Ambidextrie erklärt

Ambidextrie erklärt – Ambidextrie gilt als eine der wichtigsten Antworten auf die Frage, wie Unternehmen gleichzeitig effizient im Kerngeschäft bleiben und sich dennoch radikal erneuern können. Viele Organisationen stecken genau in diesem Dilemma: Einerseits sollen Prozesse stabil laufen, Kosten sinken und Qualität steigen. Andererseits verlangt der Markt nach Innovation, neuen Geschäftsmodellen und hoher Veränderungsgeschwindigkeit.
Dieser Beitrag erklärt Ambidextrie verständlich, zeigt Formen und Praxisbeispiele und beschreibt, wie Sie als Entscheider, Führungskraft oder Projektmanager Ambidextrie konkret einführen und steuern können.

Ambidextrie erklärt
Ambidextrie erklärt

Was bedeutet Ambidextrie in Unternehmen?

Kurzdefinition:
Ambidextrie (organisationale Beidhändigkeit) beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, gleichzeitig das bestehende Kerngeschäft zu optimieren (Exploitation) und neue Chancen durch Innovation zu erkunden (Exploration) – ohne dass sich diese beiden Ziele gegenseitig blockieren.

Wichtige Begriffe:

Eine ambidextre Organisation schafft Strukturen, Prozesse und eine Kultur, in der beide Logiken – Effizienz und Innovation – bewusst nebeneinander existieren und professionell gemanagt werden.


Warum Ambidextrie für Unternehmen immer wichtiger wird

Unternehmen stehen heute parallel vor mehreren Herausforderungen:

Das führt zu einem Spannungsfeld:

Ambidextrie erklärt genau dieses Spannungsfeld und bietet einen Rahmen, wie Organisationen bewusst zwischen Erneuerung und Stabilität balancieren.


Formen der organisationalen Ambidextrie

In der Praxis haben sich drei Hauptformen etabliert, wie Unternehmen Ambidextrie organisieren:

1. Strukturelle Ambidextrie

Strukturelle Ambidextrie trennt Exploration und Exploitation organisatorisch.

Typische Merkmale:

Vorteile:

Risiken:

2. Kontextuelle Ambidextrie

Kontextuelle Ambidextrie bedeutet, dass ein und dieselbe Organisationseinheit (z. B. ein Team oder Bereich) sowohl Exploitation als auch Exploration leistet – je nach Situation.

Typische Merkmale:

Vorteile:

Risiken:

3. Sequentielle Ambidextrie

Sequentielle Ambidextrie wechselt zeitlich zwischen Phasen der Exploitation und Phasen der Exploration.

Typische Merkmale:

Vorteile:

Risiken:


Praxisbeispiele: Wie ambidextre Organisationen aussehen

Die abstrakten Konzepte werden greifbarer, wenn man typische Muster ambidextrer Organisationen betrachtet.

Beispiel 1: Mittelständler mit Innovationsunit

Wichtig: Es gibt klare Schnittstellen zur Linie, etwa über gemeinsame Steering Committees oder Portfolio-Boards.

Beispiel 2: IT-Organisation mit „bimodaler“ Struktur

Ambidextrie wird hier sichtbar in unterschiedlichen Projektarten, Prozessen und Governance-Strukturen.

Beispiel 3: Projektportfolio mit ambidextrem Mix

Die Ambidextrie findet im Portfolio statt: Die Organisation achtet bewusst auf eine Balance von „Run the Business“ und „Change the Business“.


Ambidextrie vs. klassisches Change- und Innovationsmanagement

Ambidextrie ist mehr als „ein weiteres Veränderungsprojekt“ oder ein Innovationsprogramm.

Unterschiede im Überblick:

Ambidextrie erklärt damit nicht nur ein Projekt, sondern ein grundlegendes Führungs- und Organisationsprinzip.


Voraussetzungen für eine ambidextre Organisation

Damit Ambidextrie funktioniert, braucht es bestimmte Voraussetzungen auf mehreren Ebenen.

Struktur & Governance

Kultur & Mindset

Führung

Kompetenzen & Methoden


Ambidextrie umsetzen: Schritt-für-Schritt-Vorgehen

Wie lässt sich Ambidextrie konkret einführen? Eine mögliche Vorgehensweise:

  1. Ist-Analyse: Wo stehen wir heute?
    • Welche Bereiche sind stark auf Exploitation ausgerichtet?
    • Wo finden bereits explorative Aktivitäten statt (oft informell)?
    • Welche Zielkonflikte werden heute nicht adressiert?
  2. Zielbild definieren
    • Wo brauchen wir mehr Exploration (z. B. neue Geschäftsmodelle, neue Technologien)?
    • Wo ist operative Exzellenz besonders kritisch?
    • Welche Form der Ambidextrie (strukturell, kontextuell, sequentiell) passt zu uns?
  3. Organisatorische Verankerung
    • Entscheidung: eigene Innovationsbereiche, Labs, Venture-Einheiten oder kontextuelle Ambidextrie im Team
    • Anpassung von Rollen, Gremien und Entscheidungswegen
    • Etablierung eines Projekt- und Portfoliomanagements, das beides abbildet
  4. Führungs- und Kulturarbeit
    • Schulungen und Sparrings für Führungskräfte (Ambidextriekompetenz)
    • Klärung von Erwartungen und Leitplanken an Teams
    • Anpassung von Incentives und Performance-Systemen, um Exploration nicht zu bestrafen
  5. Pilotierung
    • Start in ausgewählten Bereichen (z. B. ein Geschäftsbereich, ein Land, eine Produktlinie)
    • Konkrete Ambidextrie-Piloten: Kombination von Effizienzprojekt und Innovationsprojekt
    • Laufende Reflexion: Was funktioniert, wo hakt es?
  6. Skalierung und Verstetigung
    • Erfolgreiche Muster in andere Bereiche übertragen
    • Anpassung von Governance, KPIs und Struktur auf Gesamtunternehmensebene
    • Ambidextrie als dauerhaftes Führungsprinzip verankern

