6 Hüte Methode vs. Diskussion

6 Hüte Methode vs. Diskussion – Eine Entscheidung in der Runde „auszudiskutieren“, wirkt zunächst effizient: alle reden, am Ende wird schon etwas dabei herauskommen. In der Praxis kosten solche Meetings Zeit, Nerven und oft Qualität. Die 6 Hüte Methode bietet hier eine strukturierte Alternative. Sie trennt Denken in Rollen, kanalisiert Emotionen und sorgt dafür, dass Argumente nicht untergehen.
Im Folgenden wird klar, worin sich 6 Hüte Methode vs. Diskussion unterscheiden, welche Methode wann sinnvoll ist – und wie Sie als Entscheider, Projektleiter oder Führungskraft die 6 Hüte Methode pragmatisch in Ihren Alltag integrieren.

6 Hüte Methode vs. Diskussion
6 Hüte Methode vs. Diskussion

Was ist die 6 Hüte Methode?

Die 6 Hüte Methode (Six Thinking Hats) ist ein strukturiertes Denkwerkzeug nach Edward de Bono. Sie teilt Denken in sechs klar definierte Perspektiven („Hüte“) auf, die nacheinander oder in festgelegter Reihenfolge eingenommen werden.

Ziel ist es, Diskussionen zu entflechten, Denkmuster sichtbar zu machen und Probleme systematisch aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, statt gleichzeitig zu argumentieren, zu bewerten und zu emotionalisieren.

Die sechs Hüte im Überblick

Alle Teilnehmenden „tragen“ zur gleichen Zeit denselben Hut – also dieselbe Denkrolle. Dadurch werden Diskussionen geordnet, und jeder Fokus bekommt seinen Raum.


Was ist eine klassische Diskussion?

Unter einer klassischen Diskussion versteht man das freie, weitgehend unstrukturierte Austauschen von Argumenten zu einem Thema oder einer Fragestellung. In Meetings sieht das häufig so aus:

Eine Diskussion kann lebendig und produktiv sein, sie kann aber auch:


6 Hüte Methode vs. Diskussion – der Kernunterschied

Kurz gefasst:

Damit wird deutlich: Es geht nicht darum, Diskussion per se „abzuschaffen“, sondern sie durch eine strukturierte Denkarchitektur zu ergänzen – gerade bei komplexen oder konfliktträchtigen Entscheidungen.


Vorteile der 6 Hüte Methode gegenüber einer offenen Diskussion

1. Mehr Struktur, weniger Chaos

In einer hitzigen Diskussion passiert alles gleichzeitig: Einwände, Zustimmung, neue Ideen, Emotionen. Die 6 Hüte Methode ordnet das:

Das macht Meetings berechenbarer und spart Zeit, weil Schleifen und Wiederholungen abnehmen.

2. Besserer Umgang mit Emotionen

Gefühle und Intuition sind gerade in Change-, Strategie- oder IT-Projekten selten offen sichtbar, wirken aber stark im Hintergrund. In klassischen Diskussionen:

Mit dem roten Hut:

Das erhöht Akzeptanz für Entscheidungen und reduziert verdeckten Widerstand.

3. Gleichberechtigte Perspektiven

In Diskussionen dominieren häufig:

Die 6 Hüte Methode zwingt alle, nacheinander alle Perspektiven einzunehmen:

Das führt zu runderen Entscheidungen, weil einseitige Sichtweisen weniger Raum haben.

4. Höhere Entscheidungsgüte

Weil Fakten (weiß), Risiken (schwarz), Nutzen (gelb) und Alternativen (grün) sauber durchlaufen werden, steigt die Qualität der Entscheidungsgrundlage messbar:

Für Projektleiter und Führungskräfte bedeutet das: Entscheidungen sind besser begründet und intern leichter kommunizierbar.

5. Effizientere Nutzung von Meetingzeit

Richtig angewendet:

In der Praxis lässt sich mit 60–90 Minuten 6-Hüte-Workshop oft mehr erreichen als mit mehreren klassischen Sitzungen, in denen dasselbe Thema immer wieder aufkommt.


Wann eine klassische Diskussion sinnvoller ist

Trotz aller Vorteile ist die 6 Hüte Methode kein Allheilmittel. Eine offene Diskussion kann die bessere Wahl sein, wenn:

Die Frage „6 Hüte Methode vs. Diskussion – welche ist besser?“ lässt sich also nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind Komplexität, Konfliktpotenzial, Zeitdruck und Kultur.


Typische Einsatzszenarien in Projekten und Unternehmen

Für Entscheider, Projektmanager und Fachverantwortliche lohnt sich die 6 Hüte Methode insbesondere in folgenden Situationen:

Überall dort, wo klassische Diskussionen festgefahren sind oder immer wieder zu denselben Ergebnissen führen, kann ein einmaliger 6-Hüte-Workshop bereits erkennbar anderen Output liefern.


Schritt-für-Schritt-Anleitung: 6 Hüte Methode im Team nutzen

1. Die zentrale Frage klären

Formulieren Sie eine klare Fragestellung, z. B.:

Je präziser die Frage, desto fokussierter der Prozess.

2. Rollen und Regeln erklären

Vor dem Start:

Gerade bei Führungskräften hilft der Hinweis: Es geht nicht darum, jemanden „mundtot zu machen“, sondern um saubere Trennung der Denkebenen.

