Häufige Fehler bei der Amazon Retro

Häufige Fehler bei der Amazon Retro – Eine Amazon Retro klingt zunächst simpel: Teammitglieder vergeben Sterne für den letzten Sprint oder ein Projektinkrement und schreiben kurze „Rezensionen“ wie auf Amazon. Genau diese Einfachheit sorgt aber oft dafür, dass die Methode unterschätzt und falsch eingesetzt wird. In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Amazon Retrospektive funktioniert, welche typischen Fehler ihre Wirkung massiv mindern – und wie Sie sie im Projekt- und Linienkontext professionell gestalten. So verwandeln Sie ein „Spielchen“ in ein wirksames Werkzeug für kontinuierliche Verbesserung.

Häufige Fehler bei der Amazon Retro
Häufige Fehler bei der Amazon Retro

Was ist eine Amazon Retro?

Die Amazon Retro (oder Amazon Retrospektive) ist ein Format der agilen Rückschau. Dabei bewerten die Teilnehmenden einen abgeschlossenen Zeitraum – etwa einen Scrum-Sprint oder ein Projektmeilenstein – so, als würden sie ein Produkt bei Amazon rezensieren.[1][2]

Typische Elemente:

Ziel der Amazon Retro ist es, auf lockere, niedrigschwellige Weise ehrliches Feedback einzuholen, Muster sichtbar zu machen und daraus konkrete Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten.


Was Menschen wirklich zur Amazon Retro wissen wollen

Hinter Suchanfragen wie „Häufige Fehler bei der Amazon Retro“, „Amazon Retrospektive richtig durchführen“ oder „Wie funktioniert eine Amazon Retro im Scrum-Team?“ steckt überwiegend eine informational-praktische Intention:

Dieser Artikel ist deshalb so aufgebaut, dass Sie:

  1. die Methode klar verstehen,
  2. häufige Fehler systematisch erkennen und
  3. direkt einsetzbare Best Practices, Checklisten und Beispiele erhalten.

Kurzüberblick: So läuft eine Amazon Retrospektive typischerweise ab

Ein bewährter Ablauf in Kurzform:

  1. Rahmen klären
    • Welchen Zeitraum betrachten wir? (z. B. Sprint 15, Release 2.3, Projektphase „Rollout“)
    • Ziel der Retro: Was wollen wir heute erreichen?
  2. Individuelle Bewertung
    • Jede Person vergibt Sterne (1–5) für den Zeitraum.
    • Jede Person verfasst eine kurze Review (Titel + 2–5 Sätze).
  3. Sammeln und Sichtbarmachen
    • Alle Bewertungen werden sichtbar gemacht (Board, Whiteboard, Miro, Tool).
    • Moderator:in clustert ähnliche Punkte.
  4. Diskussion und Erkenntnisse
    • Gemeinsame Diskussion der Cluster, Ursachen, Muster.
    • Herausarbeiten der wichtigsten Probleme und Erfolgsfaktoren.
  5. Maßnahmen definieren
    • Konkrete, umsetzbare Maßnahmen mit Verantwortlichen und Zielterminen.
    • Transparente Dokumentation und Nachverfolgung.
  6. Abschluss
    • Kurzfeedback zur Retro selbst.
    • Dank an das Team, ggf. Ausblick auf nächste Retro.

Die 3 häufigsten grundsätzlichen Missverständnisse zur Amazon Retro

Bevor wir in die konkreten Fehler einsteigen, drei typische Denkfehler:

  1. „Das ist nur ein spielerisches Warm-up.“
    Die Amazon Retro wirkt spielerisch, ist aber ein vollwertiges Retrospektiven-Format. Sie taugt für ernsthafte Themen – sofern sie professionell moderiert wird.
  2. „Sterne reichen – wir sehen ja, wie gut der Sprint war.“
    Sterne ohne qualitative Reviews und Diskussion liefern kaum Lerngewinn.
  3. „Das Format ist selbsterklärend, Moderation ist kaum nötig.“
    Gerade weil es so einfach wirkt, wird Moderation oft vernachlässigt – mit klaren Folgen für Qualität und Akzeptanz.

Häufige Fehler bei der Amazon Retro – Überblick

Die häufigsten Fehler lassen sich in drei Bereiche gliedern:

Im Folgenden gehen wir sie strukturiert durch – jeweils mit Praxisbeispielen und Hinweisen, wie Sie diese vermeiden.