Ambidextrie in Projekten und Portfolios

Für Projektleiter und PMOs ist Ambidextrie besonders relevant, weil sie sich direkt im Projektportfolio widerspiegelt.

Ambidextre Projektlandschaft gestalten

Typische Fragen:

Ein ambidextres Portfolio berücksichtigt beispielsweise:

Projektmanagement-Ansätze differenziert einsetzen

Ambidextres Projektmanagement bedeutet, bewusst das richtige Vorgehensmodell pro Projekttyp zu wählen und im Portfolio die Balance zu steuern.


Kennzahlen und Steuerung einer ambidextren Organisation

Ambidextrie erklärt auch, warum klassische KPI-Sets oft nicht ausreichen: Sie sind meist stark auf Exploitation ausgerichtet.

Typische Exploitation-Kennzahlen

Typische Exploration-Kennzahlen

Ambidextre Steuerung in der Praxis

Entscheidend ist, dass explorative Einheiten nicht an rein exploitationsorientierten Kennzahlen gemessen werden – sonst werden Innovation und Risikoaversion unbewusst bestraft.


Typische Stolpersteine und wie Sie sie vermeiden

Bei der Einführung von Ambidextrie tauchen in vielen Unternehmen ähnliche Probleme auf.

Häufige Stolpersteine:

Ambidextrie funktioniert nur, wenn das Top-Management bereit ist, echte Zielkonflikte auszuhalten und transparent zu machen.


Häufige Fragen rund um Ambidextrie

Was ist Ambidextrie einfach erklärt?
Ambidextrie bedeutet, dass ein Unternehmen gleichzeitig sein bestehendes Kerngeschäft effizient betreibt (Exploitation) und neue Chancen durch Innovation und Experimente erkundet (Exploration) – beides wird bewusst organisiert und gesteuert.

Warum ist Ambidextrie wichtig?
Weil reine Effizienzorientierung in stabilen Märkten zwar funktioniert, aber in dynamischen, digitalen Märkten nicht mehr genügt. Unternehmen brauchen beides: Kurzfristige Performance und langfristige Erneuerungsfähigkeit.

Wie unterscheidet sich organisationale Ambidextrie von persönlicher Ambidextrie?
Persönliche Ambidextrie beschreibt die Fähigkeit einer Führungskraft oder Person, zwischen unterschiedlichen Denkmustern und Aufgaben zu wechseln. Organisationale Ambidextrie fokussiert auf Strukturen, Prozesse und Kultur der gesamten Organisation.

Braucht jedes Unternehmen Ambidextrie?
Nicht jedes Unternehmen braucht den gleichen Ausprägungsgrad. Aber praktisch alle Organisationen profitieren davon, bewusst zu entscheiden, wo mehr Exploration nötig ist und wo Exploitation im Vordergrund stehen soll.

Wie lange dauert es, Ambidextrie aufzubauen?
Die Einführung ist kein kurzfristiges Projekt. Erste sichtbare Ergebnisse können innerhalb von 6–18 Monaten entstehen (z. B. durch Piloten), die volle Verankerung als dauerhaftes Führungsprinzip dauert meist mehrere Jahre.


Fazit Ambidextrie erklärt: Ambidextrie als zentrale Führungsaufgabe

Ambidextrie erklärt das Kernproblem moderner Unternehmen: Wie können wir zugleich stabil und innovativ sein? Die Antwort liegt nicht in der Wahl von „entweder Effizienz oder Innovation“, sondern im bewussten Gestalten eines Sowohl-als-auch:

Für Entscheider, Projektmanager und Führungskräfte bedeutet das: Ambidextrie ist keine Aufgabe „der Innovationseinheit“, sondern ein zentrales Element moderner Unternehmensführung.

Wenn Sie prüfen möchten, wie ambidextre Ihr Unternehmen heute bereits ist und wo konkrete Hebel zur Verbesserung liegen, kann ein externer Sparringspartner helfen – etwa für eine Ambidextrie-Reifegradanalyse, die Gestaltung Ihres Projektportfolios oder die Begleitung eines Piloten. Die PURE Consultant unterstützt Organisationen genau in diesen Fragestellungen und entwickelt gemeinsam mit Ihnen ein Vorgehen, das zu Ihrer Struktur, Kultur und Strategie passt.

Weitere Einträge