6W-Methode vs. 5W2H – In vielen Unternehmen existieren dutzende Methoden zur Problemanalyse und Strukturierung von Aufgaben – genutzt werden sie dennoch selten konsequent. Gerade bei Störungen, Projekten oder Prozessverbesserungen stellen sich Teams oft die gleichen Fragen: Wo fangen wir an? Welche Informationen fehlen? Und wie kommen wir von der Analyse in die Umsetzung?
Die beiden bekannten Fragemethoden 6W-Methode und 5W2H bieten hier einen klaren Rahmen. Dieser Beitrag zeigt, worin sich 6W-Methode vs. 5W2H unterscheiden, wann welche Methode sinnvoll ist und wie Sie beide praxisnah in Projekten, im Prozessmanagement und im Alltag von Führungskräften einsetzen.
Kurz erklärt: Was ist die 6W-Methode?
Die 6W-Methode ist eine strukturierte Fragetechnik, mit der Sie eine Situation, ein Problem oder ein Vorhaben systematisch klären, bevor Sie Entscheidungen treffen oder Maßnahmen ableiten.
Im Kern steht ein Satz von sechs W-Fragen, die – je nach Quelle – leicht variieren können. Häufige Variante:
- Wer? – Wer ist betroffen / verantwortlich / beteiligt?
- Was? – Worum geht es konkret? Was ist passiert?
- Warum? – Warum ist das wichtig? Warum ist es ein Problem?
- Wie? – Wie läuft es aktuell ab? Wie ist der Ablauf?
- Wo? – Wo tritt das Problem auf? Wo findet der Prozess statt?
- Wann? – Wann ist es aufgetreten? Seit wann besteht die Situation?
Typische Einsatzzwecke:
- Problemanalyse (Incident, Reklamation, Qualitätsabweichung)
- Klärung von Anforderungen und Zielen in Projekten
- Vorbereitung von Meetings, Workshops und Entscheidungen
- Dokumentation von Vorfällen und Lessons Learned
Die 6W-Methode eignet sich besonders gut, um den Problemraum vollständig zu verstehen, bevor Sie in die Lösungsdiskussion einsteigen.
Kurz erklärt: Was ist 5W2H?
5W2H ist eine Planungs- und Umsetzungslogik, mit der Maßnahmen, Aufgaben oder Projekte konkret und nachvollziehbar beschrieben werden.
Der Name leitet sich von 5× „W“ und 2× „H“ ab:
- What? (Was) – Was soll getan werden?
- Why? (Warum) – Warum wird das gemacht? Welchem Ziel dient es?
- Where? (Wo) – Wo wird es umgesetzt? In welchem Bereich / Standort?
- When? (Wann) – Bis wann? In welchem Zeitraum?
- Who? (Wer) – Wer ist verantwortlich / beteiligt?
- How? (Wie) – Wie wird es umgesetzt? Welcher Ablauf, welche Methode?
- How much? (Wie viel) – Welche Kosten, welcher Aufwand, welche Ressourcen?
Typische Einsatzzwecke:
- Maßnahmenplanung nach einer Analyse (z. B. nach 5-Why, Ishikawa, Audit)
- Projektplanung auf hoher Flughöhe
- Definition von Arbeitspaketen und Verantwortlichkeiten
- Dokumentation von Verbesserungsmaßnahmen (z. B. im KVP, Lean Management)
5W2H schafft damit Transparenz und Verbindlichkeit in der Umsetzung – von der Maßnahme zur konkreten Verantwortlichkeit und Ressourcenzuordnung.
Gemeinsame Basis: Struktur durch W-Fragen
Sowohl die 6W-Methode als auch 5W2H beruhen auf der Idee, komplexe Sachverhalte über einfache Fragen zu strukturieren. Die Gemeinsamkeiten:
- Beide sind checklistenartige Fragekataloge.
- Beide helfen, Lücken im Verständnis sichtbar zu machen.
- Beide eignen sich gut für Workshops, Moderation und Teamarbeit.
- Beide fördern Nachvollziehbarkeit und Dokumentation.
Gleichzeitig bedienen sie unterschiedliche Phasen:
- 6W-Methode: Fokus auf Verstehen und Beschreiben der Ausgangssituation.
- 5W2H: Fokus auf Planen und Strukturieren der Maßnahmen.
Genau diese Unterschiedlichkeit macht den Vergleich 6W-Methode vs. 5W2H für Praktiker so relevant.
6W-Methode vs. 5W2H: Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
Kurzfassung des Unterschieds 6W-Methode vs. 5W2H:
- Die 6W-Methode ist primär ein Analyse- und Klärungswerkzeug für Situationen und Probleme.
