Typische Fehler bei der Pugh Matrix – Die Pugh Matrix gilt als einfaches, robustes Werkzeug für strukturierte Entscheidungen. In der Praxis führt sie aber erstaunlich oft zu falschen Schlussfolgerungen, politischen Diskussionen und schlecht belegten Entscheidungen – gerade in Projekten mit vielen Stakeholdern. Typische Fehler bei der Pugh Matrix entstehen meist nicht durch die Methode selbst, sondern durch unklare Ziele, falsche Kriterien oder eine oberflächliche Durchführung. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Fallstricke es gibt, wie Sie sie in Projekten und im Linienalltag vermeiden und wie Sie die Pugh Matrix so nutzen, dass Ihre Entscheidungen nachvollziehbar, belastbar und akzeptiert sind.

Was ist die Pugh Matrix – kurz erklärt
Die Pugh Matrix ist ein strukturiertes Bewertungsverfahren, um mehrere Lösungsoptionen anhand definierter Kriterien mit einer Referenzlösung zu vergleichen.
Statt direkt „die beste Lösung“ zu wählen, bewertet ein Team jede Alternative relativ zu einer Baseline (besser / gleich / schlechter) und leitet daraus eine fundierte Empfehlung ab.
Typische Einsatzszenarien:
- Auswahl von IT-Systemen oder Tools
- Bewertung von Konzeptvarianten in Projekten
- Entscheidung zwischen Lieferanten oder Dienstleistern
- Vergleich von Organisations- oder Prozessdesigns
Vereinfacht läuft die Pugh Matrix so ab:
- Problem und Zielbild definieren
- Referenzlösung (Baseline) festlegen
- Bewertungskriterien definieren
- Alternativen erfassen
- Pro Kriterium jede Alternative relativ zur Baseline bewerten
- Ergebnisse interpretieren und Entscheidung ableiten
- Annahmen, Begründungen und offene Punkte dokumentieren
Genau an diesen Schritten passieren in der Realität die meisten Fehler.
Warum passieren so viele Fehler bei der Pugh Matrix?
Die Pugh Matrix wirkt harmlos: Eine einfache Tabelle, Plus/Minus-Symbole, ein paar Summen – fertig.
Gerade diese scheinbare Einfachheit verleitet aber dazu, wichtige Vorarbeiten zu überspringen:
- Problem und Kontext werden nicht sauber genug geklärt
- Kriterienliste entsteht „aus dem Bauch heraus“
- Gruppen-Dynamiken überlagern die sachliche Bewertung
- Ergebnisse werden überinterpretiert („höchste Punktzahl = beste Lösung“)
Wer die Methode als reines Excel-Template versteht, bekommt am Ende nur eine pseudo-objektive Rechtfertigung für längst getroffene Bauchentscheidungen. Um das zu vermeiden, lohnt sich ein genauer Blick auf typische Fehler bei der Pugh Matrix.
Typische Fehler bei der Pugh Matrix auf einen Blick
Häufige Fehler sind unter anderem:
- Unklare Problemdefinition und falsche Baseline
- Ungeeignete oder unvollständige Bewertungskriterien
- Fehlende oder falsche Gewichtung der Kriterien
- Uneinheitliche Skalen und Bewertungslogik
- Summen werden wie absolute Wahrheiten interpretiert
- Dominanz einzelner Personen oder Vorentscheidungen
- Einmalige statt iterativer Anwendung der Methode
- Mangelnde Dokumentation von Annahmen und Begründungen
- Bewertung ohne Datenbasis (reines Bauchgefühl)
- Einsatz der Pugh Matrix in ungeeigneten Entscheidungssituationen
Im Folgenden gehen wir diese Punkte Schritt für Schritt durch – mit Fokus darauf, wie Sie diese Fehler vermeiden.
Fehler 1: Unklare Problemdefinition und falsche Referenzlösung
Die Pugh Matrix lebt von einem klar umrissenen Entscheidungsproblem und einer sinnvollen Baseline. Typische Schwachstellen:
- Das tatsächliche Ziel ist nicht eindeutig: „Wir brauchen ein neues Tool“ statt „Wir wollen die Durchlaufzeit im Prozess X um 20 % reduzieren“.
- Die Referenzlösung ist zu schwach oder zu stark gewählt (z. B. ein Idealbild, das keine reale Option darstellt).
- Die Problemgrenzen sind unklar (Scope, Budget, Zeitrahmen, Rahmenbedingungen).
