseren Ergebnissen führen. In diesem Beitrag erfahren Sie, was hinter dem SYLLK Ansatz steckt, wie er aufgebaut ist und wie Sie ihn Schritt für Schritt in Ihrem Projektportfolio anwenden können.

SYLLK Modell erklärt
SYLLK Modell erklärt

Was ist das SYLLK Modell in einfachen Worten?

Das SYLLK Modell („Systemic Lessons Learned Knowledge“) ist ein Rahmenwerk für organisationales Lernen aus Projekten.

Kurzdefinition:
Das SYLLK Modell beschreibt, wie Wissen und Lessons Learned systematisch durch sechs miteinander verbundene Organisationsbereiche (Systeme) fließen müssen, damit eine Organisation tatsächlich aus Projekten lernt.

Diese sechs Bereiche sind:

  1. Lernen
  2. Kultur
  3. Soziales (Netzwerke & Beziehungen)
  4. Technologie
  5. Prozesse
  6. Infrastruktur (Struktur & Governance)

Statt nur auf einzelne Maßnahmen (z. B. ein Lessons-Learned-Template) zu schauen, betrachtet SYLLK die Gesamtverdrahtung dieser Systeme. Nur wenn sie zusammenarbeiten, werden Erkenntnisse aus Projekten zu stabilen Fähigkeiten der Organisation.


Warum braucht man das SYLLK Modell überhaupt?

Viele Unternehmen kennen das Muster:

Typische Symptome, die auf einen Bedarf nach einem Modell wie SYLLK hinweisen:

Das SYLLK Modell hilft, diese Symptome systematisch zu analysieren: Es zeigt, welches System den Fluss der Lessons Learned unterbricht – und wo man ansetzen muss, um nachhaltiges Lernen zu erzeugen.


Ursprung: Woher kommt das SYLLK Modell?

Das SYLLK Modell wurde im Kontext von Projekten und temporären Organisationen entwickelt, also genau dort, wo häufig viele Erfahrungen entstehen, aber nur wenig davon im Unternehmen verankert wird.

Inspirationsquelle ist u. a. das sogenannte „Swiss-Cheese-Modell“ aus dem Risikomanagement:

Übertragen auf Lernen bedeutet das:
Nicht eine Ursache (z. B. „das Tool ist schlecht“) verhindert Lernen, sondern das Zusammenspiel unterschiedlicher Schwächen. SYLLK macht dieses Zusammenspiel sichtbar und bearbeitbar.


Die 6 Kernelemente des SYLLK Modells im Detail

Im Zentrum des SYLLK Ansatzes stehen sechs „Systeme“, die gemeinsam dafür sorgen, dass Lernprozesse funktionieren.

1. Lernsystem (Learning)

Hier geht es um die konkreten Mechanismen, mit denen Erfahrungen reflektiert und in Wissen überführt werden:

Fragen zur Diagnose:

Ohne ein funktionierendes Lernsystem bleiben Erfahrungen zufällig und personengebunden.


2. Kultur

Kultur bestimmt, wie in Lernräumen gesprochen wird – und ob überhaupt offen über Fehler und Risiken gesprochen werden darf.

Wichtige Aspekte:

Typische kulturelle Blockaden:

SYLLK macht klar: Ohne eine unterstützende Lernkultur bleiben alle anderen Systeme wirkungsschwach.


3. Soziales System (Social)

Hier geht es um die menschlichen Netzwerke, Beziehungen und Rollen, über die Wissen fließt:

Typische Fragen:

Fehlt ein funktionierendes soziales System, versandet Wissen in Dokumenten und Formalismen.


4. Technologie

Technologie ist das sichtbare „Frontend“ des Wissensmanagements – aber im SYLLK Modell nur ein Baustein:

Typische Probleme:

Im SYLLK Verständnis unterstützt Technologie nur dann Lernen, wenn sie mit Kultur, Prozessen und sozialen Netzwerken abgestimmt ist.


5. Prozesse

Prozesse definieren, wann und wie Lernen aus Projekten stattfinden soll:

Fragen zur Bewertung:

Fehlen klare Prozesse, bleibt Lernen optional – und fällt im Projektalltag als Erstes hinten herunter.


6. Infrastruktur (Struktur & Governance)

Unter Infrastruktur versteht SYLLK die strukturellen Rahmenbedingungen:

Typische Fragen:

Ohne passende Infrastruktur bleiben Lerninitiativen oft isolierte Einzelprojekte engagierter Personen.


Wie funktioniert das SYLLK Modell in der Praxis?

