Typische Fehler beim ROTI Feedback

Typische Fehler beim ROTI Feedback – ROTI-Feedback gilt als eines der einfachsten Werkzeuge, um schnell zu prüfen, ob sich ein Meeting, Workshop oder ein Projekttermin gelohnt hat. Trotzdem wird es in der Praxis häufig falsch eingesetzt – mit der Folge, dass die Rückmeldungen wenig aussagekräftig sind oder sogar Widerstand erzeugen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche typischen Fehler beim ROTI Feedback auftreten, wie Sie diese vermeiden und wie Sie ROTI so einsetzen, dass es Ihre Besprechungen messbar verbessert – statt nur eine weitere Ritualabstimmung am Ende zu sein.

Typische Fehler beim ROTI Feedback
Typische Fehler beim ROTI Feedback

Was ist ROTI Feedback – kurz erklärt

ROTI steht für „Return on Time Invested“ – also den Nutzwert im Verhältnis zur investierten Zeit. Beim ROTI Feedback bewerten Teilnehmende nach einem Termin auf einer einfachen Skala, wie lohnend ihre Zeit war. Typisch sind Skalen wie:

Ziel ist nicht „Gefälligkeitsapplaus“, sondern eine kompakte, ehrliche Rückmeldung, ob Inhalt, Struktur und Moderation des Termins zur investierten Zeit passen – und wo konkret Verbesserungsbedarf besteht.


Warum ROTI so beliebt ist – und trotzdem oft wenig bringt

Viele Projektleiter, Scrum Master und Führungskräfte schätzen ROTI, weil es:

In der Umsetzung zeigt sich jedoch häufig: Die Methode ist simpel, nicht trivial.
ROTI entfaltet seinen Nutzen nur, wenn es klar erklärt, passend eingesetzt und konsequent genutzt wird. Sonst wird es zum reinen „Abstimmungs-Gadget“, das mehr Frust als Erkenntnis erzeugt.


Typische Fehler beim ROTI Feedback – die kurze Übersicht

Die häufigsten Stolperfallen beim ROTI Feedback lassen sich in einige wiederkehrende Muster einteilen:

  1. Unklarer oder wechselnder Bewertungsmaßstab
  2. Vermischung von ROTI und allgemeiner Zufriedenheit
  3. Fehlende Erklärung der Methode und des Nutzens
  4. Keine psychologische Sicherheit und mangelnde Anonymität
  5. ROTI ohne Auswertung und sichtbare Konsequenzen
  6. ROTI als Pflichtübung am Ende jedes Termins
  7. Falsche Interpretation der Zahlenwerte
  8. Persönliche Kränkung statt professioneller Umgang
  9. Kein Bezug zu Zielen, Agenda und Erwartungsmanagement
  10. ROTI als Ersatz für echte Retrospektiven und Feedbackformate
  11. Ungeeignetes Timing und Setting – besonders in Remote-Meetings

Im Folgenden gehen wir diese typischen Fehler beim ROTI Feedback im Detail durch und zeigen jeweils, wie Sie es besser machen.


Fehler 1: Unklarer Bewertungsmaßstab

Viele Teams führen ROTI „mal eben schnell“ ein:
„Bitte alle schnell ROTI – 1 bis 5 – wie lohnend war das Meeting?“

Das Problem:
Niemand weiß genau, was bewertet wird und woran sich die Zahlen orientieren. Das führt zu:

Besser so:


Fehler 2: Vermischung von ROTI und allgemeiner Zufriedenheit

Häufig werden beim ROTI-Feedback unterschiedliche Dimensionen durcheinandergeworfen:

Das verzerrt die Ergebnisse. Ein Meeting kann fachlich sehr wertvoll, aber emotional anstrengend gewesen sein – oder umgekehrt.

Besser so:

So bleibt ROTI ein präzises Instrument statt einer unscharfen Stimmungslage.


Fehler 3: Fehlende Erklärung der Methode und des Nutzens

In vielen Organisationen wird ROTI eingeführt, ohne dass die Teilnehmenden verstehen:

Die Folge:
ROTI wird als „Kontrollinstrument“ oder „Spielerei der Moderation“ wahrgenommen. Teilnehmende geben ausweichende oder strategische Bewertungen, statt ehrlich zu sein.

Besser so:


Fehler 4: Keine psychologische Sicherheit und mangelnde Anonymität

ROTI lebt von ehrlicher Rückmeldung. In der Praxis werden Bewertungen jedoch häufig im Plenum sichtbar abgegeben:

Wenn die Führungskraft anwesend ist oder Hierarchien im Spiel sind, steigt der Druck, „angepasst“ zu bewerten. Kritische Bewertungen (1 oder 2) werden aus Angst vor Konsequenzen vermieden.