Konsequenz: Die Bewertungen beziehen sich auf unterschiedliche mentale Modelle. Das Team vergleicht nicht dieselben Dinge, obwohl alle dieselbe Tabelle sehen.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Formulieren Sie das Entscheidungsproblem in einem Satz („Wir entscheiden heute über …“).
- Definieren Sie explizit, was NICHT im Scope ist.
- Wählen Sie als Referenz eine heute real vorhandene oder seriös erreichbare Lösung, nicht ein „Wunschbild“.
- Halten Sie fest, warum genau diese Baseline gewählt wurde.
Fehler 2: Falsche oder unvollständige Bewertungskriterien
Ein verbreiteter Fehler bei der Anwendung der Pugh Matrix: Die Kriterien kommen aus der Perspektive einer kleinen Gruppe – häufig IT, Fachbereich oder Management – und blenden andere Sichtweisen aus.
Typische Symptome:
- Zu starke Fokussierung auf Kosten, zu wenig auf Nutzen, Risiken oder Akzeptanz
- Technische Kriterien dominieren, Business-Impact fehlt (oder umgekehrt)
- „Weiche“ Kriterien wie Change-Aufwand, Schulungsbedarf, Governance, Compliance bleiben außen vor
- Kriterien überlappen oder sind doppelt vorhanden
Fragen, die Sie klären sollten:
- Decken die Kriterien Nutzen, Aufwand, Risiko, Zeit und Akzeptanz ausreichend ab?
- Sind Kriterien klar definiert (was genau ist z. B. „Benutzerfreundlichkeit“ in diesem Kontext)?
- Sind Kriterien aus Sicht aller relevanten Stakeholder verständlich?
Praktischer Tipp:
- Sammeln Sie zunächst breit mögliche Kriterien (Brainstorming).
- Konsolidieren Sie anschließend auf 6–12 wirklich entscheidungsrelevante Kriterien.
- Vermeiden Sie „Kosmetik-Kriterien“, die am Ende keinen Einfluss auf die Entscheidung haben.
Fehler 3: Keine oder inkonsistente Gewichtung der Kriterien
„Alle Kriterien sind wichtig.“ – dieser Satz ist ein Warnsignal.
In der Realität sind Kriterien selten gleich wichtig: Ein kritisches Compliance-Kriterium ist oft entscheidender als eine kleinere Komfortfunktion.
Typische Fehler:
- Es wird gar nicht gewichtet – ein „nice-to-have“ zählt genauso viel wie ein regulatorischer Zwang.
- Gewichtungen werden nicht transparent hergeleitet („gefühlt wichtig“).
- Gewichtungen sind zwischen den Beteiligten nicht abgestimmt, sondern einseitig vorgegeben.
Auswirkungen:
- Die resultierende Entscheidung erscheint numerisch plausibel, verzerrt aber die wirkliche Prioritätensetzung.
- Kritische Showstopper gehen in Gesamtbewertungen unter.
Bessere Vorgehensweise:
- Vereinbaren Sie vor der Bewertung eine klare Gewichtung (z. B. in Punkten oder Prozent).
- Diskutieren Sie die Gewichtung explizit und halten Sie Begründungen fest.
- Nutzen Sie einfache Methoden wie Paarvergleich oder eine grobe Skala („kritisch“, „hoch“, „mittel“, „niedrig“), die Sie in Gewichte übersetzen.
Fehler 4: Unsaubere Skalen und Symbole
Die klassische Pugh Matrix arbeitet oft mit Symbolen wie „+“, „0“ und „–“ im Vergleich zur Baseline. Typische Fehler bei der Pugh Matrix entstehen durch unscharfe Definitionen:
- Niemand weiß genau, was ein „+“ bedeutet (10 % besser? deutlich besser?).
- Für einige Kriterien bedeutet „–“ ein echtes KO, für andere nur „leicht schlechter“.
- Einzelne Teilnehmer interpretieren Symbole individuell, ohne Abstimmung.
Das kann dazu führen, dass die vermeintliche Objektivität nur eine Illusion ist.
So schaffen Sie Klarheit:
- Definieren Sie pro Skala, was „besser“, „gleich“ und „schlechter“ konkret heißt (z. B. in Bandbreiten).
- Prüfen Sie, ob für bestimmte Kriterien eine feinere Skala sinnvoll ist (z. B. –2 bis +2).
- Halten Sie die Skala schriftlich fest und stellen Sie sicher, dass alle dieselbe Definition nutzen.
Fehler 5: Summen als absolute Wahrheit interpretieren
Ein häufiger methodischer Fehler: Die Summen der Plus- und Minuspunkte werden wie ein objektives Ranking gelesen:
- „Variante B hat 3 Punkte mehr, also ist sie eindeutig besser.“
- Unterschiede in wenigen Punkten werden überinterpretiert.
