Brainstorming erklärt

Brainstorming erklärt – Brainstorming gehört zu den bekanntesten Kreativtechniken – und ist zugleich eine der am häufigsten falsch angewendeten. In vielen Unternehmen bedeutet es: „Wir setzen uns zusammen und sammeln spontan Ideen.“ Das Ergebnis: viel Gerede, wenig Substanz. Richtig eingesetzt ist Brainstorming jedoch ein äußerst wirkungsvolles Werkzeug, um Probleme zu lösen, Innovationen zu entwickeln und Teams zu aktivieren. Dieser Beitrag erklärt Brainstorming fundiert, praxisnah und verständlich – mit klarer Definition, Regeln, Varianten, Beispielen und konkreten Schritt-für-Schritt-Anleitungen für den Einsatz in Projekten, Teams und Organisationen.

Brainstorming erklärt
Brainstorming erklärt

Was ist Brainstorming?

Brainstorming ist eine strukturierte Kreativtechnik, bei der eine Gruppe in kurzer Zeit möglichst viele Ideen zu einer klar definierten Fragestellung sammelt – ohne Bewertung in der ersten Phase.

Kernelemente dabei sind:

Ziel ist es, in kurzer Zeit eine breite Palette an Lösungsansätzen, Perspektiven und Denkansätzen zu erzeugen, die im Anschluss geordnet, bewertet und weiterentwickelt werden.


Wofür eignet sich Brainstorming – und wofür nicht?

Brainstorming eignet sich besonders für Situationen, in denen:

Weniger geeignet ist Brainstorming, wenn:


Ziele und Nutzen von Brainstorming in Projekten und Unternehmen

Richtig eingesetzt bietet Brainstorming deutlichen Mehrwert für Entscheider, Projektleiter und Führungskräfte:

Für Projektmanager ist Brainstorming ein bewährtes Werkzeug in Phasen wie Anforderungsworkshops, Risikomanagement, Sprint Planning, Retrospektiven oder Lessons Learned.


Voraussetzungen für wirksames Brainstorming

Damit Brainstorming mehr ist als „lautes Denken im Raum“, sollten einige Rahmenbedingungen erfüllt sein.

1. Klar definierte Fragestellung

Die Qualität der Ideen hängt stark von der Qualität der Frage ab. Gute Brainstorming-Fragen sind:

2. Passender Teilnehmerkreis

Die Gruppe sollte:

3. Qualifizierte Moderation

Die Moderation sorgt für:

4. Geeigneter Rahmen


Ablauf: Brainstorming in 6 Schritten

Ein professionell durchgeführtes Brainstorming lässt sich in sechs klare Schritte gliedern:

  1. Ziel und Fragestellung klären
    • Problem und Zielbild kurz erläutern
    • zentrale Brainstorming-Frage formulieren und sichtbar machen
  2. Regeln und Ablauf erklären
    • Dauer und Phasen erläutern
    • No-Respect-Killer-Phrasen („Das geht nicht“, „Das haben wir schon probiert“) ausschließen
  3. Ideenfindungsphase (Divergenz)
    • 10–20 Minuten reine Ideensammlung
    • alle Vorschläge werden notiert, keine Kommentare, keine Bewertung
    • Quantität vor Qualität: lieber viele, auch ungewöhnliche Ideen
  4. Clustern und Strukturieren
    • ähnliche Ideen zusammenfassen
    • Kategorien bilden (z. B. Prozesse, Technik, Organisation, Kunde)
  5. Bewertung und Priorisierung (Konvergenz)
    • einfache Bewertungsverfahren (Punktevoting, Impact-Effort-Matrix, Must-have vs. Nice-to-have)
    • Kriterien transparent machen (Kosten, Nutzen, Machbarkeit, Risiko)
  6. Nächste Schritte festlegen
    • ausgewählte Ideen in konkrete Maßnahmen übersetzen
    • Verantwortlichkeiten, Zeitrahmen und erste To-dos definieren

Die wichtigsten Regeln für gutes Brainstorming

Damit Brainstorming funktioniert, braucht es klare Spielregeln. Die klassischen Grundsätze lassen sich so zusammenfassen:

Die Moderation sollte diese Regeln zu Beginn sichtbar machen (Flipchart, Folie, Miro-Board) und im Verlauf konsequent einfordern.


