Pugh Matrix vs. Nutzwertanalyse

Pugh Matrix vs. Nutzwertanalyse – Komplexe Entscheidungen mit mehreren Kriterien gehören zum Alltag von Projektleitern, Führungskräften und Fachexperten. Ob es um die Auswahl einer Software, die Priorisierung von Projekten oder den Vergleich von Lieferanten geht: Bauchgefühl reicht nicht, Excel-Listen geraten schnell an ihre Grenzen.
Zwei der bekanntesten Verfahren sind die Pugh Matrix und die Nutzwertanalyse. Beide helfen, Alternativen strukturiert zu bewerten – funktionieren aber unterschiedlich und eignen sich für verschiedene Situationen.
Dieser Beitrag zeigt präzise, worin sich Pugh Matrix vs. Nutzwertanalyse unterscheiden, wie Sie beide Methoden sicher anwenden und welche Vorgehensweise für Ihre Entscheidung die bessere Wahl ist.

Pugh Matrix vs. Nutzwertanalyse
Pugh Matrix vs. Nutzwertanalyse

Kurzer Überblick: Zwei Verfahren für mehr Klarheit im Entscheidungsprozess

Wenn Sie mehrere Handlungsoptionen mit verschiedenen Kriterien vergleichen müssen, brauchen Sie ein nachvollziehbares Vorgehen. Typische Fragestellungen sind zum Beispiel:

Pugh Matrix und Nutzwertanalyse gehören zur Familie der Mehrkriterien-Entscheidungsverfahren. Beide:

Der wesentliche Unterschied:
Die Pugh Matrix vergleicht Varianten relativ zu einer Referenzlösung, meist eher qualitativ.
Die Nutzwertanalyse übersetzt Kriterien und Gewichtungen in Zahlen und berechnet einen Gesamtnutzen je Alternative.


Was ist die Pugh Matrix?

Kurzdefinition:
Die Pugh Matrix ist ein strukturiertes Vergleichsverfahren, bei dem mehrere Alternativen anhand definierter Kriterien relativ zu einer Referenzlösung (Baseline) mit „besser“, „schlechter“ oder „gleich“ bewertet werden.

Ursprünglich aus der Produktentwicklung nach Stuart Pugh stammend, wird die Methode heute breit eingesetzt:

Kernidee: Statt direkt in Zahlen zu denken, bewertet ein interdisziplinäres Team jede Alternative im Vergleich zu einer bekannten Lösung. So werden Diskussionen pragmatisch geführt, ohne den Anspruch einer mathematisch exakten Entscheidung zu erwecken.

Typische Einsatzszenarien:


Pugh Matrix Schritt für Schritt anwenden

So führen Sie eine Pugh Matrix in der Praxis durch:

  1. Problem und Ziel klar beschreiben
    • Was soll entschieden werden? (z. B. „Auswahl eines Projektmanagement-Tools“)
    • Welche Zielsetzung steht dahinter? (z. B. höhere Transparenz, bessere Kollaboration)
  2. Alternativen definieren
    • Liste der in Frage kommenden Optionen (z. B. Tool A, Tool B, Tool C)
    • Optional: Möglichkeit „Status quo beibehalten“ mit aufnehmen
  3. Referenzlösung (Baseline) festlegen
    • Oft der Status quo oder eine etablierte Standardlösung
    • Dient als Vergleichsmaßstab („0“ bzw. „gleich gut“)
  4. Bewertungskriterien auswählen
    Häufige Kriterien im Projekt- und IT-Kontext:
    • Funktionsumfang
    • Usability / Akzeptanz im Team
    • Integrationsfähigkeit
    • Implementierungsaufwand
    • laufende Kosten
    • Sicherheit / Compliance
  5. Bewertungsskala definieren
    Klassisch wird mit drei Zuständen gearbeitet:
    • „+“ = besser als Referenzlösung
    • „0“ = gleich gut wie Referenzlösung
    • „–“ = schlechter als Referenzlösung
    Sie können die Zeichen mit Zahlen hinterlegen, z. B. + = +1, 0 = 0, – = –1.
  6. Bewertung im Team durchführen
    • Pro Kriterium und Alternative wird gemeinsam diskutiert: besser, gleich, schlechter im Vergleich zur Referenz?
    • Moderator sorgt dafür, dass Argumente gehört und dokumentiert werden.
  7. Ergebnisse auswerten
    • Pro Alternative die „+“, „0“, „–“ zählen oder in Zahlen aufsummieren
    • Deutlich wird, welche Variante insgesamt stärker abschneidet und wo Stärken/Schwächen liegen.