Besser so:


Fehler 5: ROTI ohne Auswertung und sichtbare Konsequenzen

Einer der gravierendsten typischen Fehler beim ROTI Feedback:
Es wird zwar fleißig abgefragt, aber nicht systematisch ausgewertet. Typische Muster:

Die Botschaft an die Teilnehmenden:
„Euer Feedback interessiert uns letztlich nicht wirklich.“

Besser so:

  1. Ergebnisse kurz sichtbar machen
    • Schnitt benennen: „Wir liegen heute bei etwa 3,2.“
    • Spannweite zeigen: „Wir haben Bewertungen von 2 bis 5.“
  2. Konsequenzen direkt ableiten
    • 1–2 konkrete Maßnahmen beschließen:
      • „Agenda vorab verschicken“,
      • „Entscheidungsteil straffen“,
      • „Q&A viel früher einbauen“.
  3. Ergebnisse dokumentieren
    • im Protokoll, im Team-Wiki oder in einem einfachen ROTI-Log,
    • Trends über mehrere Termine sichtbar machen („ROTI-Verlauf“).
  4. Beim nächsten Mal Bezug nehmen
    • „Letztes Mal hatten wir im ROTI einen Schnitt von 2,8, vor allem wegen der Unklarheit zum Ziel. Heute möchten wir das besser machen – bitte achtet am Ende wieder bewusst darauf.“

So wird ROTI zum Instrument für kontinuierliche Verbesserung statt zur reinen Gewohnheit.


Fehler 6: ROTI als Pflichtübung am Ende jedes Termins

„Wir machen jetzt immer ROTI, egal was.“
Das führt schnell zu:

ROTI ist dann kein hilfreiches Feedback-Instrument mehr, sondern ein störendes Ritual.

Besser so:


Fehler 7: Falsche Interpretation der ROTI-Zahlen

ROTI erzeugt Zahlen – und Zahlen verleiten dazu, mehr Objektivität zu unterstellen, als tatsächlich vorhanden ist. Häufige Fehlinterpretationen:

Dabei sind ROTI-Werte:

Besser so:

Wichtig: ROTI-Zahlen sind Hinweise, keine Urteile über Personen.


Fehler 8: Persönliche Kränkung statt professioneller Umgang

Besonders Moderatoren, Trainer oder Führungskräfte erleben niedrige ROTI-Werte manchmal als persönliche Kritik:

Das signalisiert: Kritik ist unerwünscht. In der Folge werden Teilnehmende vorsichtiger – und ROTI verliert seine Funktion.

Besser so:


Fehler 9: Kein Bezug zu Zielen, Agenda und Erwartungsmanagement

Ein ROTI-Feedback kann nur sinnvoll sein, wenn vorher klar war, wofür der Termin überhaupt da ist. Typische Probleme:

In diesem Fall bewerten Teilnehmende nicht den „Return on Time Invested“, sondern ihre Enttäuschung über Unklarheit.

Besser so:

So wird ROTI zur Qualitätskontrolle des gesamten Meeting-Designs.


Fehler 10: ROTI als Ersatz für echte Retrospektiven

ROTI ist kein vollwertiges Retrospektiv-Format. Gerade in agilen Kontexten besteht die Gefahr, ROTI an das Ende von Sprints oder Projektreviews zu stellen und zu glauben: „Wir haben ja Feedback eingeholt.“

Typische Folgen:

ROTI beantwortet nur eine Frage:
Hat sich diese Zeit heute gelohnt?

Für Themen wie „Wie arbeiten wir zusammen?“, „Welche Hindernisse bremsen uns?“ oder „Was müssen wir im System ändern?“ braucht es tiefergehende Formate.

Besser so:


Fehler 11: Ungeeignetes Timing und Setting – besonders remote

Auch das Wann und Wie des ROTI Feedbacks spielt eine Rolle. Häufige Probleme:

Besser so:


Wie Sie ROTI Feedback wirksam einführen – ein praxisnaher Ablauf

Um die typischen Fehler beim ROTI Feedback zu vermeiden, hat sich in vielen Organisationen ein einfacher Einführungsprozess bewährt:

