Hackman Autoritätsmatrix anwenden

Hackman Autoritätsmatrix anwenden – Unklare Zuständigkeiten, Doppelarbeit und Entscheidungen, die zwischen Management und Team hin- und hergeschoben werden – viele Projekt- und Linienorganisationen kennen diese Probleme nur zu gut. Die Hackman Autoritätsmatrix bietet einen strukturierten Ansatz, um Verantwortlichkeiten konsequent zu klären und Teams gezielt in Richtung mehr Selbstorganisation zu entwickeln. In diesem Beitrag erfahren Sie, was hinter der Autoritätsmatrix nach Hackman steckt, wie Sie sie Schritt für Schritt anwenden und welche typischen Fallstricke Sie vermeiden sollten.

Hackman Autoritätsmatrix anwenden
Hackman Autoritätsmatrix anwenden

Was ist die Hackman Autoritätsmatrix?

Die Hackman Autoritätsmatrix ist ein Modell zur Gestaltung von Team-Autorität. Sie zeigt, welche Entscheidungen vom Management und welche vom Team getroffen werden – und wie sich der Grad der Selbstorganisation systematisch steigern lässt.

Konkret kombiniert die Matrix:

Damit wird sichtbar, wie viel Entscheidungsmacht ein Team tatsächlich hat – und wo noch klassisch top-down geführt wird.


Die vier Teamtypen in der Hackman Autoritätsmatrix

Hackman unterscheidet vier Grundtypen von Teams. Sie bilden eine Entwicklungslinie von hierarchisch geführten zu hochgradig selbstorganisierten Teams:

  1. Managergeführtes Team
    • Team führt Aufgaben aus, die von einer Führungskraft geplant und vorgegeben werden.
    • Entscheidungen zu Zielen, Prozessen, Struktur und Kontext liegen überwiegend beim Management.
  2. Selbstorganisierendes (self-managing) Team
    • Team entscheidet eigenständig, wie es die Aufgaben erledigt.
    • Ziele und Rahmenbedingungen werden meist weiterhin von außen vorgegeben.
    • Prozessgestaltung, Ressourceneinsatz und operative Priorisierung liegen im Team.
  3. Selbstgestaltendes (self-designing) Team
    • Zusätzlich zur Prozessgestaltung beeinflusst das Team Struktur und Zusammensetzung: Rollen, Zuständigkeiten, teilweise auch Mitglieder.
    • Management setzt noch die grobe Richtung, das Team gestaltet „sein System“ weitgehend selbst.
  4. Selbstverwaltetes (self-governing) Team
    • Höchste Stufe: Das Team verantwortet Aufgaben, Prozesse, Struktur und teilweise auch die strategische Ausrichtung des eigenen Bereichs.
    • Typisch für Business Units oder Produktlinien mit weitgehender Ergebnisverantwortung.

Nicht jedes Team muss oder soll selbstverwaltet sein. Die Stärke der Hackman Autoritätsmatrix liegt darin, passende Zielbilder für unterschiedliche Teams zu finden – statt überall maximale Selbstorganisation zu erzwingen.


Die vier Verantwortungsbereiche in der Matrix

Die zweite Achse der Hackman Autoritätsmatrix beschreibt Bereiche, in denen Autorität verteilt werden kann. In der Praxis haben sich folgende Kategorien bewährt:

  1. Aufgaben & Ausführung
    • Wer entscheidet, welche Aufgaben wann und wie genau erledigt werden?
    • Wer priorisiert das Tagesgeschäft und trifft operative Entscheidungen?
  2. Prozesse & Arbeitsorganisation
    • Wer gestaltet Meetings, Workflows, Tools und Regeln der Zusammenarbeit?
    • Wer entscheidet über Verbesserungen im Arbeitsprozess?
  3. Struktur & Zusammensetzung des Teams
    • Wer legt Rollen, Verantwortlichkeiten und ggf. Teamzuschnitt fest?
    • Wer entscheidet über neue Teammitglieder oder Wechsel?
  4. Ziele & strategische Ausrichtung
    • Wer definiert Mission, Ziele, Kennzahlen und Strategie des Teams?
    • Wer bestimmt, ob ein Projekt gestartet, verändert oder beendet wird?

