Flight Levels einführen

Flight Levels einführen – Wer agile Skalierung ohne starre Frameworks sucht, stößt schnell auf das Flight-Levels-Konzept nach Klaus Leopold. Viele Organisationen kämpfen jedoch damit, agile Teams sinnvoll zu vernetzen: Strategien versanden, Abhängigkeiten blockieren Lieferungen, Prioritäten ändern sich schneller als die Planung. Flight Levels einführen heißt, genau diese Lücke zu schließen – mit einem schlanken, visualisierten Flow über alle Ebenen hinweg. In diesem Beitrag erfahren Sie, was Flight Levels sind, wann sich die Einführung lohnt und wie Sie Schritt für Schritt dabei vorgehen, inklusive typischer Stolpersteine und praxisnaher Empfehlungen für Ihre Organisation.

Flight Levels einführen
Flight Levels einführen

Was sind Flight Levels? Kurze Einordnung für Entscheider

Flight Levels sind ein Denk- und Arbeitsmodell, um Wertströme in einer Organisation über mehrere Ebenen hinweg sichtbar zu machen und zu steuern. Ziel ist nicht, „noch ein agiles Framework“ einzuführen, sondern:

Typischerweise unterscheidet das Flight-Levels-Modell drei Hauptebenen:

  1. Flight Level 1 – Operative Umsetzung
    Teams organisieren ihre Arbeit (z. B. mit Kanban oder Scrum) und liefern funktionierende Ergebnisse.
  2. Flight Level 2 – Koordination
    Mehrere Teams oder Bereiche stimmen Abhängigkeiten, Kapazitäten und gemeinsame Initiativen ab, um End-to-End-Fluss zu ermöglichen.
  3. Flight Level 3 – Strategie
    Unternehmensstrategie und größere Vorhaben werden priorisiert, in sinnvolle Initiativen zerlegt und in Richtung Flight Level 2/1 heruntergebrochen.

Flight Levels einführen bedeutet also, die Kommunikation und Steuerung zwischen diesen Ebenen bewusst zu gestalten, statt sich nur auf Teampraktiken zu konzentrieren.


Wann lohnt es sich, Flight Levels einzuführen?

Flight Levels sind besonders relevant, wenn Sie eines oder mehrere der folgenden Symptome beobachten:

Typische Fragestellungen in diesem Kontext sind:

In diesen Situationen hilft es, Flight Levels einzuführen, weil:


Voraussetzungen, bevor Sie Flight Levels einführen

Bevor Sie loslegen, sollten einige Rahmenbedingungen geklärt sein. Flight Levels sind bewusst leichtgewichtig, aber nicht trivial.

1. Gemeinsames Verständnis des Wertstroms

Sie benötigen ein grobes Bild davon:

Ohne dieses Bild laufen Sie Gefahr, lokale Optimierungen vorzunehmen, die dem Gesamtfluss schaden.

2. Bereitschaft zur Visualisierung

Flight Levels einführen heißt:

Wenn Transparenz in Ihrer Kultur eher als Risiko denn als Chance gesehen wird, brauchen Sie bewusstes Change-Management.

3. Führung, die echte Steuerung will

Flight Levels sind kein „Teamtool“, sondern adressieren besonders Management und Steuerungsebene:

Ohne diesen Rückhalt werden Flight Levels schnell zu hübschen Boards ohne Wirkung.


Schritt-für-Schritt-Anleitung: Flight Levels einführen

Wie geht man konkret vor, wenn man Flight Levels in einer Organisation etablieren möchte? Das folgende Vorgehensmodell hat sich in vielen Unternehmen bewährt.

Schritt 1: Problem und Zielbild klären

Formulieren Sie in einem kompakten Workshop mit zentralen Stakeholdern:

Kurze Definition, die sich bewährt hat:
Flight Levels einführen heißt, vom „Arbeiten in Aufgaben“ zum bewussten Steuern von Wertflüssen über alle Ebenen zu wechseln.

Halten Sie dies auf einer Seite fest, inklusive „Nicht-Zielen“ (z. B. „kein neues starres Framework“).

