Vorteile der 6-3-5 Methode für Ideengenerierung – Ideen zu finden, ist selten das Problem. Die richtigen Ideen zu finden – unter Zeitdruck, mit verschiedenen Stakeholdern und klarer Ergebnisorientierung – schon eher. Klassische Brainstormings geraten schnell ins Stocken, werden von lauten Stimmen dominiert oder verlaufen im Unkonkreten.
Die 6-3-5 Methode bietet hier einen strukturierten Rahmen, um in kurzer Zeit viele qualitativ hochwertige Vorschläge zu erzeugen – und zwar so, dass alle Beteiligten aktiv beitragen. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie die 6-3-5 Methode funktioniert, welche Vorteile sie für die Ideengenerierung in Projekten, Innovation und Change-Prozessen hat und wie Sie typische Fehler vermeiden.

Was ist die 6-3-5 Methode?
Die 6-3-5 Methode ist eine strukturierte Kreativtechnik für Gruppen, um in kurzer Zeit viele Ideen zu einem klar definierten Problem zu generieren.
Kurz erklärt:
- 6 Teilnehmende
- 3 Ideen pro Runde
- 5 Runden (à ca. 5 Minuten)
Jede Person notiert ihre Ideen auf einem Arbeitsblatt, reicht dieses weiter und baut in den folgenden Runden auf den Ideen der anderen auf. So entstehen in rund 30 Minuten bis zu 90 unterschiedliche Ansätze – systematisch, fokussiert und dokumentiert.
Wie funktioniert die 6-3-5 Methode Schritt für Schritt?
Damit die Methode ihr Potenzial entfalten kann, kommt es auf eine saubere Vorbereitung und einen klaren Ablauf an.
1. Problem und Ziel präzise definieren
Formulieren Sie zu Beginn eine klare Fragestellung, zum Beispiel:
- „Wie können wir die Bearbeitungszeit von Kundenanfragen um 30 % reduzieren?“
- „Welche neuen Service-Ideen können wir für Bestandskunden entwickeln?“
- „Wie steigern wir die Akzeptanz unseres neuen IT-Tools im Fachbereich?“
Die Frage sollte:
- konkret und verständlich sein
- einen klaren Kontext nennen
- idealerweise eine Zielrichtung (Effizienz, Zufriedenheit, Umsatz, Qualität) enthalten
2. Rahmenbedingungen festlegen
- Teilnehmerzahl: Ideal sind 6 Personen, es funktionieren aber auch 4–8.
- Dauer: Pro Runde 3–5 Minuten, insgesamt ca. 30–45 Minuten.
- Material:
- vorbereitete 6-3-5-Formulare (z. B. Tabelle mit 3 Spalten × 5 Zeilen)
- Stifte oder digitales Whiteboard für Remote-Workshops
- Rolle der Moderation:
- erklärt die Methode
- achtet auf Zeit
- sorgt für Fokus auf die Fragestellung
3. Erste Runde: Ideen sammeln
Alle Teilnehmenden schreiben gleichzeitig ihre ersten 3 Ideen in die erste Zeile des Formulars. Wichtige Hinweise:
- Stichwortartige Formulierungen reichen aus
- lieber konkret als allgemein („Checkliste im Ticketsystem“ statt „Prozess verbessern“)
- kein Kommentieren oder Bewerten in dieser Phase
4. Weitergabe und Aufbau auf bestehenden Ideen
Nach Ablauf der Zeit:
- Formular im Uhrzeigersinn weitergeben
- jede Person liest die vorhandenen Ideen
- darauf basierend ergänzt sie 3 neue Ideen in der nächsten Zeile
Dabei gilt:
- Kombinationen sind ausdrücklich erwünscht
- Ideen dürfen variiert, konkretisiert oder weitergedacht werden
- direkte Kritik oder Bewertung bleibt weiterhin tabu
Dieser Schritt wird so lange wiederholt, bis alle 5 Runden durchlaufen wurden.
5. Auswertung und Priorisierung
Am Ende liegen zahlreiche Ideen vor. Nun folgt die strukturierte Verdichtung:
- Clustern:
- ähnliche Vorschläge gruppieren
- Überschriften für Themenbereiche vergeben (z. B. „Prozessdigitalisierung“, „Schulung“, „Kommunikation“)
- Bewerten:
- Kriterien festlegen (z. B. Impact, Umsetzbarkeit, Aufwand, Time-to-Value)
- mit Punktbewertung oder einfachem Voting (Dot-Voting) arbeiten
- Top-Ideen auswählen:
- 3–5 priorisierte Ansätze identifizieren
- Verantwortliche und nächste Schritte definieren
In welchen Situationen eignet sich die 6-3-5 Methode besonders?