Die Kombination aus Teamtyp (Reifegrad) und Verantwortungsbereich macht klar sichtbar, wo Ihr Team schon echte Entscheidungsmacht hat – und wo nur scheinbar.


Warum die Hackman Autoritätsmatrix anwenden?

Die Anwendung der Hackman Autoritätsmatrix lohnt sich vor allem, wenn:

Zentrale Vorteile:


Hackman Autoritätsmatrix anwenden – Schritt-für-Schritt

Im Folgenden finden Sie einen pragmatischen Leitfaden, wie Sie die Hackman Autoritätsmatrix in Ihrer Organisation nutzen können.

1. Ziel und Kontext klären

Bevor Sie die Hackman Autoritätsmatrix anwenden, sollten Sie beantworten:

Erst wenn der Anwendungsfall klar ist, lohnt sich die Arbeit mit der Matrix. Andernfalls diskutieren Sie zu abstrakt.

2. Entscheidungsfelder und Verantwortungsbereiche definieren

Im nächsten Schritt konkretisieren Sie, wo Entscheidungen anfallen, zum Beispiel:

Diese Entscheidungsfelder ordnen Sie dann den vier oben beschriebenen Verantwortungsbereichen zu:

Tipp: Arbeiten Sie hier mit einer einfachen Tabelle oder einem Whiteboard. Visualisierung reduziert Missverständnisse.

3. Ist-Zustand in der Hackman Autoritätsmatrix erfassen

Nun übertragen Sie die Realität in die Matrix:

Praktische Vorgehensweise im Workshop:

  1. Erstellen Sie die Matrix (4 Verantwortungsbereiche × 4 Teamtypen).
  2. Gehen Sie Entscheidungsfeld für Entscheidungsfeld durch.
  3. Markieren Sie, wer faktisch entscheidet – nicht, wer es laut Organigramm tun sollte.
  4. Nutzen Sie farbige Klebezettel:
    • Management entscheidet
    • Team entscheidet
    • Gemischt / unklar

Das Ergebnis ist oft überraschend: Viele Organisationen entdecken, dass ihre Teams weniger Autorität haben, als sie dachten – oder dass Entscheidungen inkonsistent verteilt sind.

4. Zielbild für den Autoritätsgrad definieren

Im nächsten Schritt beantworten Sie die Kernfrage:

„Wie viel Selbstorganisation ist für dieses Team wirklich sinnvoll und gewollt?“

Nicht jedes Team braucht die Stufe selbstverwaltet. Ein praktikabler Ansatz ist:

Für jede Kombination aus Verantwortungsbereich und Teamtyp legen Sie fest:

Dieses Zielbild halten Sie in einer zweiten Matrix fest.

5. Gap-Analyse: Differenzen erkennen

Jetzt vergleichen Sie:

Typische Muster:

Für jede erkennbare Lücke beantworten Sie:

So verwandeln Sie die abstrakte Matrix in eine konkrete Change-Agenda.

6. Maßnahmen ableiten: Governance, Rollen, Prozesse

Aus der Gap-Analyse ergeben sich meist drei Arten von Maßnahmen:

  1. Klarstellung von Entscheidungsrechten
    • RACI-Matrizen, Delegation Boards oder einfache Decision-Logs
    • schriftliche Vereinbarungen, worüber das Team final entscheidet und wo es nur empfiehlt
  2. Anpassung von Rollen und Strukturen
    • z. B. neue Rolle „Product Owner“ oder „Chapter Lead“
    • Zusammenlegung oder Trennung von Teams, um funktionsfähige Einheiten zu schaffen
  3. Weiterentwicklung von Methoden und Kompetenzen
    • Schulung in agiler Arbeitsweise, Priorisierung, Konfliktlösung
    • Coaching für Führungskräfte beim Loslassen operativer Entscheidungen

Wichtig: Die Hackman Autoritätsmatrix ersetzt keine Führung, sie verändert Führung. Führungskräfte verschieben ihren Fokus von „selbst entscheiden“ hin zu „Entscheidungsfähigkeit im Team ermöglichen“.