1. Fehler in der Vorbereitung

Fehler 1: Unklarer Scope und unscharfer Zeithorizont

Viele Amazon Retros scheitern bereits an der Ausgangsfrage. Typische Symptome:

Folgen:

So vermeiden Sie den Fehler:


Fehler 2: Keine klare Zielsetzung für die Retro

Häufig fehlt die Antwort auf die Frage: „Wozu machen wir diese Amazon Retro heute?“

Ohne Ziel:

Gute Zielsetzungen können sein:

Formulieren Sie das Ziel explizit und visualisieren Sie es zu Beginn.


Fehler 3: Team nicht auf das Format vorbereiten

Gerade in nicht-agilen Umfeldern oder bei neuen Teams ist die Amazon Retro meist unbekannt. Häufige Probleme:

Abhilfe:


Fehler 4: Psychologische Sicherheit wird ignoriert

Die Amazon Retrospektive lebt von ehrlichen Bewertungen. In vielen Organisationen herrscht jedoch stillschweigend die Sorge:

Ohne psychologische Sicherheit entstehen:

So stärken Sie psychologische Sicherheit:


2. Fehler in der Durchführung

Fehler 5: Sterne stehen im Mittelpunkt – nicht die Erkenntnisse

Bei vielen Amazon Retros dreht sich alles um die Frage: „Wie viele Sterne habt ihr gegeben?“ Das führt zu nutzlosen Diskussionen:

Sterne sind ein Einstieg, kein Ergebnis.

Besser:


Fehler 6: Keine klare Struktur bei der Sammlung der Reviews

Ein häufiger Durchführungsfehler ist das ungeordnete Sammeln:

Empfohlener Ablauf:

  1. Alle Reviews zunächst still sammeln (z. B. auf digitalen Sticky Notes).
  2. Moderator:in clustert in Themenbereiche, z. B.:
    • Zusammenarbeit
    • Anforderungen & Priorisierung
    • technische Qualität
    • Prozesse & Tools
  3. Erst dann Diskussion pro Cluster.

So erkennen Sie Muster wie „immer wieder Chaos bei Anforderungen“ oder „wiederkehrende Konflikte zwischen Entwicklung und Fachbereich“.


Fehler 7: Moderation ist selbst stark inhaltlich involviert

Wenn Product Owner, Projektleiter:in oder Führungskraft gleichzeitig moderieren, treten typische Probleme auf:

Besser:


Fehler 8: Zu wenig Zeit für Diskussion, zu viel Zeit fürs Lesen

Ein häufiger Ablauf:

  1. Jede:r liest seine Review ausführlich vor.
  2. Bereits hier beginnen Diskussionen.
  3. Zeit läuft weg, bevor echte Ursachenarbeit beginnt.

Besserer Ansatz:

Das erhöht die Effizienz und verhindert, dass die ersten Sprecher:innen den gesamten Fokus definieren.


Fehler 9: Nur Probleme – keine positiven Aspekte

In der Praxis werden Sterne oft zu negativ interpretiert: „Wenn wir Fehler finden sollen, muss ich streng bewerten.“

Ergebnis:

Besser:

Gerade für Teams unter hoher Last ist dies entscheidend.


Fehler 10: Verwechslung mit persönlicher Leistungsbewertung

Ein kritischer Fehler ist die Interpretation der Sterne als Leistungsurteil:

Das widerspricht dem Grundgedanken der Retrospektive und reduziert Offenheit.

Klares Prinzip:


Fehler 11: Remote-Setup wird unterschätzt

In verteilten Organisationen ist die Amazon Retro häufig remote. Typische Fehler:

Remote-Best-Practices:


3. Fehler in der Nachbereitung

Fehler 12: Keine konkreten Maßnahmen – „wir haben ja drüber gesprochen“

Die häufigste Schwachstelle: Am Ende stehen viele Einsichten, aber keine verbindlichen Schritte. Typische Sätze:

Ohne Konkretisierung verpufft die beste Amazon Retro.

So definieren Sie wirksame Maßnahmen:

Eine einfache Formel:

„Bis [Datum] sorgt [Verantwortliche:r] dafür, dass [konkretes Ergebnis] erreicht ist.“


Fehler 13: Keine Nachverfolgung in der nächsten Retro

Ohne Follow-up sinkt die Glaubwürdigkeit der Retrospektiven insgesamt:

Deshalb ist die wichtigste Regel:

Jede Amazon Retro beginnt mit einem Review der letzten Maßnahmen.

