Elemente eines Use Case Diagramms

Elemente eines Use Case Diagramms – Use Case Diagramme gehören zu den am häufigsten genutzten UML-Diagrammen in der Anforderungsanalyse. Sie helfen dabei, Anforderungen früh zu strukturieren, mit Fachbereichen zu diskutieren und einen gemeinsamen Blick auf das geplante System zu bekommen. Trotzdem bleiben viele Beschreibungen der Diagrammelemente recht abstrakt.

In diesem Artikel schauen wir uns die Elemente eines Use Case Diagramms im Detail an, ordnen sie fachlich ein und zeigen, wie du sie in der Praxis sauber einsetzt.

Elemente eines Use Case Diagramms
Elemente eines Use Case Diagramms

1. Was ist ein Use Case Diagramm?

Ein Use Case Diagramm beschreibt aus Sicht der Nutzer (Akteure), welche Funktionen ein System anbieten soll, ohne sich in technische Details zu verlieren.

Statt Klassen, Datenstrukturen oder Algorithmen stehen hier Fragen im Vordergrund wie:

Das Diagramm ist damit perfekt für frühe Projektphasen, weil es:


2. Die zentralen Elemente im Überblick

Bevor wir ins Detail gehen, hier die wichtigsten Bausteine eines Use Case Diagramms:

Im Folgenden gehen wir jedes dieser Elemente einzeln durch und beleuchten typische Praxisfragen.


3. Akteure: Wer interagiert mit dem System?

Akteure stehen außerhalb des Systems und repräsentieren Rollen, die mit dem System interagieren. Das können Menschen sein, doch ebenso gut auch andere IT-Systeme, Geräte oder Organisationen.

3.1 Was definiert einen Akteur?

Ein Akteur:

Wichtig: Ein Akteur ist keine konkrete Person, sondern immer eine Rolle.
Statt „Max Mustermann“ modellierst du z. B. „Kunde“ oder „Sachbearbeiter“.

Typische Beispiele für Akteure:

3.2 Arten von Akteuren

Du kannst Akteure weiter unterscheiden, um das Diagramm klarer zu strukturieren:

Diese Differenzierung ist hilfreich, weil sie spätere Architektur- und Schnittstellendiskussionen vorbereitet.

3.3 So modellierst du Akteure sauber

Beim Modellieren von Akteuren helfen dir ein paar einfache Regeln:


4. Anwendungsfälle: Was leistet das System?

Anwendungsfälle (Use Cases) beschreiben in Form von Leistungen, was das System für einen Akteur tut. Sie sind das Herzstück des Diagramms.

4.1 Charakteristik eines Anwendungsfalls

Ein guter Use Case:

Beispiele:

4.2 Gute Namen für Use Cases

Die Namensgebung beeinflusst massiv, wie gut Fachbereiche das Diagramm verstehen. Achte darauf, dass du:

So kannst du auch Missverständnisse früh reduzieren, weil du dieselbe Sprache sprichst wie deine Stakeholder.

4.3 Typische Fehler bei Anwendungsfällen

Immer wieder tauchen ähnliche Fehler auf:

Gute Use Cases findest du, indem du konsequent fragst:
„Welches konkrete Ziel versucht der Akteur zu erreichen?“


5. Systemgrenze: Was gehört zum System – und was nicht?

Die Systemgrenze (System Boundary) ist ein Rechteck, in dem alle Use Cases liegen. Sie zeigt auf einen Blick:

Typische Hinweise auf eine unsaubere Systemgrenze:

Eine sauber definierte Systemgrenze hilft dir, weil sie:


6. Beziehungen zwischen Elementen

Use Case Diagramme leben nicht nur von Akteuren und Use Cases, sondern auch von den Beziehungen zwischen ihnen. Diese Verbindungen machen Abläufe und Wiederverwendung sichtbar.

6.1 Assoziation zwischen Akteur und Use Case

Die einfachste Beziehung ist die Assoziation (eine Linie) zwischen einem Akteur und einem Use Case.

Sie bedeutet:
„Dieser Akteur nimmt an diesem Use Case teil.“

Beispiele:

Wichtige Praxispunkte:

6.2 «include»-Beziehung: Gemeinsame Schritte auslagern

Die «include»-Beziehung modelliert verpflichtende, wiederverwendbare Teile eines Use Cases.

Typisches Muster:

Beispiele:

Vorteile:

6.3 «extend»-Beziehung: Optionale Erweiterungen

Die «extend»-Beziehung beschreibt optionale oder bedingte Erweiterungen eines Use Cases.

Typisches Szenario:

Beispiele:

Wann nutzt du «extend» sinnvoll?

6.4 Generalisierung: Vererbung von Akteuren und Use Cases

Generalisation (Vererbung) kennst du eventuell bereits aus Klassenmodellen. Im Use Case Diagramm nutzt du sie, um gemeinsame Eigenschaften von Akteuren oder Use Cases zu bündeln.

Generalisierung von Akteuren:

Generalisierung von Use Cases:

Generalisation eignet sich, wenn:


7. Zusätzliche Diagrammelemente: Notizen und Pakete

Neben den Kern-Elementen unterstützen zwei zusätzliche Artefakte die Verständlichkeit größerer Modelle.

7.1 Notizen (Notes)

Notizen sind kleine Textfelder, die du an Elemente oder an das Diagramm als Ganzes hängen kannst. Sie dienen dazu, Erklärungen, Annahmen oder Einschränkungen direkt am Modell zu dokumentieren.

Sinnvolle Einsatzzwecke:

Mit Notizen verbesserst du die Nachvollziehbarkeit deines Modells deutlich, weil Leser Kontext nicht erst in separaten Dokumenten suchen müssen.

7.2 Pakete (Packages)

Pakete gruppieren Use Cases thematisch. Das ist vor allem in größeren Systemen hilfreich, weil du:

Beispiele für Pakete:

Pakete kannst du auch nutzen, um Verantwortungsbereiche verschiedener Teams abzubilden, damit klar bleibt, welches Team welche Use Cases verantwortet.


8. Praxisbeispiel: Use Case Diagramm für einen Online-Shop

Um die Elemente greifbarer zu machen, schauen wir uns ein vereinfachtes Beispiel an.

8.1 Akteure

8.2 Zentrale Use Cases

Innerhalb der Systemgrenze „Online-Shop“ liegen Anwendungsfälle wie:

8.3 Beziehungen und Strukturierung

Über ein einziges, klar strukturiertes Diagramm vermittelst du damit:


9. Fazit Elemente eines Use Case Diagramms: Use Case Diagramme als Brücke zwischen Fachlichkeit und Technik

Use Case Diagramme bieten eine klare, leicht verständliche Sicht auf ein System. Sie konzentrieren sich auf Ziele und Leistungen, statt sich in technischen Details zu verlieren.

Die wichtigsten Elemente lassen sich knapp zusammenfassen:

Wenn du diese Elemente bewusst einsetzt, stärkst du die Verständlichkeit deiner Modelle, reduzierst Missverständnisse und legst eine solide Grundlage für detaillierte Spezifikationen, Architekturentscheidungen und Tests.

Falls du möchtest, können wir im nächsten Schritt gemeinsam ein konkretes Use Case Diagramm für dein eigenes Projekt skizzieren – inklusive Formulierungen für die wichtigsten Anwendungsfälle.

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