Häufige Analysefehler mit der 5 Why Methode

Häufige Analysefehler mit der 5 Why Methode – Die 5 Why Methode gilt als eines der einfachsten Werkzeuge zur Ursachenanalyse – und wird gerade deshalb erschreckend oft falsch eingesetzt. In der Praxis führt das zu oberflächlichen Ergebnissen, Scheinlösungen und wiederkehrenden Problemen. Dieser Beitrag zeigt, welche häufigen Analysefehler mit der 5 Why Methode in Projekten, Prozessen und IT-Organisationen auftreten, wie Sie sie erkennen und gezielt vermeiden. Mit klaren Beispielen aus dem Unternehmensalltag, praxisnahen Checklisten und konkreten Formulierungsbeispielen können Sie Ihre nächste 5-Why-Analyse deutlich professioneller aufsetzen.

Häufige Analysefehler mit der 5 Why Methode
Häufige Analysefehler mit der 5 Why Methode

Was ist die 5 Why Methode? (Kurzdefinition)

Die 5 Why Methode ist ein einfaches Werkzeug zur Ursachenanalyse: Ausgehend von einem klar beschriebenen Problem wird wiederholt die Frage „Warum?“ gestellt, typischerweise fünf Mal hintereinander. Jede Antwort bildet die Grundlage für die nächste Frage, bis die eigentliche Ursache („Root Cause“) identifiziert ist und sich daraus wirksame Maßnahmen ableiten lassen.

Typischer Ablauf der 5-Why-Analyse:

  1. Problem knapp und messbar formulieren
  2. Erste Warum-Frage zum direkten Auslöser stellen
  3. Antwort präzisieren und mit Fakten hinterlegen
  4. Ausgehend von der Antwort erneut „Warum?“ fragen
  5. Nach mehreren Iterationen die tragfähige Ursache definieren und Maßnahmen ableiten

So einfach die Methode klingt – in der täglichen Praxis schleichen sich immer wieder Denkfehler und methodische Schwächen ein, die das Ergebnis massiv verfälschen.


Warum passieren bei der 5-Why-Methode so viele Fehler?

Die 5-Why-Analyse wirkt auf den ersten Blick trivial. Viele Entscheider und Projektleiter setzen sie daher „mal eben schnell“ in einem Meeting oder ad hoc im Tagesgeschäft ein. Typische Rahmenbedingungen:

Die Folge:
Statt einer fundierten Root-Cause-Analyse entsteht eine scheinbar logische, aber in Wahrheit lückenhafte Kausalkette. Maßnahmen beruhen auf Annahmen, nicht auf überprüften Ursachen. Genau hier setzen die häufigsten Analysefehler mit der 5 Why Methode an.


Die 10 häufigsten Analysefehler mit der 5 Why Methode

Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Stolperfallen – jeweils mit Praxisbeispiel und konkretem Gegenmittel.

1. Unklare oder zu breite Problemdefinition

Typischer Fehler:
Die Analyse startet mit einer schwammigen Formulierung wie „Unsere Qualität ist schlecht“ oder „Die IT ist unzuverlässig“. Solche Aussagen sind nicht messbar und führen in der 5-Why-Kette zu beliebigen Antworten.

Beispiel (schlecht):
„Warum ist unsere Qualität schlecht?“
→ „Weil die Mitarbeiter nicht sorgfältig arbeiten.“

Besser:
„Im Produkt X überschreitet die Reklamationsquote im Q4 den Zielwert von 2 % und liegt derzeit bei 5,3 %.“

So vermeiden Sie den Fehler:


2. Symptome statt Ursachen untersuchen

Typischer Fehler:
Das Team analysiert Symptome (z. B. „Lieferverzug“, „Systemabsturz“) und hält sie für Ursachen. Die 5-Why-Kette endet dann auf einer Zwischenebene.

