6W-Methode erklärt

6W-Methode erklärt – In vielen Projekten, Workshops und Meetings ist das eigentliche Problem schnell identifiziert – und trotzdem bleiben Entscheidungen vage, Anforderungen unklar und Zuständigkeiten offen. Häufig fehlt eine einfache, gemeinsame Struktur, um alle relevanten Fragen systematisch zu klären.
Die 6W-Methode bietet genau das: ein kompaktes Set aus sechs W-Fragen, mit denen Sie Situationen, Anforderungen, Probleme oder Maßnahmen klar, vollständig und nachvollziehbar beschreiben. Dieser Beitrag erläutert die 6W-Methode Schritt für Schritt, zeigt ihren Nutzen für Entscheider, Projektleiter und Fachanwender und gibt konkrete Praxisbeispiele und Vorlagen für die direkte Umsetzung.

6W-Methode erklärt
6W-Methode erklärt

Was ist die 6W-Methode?

Die 6W-Methode ist eine strukturierte Fragemethode, mit der Sachverhalte anhand von sechs zentralen W-Fragen vollständig beschrieben werden: Wer, Was, Warum, Wie, Wann und Wo.
Sie hilft, Ziele, Verantwortlichkeiten und Rahmenbedingungen so zu klären, dass alle Beteiligten ein gemeinsames Verständnis entwickeln und auf dieser Basis fundierte Entscheidungen treffen können.

Typischer Einsatz:


Wofür wird die 6W-Methode eingesetzt?

Die 6W-Methode ist bewusst einfach gehalten und deshalb in vielen Kontexten einsetzbar. Typische Anwendungsfälle:

Überall dort, wo Informationen klar, vollständig und verständlich aufbereitet werden müssen, ist die 6W-Methode ein einfaches, aber wirkungsvolles Werkzeug.


Die 6 W-Fragen im Überblick

Kern der 6W-Methode sind sechs einfache, aber präzise Leitfragen:

  1. Wer? – Betroffene, Beteiligte, Verantwortliche
  2. Was? – Inhalt, Leistung, Problem oder Ergebnis
  3. Warum? – Ziel, Nutzen, Anlass, Hintergrund
  4. Wie? – Vorgehen, Methode, Ressourcen, Umfang
  5. Wann? – Zeitpunkte, Fristen, Meilensteine
  6. Wo? – Orte, Systeme, Bereiche, Kontext

Im Folgenden werden diese W-Fragen detailliert erläutert – inklusive typischer Unterfragen und Praxisbeispiele.


1. Wer? – Rollen, Stakeholder, Verantwortliche

Die Frage „Wer?“ klärt, wer involviert ist und wer Verantwortung trägt. Ohne klare Zuordnung entstehen Reibungsverluste, Doppelarbeit und Entscheidungslücken.

Typische Unterfragen:

Beispiel (Projektauftrag):


2. Was? – Inhalt, Leistung, Ergebnis

„Was?“ beschreibt den Gegenstand oder Inhalt: Worum geht es genau? Was soll geliefert, verändert oder gelöst werden?

Typische Unterfragen:

Beispiel (IT-Anforderung):


3. Warum? – Ziel, Nutzen, Anlass

Die Frage „Warum?“ wird in der Praxis häufig übersprungen – sie ist aber entscheidend, um Ziele und Business-Nutzen klar zu machen.

Typische Unterfragen:

Beispiel (Prozessverbesserung):


4. Wie? – Vorgehen, Methoden, Ressourcen

„Wie?“ beschreibt das Vorgehen und die Rahmenbedingungen der Umsetzung.

Typische Unterfragen:

Beispiel (Projektumsetzung):


5. Wann? – Zeit, Meilensteine, Fristen

Die Frage „Wann?“ klärt den zeitlichen Rahmen und sorgt für Verbindlichkeit.

Typische Unterfragen:

Beispiel (Einführungsprojekt):


6. Wo? – Ort, System, Bereich, Kontext

„Wo?“ wird oft unterschätzt, ist aber wichtig, um den räumlichen, organisatorischen oder systemischen Kontext sauber zu definieren.

Typische Unterfragen:

Beispiel (Rollout-Kontext):


Schritt-für-Schritt: Wie Sie die 6W-Methode anwenden

Die 6W-Methode ist einfach, gewinnt aber an Wirkung, wenn sie bewusst strukturiert eingesetzt wird. Ein mögliches Vorgehen:

  1. Anlass und Thema klären
    • Welches Problem, welche Entscheidung oder welche Anforderung soll strukturiert werden?
  2. Zielsetzung definieren (Warum)
    • Vorab klar formulieren: Was wollen wir mit dieser Klärung erreichen?
  3. 6W-Fragen sichtbar machen
    • Die sechs W-Fragen auf einem Whiteboard, Flipchart oder in einem digitalen Board (Miro, Mural, Confluence, Planner etc.) platzieren.
  4. Antworten gemeinsam sammeln
    • In Workshop, Meeting oder 1:1-Gespräch die Ws nacheinander durchgehen.
    • Erst breit sammeln, dann verdichten und konkretisieren.
  5. Lücken und Widersprüche identifizieren
    • Wo fehlen Informationen? Wo widersprechen sich Aussagen?
    • Gegebenenfalls zusätzliche Stakeholder einbeziehen.
  6. Ergebnisse strukturieren und dokumentieren
    • Die finalen Antworten pro W konsolidieren und in einem Standardformat (z. B. 6W-Canvas, One-Pager, Ticket-Template) dokumentieren.
  7. Entscheidungen und Maßnahmen ableiten
    • Auf Basis der 6W-Ergebnisse konkrete Entscheidungen, To-dos, Verantwortlichkeiten und nächste Schritte festlegen.
  8. Regelmäßig aktualisieren
    • Die 6W-Beschreibung bei Änderungen aktualisieren (z. B. Projektänderung, Scope-Anpassung).