Das SYLLK Modell wird in der Praxis vor allem als Diagnose- und Designwerkzeug eingesetzt:

  1. Bestehende Situation analysieren
    • Für jedes der sechs Systeme wird bewertet: Wie gut unterstützt es das Lernen aus Projekten aktuell?
  2. „Löcher im Käse“ identifizieren
    • Wo entstehen Brüche? Beispiel: Gute Workshops (Lernsystem) treffen auf schwache Kultur (niemand sagt die Wahrheit) oder fehlende Prozesse (Erkenntnisse werden nicht weiterverarbeitet).
  3. Systemübergreifende Maßnahmen definieren
    • Ziel ist es, nicht nur an einem Punkt (z. B. Technologie) zu optimieren, sondern mehrere Systeme so zu justieren, dass ein stabiler Fluss von Lessons Learned entsteht.
  4. Pilotprojekte und schrittweise Skalierung
    • SYLLK wird idealerweise an ausgewählten Projekten oder Bereichen getestet und dann iterativ ausgebaut.

Typische Anwendungsfälle: Wo ist das SYLLK Modell besonders hilfreich?

Das SYLLK Modell eignet sich besonders für:

Beispiele für konkrete Fragestellungen, bei denen SYLLK unterstützt:


SYLLK Modell anwenden: Vorgehen in 6 Schritten

Schritt 1: Zielbild klären

Ein klares Zielbild entscheidet später über die Priorisierung von Maßnahmen.


Schritt 2: Ist-Analyse entlang der 6 SYLLK Systeme

Für jedes System werden Stärken, Schwächen und typische Muster erhoben, z. B. mittels:

Mögliche Bewertungsskalen (einfach gehalten):

Das Ergebnis ist ein „Landkarten-Bild“ Ihres organisationalen Lernsystems.


Schritt 3: Kritische Bruchstellen identifizieren

Anschließend werden die Kombinationen betrachtet, in denen das Lernen besonders häufig scheitert, z. B.:

Diese Bruchstellen sind die Hebel, an denen es sich lohnt anzusetzen.


Schritt 4: Maßnahmenpakete definieren

Statt viele Einzelmaßnahmen zu starten, empfiehlt sich, systemübergreifende Pakete zu schnüren, z. B.:


Schritt 5: Pilotierung mit realen Projekten

SYLLK entfaltet seine Wirkung, wenn es an echten Projekten erprobt wird:

Wichtig ist, dass Pilotprojekte nicht als „Experiment auf Kosten des Projekterfolgs“ empfunden werden, sondern als Möglichkeit, besser als bisher zu arbeiten.


Schritt 6: Skalierung und Verankerung

Was in Piloten funktioniert, wird anschließend skaliert:

So wird das SYLLK Modell von einer einmaligen Initiative zu einem Bestandteil der organisationalen Lernarchitektur.


Praxisbeispiel: Wie das SYLLK Modell ein Projektportfolio stabilisieren kann

Ein fiktives, aber typisches Szenario aus einem mittelgroßen IT-Dienstleister:

Ausgangslage

SYLLK-Diagnose (verkürzt)

Maßnahmen auf Basis von SYLLK

Ergebnis nach 12–18 Monaten

Das Beispiel zeigt: Der Mehrwert des SYLLK Modells liegt darin, nicht nur an einer Stelle („wir brauchen ein besseres Tool“) zu drehen, sondern die Organisation als lernendes System zu verstehen.


Häufige Fehler bei der Einführung des SYLLK Modells

Beim Arbeiten mit dem SYLLK Ansatz tauchen in der Praxis immer wieder ähnliche Stolpersteine auf:


Checkliste: Ist Ihre Organisation bereit für das SYLLK Modell?

Nutzen Sie die folgenden Fragen als schnellen Selbsttest:

Lernsystem

Kultur

Soziales

Technologie

Prozesse

Infrastruktur

Je mehr Fragen Sie mit „Nein“ beantworten, desto größer ist der potenzielle Hebel, den das SYLLK Modell in Ihrer Organisation entfalten kann.


Fazit SYLLK Modell erklärt: Warum sich das SYLLK Modell für Entscheider und Projektverantwortliche lohnt

Das SYLLK Modell bietet eine klare, praxisnahe Antwort auf eine zentrale Managementfrage:
Wie stellen wir sicher, dass unsere Organisation tatsächlich aus Projekten lernt – und nicht nur darüber spricht?

Statt sich auf Einzelmaßnahmen zu verlassen, zeigt SYLLK:

Für Entscheider, Projektmanager:innen und Führungskräfte ist SYLLK damit ein wirkungsvolles Instrument, um

Wenn Sie prüfen wollen, wie gut Ihre Organisation heute schon entlang der sechs SYLLK Systeme aufgestellt ist oder wie Sie das Modell pragmatisch in Ihrem Projektportfolio verankern können, lohnt sich ein externer Blick von erfahrenen Projekt- und Organisationsberatern. Die Expert:innen der PURE Consultant unterstützen Sie dabei, Ihr Lernsystem gezielt zu analysieren und passgenaue Maßnahmen für Ihre Organisation zu entwickeln.

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