Häufige Sprint Retrospektiven-Fehler

Häufige Sprint Retrospektiven-Fehler – Eine Sprint-Retrospektive soll eines der wertvollsten Events im agilen Arbeiten sein – und wird gleichzeitig von vielen Teams als „Zeitfresser ohne greifbares Ergebnis“ erlebt. Häufig liegt das nicht am Framework, sondern an typischen Fehlern in Vorbereitung, Moderation und Nachverfolgung. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche häufigen Sprint Retrospektiven-Fehler es gibt, woran Sie sie erkennen und wie Sie sie konkret vermeiden. So verwandeln Sie Ihre Retrospektiven von einem Pflichttermin in einen echten Motor für kontinuierliche Verbesserung, bessere Zusammenarbeit und nachhaltigere Ergebnisse.

Häufige Sprint Retrospektiven-Fehler
Häufige Sprint Retrospektiven-Fehler

Was ist eine Sprint-Retrospektive?

Eine Sprint-Retrospektive ist ein festes Ereignis im Scrum-Framework, das am Ende jedes Sprints stattfindet. Ziel ist es, als Team systematisch zu reflektieren:

Im Fokus stehen dabei Arbeitsweise, Zusammenarbeit und Prozesse, nicht die Bewertung einzelner Personen. Die Retrospektive unterscheidet sich klar vom Sprint Review: Dort geht es um das Produkt und Feedback von Stakeholdern, in der Retrospektive um das Team und die Art der Zusammenarbeit.


Warum scheitern so viele Sprint-Retrospektiven?

Viele Organisationen führen Scrum-Events formal ein, ohne die dahinterliegenden Prinzipien wirklich zu leben. Typische Probleme:

Das Ergebnis: Die Sprint-Retrospektive wird zum Ritual ohne Mehrwert. Genau hier setzen die folgenden häufigen Fehler und ihre Gegenmaßnahmen an.


Häufige Sprint Retrospektiven-Fehler im Überblick

Die häufigsten Fehler in Sprint-Retrospektiven sind:

  1. Retrospektiven werden gestrichen oder stark verkürzt
  2. Keine klare Zielsetzung oder Fragestellung
  3. Oberflächliche Diskussion ohne Ursachenanalyse
  4. Schuldzuweisungen statt systemischer Blick
  5. Dominante Stimmen – leise Teammitglieder kommen nicht zu Wort
  6. Entscheidungen nur aus dem Bauch heraus, ohne Daten
  7. Zu viele oder zu vage Maßnahmen
  8. Maßnahmen ohne Verantwortliche und Zeitplan
  9. Keine Nachverfolgung in den Folgesprints
  10. Immer das gleiche Format, keine methodische Vielfalt
  11. Rolle von Führungskräften unklar – zu dominant oder völlig abwesend
  12. Remote-Retrospektiven ohne passende Tools und Regeln

Im Folgenden gehen wir jeden dieser Fehler im Detail durch – inklusive praxisnaher Hinweise, wie Sie ihn vermeiden.


1. Retrospektiven werden gestrichen oder stark verkürzt

Symptom:
„Diesen Sprint sparen wir uns die Retro, wir sind unter Zeitdruck.“ Oder: Aus 90 Minuten werden „mal eben“ 20 Minuten, in denen kaum mehr als ein Stimmungsbild möglich ist.

Warum das problematisch ist:

So vermeiden Sie diesen Fehler:


2. Keine klare Zielsetzung oder Fragestellung

Symptom:
Die Retrospektive beginnt mit „Also, was gab’s denn so?“ – ohne Fokus, Leitfrage oder Struktur. Das Gespräch springt zwischen Themen hin und her.

Warum das problematisch ist:

So vermeiden Sie diesen Fehler:


3. Oberflächliche Diskussion ohne Ursachenanalyse

Symptom:
Probleme werden benannt („Die Anforderungen sind immer unklar“), aber nicht vertieft. Ursache: Zeitdruck oder mangelnde Moderation.

Warum das problematisch ist:

So vermeiden Sie diesen Fehler:


4. Schuldzuweisungen statt systemischer Blick

Symptom:
Formulierungen wie „Die Fachabteilung liefert nie rechtzeitig“ oder „Der Tester bremst uns immer aus“ dominieren. Einzelne Personen oder Gruppen werden problematisiert.

Warum das problematisch ist:

So vermeiden Sie diesen Fehler:


5. Dominante Stimmen – leise Teammitglieder kommen nicht zu Wort

Symptom:
2–3 Personen reden 80 % der Zeit, der Rest nickt oder schweigt. Kritische Punkte bleiben ungesagt.

Warum das problematisch ist:

So vermeiden Sie diesen Fehler:


6. Entscheidungen nur aus dem Bauch heraus, ohne Daten

Symptom:
Aussagen wie „Das fühlt sich immer so an…“ dominieren. Es gibt keine Zahlen, Visualisierungen oder Beispiele aus dem Sprint.