- 5W2H ist primär ein Planungs- und Umsetzungswerkzeug für konkrete Maßnahmen.
Weitere zentrale Differenzen:
- Zielsetzung
- 6W: Ursachen- und Situationsverständnis, Problemklärung.
- 5W2H: Umsetzungsplanung, Verantwortlichkeiten, Ressourcen.
- Zeitpunkt im Ablauf
- 6W: Früh in der Problembeschreibung oder in der Anforderungsanalyse.
- 5W2H: Nach der Entscheidung für eine Maßnahme / Lösung.
- Output
- 6W: Klar dokumentierte Situation, sauber formuliertes Problemstatement.
- 5W2H: Konkrete Maßnahmenliste mit Zuständigkeiten, Terminen und Aufwand.
- Reifegrad-Anforderung
- 6W: Auch für Einsteiger leicht anzuwenden, geringe Einstiegshürde.
- 5W2H: Eher für Teams, die bereits Lösungsoptionen identifiziert haben.
- Typische Artefakte
- 6W: Incident-Berichte, Problem-Beschreibungen, Business-Case-Grundlagen.
- 5W2H: Maßnahmenpläne, Projektsteckbriefe, Umsetzungstabellen.
Die 6W-Methode im Detail
Ziel und Nutzen der 6W-Methode
Die 6W-Methode beantwortet die Frage: „Haben wir die Situation wirklich verstanden?“
Nutzen auf einen Blick:
- Verhindert vorschnelle Schuldzuweisungen und Scheinlösungen
- Sorgt für gemeinsames Problemverständnis im Team
- Deckt Informationslücken systematisch auf
- Schafft eine solide Basis für Entscheidungen und Priorisierung
Gerade in Projekten, im Service Management oder in der Qualitätssicherung hilft eine 6W-Checkliste, Vorfälle einheitlich zu dokumentieren.
Typischer Ablauf einer 6W-Analyse
- Anlass klären: Was ist passiert oder was soll erreicht werden?
- 6W-Fragen gemeinsam durchgehen (z. B. im Workshop oder Incident-Call).
- Antworten dokumentieren – am besten direkt in einer 6W-Vorlage (z. B. Tabelle).
- Offene Punkte markieren – wo fehlen Fakten, wo gibt es Widersprüche?
- Problem-Statement formulieren – kurz, präzise, von allen verstanden.
- Erst danach in die Ursachenanalyse oder Lösungsdiskussion einsteigen.
Praxisbeispiel 6W-Methode: IT-Incident
Angenommen, ein zentrales CRM-System war mehrere Stunden nicht verfügbar:
- Wer? – Alle Vertriebsteams in Region DACH, IT-Operations involviert.
- Was? – CRM-System war von 09:30–12:15 Uhr nicht erreichbar.
- Warum? – Vertriebsaktivitäten wurden unterbrochen, potenzielle Umsatzverluste.
- Wie? – Nutzer erhielten Fehlermeldung beim Login, Monitoring schlug an.
- Wo? – Betroffen war das Produktivsystem im Rechenzentrum A.
- Wann? – Erstmaliger Vorfall dieser Art seit dem letzten Release am Vortag.
Mit wenigen Fragen entsteht ein klarer, vollständiger Incident-Bericht – Basis für Ursachenanalyse, Business-Impact-Bewertung und Maßnahmenplanung.
5W2H im Detail
Ziel und Nutzen von 5W2H
5W2H beantwortet die Frage: „Wie setzen wir eine Maßnahme so um, dass nichts Wichtiges vergessen wird?“
Nutzen auf einen Blick:
- Übersetzt Analyseergebnisse in konkrete To-dos
- Macht Verantwortlichkeiten, Fristen und Kosten transparent
- Reduziert Missverständnisse zwischen Fachbereich, IT und Management
- Eignet sich hervorragend als einheitliche Maßnahmen-Vorlage
5W2H wird häufig im KVP, Lean Management, Six Sigma oder nach Audits eingesetzt, wenn aus Findings konkrete Aktionen abgeleitet werden.
Typischer Ablauf einer 5W2H-Planung
- Maßnahme benennen (What?)
- Zweck / Nutzen klären (Why?)
- Einsatzbereich definieren (Where?)
- Zeitplan festlegen (When?)
- Verantwortliche bestimmen (Who?)
- Vorgehen und Methode beschreiben (How?)
- Kosten und Ressourcen quantifizieren (How much?)
