ROTI Feedback erklärt – Effektive Meetings und Workshops sind knapp. Gerade Entscheider, Projektleiter und Führungskräfte investieren viel Zeit – oft mit unklarem Ertrag. Hier setzt ROTI Feedback an: eine extrem einfache Methode, um in wenigen Minuten sichtbar zu machen, ob sich die investierte Zeit gelohnt hat.
In diesem Beitrag erfahren Sie, was hinter „Return on Time Invested“ steckt, wie die ROTI-Abfrage funktioniert, welche Skalen sinnvoll sind, welche typischen Fehler passieren – und wie Sie ROTI im Projektalltag nutzen, um Meetings, Trainings und Retrospektiven systematisch besser zu machen.

Was ist ROTI Feedback?
ROTI Feedback steht für „Return on Time Invested“ und beschreibt eine kurze, standardisierte Rückmeldung, wie lohnend ein Meeting, Workshop oder eine Session im Verhältnis zur aufgewendeten Zeit war.
Eine gebräuchliche Kurzdefinition:
ROTI Feedback ist eine schnelle Bewertung von 1 bis 5, wie gut sich die investierte Zeit für die Teilnehmenden gelohnt hat.
Typischer Ablauf:
- Am Ende eines Termins bittet die Moderation um ROTI Feedback.
- Jede Person bewertet für sich: Hat sich die Zeit gelohnt?
- Die Rückmeldungen werden sichtbar gemacht (z. B. Finger, Karten, Online-Umfrage).
- Die Moderation zieht daraus Schlüsse für künftige Termine – und ggf. noch direkt für eine kurze Verbesserung.
ROTI ist damit weniger eine „Gefälligkeitsbewertung“, sondern ein kontinuierliches Steuerungsinstrument für die Qualität von Besprechungen.
Warum ROTI Feedback für Entscheider und Projektleiter relevant ist
Gerade im Projekt- und Managementkontext haben Meetings drei typische Probleme:
- Sie dauern zu lange.
- Die falschen Personen sitzen im Raum.
- Ergebnisse sind unklar oder werden nicht umgesetzt.
ROTI hilft, diese Probleme früh sichtbar zu machen:
- Transparenz: Sie sehen schnell, ob Form und Inhalt des Termins zu den Erwartungen passen.
- Priorisierung: Chronisch schwach bewertete Meeting-Formate sind Kandidaten zum Kürzen oder Abschaffen.
- Lernschleife: Sie erhalten Hinweise, was Teilnehmer konkret brauchen, um mehr Wert aus der Zeit zu ziehen.
- Akzeptanz: Wenn Sie sichtbar auf ROTI reagieren, steigt die Bereitschaft, in Workshops und Meetings zu investieren.
Damit wird ROTI zu einem einfachen Baustein in einem professionellen Meeting- bzw. Projektmanagement-System.
Wie funktioniert ROTI Feedback? (Schritt-für-Schritt-Anleitung)
Eine ROTI-Abfrage lässt sich in fast jedem Format in 2–5 Minuten durchführen. Bewährt hat sich diese Vorgehensweise:
1. Zeitpunkt wählen
- Am Ende des Meetings, bevor alle auseinandergehen
- Optional: Kurz vor einer längeren Pause (z. B. in mehrtägigen Workshops), um noch direkt Anpassungen vorzunehmen
2. Skala festlegen und kurz erklären
Klassisch wird eine 5er-Skala verwendet, zum Beispiel:
- 1 – reine Zeitverschwendung
- 2 – kaum Nutzen
- 3 – teils sinnvoll, teils überflüssig
- 4 – gut investierte Zeit
- 5 – exzellent investierte Zeit
Wichtig: Die Teilnehmenden müssen wissen, was sie genau bewerten sollen (z. B. „Diese 90 Minuten Status-Meeting“ oder „den heutigen Workshop-Tag“).
3. Abfrage durchführen
Mögliche Formate:
- Fingerabfrage: Auf Kommando zeigen alle 1–5 Finger in die Luft.
- Karten oder Post-its: Teilnehmende schreiben ihre Zahl anonym auf.
- Online-Tool: Skala in einem Abstimmungstool (z. B. 1–5 in einem Voting).
Gerade in Hierarchie-sensiblen Kontexten oder bei Führungskräften ist eine anonyme Abgabe oft ehrlicher.
4. Ergebnisse sichtbar machen
Je nach Format:
- Fingerabfrage: Moderation überfliegt das „Stimmungsbild“ und schätzt Durchschnitt und Streuung.
- Karten/Post-its: Zahlen an einer Skala-Wand clustern.
- Online: Durchschnittswerte und Verteilung anzeigen lassen.
