Ishikawa Diagramm vs. 5-Why-Methode

Ishikawa Diagramm vs. 5-Why-Methode – Systematische Ursachenanalyse ist ein zentraler Erfolgsfaktor in Qualität, Projekten und Prozessmanagement. Zwei der bekanntesten Werkzeuge sind das Ishikawa-Diagramm und die 5-Why-Methode. Beide zielen auf die eigentliche Grundursache („Root Cause“) eines Problems – nutzen aber unterschiedliche Ansätze.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie beide Methoden funktionieren, worin sie sich unterscheiden, wann welche Herangehensweise sinnvoll ist und wie Sie beide gezielt kombinieren. Mit praxisnahen Beispielen und klaren Schritten können Sie die Methoden direkt in Ihrem Unternehmen einsetzen.

Ishikawa Diagramm vs. 5-Why-Methode
Ishikawa Diagramm vs. 5-Why-Methode

Warum strukturierte Ursachenanalyse entscheidend ist

Unklare Ursachen führen zu Symptombehandlung: mehr Kontrollen, mehr Meetings, mehr Aufwand – ohne das Problem nachhaltig zu lösen. Typische Folgen:

Professionelle Root-Cause-Methoden wie Ishikawa-Diagramm und 5-Why-Analyse helfen, Probleme transparent zu machen und Entscheidungen faktenbasiert zu treffen – statt auf Basis von Bauchgefühl oder Schuldzuweisungen.


Was ist ein Ishikawa-Diagramm?

Kurzdefinition:
Das Ishikawa-Diagramm (auch Fischgräten- oder Ursache-Wirkungs-Diagramm) ist ein visuelles Werkzeug, um mögliche Ursachen eines Problems strukturiert zu sammeln und nach Kategorien zu ordnen.

Zweck und Idee

Das Ishikawa-Diagramm unterstützt Teams dabei:

Es ist besonders geeignet, wenn:

Typische Kategorien im Ishikawa-Diagramm

Je nach Kontext werden verschiedene „Hauptknochen“ verwendet, z. B.:

In der Produktion hat sich oft die 6M-Logik etabliert (Mensch, Maschine, Methode, Material, Milieu, Messung). In IT- und Service-Kontexten werden Kategorien angepasst, z. B. „Prozess“, „System“, „Organisation“, „Kunde“.

Schritt-für-Schritt: Ishikawa-Diagramm anwenden

  1. Problem präzise formulieren
    • Klarer, messbarer Satz: z. B. „Die Durchlaufzeit für Kundenanfragen überschreitet in 30 % der Fälle das SLA von 24 Stunden.“
  2. Diagramm aufsetzen
    • Rechts das Problem („Wirkung“) notieren.
    • Hauptkategorien (z. B. Mensch, Prozess, System, Organisation) als „Knochen“ anzeichnen.
  3. Mögliche Ursachen sammeln (Brainstorming)
    • Interdisziplinäres Team einbinden.
    • Alle Ideen zunächst wertfrei erfassen.
    • Ursachen den Kategorien zuordnen.
  4. Ursachen strukturieren und verfeinern
    • Unterursachen ergänzen („Was führt dazu?“).
    • Ähnliche Ursachen zusammenfassen.
    • Lücken identifizieren und gezielt nachfragen.
  5. Bewerten und priorisieren
    • Welche Ursachen sind wahrscheinlich besonders einflussreich?
    • Wo gibt es Daten oder Hinweise?
    • Welche Ursachen sollten vertieft (z. B. mit 5-Why) untersucht werden?
  6. Ergebnisse dokumentieren und freigeben
    • Diagramm sichern, teilen und regelmäßig aktualisieren.
    • Verantwortlichkeiten für weitere Analysen und Maßnahmen festlegen.

Stärken und Grenzen des Ishikawa-Diagramms

Vorteile:

Einschränkungen:


Was ist die 5-Why-Methode?

Kurzdefinition:
Die 5-Why-Methode ist eine Fragetechnik der Ursachenanalyse, bei der auf eine Problemursache wiederholt „Warum?“ gefragt wird, bis die zugrunde liegende Grundursache identifiziert ist.

Zweck und Idee

Die Kernannahme: Hinter einem konkreten Fehler steckt oft eine Kette von Ursachen. Durch das mehrfache Nachfragen nach dem „Warum“ dringt man schrittweise von der sichtbaren Auswirkung zur tieferen Systemursache vor.

Die Zahl Fünf ist ein Erfahrungswert – in der Praxis können drei oder auch sieben „Warum“-Stufen nötig sein.

