Delegation Poker moderieren

Delegation Poker moderieren – Delegation Poker ist ein wirkungsvolles Format, um Rollen, Verantwortung und Entscheidungsbefugnisse in Teams bewusst zu klären. Richtig moderiert hilft es, Konflikte zu entschärfen, Micromanagement abzubauen und die Zusammenarbeit auf ein neues Niveau zu heben. Dieser Beitrag zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Delegation Poker moderieren – von der Vorbereitung über den Ablauf bis zur Nachbereitung – und welche Stolperfallen Sie als Führungskraft oder Projektverantwortlicher vermeiden sollten.

Delegation Poker moderieren
Delegation Poker moderieren

Was ist Delegation Poker?

Delegation Poker ist ein moderierter Workshop, in dem ein Team mithilfe eines Kartenspiels festlegt, wie Entscheidungen in bestimmten Bereichen getroffen werden sollen. Dabei wird auf einer Skala von „volle Entscheidung durch die Führungskraft“ bis „volle Entscheidung durch das Team“ abgestimmt und anschließend gemeinsam verhandelt, welche Delegationsstufe sinnvoll ist.

Im Kern geht es um drei Fragen:

Die 7 Delegationsstufen im Überblick

Typischerweise kommen sieben Delegationsstufen zum Einsatz:

  1. Tell – Führungskraft entscheidet und teilt die Entscheidung mit
  2. Sell – Führungskraft entscheidet, wirbt aber um Akzeptanz
  3. Consult – Führungskraft entscheidet nach Rücksprache mit dem Team
  4. Agree – Führungskraft und Team entscheiden gemeinsam
  5. Advise – Team entscheidet, Führungskraft berät
  6. Inquire – Team entscheidet, Führungskraft informiert sich im Nachgang
  7. Delegate – Team entscheidet vollständig eigenständig

Diese Skala bildet die Grundlage jeder Runde im Delegation-Poker-Workshop.


Warum und wann Delegation Poker einsetzen?

Delegation Poker eignet sich vor allem, wenn Sie:

Zentrale Mehrwerte:


Vorbereitung: Rahmen für eine erfolgreiche Moderation

Eine gute Moderation von Delegation Poker beginnt lange vor dem eigentlichen Termin. Je sorgfältiger Sie planen, desto produktiver wird der Workshop.

1. Ziel und Scope klären

Beantworten Sie vorab:

Halten Sie das Ziel schriftlich fest und formulieren Sie eine kurze Einladung, die genau dieses Ziel kommuniziert.

2. Teilnehmerkreis definieren

Für Delegation Poker benötigen Sie alle, die von den Entscheidungen betroffen sind oder diese treffen sollen:

Zu viele Personen machen das Format schwer moderierbar. Als Faustregel: 4–10 Teilnehmende pro Delegation-Poker-Runde sind gut handhabbar.

3. Entscheidungsbereiche sammeln

Erstellen Sie vor dem Workshop eine Liste typischer Entscheidungsbereiche, zum Beispiel:

Diese Liste dient als Entscheidungs-Backlog. Sie müssen nicht alle Punkte bearbeiten, aber Sie haben genügend Material für sinnvolle Runden.

4. Material und Setting organisieren

Für Präsenz-Workshops:

Für Remote-Workshops:

5. Zeitbedarf planen

Für einen ersten Workshop mit 5–8 Entscheidungsbereichen sollten Sie je nach Diskussionsintensität ca.:

einplanen. Längere Sessions sollten Sie mit Pausen strukturieren.


Wie funktioniert Delegation Poker? Der Ablauf in Kurzform

Delegation Poker folgt im Kern immer einem ähnlichen Ablauf:

  1. Delegationsskala erklären
  2. Entscheidungsbereich vorstellen
  3. Alle wählen verdeckt eine Delegationskarte
  4. Karten gleichzeitig aufdecken
  5. Unterschiede diskutieren und Verständnis klären
  6. Gemeinsame Delegationsstufe oder Spannbreite vereinbaren
  7. Vereinbarung dokumentieren

Im nächsten Abschnitt finden Sie eine detaillierte Anleitung, wie Sie Delegation Poker moderieren.