Vorteile der Pugh Matrix:

Grenzen der Pugh Matrix:


Was ist eine Nutzwertanalyse?

Kurzdefinition:
Die Nutzwertanalyse ist ein quantitatives Bewertungsverfahren, bei dem Alternativen anhand gewichteter Kriterien mit Punktwerten bewertet werden. Aus den Bewertungen wird ein Gesamtnutzwert je Alternative berechnet.

Sie wird auch bezeichnet als:

Typische Einsatzbereiche:

Kernprinzip:
Jedes Kriterium erhält eine Gewichtung (Bedeutung) und jede Alternative eine Bewertung auf einer Skala (z. B. 1–5 Punkte). Gewicht × Bewertung = Teilnutzen. Summe aller Teilnutzen = Gesamtnutzwert.


Vorgehen in der Nutzwertanalyse – Schritt für Schritt

So setzen Sie eine Nutzwertanalyse in Ihrem Unternehmen auf:

  1. Entscheidungsproblem und Alternativen klären
    • Was soll entschieden werden?
    • Welche konkreten Alternativen stehen zur Auswahl?
  2. Bewertungskriterien definieren
    Kriterien sollten:
    • entscheidungsrelevant,
    • messbar bzw. beurteilbar,
    • voneinander unabhängig sein.
      Beispiele:
    • Investitionshöhe / TCO
    • erwarteter Nutzen / EBIT-Beitrag
    • Risiko (technisch, organisatorisch)
    • Umsetzungsdauer
    • strategische Passung
    • Auswirkungen auf Kunden
  3. Kriterien gewichten
    • Summe der Gewichtungen = 100 % (oder 1,0)
    • Wichtigere Kriterien erhalten höhere Gewichte
    • Gewichtung idealerweise im Management-Team abstimmen, um Konsens zu erzielen.
  4. Bewertungsskala festlegen
    • z. B. 1–5 oder 1–10 Punkte
    • Skala klar beschreiben (z. B. „1 = erfüllt Kriterium kaum, 5 = erfüllt Kriterium sehr gut“)
  5. Alternativen pro Kriterium bewerten
    • Fachlich fundierte Bewertungen, gern gestützt durch Daten, Benchmarks, Erfahrungswerte
    • Dokumentieren Sie Annahmen, damit der Prozess nachvollziehbar bleibt.
  6. Teilnutzen berechnen
    • Formel je Kriterium:
      Teilnutzen = Bewertung × Gewichtung
    • Pro Alternative entstehen so mehrere Teilnutzenwerte.
  7. Gesamtnutzen je Alternative ermitteln
    • Summe aller Teilnutzen = Gesamtnutzwert
    • Rangfolge der Alternativen ergibt sich aus der Höhe des Gesamtnutzens.
  8. Sensitivitätsanalyse durchführen (optional, aber empfehlenswert)
    • Was passiert, wenn Gewichte leicht angepasst werden?
    • Wie robust ist die Rangfolge der Alternativen?

Vorteile der Nutzwertanalyse:

Nachteile / Risiken:


Pugh Matrix vs. Nutzwertanalyse: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Beide Verfahren lösen ein ähnliches Problem, gehen aber unterschiedlich vor. Die wichtigsten Unterschiede im Überblick:

AspektPugh MatrixNutzwertanalyse
GrundprinzipRelativer Vergleich zu ReferenzlösungAbsolute Bewertung mit Punktwerten
Datentypeher qualitativ / ordinalquantitativ / kardinal
Komplexitätniedrig bis mittelmittel bis hoch
typischer Einsatzzeitpunktfrühe Konzeptphase, Variantenvergleichspätere Phase, Investitions- und Portfolioprojekte
Gewichtung der Kriterienoft einfach oder implizitexplizit, meist prozentuale Gewichte
ErgebnisdarstellungPlus-/Minus-Bilanz pro AlternativeGesamtnutzwert und Rangfolge
Workshop-Tauglichkeitsehr hochhoch, aber mit mehr Vorbereitung
Anspruch auf GenauigkeitGrobe Orientierung, qualitative Abwägungquantitativ begründete Priorisierung

In der Praxis ergänzen sich die Verfahren häufig:
Die Pugh Matrix eignet sich, um aus vielen Möglichkeiten in einem frühen Stadium eine engere Auswahl zu treffen. Die Nutzwertanalyse hilft später, aus wenigen verbleibenden Alternativen eine dokumentierte, belastbare Entscheidung abzuleiten.