5. Kurz auswerten und Konsequenzen ziehen
Fragen Sie gezielt nach:
- „Was hat zu einer 4 oder 5 geführt – was war für Sie konkret wertvoll?“
- „Was hätte gefehlt, damit aus einer 2 oder 3 eine 4 geworden wäre?“
- „Was ändern wir konkret beim nächsten Mal?“
Wichtig: Keine Rechtfertigungsdiskussion, sondern fokussierte Lernschleife. Halten Sie (ggf. stichwortartig) fest, welche Anpassungen Sie für die nächsten Termine vornehmen.
Welche ROTI-Skalen sind in der Praxis sinnvoll?
Es gibt mehrere Varianten der ROTI Skala. Wichtig ist, dass sie einfach, konsistent und gut erklärt sind.
Klassische 5er-Skala (empfohlen für die meisten Fälle)
- 1 – Zeitverschwendung
- 2 – kaum Nutzen
- 3 – gemischtes Bild
- 4 – lohnend
- 5 – sehr lohnend / exzellent
Vorteile:
- Feinere Abstufung
- In vielen Organisationen etabliert
- Gut kombinierbar mit anderen 5er-Skalen (z. B. Zufriedenheit)
4er-Skala (ohne „komfortable Mitte“)
- 1 – hat sich nicht gelohnt
- 2 – eher nicht gelohnt
- 3 – eher gelohnt
- 4 – klar gelohnt
Vorteil: Teilnehmende müssen sich entscheiden; es gibt keinen neutralen Komfortbereich.
Ergänzende verbale Skalen
Manche Teams ergänzen die Zahlen um kurze Label, z. B.:
- 1 – hätte ich mir sparen können
- 3 – ok, aber mit Luft nach oben
- 5 – jederzeit wieder so
Die Kombination aus Zahl und prägnanter Formulierung macht die Skala greifbarer und reduziert Missverständnisse.
Wann sollte man ROTI Feedback einsetzen – und wann nicht?
Sinnvolle Einsatzfelder
- Regelmeetings (Jour fixe, Status-Meetings, Lenkungsausschuss), z. B. einmal im Monat
- Workshops und Trainings, vor allem bei neuen Formaten
- Retrospektiven und Review-Meetings in agilen Projekten
- Management-Präsentationen, um zu prüfen, ob Inhalt und Tiefe passen
- Konferenzen & interne Events, z. B. zur Bewertung einzelner Sessions
ROTI eignet sich besonders, wenn:
- Sie viele ähnliche Formate haben (z. B. wöchentliche Projektmeetings)
- Sie neue Formate testen
- Sie mit knapper Zeit und vielen Stakeholdern arbeiten
Weniger geeignet ist ROTI, wenn…
- es um sehr sensible Themen geht (z. B. Konfliktklärung, heikle Personalthemen)
- Feedback mit Einzelfallbezug wichtig ist (z. B. persönliche Performance-Gespräche)
- Entscheidungen stark politisch aufgeladen sind und ehrliche Rückmeldungen unwahrscheinlich sind
Hier sind andere Feedback-Methoden (z. B. Einzelinterviews, ausführliche Evaluationen) oft passender.
Vorteile von ROTI Feedback gegenüber klassischen Evaluationsbögen
Viele Organisationen kennen umfangreiche Evaluationsbögen, die hinterher kaum jemand liest. ROTI verfolgt ein anderes Prinzip:
1. Extrem niedrige Einstiegshürde
- Eine Zahl vergeben dauert Sekunden.
- Geringer Verwaltungsaufwand, keine langen Fragebögen.
2. Fokus auf „Zeit lohnt sich / lohnt sich nicht“
- Direkter Bezug zu einem der knappsten Ressourcen im Management: Zeit.
- Signalisiert Wertschätzung für die Kalender der Teilnehmenden.
3. Schnelle Lernschleifen
- Häufige, kleine Anpassungen statt seltener, großer Reorganisationen.
- Sie können Format, Dauer oder Vorbereitung schrittweise optimieren.
4. Stärkerer Dialog
- ROTI lädt zu einem kurzen Austausch ein: „Was hätte gefehlt, damit es eine 4 wird?“
- Dadurch entsteht ein konstruktiver Verbesserungsdialog, statt anonymen Meckerns in Bögen.
Typische Fehler bei der Nutzung von ROTI Feedback
Damit ROTI sein Potenzial entfaltet, sollten einige Fallstricke bewusst vermieden werden.
1. Keine Klarheit, was bewertet wird
Unklar: „Gebt bitte ROTI Feedback.“ – Wozu genau?
Besser:
- „Bitte bewerten Sie die letzten 60 Minuten Status-Meeting.“
- „Bitte bewerten Sie den heutigen Workshop-Tag – nicht das Gesamtprojekt.“
2. Nur die Zahl abfragen, aber nicht nachfragen
Wer nur Zahlen einsammelt, verzichtet auf die wertvolle Information warum die Bewertung so ausfällt.
