Scrum vs. Kanban vs. klassisches Projektmanagement – Die Welt des Projektmanagements hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. Während früher hauptsächlich klassische Methoden wie das Wasserfallmodell zum Einsatz kamen, gewinnen agile Ansätze wie Scrum und Kanban zunehmend an Bedeutung. Diese Entwicklung ist kein Zufall, denn die Anforderungen an Projekte sind komplexer und schnelllebiger geworden. Unternehmen suchen deshalb nach flexiblen Methoden, um Projekte effizient und erfolgreich umzusetzen – unabhängig davon, ob sie neue Produkte entwickeln, interne Prozesse verbessern oder Kundenaufträge abwickeln.
Was ist klassisches Projektmanagement?
Unter klassischem Projektmanagement versteht man strukturierte und phasenorientierte Ansätze. Besonders beliebt sind dabei das Wasserfallmodell, PRINCE2 oder das V-Modell. Die Projektplanung erfolgt dabei detailliert im Voraus. Jede Phase baut auf der vorherigen auf, und Änderungen nach Projektstart sind oft nur schwer umsetzbar. Gerade in Branchen wie dem Bauwesen oder Maschinenbau, in denen die Anforderungen von Anfang an klar definiert und Veränderungen teuer sind, hat sich dieses Modell bewährt.
Vorteile des klassischen Projektmanagements:
- Hohe Planungssicherheit
- Klar definierte Rollen und Verantwortlichkeiten
- Gutes Risikomanagement durch strukturierte Prozesse
- Geeignet für Projekte mit stabilen Anforderungen
Nachteile:
- Geringe Flexibilität bei Änderungen
- Gefahr von Zeit- und Kostenüberschreitungen, falls sich Anforderungen ändern
- Lange Vorlaufzeiten bis zum ersten Ergebnis
Scrum – der agile Sprint zum Ziel
Während klassische Methoden einen festen Ablauf einhalten, verfolgt Scrum einen iterativen Ansatz. Anstatt das Projekt von Anfang bis Ende komplett durchzuplanen, arbeitet das Team in kurzen, festgelegten Intervallen. Nach jedem Sprint wird ein fertiges, potenziell auslieferbares Produktinkrement präsentiert – und zwar unabhängig davon, ob es sich um Software, ein physisches Produkt oder einen internen Prozess handelt.
Besondere Merkmale von Scrum:
- Klare Rollen (Product Owner, Scrum Master, Entwicklungsteam)
- Kurze Feedbackzyklen
- Starke Fokussierung auf das Liefern von Mehrwert
- Transparenz und kontinuierliche Verbesserung im Mittelpunkt
Durch diese Prinzipien profitieren besonders Projekte, bei denen Anforderungen noch nicht vollständig feststehen oder sich häufig verändern. Allerdings setzt Scrum eine hohe Eigenverantwortung im Team voraus. Nur wenn alle Beteiligten die Regeln akzeptieren und wirklich „mitziehen“, entfaltet Scrum sein volles Potenzial.
Typische Herausforderungen in der Praxis:
- Schwierige Etablierung in Unternehmen mit starren Hierarchien
- Missverständnisse über die Rollenverteilung
- Hoher Kommunikationsbedarf, da tägliche Abstimmungen stattfinden
Kanban – Flexibilität im Flow
Kanban wurde ursprünglich im Produktionsumfeld eingesetzt, hat sich aber längst als agile Methode zur Steuerung jeglicher Wissens- und Teamarbeit etabliert. Im Gegensatz zu Scrum gibt es keine vordefinierten Sprints oder festen Rollen. Aufgaben werden kontinuierlich nach ihrer Priorität bearbeitet. Das zentrale Werkzeug ist das Kanban-Board, das den Fortschritt jeder Aufgabe sichtbar macht.
Die Grundprinzipien von Kanban:
- Visualisierung aller Arbeitsschritte und Aufgaben
- Limitierung der gleichzeitig bearbeiteten Aufgaben (WIP-Limits)
- Kontinuierliches Pull-Prinzip: Aufgaben werden von den Teammitgliedern aufgenommen, sobald Kapazitäten frei werden
- Fokus auf Inkremmentalität und kontinuierliche Prozessverbesserung
Dabei eignet sich Kanban sowohl für Einzelpersonen als auch für große Teams. Dank der Flexibilität lassen sich unerwartete Anforderungen problemlos in den Workflow integrieren. Darüber hinaus hilft die Visualisierung, Störungen und Engpässe frühzeitig zu erkennen, was nachhaltige Verbesserungen im Arbeitsablauf ermöglicht.
