Wertstromanalyse vs. Prozessmapping

Wertstromanalyse vs. Prozessmapping – Effizienzprogramme scheitern oft daran, dass alle von „Prozessoptimierung“ sprechen, aber ganz unterschiedliche Werkzeuge nutzen. Die einen arbeiten mit Lean-Tools wie der Wertstromanalyse, die anderen mit detaillierten Prozess-Diagrammen und Swimlanes. Das Ergebnis: Missverständnisse, Doppelarbeit und kein durchgängiger Blick auf den End-to-End-Prozess.
Dieser Beitrag zeigt, worin sich Wertstromanalyse und Prozessmapping wirklich unterscheiden, wo sie sich ergänzen und wie Sie beide Methoden gezielt für Ihre Organisation einsetzen. Mit klaren Definitionen, Praxisbeispielen und Entscheidungshilfen, damit Sie nicht länger über Methoden diskutieren, sondern messbar bessere Prozesse schaffen.

Wertstromanalyse vs. Prozessmapping
Wertstromanalyse vs. Prozessmapping

Warum der Vergleich „Wertstromanalyse vs. Prozessmapping“ heute so wichtig ist

Digitalisierung, Fachkräftemangel und Kostendruck erzwingen kürzere Durchlaufzeiten und weniger Verschwendung – nicht nur in der Produktion, sondern auch in Büro-, Service- und IT-Prozessen. In vielen Unternehmen treffen dabei unterschiedliche Denkschulen aufeinander:

Ohne klares Verständnis, wann Wertstromanalyse und wann Prozessmapping sinnvoll ist, entstehen typische Probleme:

Um diese Effekte zu vermeiden, lohnt sich ein genauer Blick auf beide Methoden.


Was ist eine Wertstromanalyse?

Eine Wertstromanalyse ist eine Methode aus dem Lean Management, mit der der Material- und Informationsfluss eines Produkts oder einer Dienstleistung vom Kundenauftrag bis zur Auslieferung visualisiert und analysiert wird.

Im Zentrum stehen:

Typische Merkmale einer Wertstromanalyse:

Ursprünglich stammt die Wertstromanalyse aus der Produktion, wird heute aber zunehmend auch auf Dienstleistungs-, Verwaltungs- und IT-nahe Prozesse angewendet (z. B. „Value Stream Mapping“ in der Softwareentwicklung).


Was ist Prozessmapping?

Prozessmapping beschreibt die strukturierte Darstellung von Abläufen in Form von Prozessdiagrammen, etwa als Flussdiagramm, Swimlane-Diagramm oder BPMN-Modell.

Eine kurze Definition:
Prozessmapping ist die Visualisierung von Aktivitäten, Entscheidungen, Rollen und Schnittstellen eines Prozesses, um Abläufe verständlich, analysierbar und standardisierbar zu machen.

Typische Merkmale eines Prozessmappings:

Prozessmapping ist in nahezu allen Branchen etabliert – von Produktion über Banken und Versicherungen bis zu öffentlichen Verwaltungen und IT-Organisationen.


Zentrale Unterschiede: Wertstromanalyse vs. Prozessmapping

Die Frage „Wertstromanalyse vs. Prozessmapping – was ist besser?“ greift zu kurz. Beide Methoden verfolgen unterschiedliche Schwerpunkte.

1. Blickwinkel

2. Zielsetzung

3. Darstellungsform

4. Nutzung & Stakeholder


Vor- und Nachteile der Wertstromanalyse

Vorteile:

Nachteile / Grenzen:


Vor- und Nachteile des Prozessmappings

Vorteile:

Nachteile / Grenzen:


Wann eignet sich Wertstromanalyse, wann Prozessmapping?

Statt akademischer Diskussionen hilft es, typische Fragestellungen zu betrachten:

Wertstromanalyse ist geeignet, wenn Sie…

Prozessmapping ist geeignet, wenn Sie…

In vielen Projekten ist die entscheidende Frage daher nicht „Wertstromanalyse oder Prozessmapping“, sondern in welcher Reihenfolge und Tiefe beide eingesetzt werden.


