Quick Win erklärt

Quick Win erklärt – Schnelle, sichtbare Fortschritte sind in Projekten und im Tagesgeschäft selten – aber genau das, was Management, Projektteams und Stakeholder einfordern. Der Begriff „Quick Win“ taucht dabei überall auf, wird aber oft unscharf verwendet. Das führt zu falschen Erwartungen, Strohfeuer-Effekten und überladenen Maßnahmenlisten.

Dieser Beitrag erklärt, was ein Quick Win wirklich ist, welche Kriterien erfüllt sein müssen, wie Sie echte Quick Wins systematisch identifizieren, priorisieren und umsetzen – und wie Sie sie gezielt in Projekt- und Veränderungsvorhaben einsetzen, ohne sich zu verzetteln.

Quick Win erklärt
Quick Win erklärt

Was ist ein Quick Win?

Ein Quick Win ist eine Maßnahme, die mit geringem Aufwand in kurzer Zeit umgesetzt werden kann und dabei klar wahrnehmbaren Nutzen für relevante Stakeholder liefert.

Kurzdefinition:
Ein Quick Win ist eine schnell realisierbare Verbesserung mit überschaubarem Risiko und deutlich spürbarem Mehrwert.

Wichtige Merkmale im Überblick:

Synonyme bzw. verwandte Begriffe, die häufig verwendet werden:

Nicht jeder „schnelle Erfolg“ ist allerdings ein echter Quick Win – dazu später mehr.


Warum Quick Wins für Entscheider und Projektleiter so wichtig sind

Quick Wins sind kein Nice-to-have, sondern ein wichtiges Führungs- und Projektinstrument. Sie unterstützen Sie auf mehreren Ebenen:


Wo Quick Wins besonders sinnvoll sind

Quick Wins können in fast jedem Bereich Wirkung entfalten. Besonders häufig und wirksam sind sie in folgenden Kontexten:

1. Projektmanagement

2. Prozessoptimierung & Operations

3. IT & Digitalisierung

4. Vertrieb & Marketing (B2B)

5. HR & interne Zusammenarbeit

Überall dort, wo wiederkehrende Tätigkeiten, Medienbrüche oder unnötige Schleifen auftreten, finden Sie typischerweise viele Quick-Win-Potenziale.


Kriterien: Woran Sie echte Quick Wins erkennen

Nicht jede Idee, die „gut klingt“, ist ein Quick Win. Um systematisch zu unterscheiden, haben sich drei Kernkriterien bewährt: Nutzen, Aufwand und Risiko/Komplexität.

1. Nutzen

Fragen Sie:

Typische Nutzenarten:

2. Aufwand

Bewerten Sie den Aufwand realistisch:

Als Quick Win geeignet sind in der Regel Maßnahmen, die:

3. Risiko und Komplexität

Stellen Sie sich u. a. folgende Fragen:

Ein Quick Win sollte überschaubare Risiken haben und keine komplexe Koordination über viele Bereiche erfordern.


Praxiswerkzeug: Einfache Bewertungsmatrix für Quick Wins

Um Ideen systematisch zu prüfen, hat sich eine einfache Nut­zen-Auf­wand-Matrix bewährt. Vorgehen:

  1. Legen Sie drei Bewertungskriterien fest:
    • Nutzen (1 = gering, 5 = sehr hoch)
    • Aufwand (1 = sehr hoch, 5 = sehr gering)
    • Risiko/Komplexität (1 = hoch, 5 = sehr gering)
  2. Bewerten Sie jede potenzielle Maßnahme auf einer Skala von 1 bis 5.
  3. Bilden Sie einen Quick-Win-Score, z. B.:
    Score = Nutzen + Aufwand + Risiko
    (wobei ein hoher Aufwand bzw. hohes Risiko mit niedrigem Wert abgebildet wird, wie oben beschrieben).
  4. Definieren Sie eine Schwelle, ab der eine Maßnahme als Quick Win gilt, z. B.:
    • Score ≥ 11 von 15 Punkten
    • Umsetzung in ≤ 4 Wochen realistisch
  5. Visualisieren Sie das Ergebnis in einer 2×2-Matrix:
    • hoher Nutzen / geringer Aufwand = Quick Wins
    • hoher Nutzen / hoher Aufwand = strategische Projekte
    • geringer Nutzen / geringer Aufwand = „Nice to have“
    • geringer Nutzen / hoher Aufwand = aus der Liste streichen

So wird aus vagen „Wir bräuchten mal ein paar Quick Wins“-Rufen ein strukturiertes Portfolio.


Schritt-für-Schritt: So identifizieren und realisieren Sie Quick Wins

Schritt 1: Zielbild und Rahmen klären

Bevor Sie Ideen sammeln, definieren Sie:

Ohne klaren Rahmen entstehen Maßnahmen, die zwar nett sind, aber das eigentliche Problem nicht adressieren.

Schritt 2: Ideen sammeln – fokussiert, aber breit

Nutzen Sie das Wissen der Praktiker:

Hilfreiche Leitfragen:

Ergebnis: Eine ungefilterte Liste potenzieller Quick Wins.

Schritt 3: Bewerten und priorisieren

Wenden Sie jetzt die Bewertungsmatrix an:

Wichtig: Weniger ist mehr.
Zu viele parallele Quick-Win-Projekte überlasten Teams und verwässern die Wirkung.

