Typische Fehler bei der Pugh Matrix

Typische Fehler bei der Pugh Matrix – Die Pugh Matrix gilt als einfaches, robustes Werkzeug für strukturierte Entscheidungen. In der Praxis führt sie aber erstaunlich oft zu falschen Schlussfolgerungen, politischen Diskussionen und schlecht belegten Entscheidungen – gerade in Projekten mit vielen Stakeholdern. Typische Fehler bei der Pugh Matrix entstehen meist nicht durch die Methode selbst, sondern durch unklare Ziele, falsche Kriterien oder eine oberflächliche Durchführung. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Fallstricke es gibt, wie Sie sie in Projekten und im Linienalltag vermeiden und wie Sie die Pugh Matrix so nutzen, dass Ihre Entscheidungen nachvollziehbar, belastbar und akzeptiert sind.

Typische Fehler bei der Pugh Matrix
Typische Fehler bei der Pugh Matrix

Was ist die Pugh Matrix – kurz erklärt

Die Pugh Matrix ist ein strukturiertes Bewertungsverfahren, um mehrere Lösungsoptionen anhand definierter Kriterien mit einer Referenzlösung zu vergleichen.
Statt direkt „die beste Lösung“ zu wählen, bewertet ein Team jede Alternative relativ zu einer Baseline (besser / gleich / schlechter) und leitet daraus eine fundierte Empfehlung ab.

Typische Einsatzszenarien:

Vereinfacht läuft die Pugh Matrix so ab:

  1. Problem und Zielbild definieren
  2. Referenzlösung (Baseline) festlegen
  3. Bewertungskriterien definieren
  4. Alternativen erfassen
  5. Pro Kriterium jede Alternative relativ zur Baseline bewerten
  6. Ergebnisse interpretieren und Entscheidung ableiten
  7. Annahmen, Begründungen und offene Punkte dokumentieren

Genau an diesen Schritten passieren in der Realität die meisten Fehler.


Warum passieren so viele Fehler bei der Pugh Matrix?

Die Pugh Matrix wirkt harmlos: Eine einfache Tabelle, Plus/Minus-Symbole, ein paar Summen – fertig.
Gerade diese scheinbare Einfachheit verleitet aber dazu, wichtige Vorarbeiten zu überspringen:

Wer die Methode als reines Excel-Template versteht, bekommt am Ende nur eine pseudo-objektive Rechtfertigung für längst getroffene Bauchentscheidungen. Um das zu vermeiden, lohnt sich ein genauer Blick auf typische Fehler bei der Pugh Matrix.


Typische Fehler bei der Pugh Matrix auf einen Blick

Häufige Fehler sind unter anderem:

Im Folgenden gehen wir diese Punkte Schritt für Schritt durch – mit Fokus darauf, wie Sie diese Fehler vermeiden.


Fehler 1: Unklare Problemdefinition und falsche Referenzlösung

Die Pugh Matrix lebt von einem klar umrissenen Entscheidungsproblem und einer sinnvollen Baseline. Typische Schwachstellen:

Konsequenz: Die Bewertungen beziehen sich auf unterschiedliche mentale Modelle. Das Team vergleicht nicht dieselben Dinge, obwohl alle dieselbe Tabelle sehen.

So vermeiden Sie den Fehler:


Fehler 2: Falsche oder unvollständige Bewertungskriterien

Ein verbreiteter Fehler bei der Anwendung der Pugh Matrix: Die Kriterien kommen aus der Perspektive einer kleinen Gruppe – häufig IT, Fachbereich oder Management – und blenden andere Sichtweisen aus.

Typische Symptome:

Fragen, die Sie klären sollten:

Praktischer Tipp:


Fehler 3: Keine oder inkonsistente Gewichtung der Kriterien

„Alle Kriterien sind wichtig.“ – dieser Satz ist ein Warnsignal.
In der Realität sind Kriterien selten gleich wichtig: Ein kritisches Compliance-Kriterium ist oft entscheidender als eine kleinere Komfortfunktion.

Typische Fehler:

Auswirkungen:

Bessere Vorgehensweise:


Fehler 4: Unsaubere Skalen und Symbole

Die klassische Pugh Matrix arbeitet oft mit Symbolen wie „+“, „0“ und „–“ im Vergleich zur Baseline. Typische Fehler bei der Pugh Matrix entstehen durch unscharfe Definitionen:

Das kann dazu führen, dass die vermeintliche Objektivität nur eine Illusion ist.