Fragen Sie kurz nach, z. B.:
- „Was war für Sie der wichtigste Mehrwert heute?“
- „Was hätten Sie gebraucht, um eine höhere Bewertung geben zu können?“
3. Verteidigungshaltung der Moderation
Wenn die Moderation niedrige Werte „rechtfertigt“ („Ja, aber…“) oder Teilnehmende indirekt kritisiert, versiegt ehrliches Feedback.
Besser: Dank für die Offenheit, kurze Nachfrage, konkrete Änderung benennen.
4. Keine Konsequenzen
Wenn trotz wiederholter schlechter ROTI-Werte nichts passiert, verliert die Methode schnell Glaubwürdigkeit.
Mindestens eine kleine, sichtbare Anpassung sollte folgen (Dauer kürzen, Agenda schärfen, andere Teilnehmerkreise).
ROTI Feedback in Projekten und agilen Umfeldern
In Projekten – klassisch wie agil – ist ROTI eine pragmatische Ergänzung zu bestehenden Formaten.
Beispiele aus der Praxis
- Sprint Reviews: Am Ende jedes Reviews kurzes ROTI zur Frage: „Wie lohnend war dieses Review für Sie persönlich?“
- Projekt-Lenkungsausschuss: Einmal im Quartal ROTI zur Sitzung – sind Informationen relevant, Unterlagen passend aufbereitet?
- Kick-off-Meetings: ROTI am Ende hilft, Kick-off-Struktur für weitere Projekte zu optimieren.
Verknüpfung mit kontinuierlicher Verbesserung
ROTI lässt sich gut mit Retrospektiven und Lessons-Learned-Formaten koppeln:
- ROTI abfragen
- Niedrige oder stark streuende Bewertungen als Einstieg in eine kurze Reflexion nehmen
- Verbesserungsmaßnahmen ableiten und ins Maßnahmen-Backlog aufnehmen
So wird ROTI nicht zum „Bonus-Gimmick“, sondern Teil eines systematischen Verbesserungsprozesses.
ROTI Feedback in Online-Meetings und Remote-Workshops
Gerade in verteilten Teams ist es schwierig, die Qualität von Online-Formaten einzuschätzen. ROTI bietet hier einen strukturierten Rahmen.
Praktische Durchführung online
- Schnelle Umfrage im Meeting-Tool (1–5)
- Chat-Abfrage („Bitte eine Zahl von 1–5 in den Chat“)
- Anonyme Umfragen mit externen Tools (z. B. bei hierarchie-sensiblen Themen)
Wichtig: Auch online die Skala und die Bewertungsdimension klar benennen („Diese 60 Minuten Jour fixe“).
Besonderheiten im Remote-Kontext
- Kamera-off-Situationen: ROTI im Chat kann ein Indikator sein, ob das Format überhaupt noch trägt.
- Zeitzonen: ROTI kann helfen, ob der angesetzte Zeitpunkt für alle beteiligten Standorte sinnvoll ist.
- Überfrachtete Online-Workshops: Niedrige ROTI-Werte sind oft ein Signal, Agenda und Interaktion zu überarbeiten.
Wie interpretiert man ROTI Feedback richtig?
ROTI liefert keine wissenschaftlich exakte Analyse, sondern ein Stimmungsbild. Entscheidend ist die Kombination aus Durchschnitt, Streuung und Kommentar.
Hilfreiche Orientierungsgrößen
- Durchschnitt ≥ 4,0
– Format funktioniert grundsätzlich gut. Einzelne Optimierungen möglich. - Durchschnitt 3,0–3,9
– Akzeptabel, aber mit erkennbarer Verbesserungschance. Agenda, Dauer, Teilnehmende prüfen. - Durchschnitt < 3,0
– Klarer Handlungsbedarf. Hinterfragen, ob das Format so weitergeführt werden soll.
Zusätzlich wichtig:
- Stark unterschiedliche Bewertungen (einige 1–2, andere 4–5)
→ Hinweise darauf, dass die Gruppe heterogen ist oder Erwartungen sehr unterschiedlich sind. - Viele „3er“
→ Format läuft „so lala“ – lohnt sich oft, gezielt nach Hebeln für mehr Relevanz zu suchen.
Konkrete Formulierungen, um ROTI Feedback anzuleiten
Gerade Führungskräfte und Projektleiter profitieren von klaren Sätzen, die sich in den eigenen Alltag übernehmen lassen.