Schritt 4: Verantwortlichkeiten und Umsetzung klären

Für jede ausgewählte Quick-Win-Maßnahme definieren Sie:

Oft reicht eine sehr schlanke Planung:

Schritt 5: Erfolge sichtbar machen und verstetigen

Ein Quick Win ist erst dann wirklich wertvoll, wenn:

Dazu gehören:

So stärken Sie Bereitschaft für weitere Verbesserungen und erzeugen eine positive Dynamik.


Typische Beispiele für Quick Wins im Unternehmensalltag

Zur Einordnung einige typische Szenarien aus Management, Projektarbeit und IT:

Beispiel 1: Projektstatus-Meetings verschlanken

Ausgangslage: Wöchentliches Projektstatus-Meeting mit 20 Teilnehmenden, 90 Minuten Dauer, unklare Entscheidungen.

Quick Win:

Ergebnis: Kürzere Meetings, höhere Verbindlichkeit, klare Verantwortlichkeiten.

Beispiel 2: Standardisierte Angebotsvorlagen im Vertrieb

Ausgangslage: Jeder Vertriebsmitarbeiter erstellt Angebote individuell; Qualität und Dauer schwanken stark.

Quick Win:

Ergebnis: Schnellere Angebotserstellung, weniger Fehler, professioneller Auftritt.

Beispiel 3: Zugriffsrechte in IT-Systemen

Ausgangslage: Neue Mitarbeitende warten Tage auf vollständige Zugriffsrechte, Onboarding verzögert sich.

Quick Win:

Ergebnis: Deutlich verkürzte Onboarding-Zeit, geringerer Administrationsaufwand.

Beispiel 4: Checklisten für wiederkehrende Aufgaben

Ausgangslage: Regelmäßig passieren die gleichen Fehler bei Monatsabschlüssen oder Veröffentlichungen.

Quick Win:

Ergebnis: Weniger Nacharbeiten, höhere Prozesssicherheit.


Was kein Quick Win ist – typische Fehlinterpretationen

Viele Organisationen etikettieren alles, was „nett wäre“, als Quick Win. Das führt zu Überforderung und Frust. Typische Fehlannahmen:

Konsequenz: Nennen Sie Dinge nur dann Quick Win, wenn sie die oben beschriebenen Kriterien erfüllen. Das schützt vor enttäuschten Erwartungen.


Risiken und Stolperfallen bei Quick Wins

Auch gut gemeinte Quick Wins können negative Effekte haben, wenn sie unkontrolliert eingesetzt werden.

Typische Risiken:

Best Practice:


Quick Wins im Projekt- und Change-Management gezielt nutzen

Richtig eingesetzt, sind Quick Wins ein starker Hebel in Projekten und Veränderungsprozessen.

Im Projektmanagement

Im Change-Management

Wichtig: Quick Wins ersetzen kein sauberes Change-Design – sie unterstützen und verstärken es.


Häufige Fragen zu Quick Wins

Wie viele Quick Wins sollte man gleichzeitig verfolgen?

Für die meisten Teams ist es sinnvoll, 3–5 Quick-Win-Maßnahmen parallel aktiv zu bearbeiten. Mehr führt oft zu Streuung und Ineffizienz. Wichtig ist, regelmäßig abzuschließen statt ständig Neues zu starten.

Worin unterscheiden sich Quick Wins und „Low Hanging Fruits“?

„Low Hanging Fruit“ beschreibt allgemein leicht erreichbare Chancen. Ein Quick Win ist eine konkret definierte Maßnahme, die diese Chance aufgreift und in kurzer Zeit in ein sichtbares Ergebnis überführt. Nicht jede Low Hanging Fruit wird automatisch zu einem Quick Win – es braucht Struktur und Umsetzung.

Sind Quick Wins auch in stark regulierten Branchen möglich?

Ja, aber die Spielräume sind enger. In regulierten Umfeldern (z. B. Finanzwesen, Pharma, Energie) liegen Quick Wins oft:

Hier sind saubere Risikoabwägung und Abstimmung umso wichtiger.

Wie messe ich den Erfolg eines Quick Wins?

Definieren Sie vorab, was „Erfolg“ bedeutet:

Auch qualitative Indikatoren (z. B. deutlich weniger Rückfragen aus Fachbereichen) sind legitim, sollten aber möglichst nachvollziehbar dokumentiert werden.


Fazit Quick Win erklärt: Quick Wins bewusst als Führungsinstrument nutzen

Quick Wins sind weit mehr als „kleine Verbesserungen“. Richtig verstanden und eingesetzt, sind sie:

Entscheidend ist die Klarheit in der Definition, die systematische Identifikation und eine fokussierte Umsetzung. Wenn Sie gezielt wenige, aber wirkungsvolle Quick Wins auswählen, priorisieren und sichtbar machen, schaffen Sie eine Kultur kontinuierlicher Verbesserung, die weit über einzelne Maßnahmen hinaus wirkt.

Wenn Sie Ihre Organisation, Ihr Projektportfolio oder einzelne Bereiche strukturiert nach Quick-Win-Potenzialen durchleuchten und in eine belastbare Roadmap überführen möchten, lohnt sich ein externer Blick. Erfahrene Berater – etwa von PURE Consultant – unterstützen dabei, echte Quick Wins von Scheinlösungen zu trennen, Maßnahmen zu priorisieren und mit Ihren strategischen Zielen zu verzahnen.

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