Delegation Poker moderieren: Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Ankommen und Kontext setzen

Fragen Sie in die Runde: „Welche Erwartungen haben Sie an diesen Workshop?“ und visualisieren Sie die wichtigsten Punkte.

2. Spielregeln und Delegationsstufen erklären

Stellen Sie die 7 Stufen kurz vor und verknüpfen Sie sie mit Beispielen aus dem Alltag der Teilnehmenden. Typische Erläuterung:

Definieren Sie außerdem einfache Workshop-Regeln:

3. Erste Übungsrunde zum Aufwärmen

Moderationstipp: Starten Sie mit einem unverfänglichen, alltagsnahen Entscheidungsbereich, etwa:

Lassen Sie den Ablauf einmal durchlaufen, damit alle das Prinzip verstanden haben. Klären Sie Verständnisfragen zu den Karten.

4. Entscheidungsbereiche systematisch bearbeiten

Nun arbeiten Sie nacheinander die vorbereiteten Themen aus Ihrem Entscheidungs-Backlog durch.

Pro Entscheidungsbereich:

  1. Thema erklären
    • Kurze Beschreibung durch Sie oder eine verantwortliche Person
    • Klärung: „Was genau ist hier mit ‚Budgetnutzung im Projekt‘ gemeint?“
  2. Verdecktes Wählen
    • Alle Teilnehmenden wählen eine Karte (1–7), ohne sie zu zeigen
  3. Gleichzeitiges Aufdecken
    • Auf ein Zeichen werden alle Karten gleichzeitig sichtbar gemacht
    • Notieren Sie die Spannbreite gut sichtbar (z. B. 2–6)
  4. Unterschiede diskutieren
    • Starten Sie bewusst bei den Extrempositionen: „Wer hat 2 gezogen? Wer 6?“
    • Lassen Sie jeden kurz begründen, warum er/sie diese Stufe gewählt hat
    • Achten Sie darauf, dass auch leisere Stimmen zu Wort kommen
  5. Gemeinsame Delegationsstufe aushandeln
    • Fragen Sie: „Was wäre eine Stufe, mit der wir alle leben können?“
    • Manchmal ergibt sich eine konkrete Zahl, manchmal eine Spannbreite (z. B. „zwischen 3 und 4; aktuell 3, perspektivisch 4“)
  6. Rahmenbedingungen klären
    • Was braucht das Team, um eine höhere Delegation verantwortungsvoll zu tragen?
    • Welche Informations- oder Reportingpflichten bleiben bei höherer Delegation bestehen?

5. Visualisieren und dokumentieren

Halten Sie pro Entscheidungsbereich fest:

Visualisierungen können sein:

Diese Dokumentation ist essenziell, damit Delegation Poker nicht als einmalige Spielerei verpufft.

6. Abschluss, Reflexion und nächste Schritte

Schließen Sie den Workshop mit drei Fragen:

  1. „Was nehmen Sie aus diesem Delegation Poker konkret mit?“
  2. „Wo wird sich unser tägliches Arbeiten dadurch verändern?“
  3. „Welche Vereinbarungen wollen wir in 3 Monaten überprüfen?“

Vereinbaren Sie einen Termin für ein kurzes Review (z. B. 60 Minuten in 8–12 Wochen), um zu prüfen, ob die neue Delegation in der Praxis trägt.