Die 6-3-5 Methode ist vor allem für Teams und Organisationen interessant, die unter Zeitdruck strukturierte Ideen für konkrete Fragestellungen benötigen. Typische Einsatzszenarien:
- Produktentwicklung: neue Features, Service-Bundles, Preismodelle
- Prozessoptimierung: Reduktion von Durchlaufzeiten, Fehlerquoten, Medienbrüchen
- Change-Management: Maßnahmen für bessere Akzeptanz, Kommunikation, Schulung
- IT & Digitalisierung: Use Cases für neue Tools, Automatisierung, Self-Service-Portale
- Projektmanagement: Risikostrategien, Stakeholder-Ansprache, Lessons Learned
- HR & Organisation: Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung, Führungskräfteentwicklung, Zusammenarbeit
Überall dort, wo mehrere Perspektiven gefragt sind und klassische Brainstormings an ihre Grenzen stoßen, spielt die 6-3-5 Methode ihre Vorteile aus.
Zentrale Vorteile der 6-3-5 Methode für Ideengenerierung
1. Strukturierte Kreativität statt unproduktiver Diskussion
In vielen Workshops entstehen gute Ideen eher zufällig: Diskussionen springen zwischen Themen, dominantere Personen setzen sich durch, andere halten sich zurück.
Die 6-3-5 Methode bietet dagegen:
- einen klaren Ablauf
- definierte Zeitfenster
- eine feste Anzahl an Ideen pro Runde
Das Ergebnis: Kreativität wird nicht eingeschränkt, sondern gezielt kanalisiert. Die Struktur hilft, fokussiert zu bleiben, ohne den kreativen Fluss zu blockieren.
2. Hohe Ideenausbeute in kurzer Zeit
Eine häufige Frage lautet: Wie viele Ideen kann man mit der 6-3-5 Methode wirklich generieren?
Rechenbeispiel im Idealzustand:
- 6 Personen × 3 Ideen pro Runde × 5 Runden = 90 Ideen
Selbst wenn sich einige Vorschläge überschneiden oder weiterentwickelte Varianten sind, ergibt sich in 30–45 Minuten eine beeindruckende Ideendichte. Für Entscheider und Projektverantwortliche bedeutet das:
- schneller Überblick über mögliche Lösungsansätze
- gute Basis für fundierte Entscheidungen
- weniger Bedarf an zusätzlichen Kreativterminen
3. Gleichberechtigte Beteiligung – leise Stimmen kommen zu Wort
Klassische Brainstormings haben oft ein strukturelles Problem: Wer laut, schnell und durchsetzungsstark ist, prägt das Ergebnis. Introvertierte oder hierarchisch „unterlegene“ Teilnehmende bringen sich dagegen weniger ein.
Die 6-3-5 Methode schafft hier einen Ausgleich:
- alle Teilnehmenden liefern in jeder Runde 3 Ideen
- die schriftliche Form reduziert Redehemmungen
- Hierarchien treten in den Hintergrund – gute Gedanken zählen, nicht der Rang
So wird das Know-how des gesamten Teams genutzt. In vielen Unternehmen schlummern wertvolle Einblicke gerade bei Personen, die selten im Mittelpunkt stehen. Die Methode holt diese Perspektiven gezielt an die Oberfläche.
4. Nutzung von Synergien und Perspektivenvielfalt
Ein wesentlicher Vorteil der 6-3-5 Methode gegenüber individuellem Brainstorming ist der systematische Aufbau auf den Ideen anderer:
- Jede Runde startet nicht „bei Null“, sondern auf Basis vorhandener Vorschläge
- Ideen können kombiniert, konkretisiert oder auf neue Bereiche übertragen werden
- Denkblockaden werden reduziert, weil Impulse anderer zum Weiterdenken anregen
Besonders wertvoll ist dies in cross-funktionalen Teams, z. B.:
- Fachbereich + IT
- Vertrieb + Produktmanagement
- HR + Führungskräfte unterschiedlicher Bereiche
Die Methode zwingt dazu, sich mit den Sichtweisen anderer auseinanderzusetzen – eine wichtige Grundlage für tragfähige Lösungen, die später auch akzeptiert und umgesetzt werden.
5. Einfache Umsetzung ohne komplexe Tools
Ein weiterer, oft unterschätzter Vorteil: Die 6-3-5 Methode ist niedrigschwellig.
Sie benötigen:
- eine klar formulierte Fragestellung
- vorbereitete Formulare oder digitale Templates
- 30–45 Minuten Zeit
- eine Moderation, die auf den Ablauf achtet
Es sind keine speziellen Kreativitätstrainings oder aufwendigen Tools nötig. Damit eignet sich die Methode auch für Organisationen, die erste strukturierte Schritte in Richtung Innovations- oder Verbesserungskultur gehen wollen.