Fragen Sie konkret:

So wird aus Retrospektive tatsächlich ein Zyklus der kontinuierlichen Verbesserung – und nicht nur ein wiederkehrender Termin im Kalender.


Fehler 14: Ergebnisse verschwinden in privaten Notizen

Wenn Ergebnisse und Maßnahmen nur in privaten Moderationsnotizen oder in nicht auffindbaren Dateien landen:

Besser:


Fehler 15: Keine Anpassung des Formats an Reifegrad und Kontext

Die Amazon Retro wird oft als statisches Format verstanden: „Wir machen das jetzt so.“ In der Praxis unterscheiden sich Teams jedoch stark:

Mögliche Anpassungen:


Praxisnahe Leitfragen für die Amazon Retro

Um die Diskussionen zu strukturieren, helfen standardisierte Leitfragen. Typische W-Fragen:

Diese Fragen können Sie direkt an die Reviews andocken.


Checkliste: Häufige Fehler bei der Amazon Retro vermeiden

Eine komprimierte Checkliste für Ihre nächste Retro:

Wenn Sie diese Punkte systematisch beachten, eliminieren Sie den Großteil der typischen Fehlerquellen.


Beispiel: So könnte eine gelungene Amazon Retro aussehen

Ein fiktives, aber realistisches Beispiel aus einem Softwareprojekt:

  1. Scope & Ziel:
    • Scope: „Sprint 24 – Fokus auf Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Vertrieb“
    • Ziel: „Wir wollen 2 konkrete Maßnahmen finden, um Anforderungen stabiler und klarer zu bekommen.“
  2. Bewertungen:
    • Sterne: Mittelwert 3,1
    • Typische Review-Titel:
      • „Gute Zusammenarbeit im Team, aber chaotische Prioritäten“
      • „Zu viele kurzfristige Änderungen aus dem Vertrieb“
      • „Klare Sprint-Ziele, aber unklare Abnahme“
  3. Cluster der Reviews:
    • Anforderungen & Priorisierung
    • Kommunikation mit dem Vertrieb
    • Abnahmeprozess
  4. Erkenntnisse:
    • Anforderungen werden oft per Chat nachgereicht, ohne Aktualisierung im Backlog.
    • Vertrieb kennt den Sprint-Rhythmus nicht und erwartet „sofortige“ Anpassungen.
    • Abnahmekriterien sind selten vor Sprintbeginn klar.
  5. Maßnahmen:
    • „Bis zum nächsten Sprint Planning organisiert der Product Owner einen 60-min-Workshop mit dem Vertrieb, um unseren Sprint-Prozess zu erklären und einen gemeinsamen Slot für Anforderungsbesprechungen zu definieren.“
    • „Wir akzeptieren nur Anforderungen mit klaren Akzeptanzkriterien im Backlog; Chat-Nachrichten werden nicht mehr direkt als Aufgabe gestartet.“
  6. Follow-up in Sprint 25:
    • Überprüfung: Wurden Workshop und neue Regeln umgesetzt?
    • Bewertung: Haben sich Sterne und Reviews spürbar verbessert?

So entsteht aus einem vermeintlich „spielerischen“ Format ein echter Hebel für Organisationsentwicklung.


Best Practices für eine wirksame Amazon Retro

Abschließend einige verdichtete Empfehlungen:


Fazit Häufige Fehler bei der Amazon Retro: Amazon Retro professionell statt spielerisch-naiv nutzen

Die häufigsten Fehler bei der Amazon Retro entstehen nicht aus böser Absicht, sondern aus Unterschätzung des Formats: unklarer Scope, fehlende psychologische Sicherheit, schwache Moderation und mangelnde Nachverfolgung von Maßnahmen. Wer diese Fallstricke kennt und bewusst adressiert, kann mit der Amazon Retrospektive schnelle, ehrliche und handlungsleitende Einblicke gewinnen – sowohl in agilen Entwicklungsteams als auch in klassischen Projekt- und Linienkontexten.

Wenn Sie Ihre Retrospektiven-Formate systematisch professionalisieren und in Ihre Organisationsentwicklung integrieren möchten, lohnt sich der Blick von außen: Erfahrene Beratungen wie PURE Consultant unterstützen Teams und Führungskräfte dabei, agile Praktiken wirksam, skalierbar und zur jeweiligen Kultur passend zu gestalten.

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