Präsenz vs. Remote: Besonderheiten in der Moderation

Präsenz-Workshops

Vorteile:

Achten Sie auf:

Remote-Workshops

Herausforderungen:

Tipps für die Moderation:


Typische Herausforderungen – und wie Sie als Moderator damit umgehen

1. Dominante Stimmen überlagern andere

2. Führungskräfte können schwer loslassen

3. Unklare Entscheidungsbereiche

4. Zeitdruck im Workshop

5. Fehlende psychologische Sicherheit


Praxisbeispiele: Delegation Poker in verschiedenen Kontexten

Projektorganisation in einem Konzern

Ausgangslage:
Projektleiter und Linienführungskräfte geraten regelmäßig in Konflikt, wer über Ressourceneinsatz und Prioritäten entscheidet.

Einsatz von Delegation Poker:

Effekt: Weniger Reibung in der täglichen Abstimmung, schnellere Entscheidungen, höhere Zufriedenheit im Team.

Agiles Produktteam in der IT

Ausgangslage:
Product Owner, Entwicklungsteam und Architekten sind unsicher, wer über technische Architektur, Technologien und nicht-funktionale Anforderungen entscheidet.

Einsatz von Delegation Poker:

Effekt: Klare Entscheidungskorridore, weniger Diskussionen im Sprint, mehr Fokus auf Umsetzung.

Linienorganisation in einer Fachabteilung

Ausgangslage:
Teamleiter möchte mehr Verantwortung ins Team geben, das Team zweifelt, ob es „wirklich darf“.

Einsatz von Delegation Poker:

Effekt: Höhere Eigenverantwortung, Entlastung der Leitung, transparente Spielregeln.


Häufige Fragen zur Moderation von Delegation Poker

Wie lange dauert ein Delegation-Poker-Workshop?
Für 5–8 Entscheidungsbereiche sollten Sie 2–4 Stunden einplanen, abhängig von Teamgröße, Konfliktlage und Diskussionsbedarf.

Wie oft sollte Delegation Poker durchgeführt werden?
Sinnvoll ist ein erster, ausführlicher Workshop und anschließend ein Review nach etwa 3–6 Monaten. Danach je nach Veränderungsbedarf, z. B. bei neuen Projekten, Führungswechseln oder größeren Strategiewechseln.

Wer sollte Delegation Poker moderieren?
Idealerweise jemand, der methodisch fit und inhaltlich neutral ist – etwa Agile Coach, HR Business Partner, Organisationsentwickler oder externe Berater. Führungskräfte können das Format grundsätzlich selbst moderieren, sollten dann jedoch sehr bewusst zwischen Führungs- und Moderationsrolle trennen.

Brauche ich physische Karten oder reicht ein Whiteboard?
Physische oder digitale Karten sind hilfreich, weil sie den Entscheidungsprozess greifbar machen und für alle gleichzeitig sichtbar sind. Für Remote-Formate sind einfache digitale Kartensets oder entsprechende Tools empfehlenswert.

Kann Delegation Poker Entscheidungen ersetzen?
Nein. Delegation Poker macht Entscheidungen über Entscheidungen sichtbar und legt fest, wer wie entscheiden soll. Die inhaltlichen Entscheidungen selbst müssen anschließend im Alltag getroffen und gelebt werden.


Nach dem Workshop: Wie Sie Delegation im Alltag verankern

Damit Delegation Poker nachhaltige Wirkung entfaltet, braucht es konkrete Schritte nach dem Workshop:


Fazit Delegation Poker moderieren: Bewusst delegieren statt intuitiv steuern

Delegation Poker ist weit mehr als ein Kartenspiel. Richtig moderiert wird es zu einem kraftvollen Dialogformat, mit dem Führungskräfte, Projektleiter und Teams Verantwortung, Entscheidungsfreiheit und Kontrolle transparent aushandeln. Das reduziert Konflikte, beschleunigt Entscheidungen und stärkt Vertrauen und Selbstorganisation.

Wenn Sie Delegation Poker in Ihrer Organisation systematisch einsetzen möchten – etwa als Bestandteil Ihrer Führungsentwicklung oder agilen Transformation – lohnt es sich, mit erfahrenen Moderatoren und Beratern der PURE Consultant zu arbeiten.

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