6W-Methode vs. 5W2H

6W-Methode vs. 5W2H – In vielen Unternehmen existieren dutzende Methoden zur Problemanalyse und Strukturierung von Aufgaben – genutzt werden sie dennoch selten konsequent. Gerade bei Störungen, Projekten oder Prozessverbesserungen stellen sich Teams oft die gleichen Fragen: Wo fangen wir an? Welche Informationen fehlen? Und wie kommen wir von der Analyse in die Umsetzung?
Die beiden bekannten Fragemethoden 6W-Methode und 5W2H bieten hier einen klaren Rahmen. Dieser Beitrag zeigt, worin sich 6W-Methode vs. 5W2H unterscheiden, wann welche Methode sinnvoll ist und wie Sie beide praxisnah in Projekten, im Prozessmanagement und im Alltag von Führungskräften einsetzen.

6W-Methode vs. 5W2H
6W-Methode vs. 5W2H

Kurz erklärt: Was ist die 6W-Methode?

Die 6W-Methode ist eine strukturierte Fragetechnik, mit der Sie eine Situation, ein Problem oder ein Vorhaben systematisch klären, bevor Sie Entscheidungen treffen oder Maßnahmen ableiten.

Im Kern steht ein Satz von sechs W-Fragen, die – je nach Quelle – leicht variieren können. Häufige Variante:

Typische Einsatzzwecke:

Die 6W-Methode eignet sich besonders gut, um den Problemraum vollständig zu verstehen, bevor Sie in die Lösungsdiskussion einsteigen.


Kurz erklärt: Was ist 5W2H?

5W2H ist eine Planungs- und Umsetzungslogik, mit der Maßnahmen, Aufgaben oder Projekte konkret und nachvollziehbar beschrieben werden.

Der Name leitet sich von 5× „W“ und 2× „H“ ab:

Typische Einsatzzwecke:

5W2H schafft damit Transparenz und Verbindlichkeit in der Umsetzung – von der Maßnahme zur konkreten Verantwortlichkeit und Ressourcenzuordnung.


Gemeinsame Basis: Struktur durch W-Fragen

Sowohl die 6W-Methode als auch 5W2H beruhen auf der Idee, komplexe Sachverhalte über einfache Fragen zu strukturieren. Die Gemeinsamkeiten:

Gleichzeitig bedienen sie unterschiedliche Phasen:

Genau diese Unterschiedlichkeit macht den Vergleich 6W-Methode vs. 5W2H für Praktiker so relevant.


6W-Methode vs. 5W2H: Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

Kurzfassung des Unterschieds 6W-Methode vs. 5W2H:

Weitere zentrale Differenzen:

  1. Zielsetzung
    • 6W: Ursachen- und Situationsverständnis, Problemklärung.
    • 5W2H: Umsetzungsplanung, Verantwortlichkeiten, Ressourcen.
  2. Zeitpunkt im Ablauf
    • 6W: Früh in der Problembeschreibung oder in der Anforderungsanalyse.
    • 5W2H: Nach der Entscheidung für eine Maßnahme / Lösung.
  3. Output
    • 6W: Klar dokumentierte Situation, sauber formuliertes Problemstatement.
    • 5W2H: Konkrete Maßnahmenliste mit Zuständigkeiten, Terminen und Aufwand.
  4. Reifegrad-Anforderung
    • 6W: Auch für Einsteiger leicht anzuwenden, geringe Einstiegshürde.
    • 5W2H: Eher für Teams, die bereits Lösungsoptionen identifiziert haben.
  5. Typische Artefakte
    • 6W: Incident-Berichte, Problem-Beschreibungen, Business-Case-Grundlagen.
    • 5W2H: Maßnahmenpläne, Projektsteckbriefe, Umsetzungstabellen.

Die 6W-Methode im Detail

Ziel und Nutzen der 6W-Methode

Die 6W-Methode beantwortet die Frage: „Haben wir die Situation wirklich verstanden?“

Nutzen auf einen Blick:

Gerade in Projekten, im Service Management oder in der Qualitätssicherung hilft eine 6W-Checkliste, Vorfälle einheitlich zu dokumentieren.

Typischer Ablauf einer 6W-Analyse

  1. Anlass klären: Was ist passiert oder was soll erreicht werden?
  2. 6W-Fragen gemeinsam durchgehen (z. B. im Workshop oder Incident-Call).
  3. Antworten dokumentieren – am besten direkt in einer 6W-Vorlage (z. B. Tabelle).
  4. Offene Punkte markieren – wo fehlen Fakten, wo gibt es Widersprüche?
  5. Problem-Statement formulieren – kurz, präzise, von allen verstanden.
  6. Erst danach in die Ursachenanalyse oder Lösungsdiskussion einsteigen.

Praxisbeispiel 6W-Methode: IT-Incident

Angenommen, ein zentrales CRM-System war mehrere Stunden nicht verfügbar:

Mit wenigen Fragen entsteht ein klarer, vollständiger Incident-Bericht – Basis für Ursachenanalyse, Business-Impact-Bewertung und Maßnahmenplanung.


5W2H im Detail

Ziel und Nutzen von 5W2H

5W2H beantwortet die Frage: „Wie setzen wir eine Maßnahme so um, dass nichts Wichtiges vergessen wird?“

Nutzen auf einen Blick:

5W2H wird häufig im KVP, Lean Management, Six Sigma oder nach Audits eingesetzt, wenn aus Findings konkrete Aktionen abgeleitet werden.