  1. Ziele klären
    • Was wollen wir mit ROTI erreichen?
    • Welche Arten von Terminen sollen damit bewertet werden?
  2. Gemeinsame Skala definieren
    • 1–5-Skala mit klaren Bedeutungen ausformulieren.
    • Beispiele geben, was eine „2“ oder „4“ typischerweise bedeutet.
  3. Regeln für Einsatz und Häufigkeit festlegen
    • wann verpflichtend (z. B. bei Workshops, Trainings),
    • wann optional (z. B. bei Regelmeetings).
  4. Transparente Kommunikation ins Team
    • kurze Erklärung zu Zweck und Nutzen,
    • klares Versprechen: Ergebnisse werden ernst genommen, es gibt Konsequenzen.
  5. Anonymität / Sicherheit sicherstellen
    • geeignetes Tool oder Verfahren auswählen,
    • Umgang mit kritischen Ergebnissen vorher klären.
  6. Konsequente Auswertung und Follow-up
    • Ergebnisse dokumentieren,
    • Trends verfolgen,
    • Verbesserungsmaßnahmen definieren und beim nächsten Mal rückbeziehen.

Praxisbeispiele: Gut gemachtes ROTI vs. typischer Fehlgebrauch

Beispiel 1: „Schnell noch ROTI“ – wenig Mehrwert

Am Ende eines überzogenen Projektmeetings sagt der Projektleiter:

„Wir sind schon spät dran, aber gebt mal schnell ROTI 1–5: Handzeichen.“

Die Teilnehmer merken: Zeitverschwendung, ohne Konsequenzen. Beim nächsten Mal wird noch flüchtiger abgestimmt.

Beispiel 2: Fokussiertes ROTI mit klaren Konsequenzen

Am Ende eines 90-minütigen Lenkungsausschusses:

  1. Die Moderatorin erinnert an die Ziele des Termins.
  2. Sie bittet um ROTI auf einer bekannten 1–5-Skala (Return on Time Invested).
  3. Alle geben anonym über ein kurzes Online-Formular ihre Bewertung ab.
  4. Sie zeigt den Schnitt (3,1) und die Spannweite (2–4).
  5. Sie fragt:
    „Wer mag in einem Satz nennen, was euch zu einer 2 oder 3 gebracht hat?“
  6. Aus 3 Rückmeldungen werden zwei konkrete Maßnahmen für künftige Runden abgeleitet.
  7. Im Protokoll wird der ROTI-Wert mit den Maßnahmen dokumentiert.

Beim nächsten Lenkungsausschuss verweist die Moderatorin ausdrücklich auf die letzte ROTI-Auswertung – und fragt erneut nach. Das ROTI-Feedback wird sichtbar wirksam.


Häufige Fragen zum ROTI Feedback

Wann ist ROTI besonders sinnvoll?
Vor allem bei Terminen mit höherem Zeitaufwand oder hoher Relevanz: Workshops, Steuerungskreise, Projekt-Reviews, Trainings, größere Abstimmungsrunden. In sehr kurzen Routineterminen reicht oft ein gelegentliches qualitatives Feedback.

Wie oft sollte man ROTI einsetzen?
So oft, wie Sie bereit sind, die Ergebnisse ernst zu nehmen und Konsequenzen zu ziehen. Als Daumenregel:

Welche Skala ist optimal?
In der Praxis hat sich die 1–5-Skala bewährt: differenziert genug, aber noch intuitiv. Wichtiger als die exakte Skala ist, dass alle dieselbe Definition teilen.

Braucht ROTI immer Anonymität?
Je stärker Hierarchien wirken oder je sensibler das Thema, desto wichtiger wird Anonymität. In eingespielten, vertrauensvollen Teams kann ROTI auch offen funktionieren – vorausgesetzt, kritische Stimmen sind wirklich willkommen.


Fazit Typische Fehler beim ROTI Feedback: ROTI Feedback als wirksames Steuerungsinstrument nutzen

ROTI ist ein sehr schlankes, aber wirkungsvolles Instrument, um die Qualität von Meetings, Workshops und Projektterminen aus Sicht der Teilnehmenden zu messen. Die Methode entfaltet ihren Nutzen jedoch nur, wenn Sie die typischen Fehler beim ROTI Feedback vermeiden:

Dann wird aus einer scheinbar simplen 1–5-Abstimmung ein kontinuierlicher Verbesserungsmechanismus für Ihre Meetingkultur – und Ihre Organisation investiert Zeit dort, wo sie tatsächlich Wirkung hat.

Wenn Sie Ihre Meeting- und Feedbackkultur systematisch weiterentwickeln möchten oder Unterstützung bei der Einführung von ROTI und anderen wirksamen Formaten suchen, kann eine externe Perspektive helfen. Die Beraterinnen und Berater der PURE Consultant begleiten Unternehmen dabei, Entscheidungs- und Projektformate so zu gestalten, dass sie wirklich Mehrwert stiften – statt nur Kalender zu füllen.

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