Die Methode eignet sich besonders, wenn:

Schritt-für-Schritt: 5-Why-Methode anwenden

  1. Problem klar formulieren
    • z. B. „Ein Kunde hat seine Bestellung nicht rechtzeitig erhalten.“
  2. Erste Warum-Frage stellen
    • „Warum hat der Kunde die Bestellung nicht rechtzeitig erhalten?“
    • Antwort z. B.: „Weil die Sendung erst zwei Tage nach Auftragseingang kommissioniert wurde.“
  3. Antwort zur nächsten Warum-Frage machen
    • „Warum wurde die Sendung erst zwei Tage nach Auftragseingang kommissioniert?“
    • Antwort z. B.: „Weil die Bestellung im System zunächst im falschen Status stand.“
  4. Schritt wiederholen, bis zur Grundursache
    • „Warum stand die Bestellung im falschen Status?“
    • „Weil die Schnittstelle zum Onlineshop sporadische Fehler hat.“
    • „Warum hat die Schnittstelle sporadische Fehler?“
    • „Weil die Monitoring-Alerts nicht richtig konfiguriert wurden.“
    • etc.
  5. Root Cause bewerten und Maßnahmen ableiten
    • Ist die identifizierte Ursache wirklich grundlegend?
    • Welche Maßnahmen verhindern Wiederholung?
    • Prozesse, Systeme, Standards anpassen (nicht nur Einzelfall reparieren).

Stärken und Grenzen der 5-Why-Methode

Vorteile:

Einschränkungen:


Ishikawa Diagramm vs. 5-Why-Methode im direkten Vergleich

Gemeinsamkeiten

Unterschiede auf einen Blick

AspektIshikawa-Diagramm5-Why-Methode
HauptzielBreite Sammlung und Strukturierung von UrsachenVertiefte Analyse einer Ursachenlinie
DarstellungsformVisuelles Diagramm (Fischgräte)Textbasierte Fragesequenz
Typische NutzungWorkshops, Gruppenarbeit, komplexe ThemenEinzel- oder Kleingruppenarbeit, fokussierte Fälle
FokusViele mögliche Ursachen, KategorienEine Ursachen-Kette bis zur Root Cause
KomplexitätEher höher, breiter KontextEher gering, schnelles Format
DatenbasisHäufig Kombination aus Erfahrung und DatenStark abhängig von Erfahrungswissen
ErgebnisÜbersicht über Ursachenlandschaft, Priorisierung notwendigKonkrete Grundursache plus Maßnahmenidee

Wann ist welches Werkzeug sinnvoll?

Eine häufige Praxisfrage lautet: „Sollte ich für meine Ursachenanalyse lieber ein Ishikawa-Diagramm oder die 5-Why-Methode verwenden?“

Orientierung bieten diese Leitfragen:

In vielen Unternehmen ist die Kombination beider Methoden besonders wirkungsvoll – dazu weiter unten mehr.


Praxisbeispiele: Anwendung in unterschiedlichen Kontexten

1. Produktion und Qualitätsmanagement

Beispielproblem: Hohe Ausschussquote in einer Fertigungslinie.

Vorgehen:

Ergebnis:
Nicht nur „Maschine falsch kalibriert“, sondern z. B. „Wartungsplan berücksichtigt neue Produktvariante nicht“ – mit der Folge, dass Wartungsintervalle, Checklisten und Schulungskonzepte angepasst werden.

2. Service- und Backoffice-Prozesse

Beispielproblem: Lange Bearbeitungszeiten in einem Shared Service Center.

Vorgehen:

Ergebnis:
Root Cause könnte in einem veralteten Vier-Augen-Prinzip liegen, das aus historischen Gründen nie angepasst wurde. Maßnahme: risikobasierte Freigaben, Delegation von Aufgaben, Automatisierung bestimmter Schritte.

3. IT, Digitalisierung und Projekte

Beispielproblem: Regelmäßige Ausfälle einer kritischen Applikation.

Vorgehen:

Ergebnis:
Die Grundursache kann in einem fehlenden automatisierten Deployment-Prozess und unzureichenden Tests liegen. Daraus folgen Maßnahmen wie CI/CD-Pipelines, Automatisierung und klarere Rollen in der Release-Governance.


Kombination von Ishikawa-Diagramm und 5-Why-Methode

In der Praxis ist die Frage „Ishikawa Diagramm vs. 5-Why-Methode“ oft irreführend, weil sich beide Werkzeuge hervorragend ergänzen.