So schaffen Sie Klarheit:


Fehler 5: Summen als absolute Wahrheit interpretieren

Ein häufiger methodischer Fehler: Die Summen der Plus- und Minuspunkte werden wie ein objektives Ranking gelesen:

Dabei sind die Summen nur ein Hinweis, nicht das Urteil selbst.

Besser:


Fehler 6: Dominanz von Einzelinteressen und Gruppendynamiken

Auch wenn die Methode strukturiert wirkt, bleiben Entscheidungen sozial geprägt. Typische Muster:

Konsequenzen:

Gegenmaßnahmen:


Fehler 7: Einmalige statt iterative Anwendung der Pugh Matrix

Viele Teams verstehen die Pugh Matrix als einmaligen Workshop: Tabelle ausfüllen, Summe ziehen, Entscheidung treffen, fertig.
In der Praxis ist das Entscheidungsproblem aber oft noch nicht reif für eine endgültige Wahl.

Typische Versäumnisse:

Besserer Ansatz:


Fehler 8: Fehlende Dokumentation von Annahmen und Begründungen

Eine Pugh Matrix ohne Kontext ist im Nachgang oft nicht mehr nachvollziehbar:

Ohne saubere Dokumentation wirkt die Entscheidung für Dritte willkürlich – gerade bei Audits, Management-Reviews oder späteren Projektphasen.

Empfehlung:

Zu jeder Bewertung sollten mindestens festgehalten werden:

Das kostet im Moment etwas mehr Zeit, spart aber später viele Diskussionen und erleichtert das Lernen für zukünftige Entscheidungen.


Fehler 9: Bewertung ohne ausreichende Datenbasis

Ein typischer praktischer Fehler bei der Pugh Matrix: Mangels Daten wird konsequent „gefühlt“ bewertet.

Beispiele:

Natürlich lässt sich nicht jede Bewertung komplett quantifizieren. Aber eine Pugh Matrix, die fast ausschließlich auf Annahmen basiert und diese nicht als solche markiert, erzeugt Scheingenauigkeit.

Bessere Praxis:


Fehler 10: Pugh Matrix in ungeeigneten Situationen einsetzen

Nicht jede Entscheidung ist ein Fall für die Pugh Matrix. Typische Fehlanwendungen:

In solchen Fällen kann eine einfache Checkliste, ein Risiko-Assessment oder ein iterativer Experimentansatz geeigneter sein. Die Pugh Matrix entfaltet ihre Stärken vor allem dort, wo:


Wie Sie typische Fehler bei der Pugh Matrix systematisch vermeiden

Um die Pugh Matrix wirksam einzusetzen, lohnt sich ein klarer Vorgehensrahmen. Eine einfache Checkliste:

  1. Problem und Ziel schärfen
    • Entscheidungsfrage formulieren
    • Scope und Rahmenbedingungen definieren
    • Erfolgskriterien für die Entscheidung klären
  2. Stakeholder einbinden
    • Relevante Rollen identifizieren (Fachbereich, IT, Betrieb, Compliance, Nutzervertreter, Management)
    • Erwartungen und Perspektiven zu Kriterien und Alternativen einsammeln
  3. Kriterien sauber definieren
    • Kriterien breit sammeln, dann konsolidieren
    • Jedes Kriterium kurz beschreiben
    • Überlappungen entfernen
  4. Gewichtungen transparent festlegen
    • Gemeinsame Diskussion zu Wichtigkeit der Kriterien
    • Gewichtung dokumentieren und ggf. mit Management abstimmen
  5. Skala und Bewertungsvorgehen abstimmen
    • Skalentyp wählen (z. B. –2 bis +2, oder + / 0 / –)
    • Bedeutung der Skalenwerte definieren
    • Beispielbewertungen gemeinsam durchspielen
  6. Datenbasis sichern
    • Vorab klären, welche Informationen für welche Kriterien benötigt werden
    • Wo nötig, kleine Analysen, Angebote, Tests oder Interviews vor der Bewertung durchführen
  7. Bewertung moderieren
    • Moderation von Stake-Interessen trennen
    • Erst individuelle, dann gemeinsame Bewertung
    • Abweichungen aktiv adressieren
  8. Ergebnisse reflektieren – nicht nur addieren
    • Muster und Ausreißer diskutieren
    • Unsicherheiten und Annahmen hervorheben
    • Sensitivität prüfen (Was ändert sich bei leicht veränderten Gewichtungen?)
  9. Dokumentation sicherstellen
    • Kriterien, Gewichtungen, Skalen, Bewertungen, Begründungen und Datenquellen festhalten
    • Versionierung nutzen (erste/zweite Bewertungsrunde)