Typische Anwendungsgebiete von Kanban:
- Service- und Supportteams
- Wartung und Betrieb von IT-Systemen
- Marketingkampagnen mit kontinuierlichem Aufgabenstrom
Wann eignet sich welches Vorgehen?
Die Wahl der passenden Methode hängt nicht nur von der Projektart ab, sondern auch vom Umfeld des Unternehmens, der Führungskultur und den Fähigkeiten des Teams. Während das klassische Projektmanagement solide Ergebnisse bei planbaren Projekten liefert, sind Scrum und Kanban ideal, wenn Flexibilität, kurze Reaktionszeiten und ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess gefragt sind.
Orientierungshilfen bei der Entscheidung:
- Liegen die Anforderungen zu Projektbeginn vollständig und stabil vor? → Klassisch
- Müssen Kundenanforderungen schnell ins Produkt einfließen? → Scrum
- Sind Aufgabenflüsse unregelmäßig, die Prioritäten ändern sich kontinuierlich? → Kanban
Praxisbeispiele zur Veranschaulichung
Im Softwareentwicklungsumfeld hat sich Scrum bereits in vielen Unternehmen als Standard etabliert. Hier profitieren Teams davon, dass neue Features flexibel eingeplant, getestet und veröffentlicht werden können. Gleichzeitig nutzt der IT-Support häufig Kanban, da eingehende Tickets und Störungen zeitnah bearbeitet werden müssen.
Im Gegensatz dazu zeigt der Bau eines Bürogebäudes, warum klassische Methoden weiterhin wichtig sind: Die Abläufe lassen sich präzise planen, Genehmigungen und Ressourcen werden langfristig organisiert und Änderungen sind während der Bauphase nur mit erheblichem Aufwand möglich.
Kombinationsmöglichkeiten: Hybride Ansätze gewinnen an Bedeutung
Nicht selten werden in der Praxis verschiedene Methoden miteinander kombiniert. Gerade große Organisationen setzen beispielsweise in Entwicklungsprojekten auf Scrum, während übergeordnete Projektsteuerung weiterhin klassisch erfolgt. Ebenso lässt sich Kanban oft mit anderen Methoden verschmelzen, um Engpässe transparent zu machen und die Effizienz zu steigern.
Hybride Modelle haben sich bewährt, wenn:
- Ein Teil des Projekts hohe Flexibilität erfordert, während andere Bereiche stabil laufen müssen
- Unterschiedliche Teams jeweils ihre bevorzugte Methode einsetzen, aber gemeinsam am Ziel arbeiten
- Ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess über das gesamte Projekt hinweg gewünscht ist
So entstehen maßgeschneiderte Lösungen, die sowohl Planungssicherheit als auch Reaktionsfähigkeit bieten.
Herausforderungen und Erfolgsfaktoren bei der Methodenwahl
Wer eine Methode auswählt, sollte dabei nicht nur auf das Projekt, sondern auch auf die Unternehmenskultur und die Kompetenzen des Teams achten. Agile Methoden wie Scrum und Kanban setzen eine hohe Kommunikationsbereitschaft, Offenheit für Veränderungen und Vertrauen in die Teamarbeit voraus. Unternehmen mit traditioneller Hierarchiestruktur müssen sich deshalb nicht selten erst an neue Rollen und Abläufe gewöhnen.
Wichtig ist außerdem, dass Führungskräfte nicht einfach eine Methode „verordnen“, sondern den Wandel aktiv begleiten. Fortbildungen, regelmäßige Retrospektiven und ein offener Austausch helfen, Stolpersteine zu vermeiden und die neue Arbeitsweise nachhaltig zu verankern.
Fazit: Scrum vs. Kanban vs. klassisches Projektmanagement – Die richtige Methode entscheidet über den Projekterfolg
Klassisches Projektmanagement, Scrum oder Kanban: Es gibt keinen „One-size-fits-all“-Ansatz, der für jedes Projekt passt. Erfolgreiche Unternehmen analysieren ihre Projekte, Teams und Rahmenbedingungen gründlich, bevor sie sich entscheiden. Häufig ist es sinnvoll, Methoden flexibel zu kombinieren und regelmäßig zu überprüfen, ob die gewählte Vorgehensweise wirklich zum gewünschten Ergebnis führt.
Wer offen für Veränderungen bleibt und die Mitarbeitenden einbindet, legt damit den Grundstein für nachhaltigen Erfolg im Projektmanagement – auch in einer zunehmend disruptiven und komplexen Arbeitswelt.
Nur so gelingt es, sowohl langfristige Ziele zu erreichen als auch kurzfristig flexibel auf aktuelle Anforderungen zu reagieren.