Priorisierung richtig durchführen: Schritt-für-Schritt

Priorisierung richtig durchführen: Schritt-für-Schritt – In vielen Unternehmen gibt es mehr Ideen, Projekte und Aufgaben als Kapazität. Strategische Initiativen konkurrieren mit Tagesgeschäft, Ad-hoc-Anfragen und „lauten“ Stakeholdern. Das Ergebnis: Überlastete Teams, verzögerte Projekte, Frust. Wenn Sie Priorisierung richtig durchführen, gewinnen Sie Klarheit, Fokus und Geschwindigkeit – im Projektportfolio, in der Produktentwicklung und im operativen Alltag. Dieser Beitrag zeigt Schritt für Schritt, wie Sie strukturiert priorisieren, welche Methoden sich wofür eignen und wie Sie typische Fallstricke vermeiden.

Priorisierung richtig durchführen: Schritt-für-Schritt
Priorisierung richtig durchführen: Schritt-für-Schritt

Warum Priorisierung so häufig scheitert

Bevor es um Methoden geht, lohnt ein Blick auf die Ursachen. Priorisierung scheitert oft nicht an fehlenden Tools, sondern an Rahmenbedingungen.

Typische Muster:

Eine gute Priorisierung ist dagegen:


Was bedeutet Priorisierung eigentlich?

Priorisierung ist der strukturierte Prozess, begrenzte Ressourcen auf die wichtigsten Vorhaben, Aufgaben oder Anforderungen zu konzentrieren, um die definierten Ziele bestmöglich zu erreichen.

Konkret heißt das: Sie entscheiden bewusst, was zuerst, später oder gar nicht getan wird – und können diese Entscheidung begründen.


Die wichtigsten Fragen vor jeder Priorisierung

Bevor Sie Priorisierung richtig durchführen, sollten Sie einige Kernfragen klären. Ohne diese Vorarbeit wird jede Methode zur Spielerei.

Hilfreiche Leitfragen:

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lohnt sich der Einstieg in konkrete Priorisierungsmethoden.


Rahmenbedingungen für gute Priorisierungsentscheidungen

Klare Ziele und Strategie

Ohne klares Zielsystem wird Priorisierung zur Geschmacksfrage. Verknüpfen Sie Ihre Prioritäten daher mit:

Eine Faustregel: Jede priorisierte Maßnahme sollte zeigen können, welchen Beitrag sie zu welchem Ziel leistet.

Einheitliche Bewertungskriterien

Legen Sie vorab 4–7 Kriterien fest, nach denen alle Themen bewertet werden, zum Beispiel:

Wichtig ist Konsistenz: Alle betrachteten Elemente werden anhand derselben Kriterien betrachtet.

Rollen, Governance, Transparenz


Priorisierung richtig durchführen: Schritt-für-Schritt

Im Kern läuft eine saubere Priorisierung in acht Schritten ab. Die konkrete Methode kann variieren – der Prozess bleibt ähnlich.

Schritt 1: Ziel und Scope schärfen

Ohne diesen Rahmen drohen endlose Listen und Diskussionen ohne klares Ergebnis.

Schritt 2: Bewertungskriterien definieren

Legen Sie 4–7 Kriterien fest und beschreiben Sie sie so konkret wie möglich.

Beispiel für ein Projektportfolio:

  1. Strategischer Fit: Beitrag zu definierten strategischen Zielen (0–5 Punkte)
  2. Business Value: Potenzieller Umsatz/Einsparung bzw. Kundennutzen (0–5 Punkte)
  3. Risiko: Umsetzungs- und Erfolgsrisiko (0–5 Punkte, invertiert gewertet)
  4. Aufwand: Geschätzter Ressourcenbedarf/Kosten (0–5 Punkte, invertiert gewertet)
  5. Time-to-Impact: Wann entfaltet sich der Nutzen (0–5 Punkte)
  6. Abhängigkeiten/Dringlichkeit: Regulatorik, Meilensteine, externe Zwänge (0–5 Punkte)

Wenn Sie Priorisierung richtig durchführen wollen, achten Sie darauf:

Schritt 3: Kandidaten sammeln und strukturieren

Dadurch behalten Sie den Überblick und vermeiden Doppelungen.

Schritt 4: Geeignete Priorisierungsmethode auswählen

Nicht jede Methode passt zu jedem Kontext. Typische Optionen:

Wichtig ist Konsistenz: Wählen Sie eine Methode und wenden Sie sie dann stringent auf alle Elemente im definierten Scope an.

Schritt 5: Items bewerten

Dieser Schritt entscheidet über die Qualität Ihrer Priorisierung.

Vorgehen:

  1. Kalibrierung: Bewerten Sie zunächst 3–5 Beispiel-Items gemeinsam im Team, um ein gemeinsames Verständnis für die Skalen zu entwickeln.
  2. Bewertung durchführen:
    • Fachliche Einschätzung durch Experten (Fachbereiche, Vertrieb, Produktmanagement…)
    • Technische Einschätzung zu Aufwand/Risiken (IT, Entwicklung)
    • Evtl. Einbindung Controlling/Finanzen bei wirtschaftlichen Effekten
  3. Dokumentation:
    • Halten Sie die Bewertungen je Kriterium fest.
    • Vermerken Sie Annahmen, Quellen und Unsicherheiten.