Ergebnis ist meist eine 5W2H-Tabelle, die als Mini-Projektsteckbrief dient.
Praxisbeispiel 5W2H: Prozessoptimierung im Service
Ausgangslage: Lange Bearbeitungszeiten bei Kundenanfragen im Service-Center.
- What? – Einführung eines Standard-Templates für die Erstaufnahme von Tickets.
- Why? – Reduzierung von Rückfragen und Durchlaufzeiten, höhere Kundenzufriedenheit.
- Where? – Alle Service-Teams in der DACH-Region.
- When? – Pilotstart nächsten Monat, Rollout innerhalb von drei Monaten.
- Who? – Service-Prozessmanager, Teamleiter Service, IT-Support für Tool-Anpassung.
- How? – Erstellung Template, Schulung der Mitarbeiter, Anpassung Ticket-System, Monitoring der KPIs.
- How much? – Geschätzter interner Aufwand 30 PT, Budget für Schulung und Anpassungen 20.000 €.
Damit wird aus einer vagen Idee („Wir müssten unseren Prozess verbessern“) ein konkreter, steuerbarer Maßnahmenplan.
Anwendung im Projekt- und Managementalltag
Wann ist die 6W-Methode besonders sinnvoll?
Sie profitieren von der 6W-Methode vor allem dann, wenn:
- ein neues Problem oder Risiko auftritt, das noch unklar ist
- Sie ein Projektvorhaben besser verstehen und abgrenzen müssen
- Verantwortliche aus unterschiedlichen Bereichen beteiligt sind
- Sie einheitliche Dokumentationsstandards etablieren wollen
Typische Beispiele:
- Störungen in IT- und Geschäftsprozessen
- Reklamationen und Qualitätsprobleme
- Risikoanalysen und Business-Impact-Analysen
- Vorbereitung von Entscheidungsvorlagen für das Management
Wann ist 5W2H die bessere Wahl?
5W2H spielt seine Stärken aus, wenn:
- die Problemstellung bereits analysiert ist
- konkrete Maßnahmen abgeleitet werden sollen
- mehrere Stakeholder eine klare, gemeinsame Sicht auf das Vorgehen brauchen
- Sie Transparenz gegenüber Management oder Audit herstellen müssen
Typische Beispiele:
- Maßnahmenpläne nach Audits, Assessments oder Reviews
- Umsetzungsplanung von Prozessoptimierungen
- Strukturierung von Arbeitspaketen in kleineren Projekten
- Vor- und Nachbereitung von Management-Meetings mit Entscheidungsbedarf
Kombinieren statt gegeneinanderstellen: 6W-Methode plus 5W2H
Die eigentliche Stärke entsteht, wenn Sie 6W-Methode und 5W2H hintereinander einsetzen:
- Phase 1 – Verstehen (6W-Methode)
- Problem, Ausgangslage und Kontext sauber klären
- Stakeholder, Ort, Zeitpunkt, Auswirkungen dokumentieren
- Gemeinsames Problemverständnis herstellen
- Phase 2 – Planen (5W2H)
- Aus der Analyse konkrete Maßnahmen ableiten
- Maßnahmen mit What, Why, Where, When, Who, How, How much strukturieren
- Verantwortlichkeiten, Termine und Aufwand festlegen
- Phase 3 – Steuern und Nachverfolgen
- 5W2H-Tabelle als laufendes Steuerungsinstrument nutzen
- bei neuen Erkenntnissen zurück zur 6W-Analyse springen und anpassen
Fazit der Gegenüberstellung 6W-Methode vs. 5W2H:
Die Frage ist weniger „Welche Methode ist besser?“, sondern: „An welcher Stelle im Ablauf setzen wir welche Methode ein?“
Häufige Fehler bei der Anwendung beider Methoden
Bei der praktischen Nutzung in Unternehmen tauchen immer wieder ähnliche Stolperfallen auf:
- „Wir fangen direkt bei 5W2H an.“
Maßnahmen werden geplant, bevor das Problem wirklich verstanden ist. Abhilfe: 6W-Analyse vorschalten. - Unvollständige oder vage Antworten.
„Wer?“ wird mit „alle“ beantwortet, „Warum?“ mit „Effizienz verbessern“. Das ist zu unspezifisch. Besser: klare, messbare Beschreibungen. - Keine Priorisierung der Maßnahmen.
5W2H erzeugt mehrere To-dos, aber ohne Klarheit, was zuerst umgesetzt werden soll. Ergänzend Priorisierungskriterien definieren. - Fehlende Aktualisierung der 5W2H-Pläne.