Varianten von Brainstorming: Methoden und Formate

Brainstorming ist heute ein Oberbegriff für zahlreiche Kreativmethoden. Je nach Ziel, Team und Rahmenbedingungen können unterschiedliche Varianten sinnvoll sein.

Klassisches mündliches Brainstorming

Vorteil: hohe Dynamik, spontane Assoziationen.
Nachteil: Dominanz lauter Stimmen, stille Personen beteiligen sich weniger.

Brainwriting: schriftliche Ideensammlung

Beim Brainwriting schreiben alle Teilnehmenden ihre Ideen zunächst still und parallel auf – z. B. auf Karten oder in ein digitales Board.

Typische Formate:

Vorteile:

Digitales und Remote-Brainstorming

Für verteilte Teams oder hybride Meetings bietet sich Online-Brainstorming an, z. B. mit:

Best Practices:

Silent Brainstorming

Hier wird bewusst auf mündliche Diskussion verzichtet:

Vorteil: sehr fokussiert, vermeidet „Schnellschüsse“ durch dominante Personen.

Reverse Brainstorming

Statt zu fragen: „Wie lösen wir Problem X?“, wird gefragt:

Die Gruppe sammelt bewusst „negative“ Ideen und kehrt diese anschließend ins Positive um. Das ist besonders hilfreich, um Risiken und Schwachstellen aufzudecken.

Brainstorming im Rahmen von Design Thinking

In Design-Thinking-Prozessen ist die Ideation-Phase meist eine strukturierte Form von Brainstorming, oft kombiniert mit:

Der Vorteil: Die Ideensammlung ist eingebettet in einen klaren Gesamtprozess von Problemverständnis, Nutzerfokus und Prototyping.


Typische Fehler beim Brainstorming – und wie Sie sie vermeiden

Viele Brainstorming-Sessions scheitern an immer gleichen Problemen. Häufige Fehler sind:


Beispiele aus der Praxis: Brainstorming im Projektalltag

Beispiel 1: Prozessoptimierung im Kundenservice

Ausgangslage: Lange Bearbeitungszeiten im 2nd-Level-Support eines IT-Dienstleisters.

Vorgehen:

Ergebnisse (Auszug):

Aus 30+ Ideen wurden 5 priorisierte Maßnahmen, die im Projektplan umgesetzt wurden.

Beispiel 2: Produktideen im SaaS-Unternehmen

Ausgangslage: Ein SaaS-Anbieter sucht neue Features für das kommende Release.

Vorgehen:

Ergebnisse (Auszug):

Die priorisierten Ideen flossen in die Roadmap ein und wurden mit Kundenvalidierung verknüpft.

Beispiel 3: Change- und Transformationsprojekte

In Transformationsprojekten (z. B. Einführung agiler Methoden, Reorganisation) wird Brainstorming u. a. genutzt für:

Hier ist besonders wichtig, verschiedene Hierarchiestufen und Standorte einzubinden – oft über eine Kombination aus Workshops vor Ort und digitalen Brainstorming-Sessions.


Bewertung und Priorisierung: Was passiert nach dem Brainstorming?

Die Ideensammlung ist nur der erste Schritt. Entscheidend ist, wie aus vielen Ideen umsetzbare Maßnahmen werden.