6. Klare Dokumentation und Nachvollziehbarkeit
Im Unterschied zu frei geführten Diskussionen entstehen bei der 6-3-5 Methode automatisch dokumentierte Ideensammlungen:
- alle Formulare liegen am Ende vor
- Entwicklungsstränge von Ideen bleiben sichtbar
- Hintergründe sind anhand der Notizen erkennbar
Das erleichtert:
- die spätere Auswertung
- die Kommunikation im Projektteam oder gegenüber Stakeholdern
- das Nachvollziehen von Entscheidungen („Warum haben wir diese Idee priorisiert?“)
Gerade in regulierten Branchen oder in größeren Organisationen ist diese Dokumentation ein praktischer Mehrwert.
7. Gut kombinierbar mit anderen Innovationsmethoden
Die 6-3-5 Methode muss nicht isoliert eingesetzt werden. Sie lässt sich sinnvoll mit anderen Vorgehensweisen verbinden, etwa:
- Design Thinking: 6-3-5 als Ideengenerator in der „Ideate“-Phase
- Customer Journey Mapping: gezielte Ideensammlung für Pain Points entlang der Journey
- Lean/Kaizen: systematische Sammlung von Verbesserungsansätzen für bestehende Prozesse
- Projekt-Retrospektiven: Entwicklung von Maßnahmen zur Vermeidung wiederkehrender Probleme
Damit wird die Methode zu einem Baustein in einem größeren System für kontinuierliche Verbesserung und Innovation.
Typische Fehler – und wie Sie die Wirkung der 6-3-5 Methode maximieren
Damit die Vorteile der 6-3-5 Methode voll zur Geltung kommen, sollten einige Stolperfallen bewusst vermieden werden.
Häufige Fehler
- Unklare Fragestellung: zu allgemein („Wie werden wir besser?“) oder zu vage
- Zu heterogene Themen: mehrere Problemfelder in einer Session vermischt
- Zu lange Runden: die Dynamik geht verloren, Denkblockaden entstehen
- Bewertung während der Ideengenerierung: Kommentare wie „Das geht sowieso nicht“
- Fehlende Auswertung: viele Ideen, aber keine klaren Entscheidungen
Best Practices für maximale Wirkung
- Investieren Sie bewusst Zeit in die Formulierung der Leitfrage
- Begrenzen Sie den Scope auf ein gut definierbares Problem
- Halten Sie Runden kurz und dynamisch (3–5 Minuten)
- Trennen Sie strikt zwischen Ideenphase und Bewertungsphase
- Planen Sie für die Auswertung mindestens genauso viel Zeit ein wie für die Ideensammlung
- Kommunizieren Sie anschließend transparent, welche Ideen wie weiterverfolgt werden
Praxisbeispiele: 6-3-5 Methode im Unternehmensalltag
Beispiel 1: Prozessoptimierung im Service-Center
Ausgangslage: Hohe Bearbeitungszeiten, unzufriedene Kunden, viele Nachfragen.
Vorgehen:
- Fragestellung: „Wie reduzieren wir die durchschnittliche Bearbeitungszeit eines Tickets um 20 %?“
- Teilnehmer: Leitung Service, 2 Teamleiter, 3 erfahrene Mitarbeitende
- Ergebnis nach 30 Minuten:
- Ideen zu Standardantworten und Vorlagen
- Vorschläge für bessere Ticketklassifizierung
- Ansätze für Self-Service im Kundenportal
In der Auswertung werden die Top-Ideen priorisiert und in ein Umsetzungs-Backlog überführt.
Beispiel 2: Neue Features für ein B2B-Softwareprodukt
Ausgangslage: Wettbewerb bringt neue Funktionen auf den Markt, Kunden erwarten mehr Mehrwert.
Vorgehen:
- Fragestellung: „Welche neuen Funktionen würden unseren Bestandskunden den größten Nutzen bringen?“
- Teilnehmer: Produktmanagement, Vertrieb, Customer Success, Support
- Ergebnisse:
- Clustering der Ideen nach Kundensegmenten
- Identifikation von „Quick Wins“ und strategischen Features
- Grundlage für Roadmap-Entscheidungen und Kundeninterviews
Beispiel 3: Steigerung der Tool-Akzeptanz im Fachbereich
Ausgangslage: Neues Projektmanagement-Tool wird eingeführt, Nutzung im Fachbereich bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Vorgehen:
- Fragestellung: „Wie erhöhen wir die Nutzung des neuen Tools im Fachbereich um mindestens 50 %?“
- Teilnehmer: Projektleitung, Key User, Fachbereichsvertreter, IT
- Ergebnisse:
- konkrete Schulungsformate
- interne Multiplikatoren-Programme
- Anpassungen in Reporting und Schnittstellen
Die Methode hilft, nicht nur technische, sondern auch organisatorische und kommunikative Maßnahmen zu identifizieren.