Schritt 2: Wertstrom grob kartieren

Erstellen Sie eine einfache Wertstromskizze:

Ziel ist kein perfektes Prozessmodell, sondern ein gemeinsames Verständnis, wo Arbeit fließt und wo sie hängenbleibt.

Schritt 3: Ausgangspunkt wählen – Top-down oder Middle-out

Statt Flight Levels „im ganzen Unternehmen“ einzuführen, wählen Sie einen fokussierten Einstiegspunkt:

Typische Startpunkte sind:

Entscheiden Sie, auf welchem Flight Level Sie beginnen:

Häufig ist ein Middle-out-Ansatz sinnvoll: Ein Bereich etabliert Flight Level 2 sauber und verbindet sich dann nach oben und unten.

Schritt 4: Flight-Levels-Boards gestalten

Das Herzstück, wenn Sie Flight Levels einführen, sind konkret gestaltete Boards auf den Ebenen 2 und 3 (und Verbindung zu den Teamboards auf Level 1).

Wichtige Designfragen:

  1. Was ist ein „Item“ auf diesem Level?
    • Auf Flight Level 3: z. B. strategische Initiative, Epic, Programm
    • Auf Flight Level 2: z. B. Feature, Projektinkrement, Release-Schnitt
  2. Welche Phasen durchläuft ein Item?
    • Typischer Flow: „Idee / Funnel – Bewertung – Auswahl – Vorbereitung – In Umsetzung – Abnahme – Live / Done“
  3. Welche WIP-Grenzen setzen wir?
    • Pro Spalte: Wie viele Initiativen dürfen gleichzeitig dort liegen?
    • Das zwingt zu echten Priorisierungsentscheidungen.
  4. Wer pflegt das Board wie oft?
    • Rolle(n) verantwortlich (z. B. Bereichsleiter, Produktportfolio-Owner)
    • Update-Kadenz (z. B. wöchentliches Koordinationsmeeting, monatliches Strategiemeeting)

Das Board soll kein Reporting-Tool sein, sondern Arbeitswerkzeug für Entscheidungen in Echtzeit.

Schritt 5: Entscheidungs- und Meetingstruktur definieren

Flight Levels einführen ohne passende Entscheidungsroutinen bleibt wirkungslos. Etablieren Sie:

Wichtige Leitfragen in diesen Runden:

Definieren Sie explizit, welche Entscheidungen auf welcher Ebene getroffen werden (z. B. Budget, Scope, Prioritäten).

Schritt 6: Teams (Flight Level 1) gezielt anbinden

Flight Levels funktionieren nur, wenn die operative Ebene angebunden ist:

Sie müssen nicht alle Teams sofort umstellen. Wichtiger ist, dass wenige, aber zentrale Teams sauber vernetzt sind.

Schritt 7: Pilotphase mit klarer Lernagenda

Behandeln Sie die erste Phase der Flight-Levels-Einführung als kontrolliertes Experiment:

Sammeln Sie bewusst Feedback:

Nach der Pilotphase justieren Sie Boards, WIP-Grenzen und Meetingstruktur, bevor Sie skalieren.


Typische Stolpersteine bei der Einführung von Flight Levels

Beim Flight Levels Einführen treten in der Praxis immer wieder ähnliche Probleme auf. Wer sie kennt, kann gezielt gegensteuern.

1. Flight Levels als „neues Framework“ verkaufen

Wenn Flight Levels als weiteres großes Transformationsprogramm eingeführt werden, steigt Widerstand:

Besser: Flight Levels als Pragmatik der Flusssteuerung positionieren, die bestehende Arbeitsweisen integriert.

2. Fokus auf Tools statt auf Entscheidungen

Beliebte Falle: Detailverliebte Board-Designs und Tooldiskussionen, aber:

Stellen Sie sicher, dass jede Spalte des Boards mit einer Entscheidung verknüpft ist: Warum liegt ein Item hier und nicht dort?

3. Keine echte WIP-Begrenzung

Ohne konsequente Begrenzung paralleler Arbeit wird sich wenig ändern:

WIP-Limits sind das vielleicht wichtigste Element, wenn Sie Flight Levels einführen. Fangen Sie konservativ an und schärfen Sie nach.

