SCORE Modell vs. GROW Modell

SCORE Modell vs. GROW Modell – Zu viele Modelle, zu wenig Zeit: Führungskräfte, Projektleiter und Coaches sollen „mal eben“ ein schwieriges Mitarbeitergespräch führen, einen festgefahrenen Workshop moderieren oder ein komplexes Projektproblem lösen – und stehen vor einem Dschungel an Methoden. Zwei der meistgenannten Frameworks sind das SCORE-Modell und das GROW-Modell. Beide versprechen Struktur im Gespräch, zielen aber auf unterschiedliche Situationen.
Dieser Beitrag zeigt präzise, worin sich SCORE vs. GROW unterscheiden, wie Sie beide Modelle in Management, Projekten und Change-Vorhaben konkret einsetzen – und wie Sie schnell entscheiden, welches Modell im jeweiligen Fall den größeren Hebel bietet.

SCORE Modell vs. GROW Modell
SCORE Modell vs. GROW Modell

Kurzüberblick: SCORE und GROW in 60 Sekunden

SCORE-Modell – Kurzdefinition
SCORE ist ein systemisches Analyse- und Veränderungsmodell. Es strukturiert komplexe Situationen entlang von fünf Dimensionen: Symptom, Cause, Outcome, Resource, Effect. Ziel ist, Ursachen und Wechselwirkungen besser zu verstehen und tragfähige Lösungen zu entwickeln.

GROW-Modell – Kurzdefinition
GROW ist ein Coaching- und Gesprächsleitfaden mit vier Phasen: Goal, Reality, Options, Will. Es hilft, Ziele zu klären, die aktuelle Realität zu prüfen, Handlungsoptionen zu entwickeln und konkrete Schritte zu vereinbaren.

Vereinfacht gesagt:


Was ist das SCORE-Modell?

Herkunft und Grundidee

Das SCORE-Modell stammt aus der systemischen Arbeit bzw. dem NLP-Kontext und wird vor allem in Coaching, Organisationsentwicklung und Change-Management eingesetzt. Die Grundannahme:
Probleme lassen sich nicht isoliert lösen, sondern nur im Zusammenspiel von Symptomen, Ursachen, Zielen, Ressourcen und langfristigen Effekten verstehen.

SCORE hilft, genau diese Zusammenhänge sichtbar und besprechbar zu machen – ideal in Situationen, in denen „einfache“ Lösungsansätze immer wieder scheitern.

Die 5 Elemente von SCORE

SCORE steht für:

  1. Symptom – Was ist sichtbar?
    • Welche Probleme, Konflikte oder Leistungseinbrüche treten auf?
    • Wie zeigt sich das im Alltag (KPIs, Verhalten, Stimmung)?
  2. Cause (Ursache) – Was steckt dahinter?
    • Welche Strukturen, Prozesse, Anreizsysteme, Glaubenssätze oder Rahmenbedingungen verursachen die Symptome?
    • Welche Muster wiederholen sich?
  3. Outcome (Zielzustand) – Wohin wollen wir?
    • Wie sieht eine wünschenswerte Zukunft ohne das aktuelle Problem aus?
    • Woran würde man den Erfolg konkret erkennen?
  4. Resource (Ressourcen) – Was unterstützt uns?
    • Welche Stärken, Kompetenzen, Personen, Budgets, Tools und Erfahrungen stehen zur Verfügung?
    • Was hat in ähnlichen Situationen früher funktioniert?
  5. Effect (Auswirkungen) – Welche Folgen hat die Veränderung?
    • Was ändert sich, wenn wir das Ziel erreichen – für Team, Organisation, Kunden?
    • Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?

Diese Struktur zwingt dazu, vom kurzfristigen Problemfokus weg hin zu einem ganzheitlichen Blick zu wechseln.

Typische Einsatzfelder im Business-Kontext

SCORE eignet sich besonders für:

Kurz: Wenn die Situation komplex, mehrdeutig und emotional aufgeladen ist, liefert SCORE Klarheit und Systematik.

Mini-Beispiel: SCORE in einem Projekt-Review

Ausgangslage: Ein IT-Projekt ist zum dritten Mal in Verzug.

Diese Struktur verhindert, dass man nur über „mehr Ressourcen“ oder „bessere Planung“ spricht – und blendet strukturelle Themen nicht aus.


Was ist das GROW-Modell?

Herkunft und Grundidee

Das GROW-Modell ist eines der bekanntesten Coaching-Frameworks im Business-Kontext (u. a. geprägt durch Sir John Whitmore). Es wird von Führungskräften, Projektleitern und (Agile) Coaches eingesetzt, um Gespräche zielorientiert und gleichzeitig partnerschaftlich zu führen.