- Qualitative Aspekte und Unsicherheiten werden ignoriert.
Dabei sind die Summen nur ein Hinweis, nicht das Urteil selbst.
Besser:
- Sehen Sie die Pugh Matrix als Entscheidungsunterstützung, nicht als automatische Entscheidungsmaschine.
- Schauen Sie auf Muster: Wo ist eine Alternative systematisch besser oder schlechter, insbesondere in hoch gewichteten Kriterien?
- Diskutieren Sie Ausreißer: Warum schneidet Option X in einem kritischen Kriterium schlecht ab? Ist das tolerierbar?
- Markieren Sie bewusst, wo die Datenlage schwach ist oder Annahmen dominiert haben.
Fehler 6: Dominanz von Einzelinteressen und Gruppendynamiken
Auch wenn die Methode strukturiert wirkt, bleiben Entscheidungen sozial geprägt. Typische Muster:
- Die „lauteste Stimme“ oder ranghöchste Person setzt sich durch (HiPPO-Effekt).
- Der Moderator ist gleichzeitig interessierter Stakeholder.
- Abweichende Meinungen werden nicht ernsthaft diskutiert, um „schnell fertig zu werden“.
- Bewertungen werden im stillen Kämmerlein gemacht und nur noch präsentiert.
Konsequenzen:
- Die Pugh Matrix dient als Feigenblatt für eine politisch bereits getroffene Entscheidung.
- Akzeptanz bei Betroffenen sinkt, spätere Widerstände steigen.
Gegenmaßnahmen:
- Trennen Sie Moderation und inhaltliche Interessenrollen, wo immer möglich.
- Führen Sie zunächst individuelle Bewertungen durch, dann eine gemeinsame Konsolidierung.
- Legen Sie offen, wer welche Bewertung eingebracht hat (transparente Verantwortung).
- Ermutigen Sie explizit zum Hinterfragen von Mehrheitsmeinungen – insbesondere bei kritischen Kriterien.
Fehler 7: Einmalige statt iterative Anwendung der Pugh Matrix
Viele Teams verstehen die Pugh Matrix als einmaligen Workshop: Tabelle ausfüllen, Summe ziehen, Entscheidung treffen, fertig.
In der Praxis ist das Entscheidungsproblem aber oft noch nicht reif für eine endgültige Wahl.
Typische Versäumnisse:
- Zwischenergebnisse werden nicht genutzt, um Alternativen nachzuschärfen oder neue Optionen zu entwickeln.
- Offene Fragen und Wissenslücken führen nicht zu weiterer Analyse, sondern werden übergangen.
- Es gibt keine zweite Bewertungsrunde nach Klärung zentraler Unsicherheiten.
Besserer Ansatz:
- Nutzen Sie die erste Runde als Lernschritt: Welche Kriterien fehlen? Wo ist die Datenbasis zu schwach?
- Ergänzen Sie Alternativen oder verbessern Sie bestehende Optionen gezielt.
- Führen Sie eine zweite, fokussiertere Bewertungsrunde mit geschärften Kriterien und besserer Datengrundlage durch.
- Dokumentieren Sie, welche Anpassungen zwischen den Runden vorgenommen wurden.
Fehler 8: Fehlende Dokumentation von Annahmen und Begründungen
Eine Pugh Matrix ohne Kontext ist im Nachgang oft nicht mehr nachvollziehbar:
- Warum wurde ein Kriterium überhaupt aufgenommen?
- Wieso hat Option A hier ein „+“ und Option B nur ein „0“?
- Auf welcher Annahme oder Datenquelle beruht die Bewertung?
Ohne saubere Dokumentation wirkt die Entscheidung für Dritte willkürlich – gerade bei Audits, Management-Reviews oder späteren Projektphasen.
Empfehlung:
Zu jeder Bewertung sollten mindestens festgehalten werden:
- Kurze Begründung („wegen …“)
- Hinweis auf Datenbasis oder Quelle (z. B. Benchmark, Angebot, interne Messung)
- Kennzeichnung von Annahmen („unter der Annahme, dass …“)
Das kostet im Moment etwas mehr Zeit, spart aber später viele Diskussionen und erleichtert das Lernen für zukünftige Entscheidungen.
Fehler 9: Bewertung ohne ausreichende Datenbasis
Ein typischer praktischer Fehler bei der Pugh Matrix: Mangels Daten wird konsequent „gefühlt“ bewertet.
Beispiele:
- „Ich glaube, Lösung B ist schneller eingeführt“ – ohne belastbare Aufwandsschätzung.