Wann eignet sich welche Methode?

Wann ist die Pugh Matrix die bessere Wahl?

Setzen Sie auf die Pugh Matrix, wenn:

Typische Beispiele:

Wann passt die Nutzwertanalyse besser?

Die Nutzwertanalyse spielt ihre Stärken aus, wenn:

Typische Beispiele:


Typische Fehler und Fallstricke bei beiden Verfahren

Unabhängig davon, ob Sie Pugh Matrix oder Nutzwertanalyse nutzen, begegnen in der Praxis immer wieder ähnliche Stolpersteine.

1. Unklare oder zu viele Kriterien

2. Voreingenommene Gewichtung

3. Gruppendruck und Dominanz einzelner Personen

4. Scheingenauigkeit

5. Verwechslung von Methode und Entscheidung


Praxisbeispiele: Wie die Methoden im Alltag funktionieren

Beispiel 1: Auswahl eines Projektmanagement-Tools (Pugh Matrix)

Ausgangslage:
Ein Unternehmen nutzt bisher Excel und E-Mail zur Projektsteuerung. Drei SaaS-Tools stehen zur Auswahl, zusätzlich der Status quo als Referenz.

Vorgehen:

Ergebnis:

Das Team identifiziert Tool B als klar stärkere Option und bringt die Entscheidung mit einer kompakten Dokumentation ins Lenkungsgremium ein.

Beispiel 2: Priorisierung von Investitionsprojekten (Nutzwertanalyse)

Ausgangslage:
Das Management muss jährlich mehrere IT- und Digitalisierungsprojekte priorisieren. Budget ist begrenzt, die Liste der Vorschläge lang.

Vorgehen:

Ergebnis:


Best Practices: Pugh Matrix und Nutzwertanalyse sinnvoll kombinieren

Sie müssen sich in vielen Fällen nicht für Pugh Matrix oder Nutzwertanalyse entscheiden. In anspruchsvollen Entscheidungsprozessen kann ein zweistufiges Vorgehen sehr effektiv sein:

  1. Vorauswahl mit der Pugh Matrix
    • Ziel: von vielen Optionen auf eine Shortlist kommen
    • Fokus: grobe Einordnung, qualitative Stärken und Schwächen
    • Ergebnis: 2–3 Favoriten, die vertieft betrachtet werden
  2. Feinbewertung mit der Nutzwertanalyse
    • Ziel: belastbare, dokumentierte Entscheidung zwischen wenigen Alternativen
    • Fokus: differenzierte Kriterien, explizite Gewichtung, Sensitivitätsbetrachtung
    • Ergebnis: klare Empfehlung und Rangfolge

Weitere Empfehlungen aus der Praxis:


Fazit Pugh Matrix vs. Nutzwertanalyse: Welche Methode sollten Sie wählen?

Die Frage „Pugh Matrix vs. Nutzwertanalyse – was ist besser?“ lässt sich nicht pauschal beantworten. Es hängt von Ihrer Situation ab:

In vielen Organisationen bewährt sich eine Kombination aus beiden Ansätzen: erst strukturierte Vorauswahl mit der Pugh Matrix, dann vertiefte Bewertung der Favoriten mit einer Nutzwertanalyse.

Wenn Sie vor einer wichtigen Entscheidung stehen – etwa der Auswahl eines IT-Systems, der Priorisierung eines Projektportfolios oder einem komplexen Variantenvergleich – kann eine externe Moderation enorm helfen, fachliche Diskussionen zu strukturieren und politische Effekte zu reduzieren.
Die Berater von PURE Consultant unterstützen Unternehmen genau in solchen Situationen: von der sauberen Auftragsklärung über die methodische Gestaltung (Pugh Matrix, Nutzwertanalyse und weitere Verfahren) bis hin zur Entscheidungsreife im Management.

So wird aus einem diffusen „Wir sollten mal entscheiden …“ ein klarer, nachvollziehbarer und tragfähiger Beschluss.

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