Varianten und Erweiterungen der 6-3-5 Methode
Die Grundlogik der 6-3-5 Methode lässt sich flexibel anpassen.
Anpassung von Teilnehmerzahl und Runden
- Bei kleineren Teams (z. B. 4 Personen) kann die Rundenzahl erhöht werden.
- In sehr großen Gruppen können mehrere parallele 6-3-5-Gruppen gebildet werden, die ihre Ergebnisse anschließend konsolidieren.
- Statt strikt 5 Runden können Sie stoppen, wenn die Ideendichte sichtbar abnimmt.
Digitale bzw. Remote-Variante
Für verteilte Teams bietet sich die Nutzung von Online-Whiteboards oder Kollaborationstools an:
- jede Person arbeitet in einer digitalen Vorlage
- „Weiterreichen“ erfolgt durch Wechsel auf das Board einer anderen Person
- Chat oder Videokonferenz dienen nur zur Einführung und Auswertung
Wichtig bleibt auch hier: klare Zeitfenster, eindeutige Fragestellung und konsequente Trennung von Ideen- und Bewertungsphase.
Kombination mit Vorbereitungs-Inputs
Um die Qualität der Ideen zu erhöhen, können Sie vor der 6-3-5 Session gezielt Input liefern, etwa:
- relevante Kennzahlen (z. B. Durchlaufzeiten, Fehlerquoten, NPS)
- Kundenfeedback oder Support-Tickets
- Ergebnisse aus Interviews oder Beobachtungen
Dadurch werden die Ideen stärker in der Realität verankert und adressieren konkrete Probleme.
Schritt-für-Schritt-Anleitung für Ihren nächsten 6-3-5-Workshop
Wenn Sie die 6-3-5 Methode in Ihrem Unternehmen einsetzen möchten, können Sie sich an dieser kompakten Checkliste orientieren.
Vorbereitung
- klares Thema und Fragestellung formulieren
- passende Teilnehmer auswählen (Fachwissen + Perspektivenmix)
- Zeitfenster von ca. 60–90 Minuten blocken
- 6-3-5-Formulare vorbereiten (Papier oder digital)
- Moderation bestimmen
Durchführung
- Einführung (5–10 Minuten):
- Ziel erläutern
- Methode erklären
- Spielregeln klären (keine Bewertung, kurze Ideen, Fokus halten)
- Ideenrunden (30–45 Minuten):
- 5 Runden à 3–5 Minuten
- nach jeder Runde Formulare weitergeben
- Moderation gibt das Tempo vor
- Auswertung (20–30 Minuten):
- Ideen clustern
- Kriterien festlegen
- Voting / Priorisierung
- nächste Schritte und Verantwortliche definieren
Nachbereitung
- Ergebnisse dokumentieren und den Teilnehmenden zur Verfügung stellen
- beschlossene Maßnahmen in Projekt- oder Aufgabenmanagement überführen
- nach einigen Wochen Wirkung überprüfen und ggf. nachsteuern
So wird aus einem Kreativ-Workshop ein greifbarer Beitrag zur Wertschöpfung.
Fazit: Warum sich die 6-3-5 Methode für Führungskräfte und Projektverantwortliche lohnt
Die 6-3-5 Methode bietet eine seltene Kombination: Sie ist einfach zu verstehen, schnell umsetzbar und gleichzeitig äußerst wirkungsvoll. Für Entscheider, Projektmanager und Führungskräfte bedeutet das:
- strukturierte Ideengenerierung statt unverbindlicher Diskussion
- hohe Ideendichte in kurzer Zeit
- bessere Nutzung des vorhandenen Teamwissens
- transparente Entscheidungsgrundlage für nächste Schritte
Wer Innovation, Prozessverbesserung oder Veränderungsprojekte nicht dem Zufall überlassen möchte, findet in der 6-3-5 Methode ein praxistaugliches Werkzeug, das sich problemlos in bestehende Workshop- und Projektformate integrieren lässt.
Wenn Sie die 6-3-5 Methode nicht nur punktuell, sondern als festen Bestandteil Ihres Innovations- und Verbesserungsprozesses etablieren möchten – etwa in Verbindung mit Design Thinking, agilen Methoden oder kontinuierlicher Prozessoptimierung –, lohnt sich ein strukturierter Ansatz. Eine externe Begleitung, zum Beispiel durch erfahrene Berater wie PURE Consultant, kann helfen, passende Formate zu entwickeln, Moderationskompetenz im Unternehmen aufzubauen und die Methode nachhaltig in Ihrer Organisation zu verankern.