Gemeinsamkeiten: Warum es kein „entweder oder“ gibt

Trotz der Unterschiede gibt es wichtige Schnittmengen:

In einem reifen Prozessmanagement-Ansatz ergänzen sich Wertstromanalyse und Prozessmapping typischerweise:

  1. Wertstromanalyse für den Überblick und die Identifikation der größten Hebel
  2. Prozessmapping für die detaillierte Ausgestaltung und Umsetzung der Maßnahmen

Schritt-für-Schritt: Wie Sie eine Wertstromanalyse durchführen

Die Durchführung einer Wertstromanalyse folgt in der Praxis meist einem klaren Vorgehen:

  1. Ziel und Produkt/Leistung definieren
    • Welcher Wertstrom wird betrachtet? (z. B. „Kundenauftrag X bis Auslieferung“)
    • Welcher Kundennutzen steht im Fokus?
  2. Ist-Wertstrom abgrenzen
    • Start- und Endpunkt festlegen
    • Beteiligte Bereiche identifizieren (z. B. Vertrieb, Disposition, Produktion, Versand)
  3. Daten vor Ort erheben (Gemba)
    • Prozessschritte tatsächlich vor Ort beobachten
    • Taktzeiten, Rüstzeiten, Bestände, Liegezeiten, Losgrößen erfassen
    • Informationsflüsse (Systeme, Freigaben, Planungszyklen) dokumentieren
  4. Ist-Wertstrom zeichnen
    • Materialfluss und Informationsfluss in einem Diagramm darstellen
    • Kennzahlen (Durchlaufzeit, Bearbeitungszeit, OEE, Bestände) ergänzen
  5. Verschwendung und Engpässe identifizieren
    • Wo entstehen Wartezeiten, Überproduktion, Transport, Überbearbeitung etc.?
    • Wo liegen Engpässe und Überlastungen?
  6. Soll-Wertstrom entwerfen
    • Zukünftigen, verbesserten Fluss mit reduzierten Beständen und Wartezeiten entwerfen
    • Prinzipien wie One-Piece-Flow, Pull-Steuerung, kleinere Lose einsetzen
  7. Maßnahmenplan erstellen und umsetzen
    • Priorisierte Maßnahmenliste ableiten
    • Verantwortlichkeiten, Termine, Kennzahlen festlegen
    • Nach Umsetzung: Wirkung messen und Zyklus wiederholen

Dieses Vorgehen ist bewusst pragmatisch gehalten und eignet sich sowohl für Produktion als auch für administrative Wertströme, wenn die Schritte sauber auf die jeweilige Umgebung übertragen werden.


Schritt-für-Schritt: Wie Sie ein Prozessmapping aufsetzen

Auch für das Prozessmapping hat sich ein strukturiertes Vorgehen bewährt:

  1. Prozessziel und Scope klären
    • Was ist Zweck und gewünschtes Ergebnis des Prozesses?
    • Welche Bereiche, Rollen und Systeme sind betroffen?
  2. Prozessinformationen sammeln
    • Interviews und Workshops mit Prozessbeteiligten
    • Analyse von vorhandenen Dokumenten, Richtlinien und Systembeschreibungen
  3. Hauptprozessschritte identifizieren
    • Grobe Kette von Aktivitäten definieren (z. B. „Anfrage prüfen – Angebot erstellen – Auftrag anlegen – liefern – abrechnen“)
  4. Detailprozess in Diagrammform abbilden
    • Wahl der Notation (z. B. Flussdiagramm, Swimlane, BPMN)
    • Darstellung von Aktivitäten, Entscheidungen, Schleifen, Eskalationen
    • Zuordnung zu Rollen (Lanes) und Systemen
  5. Varianten und Ausnahmen ergänzen
    • Sonderfälle, Eskalationspfade, manuelle Workarounds sichtbar machen
  6. Validierung mit Stakeholdern
    • Diagramm mit Prozessbeteiligten durchgehen
    • Lücken, Unklarheiten und Inkonsistenzen klären
  7. Freigabe, Nutzung und Pflege sicherstellen
    • Ablage im Prozesshandbuch oder BPM-System
    • Nutzung für Schulung, Audit, IT-Umsetzung
    • Verantwortliche für regelmäßige Aktualisierung benennen

Prozessmapping schafft damit eine klare, gemeinsam akzeptierte Referenz, auf die Verbesserungs- und Digitalisierungsprojekte aufbauen können.