Warum das problematisch ist:

So vermeiden Sie diesen Fehler:


7. Zu viele oder zu vage Maßnahmen

Symptom:
Am Ende der Retro steht eine lange Liste von „To-dos“, formuliert wie: „Kommunikation verbessern“, „Mehr testen“, „Anforderungen klären“.

Warum das problematisch ist:

So vermeiden Sie diesen Fehler:


8. Maßnahmen ohne Verantwortliche und Zeitplan

Symptom:
Es gibt zwar Maßnahmen, aber niemand fühlt sich verantwortlich. Ergebnisse bleiben diffus („Darum kümmert sich das Team“).

Warum das problematisch ist:

So vermeiden Sie diesen Fehler:


9. Keine Nachverfolgung in den Folgesprints

Symptom:
In der nächsten Retrospektive erinnert sich kaum jemand daran, welche Maßnahmen vereinbart wurden – oder ob sie gewirkt haben.

Warum das problematisch ist:

So vermeiden Sie diesen Fehler:


10. Immer das gleiche Format, keine methodische Vielfalt

Symptom:
Jede Retrospektive folgt seit Monaten demselben Muster („Was lief gut, was nicht, was nehmen wir uns vor?“). Die Energie sinkt, Beiträge wiederholen sich.

Warum das problematisch ist:

So vermeiden Sie diesen Fehler:


11. Rolle von Führungskräften unklar – zu dominant oder völlig abwesend

Symptom:
Entweder: Führungskräfte (Linie, Projektleitung, Product Owner) dominieren die Diskussion – das Team spricht kaum offen. Oder: Führung ist nie dabei, strukturelle Änderungen kommen nicht voran.

Warum das problematisch ist:

So vermeiden Sie diesen Fehler:


12. Remote-Retrospektiven ohne passende Tools und Regeln

Symptom:
In verteilten Teams werden Retrospektiven einfach per Videokonferenz durchgeführt – ohne klares Online-Board, ohne Visualisierung, ohne Remote-spezifische Moderation.

Warum das problematisch ist:

So vermeiden Sie diesen Fehler:


Praktische Leitlinien für wirksame Sprint-Retrospektiven

Um typische Fehler in Sprint-Retrospektiven dauerhaft zu vermeiden, helfen einige Grundprinzipien:

1. Klare Struktur in drei Phasen

  1. Zurückblicken & Daten sammeln
    • Fakten (Metriken, Ereignisse, Beispiele)
    • Stimmungen und Eindrücke
  2. Verstehen & fokussieren
    • Muster und Zusammenhänge erkennen
    • 1–2 Schwerpunktthemen auswählen
  3. Entscheiden & planen
    • 1–3 konkrete Maßnahmen ableiten
    • Verantwortliche und Zeitplan festlegen

2. Moderation ernst nehmen

3. Fokus auf Experimente statt Perfektion


Beispiele für wirkungsvolle Verbesserungsmaßnahmen aus Retrospektiven

Damit Retrospektiven nicht bei Allgemeinplätzen enden, hier einige konkrete Beispiele, wie Teams häufige Probleme in Sprint-Retrospektiven in greifbare Maßnahmen übersetzen:

Wichtig ist weniger die Komplexität der Maßnahme, sondern Klarheit, Umsetzbarkeit und konsequente Nachverfolgung.


Checkliste: Woran Sie gute Sprint-Retrospektiven erkennen

Nutzen Sie diese Fragen, um den Zustand Ihrer Retrospektiven ehrlich einzuschätzen:

Wenn Sie mehrere dieser Fragen nicht klar mit „Ja“ beantworten können, lohnt es sich, Ihre Sprint-Retrospektiven gezielt zu verbessern – denn hier liegt oft der größte Hebel für nachhaltige Team-Performance.


Professionelle Unterstützung für wirksame Retrospektiven

Gerade in gewachsenen Organisationen mit komplexen Strukturen ist es anspruchsvoll, aus „Pflicht-Meetings“ wirklich wirksame Sprint-Retrospektiven zu machen. Externe Begleitung kann helfen,

Wenn Sie Ihre agilen Routinen professionalisieren oder Ihre Sprint-Retrospektiven gezielt weiterentwickeln möchten, kann eine Zusammenarbeit mit erfahrenen Beratern wie PURE Consultant sinnvoll sein – etwa in Form von moderierten Retrospektiven, Trainings für Scrum Master und Führungskräfte oder begleitenden Veränderungsprojekten. So schaffen Sie die Grundlage dafür, dass Retrospektiven nicht nur „stattfinden“, sondern die Leistungsfähigkeit Ihrer Teams messbar steigern.

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