Beispiel:
Problem: „Kundentickets werden zu spät gelöst.“
Warum 1: „Weil die Bearbeitungszeit zu lang ist.“
Warum 2: „Weil viele Tickets offen sind.“

Hier drehen sich die Antworten im Symptomraum. Die eigentlichen Ursachen (z. B. unklare Priorisierung, fehlende Skills, fehlerhafte Prozesse) bleiben unentdeckt.

So vermeiden Sie den Fehler:


3. Suggestivfragen und Bestätigungsfehler (Confirmation Bias)

Typischer Fehler:
Die Warum-Fragen werden so gestellt, dass sie eine bereits vorhandene Meinung bestätigen. Statt neutral zu fragen, werden Ursachen in die Frage „hineinformuliert“.

Beispiel:
„Warum funktionieren unsere Prozesse so schlecht, seit wir das neue Tool eingeführt haben?“

Die Frage setzt bereits voraus, dass das Tool schuld ist. Das Team wird unbewusst nach Argumenten suchen, die diese Annahme stützen.

So vermeiden Sie den Fehler:


4. Nach dem ersten plausiblen „Warum“ aufhören

Typischer Fehler:
Das Team findet schnell eine plausibel klingende Ursache – und beendet die Analyse zu früh. Häufig stecken aber dahinter weitere, tiefere Ursachen.

Beispiel:
Problem: „Kunde erhält falsche Rechnung.“
Warum 1: „Weil die falsche Artikelnummer im System hinterlegt war.“
Analyse-Ende – Maßnahme: „Stammdaten prüfen.“

Mögliche weitere Warum-Stufen:

So vermeiden Sie den Fehler:


5. Nur eine Ursachenlinie statt verzweigter Ursachenketten

Typischer Fehler:
Die 5-Why-Methode wird linear eingesetzt, als gäbe es nur eine einzige Ursache. In der Realität sind Probleme fast immer multikausal.

Beispiel:
Problem: „Projektziele werden regelmäßig verfehlt.“
5 Why führt ausschließlich zur Antwort: „Ziele sind unrealistisch geplant.“

Dabei könnten weitere Ursachen relevant sein:

So vermeiden Sie den Fehler:


6. Meinungen statt Daten – fehlende Faktenbasis

Typischer Fehler:
Antworten in der 5-Why-Kette basieren auf Vermutungen, Bauchgefühl oder persönlichen Eindrücken, nicht auf Daten oder konkreten Beobachtungen.

Typische Formulierungen:

So vermeiden Sie den Fehler:

Hilfreich ist hier die Kombination der 5-Why-Analyse mit einfachen Auswertungen (Pareto-Analyse, Fehlerklassifizierung, Trendverläufe).


7. Die falschen (oder zu wenigen) Personen im Raum

Typischer Fehler:
Die 5-Why-Analyse wird ausschließlich mit Führungskräften oder nur mit einem Teilbereich durchgeführt. Wichtige Perspektiven fehlen.

Typische Konsequenzen:

So vermeiden Sie den Fehler:

Eine gut besetzte Runde verlangsamt zwar die Analyse kurzfristig, verbessert aber Qualität und Akzeptanz der Ergebnisse deutlich.


8. Schuldzuweisung statt Systemdenken

Typischer Fehler:
Die Warum-Fragen zielen auf die „Schuld“ einzelner Personen oder Abteilungen. Dadurch entsteht Abwehr, und echte Ursachen bleiben im Verborgenen.

Beispiele problematischer Formulierungen:

So vermeiden Sie den Fehler:

Hilfreich ist es, konsequent in Systembegriffen zu sprechen: „Unser Prozess…“, „Unser Tool…“, „Unsere Schnittstelle…“.


9. Keine Verknüpfung zu konkreten Maßnahmen und Kennzahlen

Typischer Fehler:
Die 5-Why-Analyse endet mit einer identifizierten Ursache, aber ohne klare Umsetzungsplanung. Die Erkenntnisse bleiben im Protokoll stecken.

