Häufige Fehlannahmen bei Quick Wins

Häufige Fehlannahmen bei Quick Wins – Quick Wins gelten in Projekten, Transformationen und Change-Programmen oft als Wundermittel: schnell sichtbare Ergebnisse, wenig Aufwand, hohe Wirkung. Unter Druck von Management, Budget und Stakeholdern klingt das verlockend – gerade in komplexen IT- und Organisationsprojekten. Gleichzeitig sind Quick Wins einer der am häufigsten missverstandenen Hebel im Projektmanagement. Fehlannahmen führen dazu, dass Maßnahmen verpuffen, Vertrauen verspielt und ganze Programme diskreditiert werden.
Dieser Beitrag zeigt typische Denkfehler rund um Quick Wins, erklärt, wie Sie sie professionell einsetzen und wie Sie schnelle Erfolge so gestalten, dass sie Ihre strategischen Ziele wirklich unterstützen.

Häufige Fehlannahmen bei Quick Wins
Häufige Fehlannahmen bei Quick Wins

Was sind Quick Wins – kurz erklärt

Quick Wins sind Maßnahmen, die:

Es geht nicht um „irgendetwas schnell tun“, sondern um gezielte kleine Schritte mit hoher Signalwirkung: „Wir kommen voran – und zwar in die richtige Richtung.“


Warum Quick Wins so attraktiv sind – und wo die Fallstricke liegen

Führungskräfte, Projektleiter und Fachbereiche schätzen Quick Wins aus mehreren Gründen:

Genau diese Attraktivität erzeugt aber auch typische Fehlannahmen:

Umso wichtiger ist es, die häufigsten Fehlannahmen bei Quick Wins zu kennen – und bewusst zu vermeiden.


Häufige Fehlannahmen bei Quick Wins im Überblick

Typische Missverständnisse sind zum Beispiel:

  1. Quick Wins seien nur kosmetische Maßnahmen.
  2. Quick Wins bräuchten kaum Vorbereitung.
  3. Quick Wins würden Widerstände automatisch abbauen.
  4. Quick Wins seien immer einfach und risikoarm.
  5. Quick Wins könne man beliebig stapeln.
  6. Quick Wins gehörten nur in die Anfangsphase eines Projekts.
  7. Quick Wins ließen sich 1:1 kopieren.
  8. Quick Wins seien ein reines Projekt-„Spielzeug“.
  9. Quick Wins ersetzten den Business Case.
  10. Quick Wins seien per se nicht strategierelevant.

Im Folgenden gehen wir diese Fehlannahmen im Detail durch – mit Praxisbezug und Handlungsempfehlungen.


Fehlannahme 1: Quick Wins sind nur „Kosmetik“

Viele sehen Quick Wins als:

Problematisch wird es, wenn:

Besser: Quick Wins sollten gezielt dort ansetzen, wo wahrnehmbarer Schmerz besteht – etwa:

So entstehen Quick Wins mit Substanz, nicht bloß dekorative Maßnahmen.


Fehlannahme 2: Quick Wins funktionieren ohne saubere Vorbereitung

Der Begriff „Quick“ verführt dazu, Vorbereitung zu kürzen:

Die Folge sind:

Praxisbeispiel:
Ein Projektteam führt spontan ein kleines neues Reporting-Widget in einem bestehenden BI-System ein. Fachbereiche freuen sich kurz, merken dann aber, dass Zahlen anders aggregiert werden. Plötzlich gibt es „zwei Wahrheiten“. Aus dem Quick Win wird ein Quick Risk.

Besser: Auch Quick Wins brauchen ein Minimum an Struktur:


Fehlannahme 3: Quick Wins lösen Widerstände automatisch

Häufige Hoffnung: „Wenn wir schnell etwas Gutes liefern, verstummen die Kritiker.“ Das kann funktionieren – muss aber nicht. Typische Stolpersteine:

Beispiel:
In einer Organisationsentwicklung wird ein kleines Self-Service-Portal als Quick Win eingeführt. Die eigentlichen Widerstände liegen aber bei mittleren Führungsebenen, die Statusverlust fürchten. Der Quick Win bleibt wirkungslos für die entscheidenden Stakeholder.

Besser:


Fehlannahme 4: Quick Wins sind immer einfach und risikoarm

„Klein“ heißt nicht „harmlos“. Gerade scheinbar einfache Maßnahmen sind oft sensibel:

Risiken sind zum Beispiel:

Besser: Quick Wins mit klarer Risikoabwägung verknüpfen:


Fehlannahme 5: Quick Wins kann man beliebig stapeln

Wenn Quick Wins funktionieren, entsteht schnell der Wunsch: „Mehr davon!“ Dann passiert oft:

Das Ergebnis:
Die Organisation verliert den Überblick, Burn-out-Gefahr steigt, und aus schnellen Erfolgen wird ein langsames Chaos.

Besser: Quick Wins wie ein Portfolio steuern:


Fehlannahme 6: Quick Wins sind nur etwas für frühe Projektphasen

Viele Projektpläne sehen Quick Wins ausschließlich im „Kick-off-Nebel“ vor: zu Beginn, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Danach verschwinden sie aus dem Fokus.