Typischer Ablauf einer 5W2H-Planung

  1. Maßnahme benennen (What?)
  2. Zweck / Nutzen klären (Why?)
  3. Einsatzbereich definieren (Where?)
  4. Zeitplan festlegen (When?)
  5. Verantwortliche bestimmen (Who?)
  6. Vorgehen und Methode beschreiben (How?)
  7. Kosten und Ressourcen quantifizieren (How much?)

Ergebnis ist meist eine 5W2H-Tabelle, die als Mini-Projektsteckbrief dient.

Praxisbeispiel 5W2H: Prozessoptimierung im Service

Ausgangslage: Lange Bearbeitungszeiten bei Kundenanfragen im Service-Center.

Damit wird aus einer vagen Idee („Wir müssten unseren Prozess verbessern“) ein konkreter, steuerbarer Maßnahmenplan.


Anwendung im Projekt- und Managementalltag

Wann ist die 6W-Methode besonders sinnvoll?

Sie profitieren von der 6W-Methode vor allem dann, wenn:

Typische Beispiele:

Wann ist 5W2H die bessere Wahl?

5W2H spielt seine Stärken aus, wenn:

Typische Beispiele:


Kombinieren statt gegeneinanderstellen: 6W-Methode plus 5W2H

Die eigentliche Stärke entsteht, wenn Sie 6W-Methode und 5W2H hintereinander einsetzen:

  1. Phase 1 – Verstehen (6W-Methode)
    • Problem, Ausgangslage und Kontext sauber klären
    • Stakeholder, Ort, Zeitpunkt, Auswirkungen dokumentieren
    • Gemeinsames Problemverständnis herstellen
  2. Phase 2 – Planen (5W2H)
    • Aus der Analyse konkrete Maßnahmen ableiten
    • Maßnahmen mit What, Why, Where, When, Who, How, How much strukturieren
    • Verantwortlichkeiten, Termine und Aufwand festlegen
  3. Phase 3 – Steuern und Nachverfolgen
    • 5W2H-Tabelle als laufendes Steuerungsinstrument nutzen
    • bei neuen Erkenntnissen zurück zur 6W-Analyse springen und anpassen

Fazit der Gegenüberstellung 6W-Methode vs. 5W2H:
Die Frage ist weniger „Welche Methode ist besser?“, sondern: „An welcher Stelle im Ablauf setzen wir welche Methode ein?“


Häufige Fehler bei der Anwendung beider Methoden

Bei der praktischen Nutzung in Unternehmen tauchen immer wieder ähnliche Stolperfallen auf:


Praktische Umsetzung im Unternehmen

Damit 6W-Methode und 5W2H im Alltag von Führungskräften, Projektmanagern und Fachanwendern ankommen, helfen einige pragmatische Schritte:

  1. Einheitliche Vorlagen erstellen
    • 6W-Vorlage für Incident- oder Problembeschreibungen
    • 5W2H-Vorlage für Maßnahmenpläne
    • Integration in bestehende Tools (Ticketsysteme, Confluence, SharePoint, Projekttools)
  2. Klare Einsatzregeln definieren
    • z. B. „Jeder Major Incident braucht eine 6W-Dokumentation“
    • „Jede Maßnahme mit Budget > X € wird mit 5W2H beschrieben“
  3. Schulung von Schlüsselrollen
    • Projektleiter, Teamleiter, Prozessverantwortliche
    • Fokus auf Moderation: Wie stelle ich die richtigen Fragen?
    • Praxisnahe Beispiele aus dem eigenen Unternehmen nutzen
  4. Verknüpfung mit bestehenden Methoden
    • 6W vor 5-Why- oder Ishikawa-Analysen verwenden
    • 5W2H als Anschluss an Risiko-Workshops, Audits, Assessments
    • Verknüpfung mit OKR, Balanced Scorecard oder Projektportfoliomanagement
  5. Review-Mechanismen etablieren
    • Regelmäßige Durchsicht von 6W- und 5W2H-Dokumenten in Teams
    • Ableitung von Lessons Learned und Standardisierungen
    • Kontinuierliche Verbesserung der Vorlagen und Leitfäden

Konkrete Entscheidungshilfe: Welche Methode wann einsetzen?

Eine einfache Orientierung für den Alltag:

Nutzen Sie die 6W-Methode, wenn Sie:

Nutzen Sie 5W2H, wenn Sie:

Setzen Sie beide Methoden kombiniert ein, wenn Sie:


Fazit: 6W-Methode vs. 5W2H gezielt für bessere Ergebnisse nutzen

Ob im Projektmanagement, in der IT, im Qualitäts- oder Prozessmanagement: Strukturierte Fragetechniken sind ein unterschätzter Hebel für bessere Entscheidungen und wirksame Maßnahmen.

Wenn Sie diese Methoden nicht nur als einzelne Tools, sondern als festen Bestandteil Ihres Management- und Verbesserungs-Systems etablieren, erhöhen Sie die Qualität Ihrer Entscheidungen, senken Reibungsverluste in Projekten und schaffen Transparenz für alle Beteiligten.

Wenn Sie Unterstützung dabei wünschen, 6W-Methode und 5W2H in Ihren Prozessen, Vorlagen und Meetings wirksam zu verankern, lohnt sich der Blick auf einen erfahrenen Partner wie PURE Consultant – von der methodischen Konzeption bis zur praktischen Einführung im Tagesgeschäft.

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