Praxisbeispiel 1: 6W-Methode bei einer IT-Anforderung

Ausgangssituation:
Der Vertrieb beklagt, dass Anfragen von Kunden nicht transparent nachverfolgt werden können. Es soll „irgendwie ein neues Tool“ eingeführt werden. Die Anforderungen sind aber unklar.

Anwendung der 6W-Methode:

Ergebnis:
Statt einer vagen Aussage „Wir brauchen ein neues Tool“ liegt eine klare, strukturierte Anforderung vor, die IT, Fachbereich und Management verstehen und bewerten können.


Praxisbeispiel 2: 6W-Methode in der Problem- und Ursachenklärung

Ausgangssituation:
Im Produktionsbereich kommt es regelmäßig zu Lieferverzögerungen. Die Ursachen sind unklar, Schuldzuweisungen zwischen Abteilungen nehmen zu.

Anwendung der 6W-Methode:

Ergebnis:
Die 6W-Methode sorgt für eine gemeinsame, faktenbasierte Beschreibung des Problems, bevor Ursachen vertieft mit weiteren Methoden (z. B. 5-Why, Ishikawa) analysiert werden.


Vorteile der 6W-Methode

Die 6W-Methode bringt insbesondere für Entscheider, Projektleiter und Fachanwender folgende Vorteile:


Grenzen und typische Missverständnisse

Trotz ihrer Stärken hat die 6W-Methode auch Grenzen:


6W-Methode im Vergleich zu 5W, 5-Why & Co.

In der Praxis werden verschiedene W-Methoden genutzt, die sich ergänzen:

Praxisempfehlung:
Nutzen Sie die 6W-Methode, um Thema, Umfang, Beteiligte und Rahmen klar zu beschreiben. Wenn es dann darum geht, Ursachen tiefer zu verstehen, ergänzen Sie gezielt Methoden wie 5-Why oder weitere Analysetools.


Typische Fehler bei der Anwendung – und wie Sie sie vermeiden

Bei der Anwendung der 6W-Methode treten immer wieder ähnliche Fehler auf:

  1. „Warum?“ wird übersprungen
    • Folge: Aktivitäten ohne klaren Nutzen, schwierige Priorisierung.
    • Gegenmaßnahme: „Warum?“ bewusst früh stellen und schriftlich festhalten.
  2. Zu vage Antworten
    • Beispiel: „Wer?“ = „die IT“, „der Vertrieb“.
    • Gegenmaßnahme: konkrete Rollen und Namen benennen (Owner, Sponsor, Product Owner).
  3. Wichtige Stakeholder fehlen
    • Folge: Späte Einwände, Widerstand, Reibungsverluste.
    • Gegenmaßnahme: Bei „Wer?“ gezielt fragen: „Wer könnte durch die Entscheidung negativ betroffen sein?“
  4. Zeitliche Dimension vernachlässigt
    • „Wann?“ bleibt unkonkret („so bald wie möglich“).
    • Gegenmaßnahme: konkrete Zeiten, Meilensteine und Deadlines festlegen.
  5. Keine Aktualisierung
    • Einmal beantwortete Ws werden später nicht angepasst.
    • Gegenmaßnahme: 6W-Dokument als lebendes Dokument betrachten, Änderungen konsequent nachführen.

Praktische Tipps für Projekte, Meetings und Tickets

Um die 6W-Methode im Alltag nutzbar zu machen, helfen ein paar einfache Praktiken:


Fazit 6W-Methode erklärt: 6W-Methode kurz zusammengefasst

Die 6W-Methode ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Werkzeug, um Sachverhalte vollständig zu durchdringen und verständlich zu dokumentieren.
Durch die systematische Beantwortung von Wer, Was, Warum, Wie, Wann und Wo entstehen konsistente Beschreibungen von Projekten, Anforderungen, Problemen oder Maßnahmen.
Für Entscheider, Projektleiter und Fachanwender bedeutet das: bessere Entscheidungen, weniger Missverständnisse und effizientere Zusammenarbeit.

Wenn Sie die 6W-Methode in Ihren Projekten, im PMO oder in Ihren Führungsprozessen standardisieren möchten, kann eine externe, neutrale Perspektive hilfreich sein – etwa durch eine strukturierte Beratung und Moderation. Die PURE Consultant unterstützt Sie dabei, die für Ihr Unternehmen passenden Formate, Vorlagen und Routinen zu entwickeln und die 6W-Methode pragmatisch im Alltag zu verankern.

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