- „Die Benutzerfreundlichkeit von Tool C ist sicher besser“ – ohne Nutzerfeedback oder Tests.
- „Die Betriebskosten von Variante A sind niedriger“ – ohne TCO-Betrachtung.
Natürlich lässt sich nicht jede Bewertung komplett quantifizieren. Aber eine Pugh Matrix, die fast ausschließlich auf Annahmen basiert und diese nicht als solche markiert, erzeugt Scheingenauigkeit.
Bessere Praxis:
- Trennen Sie klar: Was ist datenbasiert, was ist Annahme?
- Führen Sie, wo möglich, kurze Voranalysen durch (Proof of Concept, Teststellungen, Interviews).
- Markieren Sie Kriterien mit hoher Unsicherheit und diskutieren Sie, ob eine Entscheidung trotzdem verantwortbar ist oder ob Sie nacharbeiten müssen.
Fehler 10: Pugh Matrix in ungeeigneten Situationen einsetzen
Nicht jede Entscheidung ist ein Fall für die Pugh Matrix. Typische Fehlanwendungen:
- Hochkomplexe, adaptive Problemlagen mit starker Unsicherheit (z. B. Innovationsstrategien über viele Jahre).
- Entscheidungen, bei denen ein einziges KO-Kriterium alles dominiert (z. B. zwingende regulatorische Vorgaben).
- Situationen, in denen kaum Alternativen existieren (Scheinalternativen, eigentlich nur „make or buy“).
In solchen Fällen kann eine einfache Checkliste, ein Risiko-Assessment oder ein iterativer Experimentansatz geeigneter sein. Die Pugh Matrix entfaltet ihre Stärken vor allem dort, wo:
- mehrere realistische Alternativen vorhanden sind
- unterschiedliche Dimensionen (Nutzen, Aufwand, Risiko etc.) relevant sind
- ein interdisziplinäres Team beteiligt ist
- Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Entscheidung wichtig sind
Wie Sie typische Fehler bei der Pugh Matrix systematisch vermeiden
Um die Pugh Matrix wirksam einzusetzen, lohnt sich ein klarer Vorgehensrahmen. Eine einfache Checkliste:
- Problem und Ziel schärfen
- Entscheidungsfrage formulieren
- Scope und Rahmenbedingungen definieren
- Erfolgskriterien für die Entscheidung klären
- Stakeholder einbinden
- Relevante Rollen identifizieren (Fachbereich, IT, Betrieb, Compliance, Nutzervertreter, Management)
- Erwartungen und Perspektiven zu Kriterien und Alternativen einsammeln
- Kriterien sauber definieren
- Kriterien breit sammeln, dann konsolidieren
- Jedes Kriterium kurz beschreiben
- Überlappungen entfernen
- Gewichtungen transparent festlegen
- Gemeinsame Diskussion zu Wichtigkeit der Kriterien
- Gewichtung dokumentieren und ggf. mit Management abstimmen
- Skala und Bewertungsvorgehen abstimmen
- Skalentyp wählen (z. B. –2 bis +2, oder + / 0 / –)
- Bedeutung der Skalenwerte definieren
- Beispielbewertungen gemeinsam durchspielen
- Datenbasis sichern
- Vorab klären, welche Informationen für welche Kriterien benötigt werden
- Wo nötig, kleine Analysen, Angebote, Tests oder Interviews vor der Bewertung durchführen
- Bewertung moderieren
- Moderation von Stake-Interessen trennen
- Erst individuelle, dann gemeinsame Bewertung
- Abweichungen aktiv adressieren
- Ergebnisse reflektieren – nicht nur addieren
- Muster und Ausreißer diskutieren
- Unsicherheiten und Annahmen hervorheben
- Sensitivität prüfen (Was ändert sich bei leicht veränderten Gewichtungen?)
- Dokumentation sicherstellen
- Kriterien, Gewichtungen, Skalen, Bewertungen, Begründungen und Datenquellen festhalten
- Versionierung nutzen (erste/zweite Bewertungsrunde)
Praxisbeispiel: Pugh Matrix in einem IT-Auswahlprojekt
Ein Projektteam in einem mittelständischen Unternehmen muss ein neues Projektmanagement-Tool auswählen. Zur Auswahl stehen vier Lösungen, plus das bestehende System als Baseline.
Wie die typischen Fehler aussehen könnten
- Fehler bei Kriterien: Die Kriterienliste stammt fast ausschließlich aus der IT (Sicherheit, Integrationsfähigkeit, Betrieb) – der Fachbereich ergänzt nur „Benutzerfreundlichkeit“. Themen wie Change-Aufwand, Schulungsbedarf, Reporting-Fähigkeiten und Lizenzmodell fehlen.