4. Flight Levels nur in einem Bereich

Wenn nur ein einzelner Bereich Flight Levels einführt, aber wichtige Partner (z. B. Compliance, Infrastruktur, Fachbereiche) außen vor bleiben, endet der Flow an Bereichsgrenzen.

Starten Sie fokussiert, aber planen Sie frühzeitig, andere Schlüsselbereiche einzubinden, damit der Wertstrom wirklich durchgängig wird.

5. Fehlende Einbettung in die Unternehmenssteuerung

Flight Levels dürfen kein Paralleluniversum neben Budgetprozessen, Produktplanung und Governance sein.

Stellen Sie sicher, dass:


Flight Levels in der Praxis: Beispiele und Muster

Um Flight Levels greifbarer zu machen, hier zwei typische Anwendungsszenarien.

Beispiel 1: Produkt-IT in einem mittelständischen Unternehmen

Ausgangslage:

Vorgehen:

  1. Start auf Flight Level 2 mit einem Koordinationsboard für alle produktbezogenen Initiativen.
  2. Definition von Items: „Feature mit Kundennutzen“, welches innerhalb von 4–8 Wochen lieferbar ist.
  3. WIP-Grenzen pro Phase (z. B. max. 10 Features „In Umsetzung“).
  4. Wöchentliches Koordinationsmeeting mit Product Ownern, Architekten und Vertretern der Linienführung.
  5. Nach 2 Monaten: Anbindung an ein Flight-Level-3-Board, das strategische Produktziele und größere Initiativen zeigt.

Ergebnis nach einigen Monaten:

Beispiel 2: Cross-funktionales Change-Portfolio

Ausgangslage:

Vorgehen:

  1. Start auf Flight Level 3 mit einem Strategy Board für alle Change-Initiativen.
  2. Kategorisierung der Themen nach strategischen Zielen (z. B. „Kundenerlebnis verbessern“, „Kosten senken“).
  3. Einführung eines quartalsweisen Portfolio-Reviews mit klaren Start-/Stoppentscheidungen.
  4. Parallele Reduktion von Projekten in Umsetzung (z. B. max. 15 statt 40).
  5. Später: Anbindung an Flight-Level-2-Boards in einzelnen Bereichen.

Ergebnis nach einiger Zeit:


Governance, Metriken und kontinuierliche Verbesserung

Wenn Sie Flight Levels einführen, geht es nicht nur um visuelle Boards, sondern um steuerbare Governance entlang des Wertstroms.

Sinnvolle Metriken

Statt nur Output (z. B. Anzahl Stories) zu messen, fokussieren Sie auf:

Diese Kennzahlen helfen, systemische Engpässe zu identifizieren, statt Symptome auf Teamebene zu behandeln.

Feedback- und Verbesserungszyklen

Etablieren Sie bewusste Lernschleifen:

So entwickeln sich Ihre Flight Levels von einem Projekt zu einer dauerhaften Steuerungslogik.


Fazit: Flight Levels einführen – pragmatisch, fokussiert, wirkungsvoll

Flight Levels einführen ist kein Selbstzweck und kein weiteres Skalierungsframework. Es ist ein praktischer Ansatz, um:

Erfolgreich werden Sie damit, wenn Sie:


Nächste Schritte: Flight Levels mit externer Unterstützung etablieren

Gerade in komplexen Organisationen ist es hilfreich, die Einführung von Flight Levels mit erfahrener Begleitung zu gestalten. Externe Experten können:

Wenn Sie planen, Flight Levels einzuführen oder bestehende agile Strukturen wirksamer zu machen, kann eine Zusammenarbeit mit spezialisierten Beratern wie der PURE Consultant sinnvoll sein. Dort finden Sie Ansprechpartner, die sowohl die konzeptionelle Seite von Flight Levels als auch die praktische Umsetzung in Management-, IT- und Fachbereichen kennen – und Sie dabei unterstützen, aus Visualisierung echte Steuerungsfähigkeit zu machen.

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