7. Inspect & Adapt: Matrix regelmäßig überprüfen

Autorität ist kein einmalig festzulegender Zustand. Organisationen, Märkte und Teams verändern sich. Deshalb:

So wird die Hackman Autoritätsmatrix zu einem lebendigen Steuerungsinstrument statt zu einem einmaligen Workshop-Artefakt.


Praxisbeispiele: Hackman Autoritätsmatrix in Projekten und Linienorganisation

Beispiel 1: Klassisches Projektteam im Konzern

Ausgangslage:

Anwendung der Matrix:

Ergebnis:

Beispiel 2: Agiles Produktteam (Scrum)

Ausgangslage:

Anwendung der Matrix:

Ergebnis:

Beispiel 3: Fachbereichsteam (z. B. HR oder Controlling)

Ausgangslage:

Anwendung der Matrix:

Ergebnis:


Typische Fehler bei der Anwendung der Hackman Autoritätsmatrix

Bei der Einführung der Hackman Autoritätsmatrix treten immer wieder ähnliche Stolpersteine auf:


Praktische Tipps für Workshops mit der Hackman Autoritätsmatrix

Damit ein Workshop zur Hackman Autoritätsmatrix wirksam wird, helfen folgende Punkte:


Häufige Fragen zur Hackman Autoritätsmatrix

Was bringt es, die Hackman Autoritätsmatrix anzuwenden?
Sie erhalten ein klares, gemeinsam getragenes Bild, wer in Ihrem Unternehmen welche Entscheidungen trifft – und wo Sie Verantwortung systematisch ins Team verlagern können, um Geschwindigkeit, Qualität und Engagement zu erhöhen.

Für welche Teams eignet sich die Autoritätsmatrix nach Hackman?
Für:

Kurz: immer dann, wenn mehrere Personen gemeinsam Ergebnisse liefern und Verantwortlichkeiten nicht vollkommen trivial sind.

Wie lange dauert ein erster Workshop mit der Matrix?
In der Praxis haben sich Formate von ½ bis 1 Tag bewährt, abhängig von:

Muss jedes Team selbstverwaltet werden?
Nein. Die Hackman Autoritätsmatrix hilft gerade dabei, realistische Zielbilder zu finden. In manchen Bereichen ist ein managergeführtes oder nur teilweise selbstorganisiertes Team sinnvoller – etwa bei hoher Regulierung oder stark standardisierten Prozessen.


Fazit: Hackman Autoritätsmatrix gezielt einsetzen

Die Hackman Autoritätsmatrix ist ein wirkungsvolles Instrument, um Autorität, Verantwortung und Selbstorganisation im Unternehmen bewusst zu gestalten. Sie macht sichtbar,

Für Entscheider, Projektmanager und Führungskräfte ist sie damit ein praktischer Hebel, um klassische Strukturen Schritt für Schritt in leistungsfähige, verantwortungsstarke Teams zu verwandeln – ohne in dogmatischen Agilitätsdiskussionen stecken zu bleiben.

Wenn Sie die Hackman Autoritätsmatrix in Ihren Projekten oder Bereichen strukturiert einführen, Workshops gestalten oder mit Ihrer agilen Transformation verzahnen möchten, lohnt sich der Blick auf externe Unterstützung. Erfahrene Berater wie PURE Consultant begleiten Sie dabei, ein zu Ihrer Organisation passendes Autoritäts- und Führungsmodell zu entwickeln und nachhaltig zu verankern.

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