Kernidee: Durch gezielte Fragen führt die begleitende Person den Coachee/das Gegenüber von einer oft diffusen Ausgangssituation hin zu einem klaren Ziel und konkreten nächsten Schritten.

Die 4 Phasen von GROW

GROW steht für:

  1. Goal (Ziel) – Was soll erreicht werden?
    • Welches Ergebnis möchten Sie konkret?
    • Woran würden Sie merken, dass Sie erfolgreich waren?
  2. Reality (Realität) – Was ist die aktuelle Situation?
    • Wie sieht die Lage derzeit aus?
    • Was wurde schon versucht? Was funktioniert, was nicht?
  3. Options (Optionen) – Welche Möglichkeiten gibt es?
    • Welche Handlungsoptionen sehen Sie?
    • Welche Alternativen gibt es, die Sie bisher noch nicht berücksichtigt haben?
  4. Will / Way forward (Wille / Weg nach vorn) – Was passiert jetzt?
    • Wofür entscheiden Sie sich konkret?
    • Welche ersten Schritte setzen Sie bis wann um?

Der Gesprächsleitfaden ist bewusst einfach gehalten – und gerade dadurch in der Praxis sehr wirksam.

Typische Einsatzfelder im Business-Kontext

GROW passt besonders gut zu:

Kurz: Immer dann, wenn ein Mensch oder ein kleines Team ein klares Ziel braucht und bereit ist, Verantwortung für nächste Schritte zu übernehmen, spielt GROW seine Stärken aus.


Gemeinsamkeiten und Unterschiede – SCORE vs. GROW im direkten Vergleich

Gemeinsame Basis

Beide Modelle …

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

1. Fokus

2. Startpunkt

3. Komplexität

4. Zeithorizont

5. Einsatzformate


Wann SCORE, wann GROW? Entscheidungshilfe für die Praxis

Verwenden Sie GROW, wenn …

Verwenden Sie SCORE, wenn …

Eine einfache Leitfrage:

„Geht es primär um eine Person / ein kleines Team und deren Ziel + nächste Schritte?“
→ Eher GROW.

„Geht es um ein komplexes System mit vielen Faktoren und Beteiligten?“
→ Eher SCORE.

Beide Modelle schließen sich nicht aus: Oft macht ein SCORE-Workshop sichtbar, welche Themen anschließend in GROW-Coachings weiterbearbeitet werden sollten.


Schritt-für-Schritt: SCORE-Workshop moderieren

Vorbereitung

Ablauf in 5 Schritten

  1. Symptome sammeln
    • Frage: „Welche Probleme beobachten Sie konkret?“
    • Alle Symptome auf Karten/Notizen, dann clustern
    • Wichtig: keine Ursachen-Diskussion in diesem Schritt
  2. Ursachen erkunden
    • Frage: „Was könnte diese Symptome verursachen?“
    • Ebenfalls sammeln und verdichten (Prozesse, Strukturen, Verhalten, Kultur, externe Faktoren)
  3. Outcome definieren
    • Frage: „Wie sähe eine deutlich bessere Situation in 12–24 Monaten aus?“
    • Konkrete, beobachtbare Ziele formulieren (KPIs, Verhaltensindikatoren)
  4. Ressourcen identifizieren
    • Frage: „Was haben wir bereits an Stärken, Erfahrungen, Personen, Budgets, Tools?“
    • Zusätzlich: „Was hat in ähnlichen Fällen gut funktioniert?“
  5. Effekte reflektieren
    • Frage: „Welche positiven Folgen hätte es, wenn wir den Zielzustand erreichen?“
    • Ggf. auch: „Welche Risiken oder Nebenwirkungen müssten wir mitdenken?“

Aus dieser Struktur lassen sich anschließend priorisierte Maßnahmenpakete ableiten (z. B. Maßnahmen-Backlog mit Verantwortlichen und Zeithorizont).

Typische SCORE-Fragen für die Moderation


Schritt-für-Schritt: GROW im Führungs- oder Projektgespräch einsetzen

Vorbereitung

Leitfragen je GROW-Phase

1. Goal – Ziel klären

2. Reality – Realität prüfen

3. Options – Möglichkeiten entwickeln

4. Will / Way forward – Umsetzung festlegen

Typische Stolperfallen mit GROW – und wie Sie sie vermeiden


Praxisbeispiele: SCORE vs. GROW in Projekten und Change

Beispiel 1: SCORE im Organisationsentwicklungsprojekt

Situation: Ein Unternehmen erlebt hohe Fluktuation im mittleren Management, steigende Krankentage und sinkende Mitarbeiterzufriedenheit.