Praxisbeispiel: Pugh Matrix in einem IT-Auswahlprojekt

Ein Projektteam in einem mittelständischen Unternehmen muss ein neues Projektmanagement-Tool auswählen. Zur Auswahl stehen vier Lösungen, plus das bestehende System als Baseline.

Wie die typischen Fehler aussehen könnten

Das Ergebnis: Das Tool wird eingeführt, stößt auf breite Ablehnung in den Teams, Adoption bleibt hinter den Erwartungen zurück – und das Projekt zieht sich in die Länge.

Wie eine bessere Anwendung aussehen kann

Das gleiche Projekt geht strukturiert vor:

  1. Problemdefinition
    • Klare Zielsetzung: „Wir wählen ein Tool, das die Transparenz und Steuerungsfähigkeit im Projektportfolio erhöht und von den Teams aktiv genutzt wird.“
  2. Stakeholder
    • Vertreter aus drei Fachbereichen, IT, PMO und ein Nutzervertreter sind beteiligt.
  3. Kriterien
    • Funktionale Abdeckung (Planung, Reporting, Ressourcen)
    • Benutzerfreundlichkeit für Projektleiter und Teams
    • Integrationsfähigkeit in bestehende Systemlandschaft
    • Einführungsaufwand und Schulungsbedarf
    • Laufende Kosten (Lizenzen, Betrieb)
    • Governance- und Rechtekonzept
    • Skalierbarkeit und Zukunftssicherheit
  4. Gewichtung
    • Funktionale Abdeckung und Benutzerfreundlichkeit werden als „hoch kritisch“ gewertet, Integrationsfähigkeit und Governance ebenfalls hoch, Kosten und Einführungsaufwand als „mittel“.
  5. Datenbasis
    • Alle Tools werden in einem vorher definierten Szenario 1–2 Wochen praktisch getestet.
    • Nutzerfeedback wird strukturiert erhoben.
  6. Bewertung
    • Zunächst bewertet jede Rolle individuell, danach werden Bewertungsunterschiede diskutiert.
    • Skala und Begriffe sind vorher geklärt.
  7. Ergebnisinterpretation
    • Eine Lösung hat zwar etwas höhere Kosten, schneidet aber bei Akzeptanz und Benutzerfreundlichkeit klar besser ab.
    • Das Team entscheidet sich bewusst für diese Lösung – und dokumentiert diese Entscheidung mit Begründung.

Hier wird deutlich: Die Pugh Matrix ist nicht nur eine Tabelle, sondern ein strukturierter Entscheidungsprozess. Der Unterschied liegt im Umgang mit Kriterien, Daten, Gewichtungen und Teamdynamik.


Fazit Typische Fehler bei der Pugh Matrix: Pugh Matrix als professionelles Entscheider-Werkzeug nutzen

Typische Fehler bei der Pugh Matrix entstehen selten durch die Methode selbst, sondern fast immer durch Abkürzungen im Prozess:

Wer diese Fallstricke kennt und bewusst adressiert, kann die Pugh Matrix als wirkungsvolles Instrument im Portfolio-, Projekt- und Linienmanagement nutzen. Der Mehrwert liegt in der strukturierten, transparenten und begründbaren Entscheidungsfindung – gerade in Umfeldern mit vielen Stakeholdern, politischen Interessen und begrenzten Ressourcen.

Wenn Sie die Pugh Matrix oder andere Entscheidungsverfahren in Ihrer Organisation systematisch verankern möchten – etwa in Projektportfolioprozessen, IT-Auswahlprojekten oder Governance-Strukturen –, lohnt sich ein externer Blick von erfahrenen Praktikern. Die Berater von PURE Consultant unterstützen Unternehmen genau dabei: Entscheidungsprozesse so zu gestalten, dass Methoden wie die Pugh Matrix nicht nur „ausgefüllt“, sondern wirklich gelebt und akzeptiert werden.

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