Eine sinnvolle Kombinationslogik:

  1. Start mit Ishikawa-Diagramm
    • Ziel: alle relevanten Ursachen für ein Problem identifizieren und strukturieren.
    • Ergebnis: priorisierte Liste potenziell wichtiger Ursachen oder Ursachencluster.
  2. Vertiefung mit 5-Why-Methode
    • Für die Top-Ursachen oder -Cluster wird jeweils eine 5-Why-Analyse durchgeführt.
    • Ziel: die eigentliche Root Cause auf Systemebene finden (z. B. Governance, Prozessdesign, Kultur, Technik).
  3. Von der Ursache zur Maßnahme
    • Aus den Root Causes werden strukturierte Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet.
    • Maßnahmen sollten Prozess-, System- und Organisationsänderungen beinhalten – nicht nur „mehr Schulung“ oder „mehr Aufmerksamkeit“.

So wird aus einem visuellen Ursachenbaum (Ishikawa) und einer tiefen Ursachenlinie (5-Why) ein konsistenter Problemlösungsprozess.


Häufige Fehler bei der Ursachenanalyse – und wie Sie sie vermeiden

Unabhängig davon, ob Sie mit Ishikawa-Diagramm, 5-Why-Methode oder beiden arbeiten, treten immer wieder ähnliche Stolperfallen auf:


Schritt-für-Schritt: So führen Sie beide Methoden im Unternehmen ein

Für Entscheider, Projektleiter und Führungskräfte reicht es nicht, nur einzelne Workshops zu organisieren. Erfolgreich wird Ursachenanalyse, wenn sie in Strukturen und Kultur verankert ist.

Ein mögliches Vorgehen:

  1. Zielbild definieren
    • Welche Probleme sollen systematisch mit Ishikawa-Diagramm und 5-Why-Methode bearbeitet werden (Qualität, Service, IT, Projekte)?
    • Wie soll der Reifegrad in 12–24 Monaten aussehen?
  2. Standards und Leitfäden entwickeln
    • Einheitliche Templates für Ishikawa-Diagramme und 5-Why-Analysen.
    • Kurze, verständliche Anleitungen („One-Pager“) für Moderatoren und Teams.
  3. Pilotprojekte auswählen
    • Konkrete Probleme mit hoher Relevanz wählen (z. B. SLA-Verletzungen, Reklamationen, Systemausfälle).
    • In diesen Projekten bewusst mit beiden Methoden arbeiten.
  4. Rollen und Verantwortlichkeiten klären
    • Wer moderiert Ursachenanalyse-Workshops?
    • Wer entscheidet über Maßnahmen?
    • Wer überwacht die Wirksamkeit der Verbesserungen?
  5. Schulung und Coaching
    • Führungskräfte und Schlüsselpersonen in den Methoden schulen.
    • Echtfälle nutzen statt abstrakter Beispiele.
    • Beobachten, wie gut die Methoden angewendet werden, und gezielt nachsteuern.
  6. Integration in bestehende Steuerungssysteme
    • Verknüpfung mit KVP-/CIP-Prozessen, Lean- oder Agile-Routinen, Qualitäts- und Projektmanagement.
    • Ursachenanalysen als festen Bestandteil von Eskalationsprozessen, Lessons Learned, Post-Mortems oder Retrospektiven etablieren.
  7. Erfolge kommunizieren
    • Verbesserungen und „Best Cases“ sichtbar machen.
    • So entsteht Akzeptanz und Motivation, die Methoden konsequent zu nutzen.

Gerade bei der unternehmensweiten Einführung von Problemlösungsmethoden ist externe Unterstützung hilfreich – etwa für Konzeption, Moderation zentraler Workshops oder Training von Multiplikatoren. Ein erfahrener Beratungspartner wie PURE Consultant kann hierbei Struktur liefern, Best Practices einbringen und den Transfer in den Alltag begleiten.


Ishikawa Diagramm vs. 5-Why-Methode – Zusammenfassung und Empfehlung für die Praxis

Für Entscheider, Projektmanager und Fachverantwortliche bedeutet das:

Wenn Sie vor der Herausforderung stehen, komplexe Probleme nachhaltig zu lösen oder Ursachenanalysen professionell in Ihrem Unternehmen zu verankern, lohnt sich ein strukturierter Blick von außen. In einer gemeinsamen Analyse können Sie prüfen, wie Ishikawa-Diagramm, 5-Why-Methode und weitere Problemlösungswerkzeuge in Ihre bestehende Organisation und Kultur integriert werden – damit Verbesserungen nicht zufällig, sondern systematisch und wiederholbar sind.

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