Mit SCORE werden zunächst Symptome gesammelt (Abgänge, Burn-out-Risiko, Überlastung). In der Ursachenanalyse zeigt sich ein Mix aus widersprüchlichen Zielsystemen, unklaren Rollen und einer stark zahlengetriebenen Kultur. Im Outcome definieren Führungsteam und HR ein Zielbild „attraktiver Arbeitgeber mit klaren Führungsleitlinien“.
Über Ressourcen (bestehende interne Programme, erfahrene Führungskräfte, externe Begleitung) und Effekte (bessere Arbeitgebermarke, geringere Recruitingkosten, stabilere Teams) entsteht ein konkreter Transformationsfahrplan.

Beispiel 2: GROW im Projektleiter-Coaching

Situation: Eine Projektleiterin ist unsicher, wie sie mit einem leistungsstarken, aber dominanten Teammitglied umgehen soll, das andere im Meeting übergeht.

Mit GROW wird zunächst das Ziel geschärft („konstruktive Zusammenarbeit im Team, in der alle zu Wort kommen“). In der Realität werden konkrete Situationen beschrieben, inklusive dessen, was bereits gut funktioniert. Mit der Optionsphase entstehen mehrere Handlungswege: direktes Feedback-Gespräch, Anpassung der Meetingstruktur, Bilaterale Abstimmung im Vorfeld kritischer Termine. In der Will-Phase entscheidet sich die Projektleiterin für ein vorbereitetes Feedback-Gespräch plus neue Meeting-Regeln und terminiert diese Schritte verbindlich.


Häufige Fragen zu SCORE vs. GROW

Welches Modell ist „besser“ – SCORE oder GROW?
Keines der beiden Modelle ist generell überlegen. SCORE ist besser für komplexe, systemische Fragestellungen geeignet, GROW für fokussierte Ziel- und Entwicklungsgespräche. Entscheidend ist der Kontext, nicht das Etikett.

Kann ich SCORE und GROW kombinieren?
Ja. Häufig entsteht in einem SCORE-Workshop Klarheit über die wesentlichen Hebel und Verantwortlichen. Anschließend können GROW-Gespräche mit Schlüsselpersonen helfen, Verantwortung zu klären und individuelle Entwicklungsschritte zu planen.

Wie lange dauert ein typischer SCORE-Prozess?
Ein erster SCORE-Workshop kann je nach Umfang zwischen zwei Stunden und einem Arbeitstag dauern. Die Umsetzung der abgeleiteten Maßnahmen ist dann ein eigener, oft mehrmonatiger Prozess.

Ist GROW nur etwas für Coaches – oder auch für Führungskräfte?
GROW ist explizit auch für Führungskräfte, Projektleiter und Agile Coaches geeignet. Es ist ein strukturierter Fragenrahmen, kein „Therapiewerkzeug“. Die Haltung – unterstützend, nicht bevormundend – ist allerdings entscheidend für die Wirkung.

Brauche ich für SCORE vs. GROW spezielle Zertifizierungen?
Es gibt Weiterbildungen und Zertifikate, sie sind aber nicht zwingend erforderlich. Für wirksame Anwendung braucht es vor allem Übung, Reflexion und eine stimmige Einbettung in den Unternehmenskontext.


Fazit SCORE Modell vs. GROW Modell: Welches Modell bringt Sie weiter?

SCORE und GROW beantworten unterschiedliche Managementfragen:

Wer als Entscheider, Projektleiter oder Führungskraft beide Modelle souverän beherrscht, verfügt über einen flexiblen Werkzeugkasten – vom tiefgehenden Organisationsworkshop bis zum kompakten 30-Minuten-Coaching.

Wenn Sie SCORE und GROW nicht nur als „Methoden“, sondern als festen Bestandteil Ihrer Führungs- und Projektkultur etablieren möchten, lohnt sich ein strukturierter Ansatz: Trainings für Führungskräfte, Begleitung von Schlüsselprojekten und sparringsstarke Beratung. PURE Consultant unterstützt Sie dabei, die passenden Formate zu wählen, praxistaugliche Templates zu entwickeln und erste Anwendungsfälle in Ihrem Unternehmen gezielt zu begleiten – damit SCORE und GROW dort Wirkung entfalten, wo es zählt: im Alltag Ihrer Teams und Projekte.

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