Rahmenbedingungen ändern sich, die Maßnahmenplanung bleibt unverändert. 5W2H gehört in einen lebenden KVP-Zyklus. - Methoden nur als Pflichtübung für Audits.
Wenn Vorlagen nur pro forma ausgefüllt werden, entsteht kein echter Mehrwert. Entscheidend ist der Diskussions- und Klärungsprozess, nicht nur das Dokument.
Praktische Umsetzung im Unternehmen
Damit 6W-Methode und 5W2H im Alltag von Führungskräften, Projektmanagern und Fachanwendern ankommen, helfen einige pragmatische Schritte:
- Einheitliche Vorlagen erstellen
- 6W-Vorlage für Incident- oder Problembeschreibungen
- 5W2H-Vorlage für Maßnahmenpläne
- Integration in bestehende Tools (Ticketsysteme, Confluence, SharePoint, Projekttools)
- Klare Einsatzregeln definieren
- z. B. „Jeder Major Incident braucht eine 6W-Dokumentation“
- „Jede Maßnahme mit Budget > X € wird mit 5W2H beschrieben“
- Schulung von Schlüsselrollen
- Projektleiter, Teamleiter, Prozessverantwortliche
- Fokus auf Moderation: Wie stelle ich die richtigen Fragen?
- Praxisnahe Beispiele aus dem eigenen Unternehmen nutzen
- Verknüpfung mit bestehenden Methoden
- 6W vor 5-Why- oder Ishikawa-Analysen verwenden
- 5W2H als Anschluss an Risiko-Workshops, Audits, Assessments
- Verknüpfung mit OKR, Balanced Scorecard oder Projektportfoliomanagement
- Review-Mechanismen etablieren
- Regelmäßige Durchsicht von 6W- und 5W2H-Dokumenten in Teams
- Ableitung von Lessons Learned und Standardisierungen
- Kontinuierliche Verbesserung der Vorlagen und Leitfäden
Konkrete Entscheidungshilfe: Welche Methode wann einsetzen?
Eine einfache Orientierung für den Alltag:
Nutzen Sie die 6W-Methode, wenn Sie:
- ein neues oder unklar beschriebenes Problem vor sich haben
- eine Störung, Reklamation oder Abweichung zum ersten Mal systematisch erfassen
- ein Vorhaben oder Projekt in wenigen, klaren Sätzen beschreiben wollen
- Management-Entscheidungen durch eine klare Situationsdarstellung vorbereiten
Nutzen Sie 5W2H, wenn Sie:
- aus einer Analyse konkrete Maßnahmen ableiten
- To-do-Listen in verbindliche Maßnahmenpläne überführen
- Verantwortlichkeiten und Budgets transparent machen müssen
- gegenüber Stakeholdern Struktur und Professionalität in der Umsetzung zeigen wollen
Setzen Sie beide Methoden kombiniert ein, wenn Sie:
- komplexe, bereichsübergreifende Themen bearbeiten
- vom ersten Problemhinweis bis zur nachhaltigen Lösung eine saubere Linie ziehen wollen
- ein einheitliches Vorgehen in der Organisation verankern möchten
Fazit: 6W-Methode vs. 5W2H gezielt für bessere Ergebnisse nutzen
Ob im Projektmanagement, in der IT, im Qualitäts- oder Prozessmanagement: Strukturierte Fragetechniken sind ein unterschätzter Hebel für bessere Entscheidungen und wirksame Maßnahmen.
- Die 6W-Methode hilft Ihnen, Probleme, Vorfälle und Vorhaben klar zu beschreiben.
- 5W2H übersetzt diese Erkenntnisse in konkrete Maßnahmenpläne mit Zuständigkeiten, Terminen und Kosten.
- In Kombination schaffen beide Methoden einen durchgängigen, nachvollziehbaren Ablauf von der ersten Problembeschreibung bis zur Umsetzung und Erfolgskontrolle.
Wenn Sie diese Methoden nicht nur als einzelne Tools, sondern als festen Bestandteil Ihres Management- und Verbesserungs-Systems etablieren, erhöhen Sie die Qualität Ihrer Entscheidungen, senken Reibungsverluste in Projekten und schaffen Transparenz für alle Beteiligten.
Wenn Sie Unterstützung dabei wünschen, 6W-Methode und 5W2H in Ihren Prozessen, Vorlagen und Meetings wirksam zu verankern, lohnt sich der Blick auf einen erfahrenen Partner wie PURE Consultant – von der methodischen Konzeption bis zur praktischen Einführung im Tagesgeschäft.