Beispiele für den Einstieg
- „Bevor wir auseinandergehen, würde ich gerne kurz von Ihnen wissen, wie gut sich diese Stunde für Sie gelohnt hat.“
- „Ich möchte unsere Meetings systematisch verbessern. Bitte geben Sie mir dazu eine kurze ROTI-Rückmeldung.“
Erklärung der Skala
- „1 bedeutet: Diese Zeit hätte ich mir sparen können. 5 bedeutet: Die Zeit war sehr gut investiert. 3 ist in der Mitte – teils lohnend, teils nicht.“
- „Bewerten Sie bitte nur dieses Meeting – nicht das gesamte Projekt.“
Nachfragen zur Vertiefung
- „Wer mag kurz sagen, warum er eine 4 oder 5 gegeben hat – was war besonders wertvoll?“
- „Was hätte gefehlt, damit Ihre 2 oder 3 zu einer 4 wird?“
Diese Fragen halten die Diskussion konstruktiv und lösungsorientiert.
ROTI Feedback mit anderen Methoden kombinieren
ROTI ersetzt keine umfassende Evaluation, kann diese aber sinnvoll ergänzen.
Mögliche Kombinationen:
- ROTI + Plus/Delta:
ROTI für die schnelle Gesamtbewertung, zusätzlich je ein Plus (was war gut?) und ein Delta (was verbessern?). - ROTI + Stimmungsabfrage:
Neben ROTI eine Skala zur Stimmung (z. B. 1–5: Frustration bis Motivation), um Korrelationen zu erkennen. - ROTI + NPS-ähnliche Frage:
„Wie wahrscheinlich würden Sie dieses Format einem Kollegen empfehlen? (0–10)“
So erhalten Sie sowohl eine Zeit-Nutzen-Perspektive als auch weitere qualitative Signale.
Checkliste: ROTI Feedback professionell einsetzen
Kurze Übersicht für die praktische Umsetzung:
- Zweck klären
- Wozu nutzen Sie ROTI? (Qualität von Meetings/Workshops verbessern)
- Einheitliche Skala definieren
- z. B. 1–5 mit klaren Bedeutungen
- Transparenz schaffen
- Vorab erklären, dass Rückmeldungen ernst genommen und genutzt werden
- Format der Abfrage wählen
- Offen vs. anonym, Präsenz vs. Online
- Regelmäßigkeit festlegen
- z. B. einmal im Monat in Regelmeetings, immer am Ende von Workshops
- Konsequenzen sichtbar machen
- Ergebnisse kurz spiegeln, konkrete Anpassungen benennen
- Langfristig beobachten
- ROTI-Werte dokumentieren und Trends erkennen
Häufige Fragen zu ROTI Feedback
Ist ROTI nicht „zu simpel“ für komplexe Management-Themen?
ROTI ist bewusst einfach gehalten, um Hürden zu senken. Für tiefere Analysen können Sie ergänzende Methoden einsetzen. ROTI liefert ein schnelles Frühwarnsystem.
Wie gehe ich mit Ausreißern um (eine 1, viele 4–5)?
Fragen Sie nach, ohne die Person bloßzustellen. Oft steckt ein berechtigter, wertvoller Hinweis in Ausreißern.
Was, wenn niemand ehrlich bewertet – z. B. aus Respekt vor Hierarchien?
Setzen Sie auf anonyme Abgaben, betonen Sie die Bedeutung offener Rückmeldungen und zeigen Sie, dass Kritik zu Verbesserungen führt – nicht zu Sanktionen.
Muss ich ROTI in jedem Meeting machen?
Nein. Sinnvoll ist ROTI vor allem bei wiederkehrenden oder besonders wichtigen Formaten. Übermäßige Nutzung stumpft ab.
Fazit ROTI Feedback erklärt: ROTI Feedback als kleiner Hebel mit großer Wirkung
ROTI Feedback ist eine einfache, aber wirkungsvolle Methode, um die Qualität von Meetings, Workshops und Projektformaten systematisch zu steigern. Gerade für Entscheider, Projektmanager und Führungskräfte bietet der Fokus auf „Return on Time Invested“ eine klare Perspektive:
Lohnt sich die investierte Zeit für die Beteiligten – ja oder nein?
Wer ROTI konsequent nutzt, lernt schnell, welche Formate Mehrwert schaffen, welche überarbeitet werden sollten und wo Zeit eingespart werden kann. Entscheidend ist, die Rückmeldungen ernst zu nehmen, nach den Ursachen zu fragen und sichtbare Konsequenzen zu ziehen.
Wenn Sie ROTI Feedback sowie weitere schlanke Feedback- und Retrospektivformate in Ihren Projekten oder im Unternehmen etablieren möchten, kann eine externe Perspektive hilfreich sein. Die Berater von PURE Consultant unterstützen dabei, passende Formate zu entwickeln, in bestehende Strukturen zu integrieren und Führungskräfte wie Teams praxisnah zu befähigen.