Praxisbeispiel: Kombination von Wertstromanalyse und Prozessmapping

Stellen Sie sich ein Unternehmen mit folgendem Problem vor:

Schritt 1: Wertstromanalyse

Aus der Wertstromanalyse werden Fokusbereiche abgeleitet, z. B.:

Schritt 2: Prozessmapping

Für diese kritischen Teilprozesse werden detaillierte Prozessdiagramme erstellt:

So werden konkrete Ansatzpunkte sichtbar:

Schritt 3: Umsetzung

Die Kombination aus Wertstromanalyse (für den Überblick) und Prozessmapping (für die Umsetzung) führt zu messbaren Verbesserungen:


Häufige Fehler bei Wertstromanalyse und Prozessmapping

Typische Fehler bei der Wertstromanalyse:

Typische Fehler beim Prozessmapping:


Erfolgsfaktoren für den sinnvollen Einsatz beider Methoden

Unabhängig davon, ob Sie Wertstromanalyse oder Prozessmapping einsetzen, sind folgende Erfolgsfaktoren entscheidend:


Entscheidungsleitfaden: Wie Sie die passende Methode wählen

Die folgende Orientierung hilft bei der praktischen Entscheidung „Wertstromanalyse vs. Prozessmapping – oder beides?“:

Stellen Sie sich zunächst drei Fragen:

  1. Geht es um End-to-End-Durchlaufzeit und Fluss über mehrere Bereiche hinweg?
    • Ja → Starten Sie mit einer Wertstromanalyse.
    • Nein → Eher Prozessmapping auf der relevanten Ebene.
  2. Müssen Rollen, Verantwortlichkeiten und System-Schnittstellen klar dokumentiert werden?
    • Ja → Nutzen Sie Prozessmapping als Hauptwerkzeug.
    • Ergänzend kann eine Wertstromsicht helfen, Prioritäten zu setzen.
  3. Planen Sie operative Verbesserungsprojekte oder IT-/Automatisierungsprojekte?
    • Operative Lean-Verbesserung, Lead Time, Bestände → Wertstromanalyse zuerst, dann Detailprozesse
    • IT-Umsetzung, Workflow-Design, RPA → Prozessmapping zuerst, Wertstromanalyse als Ergänzung für Prioritäten und Business Case

In der Praxis hat sich folgende Kombination bewährt:


Fazit Wertstromanalyse vs. Prozessmapping: Wertstromanalyse und Prozessmapping gezielt kombinieren

Die Frage „Wertstromanalyse vs. Prozessmapping“ lässt sich nicht mit einem einfachen Entweder-oder beantworten.

Für Entscheider, Projektleiter und Fachverantwortliche bedeutet das:
Nutzen Sie die Wertstromanalyse, um Prioritäten und Business Cases zu schärfen, und setzen Sie Prozessmapping ein, um ausgewählte Prozesse so zu gestalten, dass sie tragfähig, auditfest und digitalisierbar sind.

Wenn Sie diese Kombination strukturiert aufbauen möchten – etwa im Rahmen eines Lean-/Prozessmanagement-Programms oder bei der Vorbereitung einer größeren Digitalisierungsinitiative – lohnt sich externe Unterstützung. Ein erfahrener Partner wie PURE Consultant kann helfen, die passenden Methoden, Tools und Workshop-Formate auf Ihre Organisation zuzuschneiden und Ihr Team so zu befähigen, dass Wertstrom- und Prozesssicht dauerhaft zusammenwachsen.

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