Typische Fehler beim Bewerten – und wie Sie sie vermeiden:

Schritt 6: Rangfolge ableiten und visualisieren

Hilfreich ist eine Einteilung in Klassen:

Schritt 7: Entscheidungen absichern und kommunizieren

Eine Liste reicht nicht – Priorisierung muss beschlossen und verankert werden.

Damit schaffen Sie Akzeptanz – auch bei jenen, deren Vorhaben nicht auf Platz 1 gelandet ist.

Schritt 8: Regelmäßiges Review und Anpassung

Märkte ändern sich, Rahmenbedingungen auch. Eine einmalige Priorisierung reicht selten aus.

Empfehlungen:

Wenn Sie Priorisierung richtig durchführen, wird sie zum kontinuierlichen Führungsinstrument, nicht zur jährlichen Pflichtübung.


Geeignete Priorisierungsmethoden im Überblick

Einfache Methoden für den Einstieg

1. Eisenhower-Matrix (Dringend vs. Wichtig)
Eignet sich gut für persönliche Aufgaben oder Team-Backlogs:

2. ABC-Analyse
Teilt Aufgaben/Projekte nach Bedeutung:

Die ABC-Analyse ist schnell und pragmatisch, aber relativ grob. Für komplexe Projektportfolios ist ein Scoring-Modell meist besser.

Priorisierung im Projekt- und Portfoliomanagement

Nutzwertanalyse / Scoring-Modell

Vorteile:

Nachteile:

Priorisierung im agilen Umfeld

WSJF (Weighted Shortest Job First)

WSJF kombiniert Nutzen und Aufwand. Typisch im SAFe-Kontext:

WSJF = (Business Value + Time Criticality + Risk Reduction / Opportunity Enablement) ÷ Job Size

Die Items mit dem höchsten WSJF-Wert werden zuerst umgesetzt, weil sie relativ zum Aufwand den größten Nutzen und/oder die höchste Dringlichkeit haben.

Backlog-Priorisierung mit MoSCoW

MoSCoW ist hervorragend geeignet, wenn Sie viele Anforderungen sortieren und Stakeholder in Entscheidungen einbinden wollen.


Praxisbeispiel: Priorisierung eines Projektportfolios

Angenommen, ein Unternehmen hat 25 laufende und geplante Projekte im IT- und Fachbereich. Ressourcen sind knapp, die Geschäftsführung fordert Fokus.

Vorgehen:

  1. Scope definieren: Alle Projekte mit Budget > X und Laufzeit > 3 Monate.
  2. Kriterien festlegen:
    • Strategischer Fit (0–5)
    • Business Value (0–5)
    • Risiko (0–5, invertiert)
    • Aufwand (0–5, invertiert)
    • Regulatorische Dringlichkeit (0–5)
  3. Bewertung:
    • Fachbereiche und IT bewerten gemeinsam in einem Workshop.
    • Controlling liefert Basisdaten zu Kosten und Nutzen.
  4. Scoring:
    • Gewichtung: Fit 30 %, Value 30 %, Risiko 15 %, Aufwand 15 %, Dringlichkeit 10 %.
    • Gesamtpunktzahl pro Projekt berechnen.
  5. Entscheidung:
    • Top 8 Projekte werden freigegeben und erhalten Ressourcen.
    • 7 Projekte werden gestoppt oder verschoben.
    • Der Rest wird als „Optionen“ geführt, die im nächsten Review erneut bewertet werden.

Ergebnis: Klarheit für Management und Teams, Reduktion von Überlast, gezielterer Ressourceneinsatz.


Häufige Fehler bei der Priorisierung – und wie Sie sie vermeiden


Checkliste: So bereiten Sie eine Priorisierung strukturiert vor

Diese Punkte helfen Ihnen, Priorisierung richtig durchzuführen und Meetings effizient zu gestalten:


Fazit Priorisierung richtig durchführen: Schritt-für-Schritt: Priorisierung als kontinuierliche Führungsaufgabe

Priorisierung ist kein lästiges Nebenbei-Thema, sondern eine Kernaufgabe von Führung und Projektsteuerung. Wenn Sie Priorisierung richtig durchführen, schaffen Sie Fokus, reduzieren Überlast, stärken die Verbindlichkeit in Ihren Teams und erhöhen die Wirksamkeit jeder eingesetzten Ressourceneinheit.

Wesentlich ist, Priorisierung als wiederkehrenden Prozess zu etablieren: mit klaren Kriterien, klaren Rollen und klaren Konsequenzen. Methoden wie Scoring-Modelle, WSJF oder MoSCoW liefern dafür die Struktur – die Qualität entsteht durch gute Vorbereitung, ehrliche Diskussionen und konsequentes Handeln.

Wenn Sie Ihre Priorisierungsprozesse in Projekten, Programmen oder im gesamten Portfolio professionell aufsetzen oder schärfen möchten, kann ein externer Sparringspartner helfen, blinde Flecken zu vermeiden und Stakeholder zu einem gemeinsamen Vorgehen zu führen. Die Berater von PURE Consultant unterstützen Unternehmen genau dabei – von der Analyse der aktuellen Projektlandschaft über die Entwicklung geeigneter Priorisierungskriterien bis hin zur Moderation von Portfolio-Workshops und der Verankerung einer nachhaltigen Entscheidungsroutine.

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