3. Den Ablauf (blauer Hut) festlegen

Legen Sie vorab fest:

Der blaue Hut kann entweder vom Moderator allein getragen werden oder in Phasen bewusst in die Gruppe gegeben werden („Was braucht der Prozess jetzt?“).

4. Fakten sammeln (weißer Hut)

Nun geht es nur um:

Fragen, die helfen:

Bewertungen und Meinungen werden gebremst – die kommen später.

5. Emotionen zulassen (roter Hut)

Jetzt hat das Bauchgefühl seinen Raum:

Wichtig:
Keine Rechtfertigung verlangen. Rote-Hut-Beiträge sind per Definition subjektiv und müssen nicht begründet werden. Sie liefern wertvolle Hinweise auf Akzeptanz und implizite Risiken.

6. Chancen beleuchten (gelber Hut)

Nun richtet die Gruppe den Blick auf das Positive:

Ziel ist nicht Schönfärberei, sondern bewusstes Sammeln der Pro-Argumente.

7. Risiken und Einwände sammeln (schwarzer Hut)

Jetzt werden Bedenken explizit gefragt:

Hier darf und soll kritisch gedacht werden – aber bitte fokussiert und bezogen auf die Frage, nicht auf Personen.

8. Alternativen und Ideen entwickeln (grüner Hut)

Aus den bisherigen Erkenntnissen entstehen nun:

Hilfreiche Fragen:

9. Strukturieren und entscheiden (blauer Hut)

Zum Abschluss:

Dokumentieren Sie die wichtigsten Argumente je Option, um Transparenz für Stakeholder zu schaffen, die nicht im Workshop waren.


Praxisbeispiele: Wie sich die 6 Hüte Methode von der Diskussion unterscheidet

Beispiel 1: Systemauswahl in einem IT-Projekt

Ausgangslage:
In einem Unternehmen soll ein neues Ticketsystem eingeführt werden. Die IT favorisiert System A, der Fachbereich System B. In mehreren Meetings wurde „diskutiert“, ohne Ergebnis – Fronten sind verhärtet.

Klassische Diskussion:

Mit der 6 Hüte Methode:

Ergebnis: Statt einer festgefahrenen Diskussion entsteht ein tragfähiger Entscheidungsprozess mit klarer Roadmap.

Beispiel 2: Strategische Prioritätensetzung im Management

Ausgangslage:
Das Management diskutiert jährlich die strategischen Initiativen. In den letzten Jahren wurden immer mehr Projekte gestartet als Ressourcen verfügbar sind. Die Diskussionen verlaufen zäh, jeder verteidigt „sein“ Projekt.

Mit der 6 Hüte Methode:

Vergleich zu früheren Diskussionen: weniger persönliche Konflikte, mehr sichtbare Logik.


Häufige Fragen zu „6 Hüte Methode vs. Diskussion“

Welche Methode ist besser – 6 Hüte Methode oder Diskussion?
Keine ist grundsätzlich „besser“. Die 6 Hüte Methode eignet sich besonders für komplexe, konfliktträchtige oder strategisch wichtige Entscheidungen. Eine klassische Diskussion reicht für einfache, schnell zu lösende Themen.

Dauert ein 6-Hüte-Meeting länger als eine Diskussion?
Subjektiv ja, weil der Prozess bewusster wirkt. Objektiv wird jedoch Zeit gespart, weil Wiederholungen, Schleifen und Nachsteuerungsmeetings deutlich abnehmen.

Kann die 6 Hüte Methode auch remote genutzt werden?
Ja. Gerade in verteilten Teams kann eine klare Struktur helfen, Redereihen und Beiträge zu ordnen – etwa mit Online-Whiteboards und klarer Moderation.

Braucht man immer alle sechs Hüte?
Nein. Für kleinere Themen kann es reichen, z. B. nur Weiß, Gelb, Schwarz und Blau zu nutzen. Wichtig ist die bewusste Trennung von Fakten, Bewertung, Kreativität und Prozess.

Ist die 6 Hüte Methode für alle Hierarchiestufen geeignet?
Ja. Sie funktioniert im Management ebenso wie in Fach- und Projektteams. Entscheidend ist eine saubere Einführung und Moderation, damit die Methode nicht als „Spielerei“ wahrgenommen wird.


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Fazit: 6 Hüte Methode vs. Diskussion klug kombinieren

Die Gegenüberstellung 6 Hüte Methode vs. Diskussion zeigt:
Offene Diskussionen sind schnell gestartet, aber oft schwer zu steuern. Die 6 Hüte Methode schafft einen klaren Rahmen, in dem Fakten, Emotionen, Risiken, Chancen und Kreativität nacheinander ihren Platz haben.

Für komplexe Entscheidungen, anspruchsvolle Projekte und wichtige Weichenstellungen empfiehlt es sich, nicht mehr allein auf klassische Diskussionen zu setzen. Wer die 6 Hüte Methode gezielt einsetzt, verbessert die Qualität von Entscheidungen, erhöht Akzeptanz im Team und macht Meetings kalkulierbarer.

Wenn Sie die 6 Hüte Methode in Ihrem Unternehmen etablieren oder mit anderen Entscheidungs- und Moderationsmethoden kombinieren möchten, lohnt sich professionelle Begleitung. PURE Consultant unterstützt Sie dabei, Entscheidungsprozesse, Workshop-Designs und Meetingformate so zu gestalten, dass sie zu Ihrer Organisation, Ihren Projekten und Ihrer Kultur passen – pragmatisch, wirksam und ohne Methodenzwang.

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