Entwicklungsteam vs. klassische Teams

Entwicklungsteam vs. klassische Teams – Ein neues Produkt, eine komplexe Software oder eine kritische Prozessveränderung scheitert selten an der Idee – sondern am Team, das sie umsetzt. Viele Unternehmen stehen deshalb vor der Frage: Entwicklungsteam vs. klassische Teams – welche Teamform ist für welche Aufgabe geeignet?
Dieser Beitrag zeigt kompakt und praxisnah, worin sich beide Ansätze unterscheiden, welche Vor- und Nachteile sie haben und wie Sie schrittweise vom klassischen Team zu einem leistungsfähigen Entwicklungsteam kommen – inklusive konkreter Entscheidungs- und Umsetzungsimpulse für Ihren Alltag als Führungskraft oder Projektverantwortlicher.

Entwicklungsteam vs. klassische Teams
Entwicklungsteam vs. klassische Teams

1. Begriffsklärung: Was ist ein Entwicklungsteam, was ist ein klassisches Team?

1.1 Kurzdefinition Entwicklungsteam

Ein Entwicklungsteam ist ein interdisziplinäres, weitgehend selbstorganisiertes Team, das in kurzen Zyklen neue Produkte, Services oder Lösungen entwickelt und über alle dafür notwendigen Kompetenzen verfügt – von der Idee bis zur Umsetzung in die Praxis.

Typische Merkmale:

1.2 Kurzdefinition klassisches Team

Ein klassisches Team ist ein hierarchisch geführtes, meist monodisziplinäres Team, das in stabilen Strukturen arbeitet und primär laufende Aufgaben, Routinetätigkeiten oder klar definierte Projekte abwickelt.

Typische Merkmale:


2. Entwicklungsteam vs. klassische Teams – Überblick über die wichtigsten Unterschiede

Zentrale Unterschiede auf einen Blick:

  1. Zweck und Aufgaben
    • Entwicklungsteam: Innovation, neue Lösungen, Anpassung an Änderungen
    • Klassisches Team: Betrieb, Stabilisierung, planbare Aufgaben
  2. Zusammensetzung
    • Entwicklungsteam: cross-funktional (verschiedene Fachrichtungen)
    • Klassisches Team: überwiegend fachlich homogen
  3. Steuerung und Verantwortung
    • Entwicklungsteam: Selbstorganisation, geteilte Verantwortung für das Ergebnis
    • Klassisches Team: Führungskraft steuert Aufgaben, Ressourcen und Prioritäten
  4. Arbeitsweise
    • Entwicklungsteam: iterativ, experimentell, schnelle Feedback-Schleifen
    • Klassisches Team: sequenziell, planorientiert, Fokus auf Planerfüllung
  5. Umgang mit Unsicherheit
    • Entwicklungsteam: arbeitet explizit mit Unsicherheit und Lernen
    • Klassisches Team: versucht, Unsicherheit vorab zu minimieren

3. Wann eignet sich ein Entwicklungsteam – und wann ein klassisches Team?

3.1 Typische Einsatzfelder für Entwicklungsteams

Ein Entwicklungsteam ist besonders sinnvoll, wenn:

Typische Beispiele:

3.2 Typische Einsatzfelder für klassische Teams

Ein klassisches Team ist besonders sinnvoll, wenn:

Typische Beispiele:


4. Struktur und Rollen: Wie unterscheiden sich Entwicklungsteams von klassischen Teams?

4.1 Rollen im Entwicklungsteam

Ein Entwicklungsteam bündelt unterschiedliche Kompetenzen, etwa:

Häufig gibt es zusätzliche Rollen, die nicht hierarchisch, sondern dienend oder koordinierend wirken, z. B.:

Entscheidend: Die Verantwortung für das Produkt liegt beim gesamten Entwicklungsteam, nicht bei einzelnen Spezialisten oder nur der Führungskraft.

4.2 Rollen im klassischen Team

Im klassischen Team finden sich typischerweise:

Entscheidungen werden in der Regel durch die Führungskraft getroffen, die Aufgaben zuweist, Prioritäten setzt und Ergebnisse kontrolliert.


5. Arbeitsweise: agil-iterativ vs. planorientiert-sequenziell

5.1 Wie arbeitet ein Entwicklungsteam?

Ein Entwicklungsteam arbeitet meist nach agilen Prinzipien, z. B. nach Scrum oder Kanban. Kennzeichen:

Das Ziel ist nicht der perfekte Plan, sondern ein funktionierendes Inkrement, das schnell Feedback aus der Praxis ermöglicht.

5.2 Wie arbeitet ein klassisches Team?

Klassische Teams folgen eher einem phasenorientierten Vorgehen (z. B. Wasserfallmodell):

Diese Arbeitsweise ist hilfreich, wenn Anforderungen stabil sind und Änderungen selten vorkommen oder teuer sind.