Bewährte einfache Methoden:

  1. Punktevoting (Dot Voting)
    • jeder Teilnehmende erhält z. B. 3–5 Punkte
    • Punkte werden auf die aus seiner Sicht wichtigsten Ideen verteilt
    • ergibt ein klares Stimmungsbild in der Gruppe
  2. Impact-Effort-Matrix
    • Ideen werden anhand von Nutzen (Impact) und Aufwand (Effort) in 4 Felder eingeordnet:
      • Quick Wins (hoher Impact, geringer Aufwand)
      • strategische Hebel (hoher Impact, hoher Aufwand)
      • „Low-Hanging Fruit“ (mittlerer Impact, geringer Aufwand)
      • eher zu vernachlässigende Ideen
  3. Bewertung nach klaren Kriterien
    • z. B. Kundennutzen, Wirtschaftlichkeit, Umsetzbarkeit, Risiko, Fit zur Strategie
    • einfache Skalen (1–5) je Kriterium
  4. Must-have / Should-have / Could-have
    • Ideen in diese drei Kategorien einordnen
    • Grundlage für Roadmap oder Maßnahmenplan

Wichtig ist, dass die Entscheidung transparent und nachvollziehbar erfolgt – insbesondere, wenn nicht alle hoch bewerteten Ideen sofort umgesetzt werden können.


Checkliste: In 10 Minuten ein wirksames Brainstorming vorbereiten

Wer regelmäßig Workshops, Projekte oder Teamsitzungen leitet, braucht eine pragmatische Vorbereitung. Folgende Schritte lassen sich in rund 10 Minuten erledigen:

  1. Ziel und Brainstorming-Frage schriftlich formulieren
  2. Teilnehmerkreis prüfen und ggf. ergänzen
  3. Zeitfenster und Agenda festlegen (z. B. 10 Min Brainwriting, 15 Min Clustern, 15 Min Bewertung)
  4. Entscheidung für eine Methode treffen (klassisch, Brainwriting, remote)
  5. Vorlage vorbereiten (Whiteboard, Flipchart, digitales Board mit Spalten/Kategorien)
  6. Regeln in Stichpunkten notieren und sichtbar machen
  7. Bewertungsmethode auswählen (Punktevoting, Matrix)
  8. Dokumentation klären (Fotos, Export des Boards, Protokoll)
  9. Einladung mit Ziel, Fragestellung und Rahmen verschicken
  10. Raum bzw. Technik rechtzeitig testen

Mit dieser Minimalvorbereitung steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass Brainstorming-Sessions zu belastbaren, umsetzbaren Ergebnissen führen.


Brainstorming in der Führungspraxis: Rolle von Führungskräften und Projektleitern

Für Führungskräfte und Projektmanager ist Brainstorming mehr als eine Methode – es ist ein Instrument, um Beteiligung, Verantwortung und Ownership im Team zu stärken.

Worauf Sie achten sollten:

So wird aus Brainstorming kein Ritual, sondern ein wirksames Element der Führungs- und Projektpraxis.


Unterstützung bei der Einführung professioneller Brainstorming-Formate

Viele Organisationen nutzen Brainstorming bereits – jedoch oft unstrukturiert und mit wechselnder Qualität. Wer Kreativworkshops und Ideation-Sessions systematisch in seine Projekt- und Führungsarbeit integrieren möchte, profitiert von klaren Standards:

Externe Partner wie die PURE Consultant unterstützen dabei, passende Formate zu entwickeln, Workshops zu moderieren und interne Teams gezielt zu befähigen – von der einmaligen Ideation-Session bis zum skalierbaren Methodenset für das gesamte Unternehmen.


Fazit: Brainstorming erklärt – von der spontanen Ideensammlung zum strategischen Werkzeug

Brainstorming ist weit mehr als ein lockeres Ideensammeln. Richtig verstanden und angewendet ist es:

Wer die wesentlichen Erfolgsfaktoren beachtet – klare Fragestellung, passende Gruppe, professionelle Moderation, geeignete Varianten (Brainwriting, Remote, Reverse Brainstorming) und eine saubere Bewertung der Ergebnisse – verwandelt Brainstorming in einen strategischen Hebel für bessere Entscheidungen und wirksame Veränderungen.

Damit wird aus Brainstorming kein Zufallsformat, sondern ein fester Bestandteil professioneller Projekt- und Führungspraxis.

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