Damit verschenkt man Potenzial:

Besser: Quick Wins als roten Faden durch den Projekt- oder Transformationsverlauf planen:


Fehlannahme 7: Quick Wins lassen sich 1:1 kopieren

Oft werden Quick Wins aus anderen Projekten oder Unternehmen übernommen:

Was übersehen wird:

Ein kopierter Quick Win kann:

Besser: Quick Wins kontextsensitiv designen:


Fehlannahme 8: Quick Wins sind ein reines Projekt-„Spielzeug“

Ein verbreiteter Irrglaube: Quick Wins seien nur Sache des Projektteams; die Linie müsse „mitmachen“. Damit entstehen Gräben:

Besser: Quick Wins als gemeinsame Aktivität von Projekt und Linie aufsetzen:

So entsteht das Bild: „Quick Wins helfen uns im Alltag“, nicht „Das Projekt testet wieder etwas an uns aus.“


Fehlannahme 9: Quick Wins machen den Business Case überflüssig

Manchmal werden Quick Wins genutzt, um formale Business-Cases zu umgehen:

Das rächt sich später, wenn:

Besser: Auch Quick Wins brauchen einen einfachen, aber klaren Nutzenrahmen:

Es geht nicht um aufwendige Excel-Modelle, sondern um eine nachvollziehbare Logik, warum ein Quick Win die Investition wert ist.


Fehlannahme 10: Quick Wins sind strategisch irrelevant

Weil Quick Wins klein und kurzfristig sind, gelten sie oft als:

Damit verpasst man die Chance, Quick Wins als Signalträger der Strategie zu nutzen.

Beispiel:
Ein Unternehmen will kundenzentrierter werden. Ein gezielt gewählter Quick Win – etwa die Abschaffung eines besonders kundenfeindlichen Formulars – kann die strategische Stoßrichtung sehr viel klarer machen als ein ausführliches Strategiepapier.

Besser:


Wie Sie Quick Wins richtig einsetzen

Um häufige Fehlannahmen bei Quick Wins zu vermeiden, hilft ein strukturierter Ansatz. Im Kern geht es darum, drei Ebenen zusammenzubringen:

  1. Strategische Passung
  2. Operative Machbarkeit
  3. Erlebbarer Nutzen für relevante Stakeholder

Kriterien für sinnvolle Quick Wins

Gute Quick Wins erfüllen idealerweise folgende Kriterien:

Je mehr dieser Kriterien erfüllt sind, desto wahrscheinlicher wird aus einem „netten Versuch“ ein echter Quick Win.


Governance und Priorisierung von Quick Wins

Quick Wins profitieren von klaren Spielregeln. Bewährt haben sich unter anderem:

So behalten Sie auch bei vielen Ideen die Kontrolle und verhindern, dass „Quick“ in Hektik umschlägt.


Wirkung von Quick Wins messen und sichtbar machen

Schnelle Erfolge entfalten nur dann Wirkung, wenn sie:

  1. tatsächlich etwas verbessern und
  2. von den richtigen Personen als Verbesserung erkannt werden.

Hilfreich sind hier:

Wichtig: Quick Wins sind kein Selbstzweck. Kommunizieren Sie immer, wie sie in das größere Bild der Veränderung einzahlen.


Praxisbeispiele: Gute vs. schlechte Quick Wins

IT-Service-Management

Prozessdigitalisierung

Organisationsentwicklung

Diese Beispiele zeigen: Der Unterschied liegt selten im Aufwand, sondern in Zielklarheit, Relevanz und Einbettung in den Kontext.


Checkliste: Quick Wins professionell bewerten

Die folgende Fragenliste unterstützt Sie dabei, Quick Wins strukturiert zu prüfen:

  1. Problemklarheit
    • Welches konkrete Problem lösen wir?
    • Wer spürt dieses Problem am stärksten?
  2. Ziel und Nutzen
    • Worin besteht der erhoffte Nutzen in einem Satz?
    • Wie zahlen wir damit auf Projekt- oder Unternehmensziele ein?
  3. Stakeholder & Akzeptanz
    • Wen betrifft die Maßnahme direkt und indirekt?
    • Wer könnte blockieren – und warum?
  4. Aufwand & Machbarkeit
    • Welche Ressourcen sind nötig (Zeit, Budget, Kompetenzen)?
    • Was müssen wir stoppen oder verschieben, um Kapazität frei zu machen?
  5. Risiko & Abhängigkeiten
    • Welche technischen und organisatorischen Risiken bestehen?
    • Welche Systeme, Teams oder Prozesse sind betroffen?
  6. Messbarkeit
    • Woran erkennen wir nach 2–8 Wochen, dass der Quick Win ein Erfolg ist?
    • Welche Zahlen oder Rückmeldungen erfassen wir?
  7. Kommunikation
    • Welche Kernbotschaft vermitteln wir mit dieser Maßnahme?
    • Wie machen wir den Nutzen für die wichtigsten Stakeholder sichtbar?

Wenn Sie eine Maßnahme nicht plausibel durch diese Checkliste bekommen, ist es wahrscheinlich kein sinnvoller Quick Win – oder sie braucht mehr Vorbereitung.


Fazit Häufige Fehlannahmen bei Quick Wins: Quick Wins mit Augenmaß nutzen

Quick Wins sind ein wertvoller Hebel in Projekten, Transformationen und im Tagesgeschäft – vorausgesetzt, sie werden professionell eingesetzt. Die häufigen Fehlannahmen bei Quick Wins entstehen vor allem, wenn „schnell“ über „passend“, „sicher“ und „wirksam“ gestellt wird.

Für Entscheider, Projektmanager und Führungskräfte bedeutet das:

So werden Quick Wins vom kosmetischen Feigenblatt zum echten Beschleuniger Ihrer Vorhaben.

Wenn Sie Quick Wins systematisch in Ihre Projekt- und Transformationslandschaft integrieren möchten, lohnt sich ein externer Blick von erfahrenen Praktikern. Bei komplexen Vorhaben in IT, Organisation und Management kann eine strukturierte Begleitung – etwa durch die PURE Consultant – helfen, aus vielen Ideen ein tragfähiges, priorisiertes Set an Quick Wins zu entwickeln, das Risiken minimiert und Wirkung maximiert.

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