Typische Symptome:

So vermeiden Sie den Fehler:

Die 5-Why-Methode ist erst dann erfolgreich, wenn es nachweisbar weniger Vorkommnisse des analysierten Problems gibt.


10. Keine Dokumentation und kein organisationales Lernen

Typischer Fehler:
Ergebnisse der 5-Why-Analyse werden nicht systematisch dokumentiert. Wissen bleibt in Köpfen und einzelnen Projekten.

Konsequenz:

So vermeiden Sie den Fehler:


Konkreter Leitfaden: So setzen Sie die 5-Why-Analyse professionell auf

Damit die häufigen Analysefehler mit der 5 Why Methode gar nicht erst entstehen, hilft ein klar strukturierter Ablauf.

Vorbereitung:

Durchführung:

  1. Problem-Statement von allen Beteiligten bestätigen lassen
  2. Erste Warum-Frage stellen – neutral und ohne Schuldzuweisung
  3. Antwort schriftlich festhalten, mit Fakten hinterlegen
  4. Nächste Warum-Frage an die vorherige Antwort anknüpfen
  5. Ab Stufe 3–4 prüfen, ob sich mehrere Ursachenstränge abzeichnen
  6. So lange „Warum?“ fragen, bis Ursachen klar, überprüfbar und veränderbar sind

Nachbereitung:


Praxisbeispiele: Schlechte vs. gute 5-Why-Analyse

Beispiel 1: IT-Incident in einem Service-Portal

Ausgangslage:
Kunden können an mehreren Tagen nicht auf das Portal zugreifen.

Variante A – oberflächliche Analyse:

Ergebnis: Die Stabilität verbessert sich nur kurzfristig. Später treten erneut Ausfälle auf.

Variante B – saubere 5-Why-Analyse:

Maßnahmen:

Hier werden nicht nur technische Symptome, sondern auch Prozess- und Architekturthemen adressiert.


Beispiel 2: Verfehlte Projekttermine

Ausgangslage:
Mehrere Projekte im Unternehmen überschreiten regelmäßig ihre geplanten Endtermine.

Variante A – vorschnelle Schuldzuweisung:

Die tatsächlichen Ursachen bleiben unscharf.

Variante B – differenzierte Ursachenanalyse:

Zweiter Ursachenzweig:

Maßnahmen:

Die Analyse liefert mehrere systemische Ursachen, die sich gezielt adressieren lassen.


Wann die 5-Why-Methode an ihre Grenzen stößt

So hilfreich die 5-Why-Analyse ist – sie ist nicht in jeder Situation das passende Werkzeug.

Typische Grenzen:

In solchen Fällen sollte die 5-Why-Methode höchstens ein Einstieg sein und kombiniert werden mit:

Wichtig ist hier die saubere Auswahl der passenden Methode – abhängig von Risiko, Komplexität und Kritikalität des Problems.


Fazit: 5-Why-Methode wirksam nutzen – typische Fehler konsequent vermeiden

Die häufigen Analysefehler mit der 5 Why Methode sind kein Zeichen dafür, dass das Werkzeug schlecht ist – sie zeigen vor allem, wie anspruchsvoll sauberes Denken unter Zeitdruck und in komplexen Organisationen ist. Entscheidend ist:

Wenn Sie Ursachenanalysen in Ihrem Unternehmen professionalisieren möchten – etwa im Rahmen von kontinuierlicher Verbesserung, Projektmanagement oder IT-Service-Management –, lohnt sich ein strukturierter Blick von außen. PURE Consultant unterstützt Unternehmen dabei, Methoden wie die 5-Why-Analyse, Ishikawa-Diagramme und FMEA pragmatisch einzuführen, auf Ihre Organisation zuzuschneiden und im Alltag zu verankern. So wird aus einem einfachen Werkzeug ein wirksamer Hebel für bessere Entscheidungen, stabilere Prozesse und nachhaltige Problemlösung.

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