- Fehler bei Gewichtung: Es wird nicht gewichtet – alle Kriterien zählen gleich.
- Fehler bei Datenbasis: Niemand hat die Tools wirklich getestet, Bewertungen erfolgen nach Produktdemos und Herstellerbroschüren.
- Fehler bei Gruppendynamik: Der IT-Leiter hat bereits eine Präferenz und argumentiert stark in Richtung einer bestimmten Lösung; kritische Stimmen verstummen.
- Fehler bei Interpretation: Die Variante mit den meisten Pluspunkten wird als „objektiv beste“ deklariert, obwohl sie in „Einführungsaufwand“ und „Akzeptanz im Fachbereich“ klar schwächer abschneidet.
Das Ergebnis: Das Tool wird eingeführt, stößt auf breite Ablehnung in den Teams, Adoption bleibt hinter den Erwartungen zurück – und das Projekt zieht sich in die Länge.
Wie eine bessere Anwendung aussehen kann
Das gleiche Projekt geht strukturiert vor:
- Problemdefinition
- Klare Zielsetzung: „Wir wählen ein Tool, das die Transparenz und Steuerungsfähigkeit im Projektportfolio erhöht und von den Teams aktiv genutzt wird.“
- Stakeholder
- Vertreter aus drei Fachbereichen, IT, PMO und ein Nutzervertreter sind beteiligt.
- Kriterien
- Funktionale Abdeckung (Planung, Reporting, Ressourcen)
- Benutzerfreundlichkeit für Projektleiter und Teams
- Integrationsfähigkeit in bestehende Systemlandschaft
- Einführungsaufwand und Schulungsbedarf
- Laufende Kosten (Lizenzen, Betrieb)
- Governance- und Rechtekonzept
- Skalierbarkeit und Zukunftssicherheit
- Gewichtung
- Funktionale Abdeckung und Benutzerfreundlichkeit werden als „hoch kritisch“ gewertet, Integrationsfähigkeit und Governance ebenfalls hoch, Kosten und Einführungsaufwand als „mittel“.
- Datenbasis
- Alle Tools werden in einem vorher definierten Szenario 1–2 Wochen praktisch getestet.
- Nutzerfeedback wird strukturiert erhoben.
- Bewertung
- Zunächst bewertet jede Rolle individuell, danach werden Bewertungsunterschiede diskutiert.
- Skala und Begriffe sind vorher geklärt.
- Ergebnisinterpretation
- Eine Lösung hat zwar etwas höhere Kosten, schneidet aber bei Akzeptanz und Benutzerfreundlichkeit klar besser ab.
- Das Team entscheidet sich bewusst für diese Lösung – und dokumentiert diese Entscheidung mit Begründung.
Hier wird deutlich: Die Pugh Matrix ist nicht nur eine Tabelle, sondern ein strukturierter Entscheidungsprozess. Der Unterschied liegt im Umgang mit Kriterien, Daten, Gewichtungen und Teamdynamik.
Fazit Typische Fehler bei der Pugh Matrix: Pugh Matrix als professionelles Entscheider-Werkzeug nutzen
Typische Fehler bei der Pugh Matrix entstehen selten durch die Methode selbst, sondern fast immer durch Abkürzungen im Prozess:
- Problem und Zielbild nicht sauber geklärt
- Kriterien und Gewichtungen nicht gemeinsam erarbeitet
- Bewertungen ohne ausreichende Datenbasis
- Summen überbewertet, Unsicherheiten ignoriert
Wer diese Fallstricke kennt und bewusst adressiert, kann die Pugh Matrix als wirkungsvolles Instrument im Portfolio-, Projekt- und Linienmanagement nutzen. Der Mehrwert liegt in der strukturierten, transparenten und begründbaren Entscheidungsfindung – gerade in Umfeldern mit vielen Stakeholdern, politischen Interessen und begrenzten Ressourcen.
Wenn Sie die Pugh Matrix oder andere Entscheidungsverfahren in Ihrer Organisation systematisch verankern möchten – etwa in Projektportfolioprozessen, IT-Auswahlprojekten oder Governance-Strukturen –, lohnt sich ein externer Blick von erfahrenen Praktikern. Die Berater von PURE Consultant unterstützen Unternehmen genau dabei: Entscheidungsprozesse so zu gestalten, dass Methoden wie die Pugh Matrix nicht nur „ausgefüllt“, sondern wirklich gelebt und akzeptiert werden.