6. Vor- und Nachteile: Entwicklungsteam vs. klassische Teams

6.1 Vorteile von Entwicklungsteams

6.2 Herausforderungen von Entwicklungsteams

6.3 Vorteile klassischer Teams

6.4 Herausforderungen klassischer Teams


7. Entscheidungshilfe: Wann ein Entwicklungsteam, wann ein klassisches Team?

7.1 Leitfragen für die Wahl der geeigneten Teamform

Folgende Fragen helfen bei der Entscheidung, ob ein Entwicklungsteam oder ein klassisches Team das bessere Setup ist:

  1. Wie hoch ist die Unsicherheit der Anforderungen?
    • Hoch → Entwicklungsteam
    • Niedrig → klassisches Team
  2. Wie stark ändern sich Umfeld, Markt und Technologie?
    • Stark dynamisch → Entwicklungsteam
    • Eher stabil → klassisches Team
  3. Wie stark sind Abhängigkeiten zwischen Disziplinen?
    • Viele Schnittstellen → Entwicklungsteam mit cross-funktionaler Besetzung
    • Wenige, klar geregelte Schnittstellen → klassisches Team
  4. Was ist wichtiger: Time-to-Market oder Effizienz im Einzelprozess?
    • Time-to-Market, Innovation → Entwicklungsteam
    • Prozessstabilität, Effizienz → klassisches Team
  5. Wie hoch ist der Bedarf an Feedback von Kunden oder Nutzern?
    • Kontinuierliches Feedback notwendig → Entwicklungsteam
    • Geringer, punktueller Feedbackbedarf → klassisches Team

7.2 Hybride Lösungen: Beide Teamarten kombinieren

In vielen Organisationen ist kein „Entweder-oder“, sondern ein hybrider Ansatz sinnvoll:

Wichtig ist eine klare Schnittstellengestaltung, z. B.:


8. Transformation: Vom klassischen Team zum leistungsfähigen Entwicklungsteam

8.1 Ausgangssituation verstehen

Bevor ein klassisches Team in ein Entwicklungsteam überführt wird, sollten Sie folgende Punkte klären:

8.2 Schrittweises Vorgehen – ein möglicher Fahrplan

Ein pragmatischer Weg zur Einführung eines Entwicklungsteams kann so aussehen:

  1. Zielbild definieren
    • Klare Beschreibung, wofür das Entwicklungsteam verantwortlich ist (Produkt, Prozess, Service).
  2. Teamzuschnitt und Besetzung klären
    • Notwendige Rollen und Kompetenzen bestimmen.
    • Verfügbarkeit und Kapazitäten der Beteiligten sichern.
  3. Arbeitsweise vereinbaren
    • Entscheid für ein Vorgehensmodell (z. B. Scrum, Kanban oder hybride Form).
    • Definition von Zyklen, Events, Artefakten und Entscheidungsgremien.
  4. Führung und Governance anpassen
    • Rollen von Führungskräften neu beschreiben (Coach, Enabler, Stakeholder).
    • Entscheidungsbefugnisse und Budgets klären.
  5. Pilotphase starten
    • Mit einem klar begrenzten Vorhaben beginnen.
    • Laufende Reflexion (Retrospektiven) und Anpassung.
  6. Organisation verbreitern
    • Erfolgsbeispiele dokumentieren.
    • Roll-out auf weitere Bereiche, wo Entwicklungsteams sinnvoll sind.

8.3 Typische Stolpersteine bei der Umstellung

Häufige Risiken in der Praxis:

Eine ehrliche Analyse dieser Punkte hilft, Fehlschläge zu vermeiden und Entwicklungsteams nachhaltig zu etablieren.


9. Zusammenarbeit und Kultur: Was Entwicklungsteams zusätzlich brauchen

9.1 Erfolgsfaktoren in Entwicklungsteams

Leistungsfähige Entwicklungsteams zeichnen sich durch folgende Faktoren aus:

9.2 Rolle der Führung in Entwicklungsteams

Führung verschiebt sich von Direktion zu Rahmensetzung und Enablement:

Führungskräfte müssen nicht „loslassen um jeden Preis“, sondern anders führen: weniger Mikromanagement, mehr Auftragsklarheit, Priorisierung und Coaching.


10. Praktische Checkliste: Ist Ihr Vorhaben eher Fall für ein Entwicklungsteam oder ein klassisches Team?

Folgende kompakte Checkliste kann als praktische Entscheidungshilfe dienen:

Setzen Sie einen Haken bei „Ja“:

  1. Die Anforderungen sind zu Beginn nur grob bekannt.
  2. Es ist wahrscheinlich, dass sich Anforderungen im Projektverlauf ändern.
  3. Der Erfolg hängt stark von Nutzer- oder Kundenerfahrungen ab.
  4. Es sind mindestens drei verschiedene Disziplinen wesentlich beteiligt.
  5. Time-to-Market ist wichtiger als maximale Prozessauslastung.
  6. Sie möchten früh und häufig funktionierende Zwischenergebnisse sehen.
  7. Es gibt die Bereitschaft, Entscheidungen ins Team zu verlagern.

11. Fazit: Entwicklungsteam vs. klassische Teams – kein Entweder-oder, sondern bewusstes Sowohl-als-auch

Entwicklungsteam vs. klassische Teams ist keine ideologische Frage, sondern eine Frage der Passung:

Für viele Organisationen liegt der Schlüssel im bewussten Nebeneinander beider Modelle – mit klaren Zuständigkeiten, durchdachten Schnittstellen und einem gemeinsamen Verständnis darüber, welche Teamform für welche Art von Aufgabe eingesetzt wird.

Wenn Sie vor der Herausforderung stehen, bestehende Strukturen zu modernisieren, Entwicklungsteams aufzubauen oder klassische Teams gezielt weiterzuentwickeln, kann ein externer, erfahrener Partner hilfreich sein. Die PURE Consultant unterstützt Unternehmen genau in diesen Fragestellungen – von der Analyse der Ausgangssituation über die Konzeption der passenden Team- und Projektstrukturen bis zur Begleitung in der praktischen Umsetzung.

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